Nach alter Tradition

Hintergrund Komödien haben in Italien eine lange Tradition. Im 16. Jahrhundert entwickelte sich die Theaterform der „commedia dell'arte“, wobei im Theater die szenische Wirkung im Mittelpunkt steht und nicht das Aufwerfen und Vertiefen von Problemen
Nach alter Tradition
Simone (Fabio Di Luigi) mit seinen Kollegen von der Steuerfahndung

Foto: 2019 eksystent distribution Filmverleih

„Die Commedia dell’arte entwickelte sich in Italien im 16. Jahrhundert aus traditionellen Zusammenschlüssen von Jahrmarktskünstlern verschiedener Professionen wie buffoni oder ciarlatani (zusammengefasst unter dem Begriff „arte giullaresca“). Hier gelten besonders der venezianische Schauspieler Angelo Beolco, genannt Il Ruzzante („der lärmende Spieler“), und seine Truppe als Urheber. Sie bespielten, im Paduanischem Dialekt und als Bauern verkleidet, die Jahrmärkte, aber auch bereits die Höfe, etwa des Herzogs von Mantua. Weitere Pioniere des Genres waren der Bergamasker Zan Ganassa, der traditionell als Schöpfer der Figur des Arlecchino gilt und dessen Truppe 1570 oder 1571 von einem Künstler aus der Schule des Frans Floris gemalt wurde, wohl das früheste Bildzeugnis der Commedia dell´arte überhaupt, sowie Flaminio Scala, genannt Flavio bzw. Claudio, der 1611 als erster zusammengefasste Stück-Szenarien im Druck herausgab.

Die Commedia dell´arte erlebte ihren Höhepunkt im 17. und fand ihr Ende im 18. Jahrhundert. Dabei entwickelte sich diese Theaterform zunächst in den beiden HochburgenVenedig(die nördliche Commedia dell’arte) und inNeapel(die südliche Commedia dell’arte). Üblicherweise wurde sie, im Gegensatz zum damaligen gelehrten Prosatheater (dercommedia erudita),dessen DarstellerDilettantenwaren, von professionellen Akteuren betrieben, die im Familienverband agierten. „Professionell“ bedeutet hier, dass sie zum Zweck des Gelderwerbs auftraten, in Gütergemeinschaft zusammenlebten und an den Einnahmen beteiligt waren. Auch durften hier bereits Frauen spielen, was ihnen, außer in der Oper, zur damaligen Zeit verboten war. Die Commedia dell’arte wurde von Wandertruppen wie etwa derCompagnia dei Comici Gelosiüber ganz Europa verbreitet.

Das Zentrum der Commedia dell'arte war im 18. Jahrhundert nicht mehr Italien, sondern Paris, die größte Stadt Europas. Dort war sie auf demPariser Jahrmarktstheaterund in derComédie-Italiennezu sehen. Während der Französischen Revolution wurde die Commedia dell’arte in Frankreich, wo sie seitLudwig XIV.ihren festen Platz hatte, verboten. Verschiedene Quellen berichten aber darüber, dass diese Theaterform schon am Hofe selbst in Ungnade gefallen war, sei es, weil ein Stück nicht genehm war, sei es, weil eine boshafte Bemerkung eines Schauspielers über eine anwesende Adlige das Missfallen des Königs hervorrief. Die Gruppen zogen sich auf die Pariser Jahrmärkte zurück, wo ihnen bald das Wort verboten wurde. Danach hatte die Commedia dell’arte so gut wie nichts mehr mit ihren italienischen Ursprüngen zu tun.

Spätestens in der ZeitNapoléonswar diese einst dominierende europäische Theaterform praktisch verschwunden. Weiter existierte sie nur noch als sogenanntePantomimeauf der Ballettbühne (siehe etwaDer siegende Amor, 1814).

Ihre Geschichte ist eng mit den Ensembles und diese wiederum eng mit den Schauspielern verknüpft. Nachdem sie innerhalb des Rahmens ihrer Figuren eine Perfektion erreicht hatten, wurden diese zunehmend inhaltsleer, während die von der Zensur zunehmend geforderte Fixierung der Texte zu einer Routine führte. Auch der spätere Kontakt zum gehobenen Bürgertum und zum Adel, was dem ursprünglichen Charakter einer Volkskomödie widersprach, sowie die Erstarkung desHoftheatersmögen zum Niedergang beigetragen haben.

Im 20. Jahrhundert wurde die Commedia dell’arte in den unterschiedlichsten Formen in ganz Europa wiederentdeckt und neu belebt.“

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00:08 04.07.2019

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