Von den Gefühlen

Biographien Bille August zählt zu den erfolgreichsten skandinavischen Filmemachern. Einen besonderen Namen hat sich der dänische Regisseur mit opulenten Literaturverfilmungen gemacht
Von den Gefühlen
Foto: Movienet/Sam Emerson

Bille August (Regie)

Bille August, 1948 in Dänemark geboren, machte eine Ausbildung zum Fotografen in Stockholm, bevor er die Nationale Filmhochschule in Dänemark besuchte, die er 1973 als Kameramann abschloss. Heute ist er ein vielfach preisgekrönter Regisseur. Sein Film Pelle, der Eroberer (Dänemark 1987) wurde in Cannes mit der Goldenen Palme ausgezeichnet, erhielt einen Oscar und einen Golden Globe. 1992 wurde ihm die Goldene Palme in Cannes nochmals verliehen: für die Verfilmung des autobiographischen Skripts von Ingmar Bergmans Die besten Absichten, damit gehört Bille August zu den nur sechs Regisseuren, die diesen prestigeträchtigen Preis zweimal gewannen. 

Seit den frühen 1990er-Jahren führte er bei zahlreichen großen internationalen Ko-Produktionen Regie, darunter Das Geisterhaus (1993), Fräulein Smillas Gespür für Schnee (1997) und Goodbye Bafana (2007). Sein jüngstes Werk, Nachtzug nach Lissabon, feierte 2013 bei der Berlinale Premiere. Er drehte jedoch auch immer wieder kleinere, intime Dramen, beispielsweise Jerusalem (1996), die Adaption einer Geschichte von Selma Lagerlöf, oder Ein Lied für Martin (2001). 

Bille August wurde für seine Regietätigkeit nicht nur mit zahlreichen Filmpreisen, sondern auch mit dem dänischen sowie dem schwedischen Königlichen Ritterorden und dem französischen Orden Chevalier dans l’ordre des Arts et Lettres ausgezeichnet. 

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Ghita Nørby (Esther)

Ghita Nørby, Jahrgang 1935, ist zweifelsohne die konkurrenzlose Grande Dame der dänischen Bühne und Leinwand. Ihre Karriere umspannt fast 60 Jahre Schauspielkunst in den unterschiedlichsten Genres. Sie spielte das Mädchen vom Lande ebenso wie Macchiavellis Schwiegermutter. Besonders in Erinnerung geblieben ist z.B. Nørbys Darstellung einer temperamentvollen Hausfrau mittleren Alters in "Tanzen mit Regitze" (1989, Regie: Kaspar Rostrup). Ihr komödiantisches Talent bewies sie in Lars von Triers absurd-komischer TV-Serie "Geister" (1994 und 1997), wo sie als zickige Ärztin komplett gegen den Strich besetzt war. SILENT HEART – MEIN LEBEN GEHÖRT MIR ist die erste Zusammenarbeit von Bille August und Ghita Nørby seit fast 25 Jahren. Das letzte Mal war Nørby in seinem Film "Die besten Absichten" (1992) als Ingmar Bergmans Großmutter zu sehen.

Morten Grunwald (Poul)

Obwohl Morten Grunwald, Jahrgang 1934, eine bemerkenswert natürliche Autorität ausstrahlt, feierte er seine größten Erfolge in komischen Rollen – besonders in seiner Darstellung des proletarischen Großmauls Benny in den "Die Olsen Bande"-Filmen. Trotz Grundwalds unvergleichlicher Fähigkeit, seinen Figuren eine dominierende, gelegentlich einschüchternde Präsenz zu verleihen und damit auch ernste Rollen mühelos zu meistern, bleibt er für das dänische Publikum einer der großen Komiker des letzten halben Jahrhunderts.

Paprika Steen (Heidi)

Paprika Steen, Jahrgang 1964, wurde dadurch berühmt, dass sie ironisch-­komische Rollen mit Leben füllte, die den Zeitgeist der 1990er-­Jahre einfingen. Schnell bewies sie jedoch auch ihr Talent für dramatische Rollen, die sie stets mit ihrer Eigenart verbindet, gleichzeitig dramatisch, launenhaft und aggressiv agieren zu können. Die Gestaltung ihrer Rolle in Thomas Vinterbergs Dogma-­Film "Das Fest" (1998) ist ein schönes Beispiel für den besonderen "Steen-Touch". Zu den vielbeachteten Rollen der letzten Jahre gehören außerdem die aggressive, alkoholkranke Schauspielerin in "Applaus" (2009, Regie: Martin Zandvliet), die biestige Ehefrau, die ihren Mann verlassen hat, in "Superclassico – Meine  Frau  will  Heiraten!" (2011, Regie: Ole Christian Madsen) und die lüsterne Schwägerin in Susanne Biers "Love Is All You Need" (2012).

Danica Curcic (Sanne)

Danica   Curcic,   Jahrgang   1985,   wurde   in   Serbien   geboren   und   lebt   seit   ihrem   ersten   Lebensjahr   in   Dänemark.   Nach   ihrem   Abschluss   an   der   Dänischen   National   School   of   Theatre   2012   wurde   sie   sofort   vom   Royal   Danish   Theatre   engagiert   und   spielte   bereits   in   der   ersten   Saison   zwei   Hauptrollen.   Für   ihre   Darstellung   der   Lulu   in   Frank   Wedekinds   gleichnamiger   Tragödie,   inszeniert   von   Katrine   Wiedemann,   erhielt   sie   den   „Reumert“   als   beste   Schauspielerin.   2014   wurde   Curcic   zum   Shooting   Star   der   Berlinale   gewählt   und   praktisch   über   Nacht   zu   einer   der   gefragtesten   jungen   Schauspielerinnen   des   dänischen   Kinos.   2014   spielte   sie   in   nicht   weniger   als   vier   Filmen   eine   Hauptrolle:   Neben   SILENT   HEART   –   MEIN   LEBEN   GEHÖRT   MIR   waren   dies   On   The   Edge,   ein   Jugendfilm   unter   der   Regie   von   Christian   E.   Christiansen,   die   Komödie   All   Inclusive   (Regie:   Hella   Joof)   sowie   der   dänische   Thriller   Schändung   (Regie   Mikkel   Nørgaard)   nach   den   Jussi-­‐Adler-­‐Olsen   Büchern.

Pilou Asbæk (Dennis)

In   den   letzten   Jahren   hat   sich   Pilou   Asbæk,   Jahrgang   1982,   als   einer   der   talentiertesten   Darsteller   seiner   Generation   etabliert.   Er   bekam   Hauptrollen   in   preisgekrönten   Filmen   wie   R   (2010,   Regie:   Tobias  Lindholm  und  Michael  Noer),  A  Hijacking  (2012,  Regie:  Tobias  Lindholm),  und  Sex,  Drugs  &   Taxation   (2013,   Regie:   Christoffer   Boe).   Asbæk,   der   keine   Herausforderung   scheut,   ist   ein   Schauspieler   mit   einer   bemerkenswerten   Bandbreite   und   besitzt   eine   große   Intensität.   In   der   populären,   mit   einem   BAFTA   ausgezeichneten   TV-­‐Serie   Borgen   –   Gefährliche   Seilschaften   (2010-­‐ 2013),   stellte   er   einen   Imageberater   mit   zwiespältigem   Charakter   dar.   Mit   dieser   Rolle   bewies   er   ein   weiteres   Mal,   dass   er   sympathische   wie   unsympathische   Züge   in   einer   Rolle   problemlos   vereinen  kann.

Jens Albinus (Michael)

Seit   20   Jahren   arbeitet   Jens   Albinus,   Jahrgang   1965,   mit   den   renommiertesten   dänischen   Regisseuren   zusammen.   Albinus   besitzt   großes   Talent,   die   Persönlichkeit   seiner   Charaktere   sehr   nuanciert   auszudrücken.   Seine   Filmografie   umfasst   u.   a.   Rollen   in   mehreren   Filmen   von   Lars   von   Trier.   Er   spielte   in   Idioten   (1998),   Dancer   In   The   Dark   (2000),   Dogville   (2003)   und   Nymphomaniac   (2014).   Vielen   Zuschauern   ist   sein   außergewöhnliches   Talent   außerdem   in   Filmen   von   Christoffer   Boe   und   Simon   Staho   aufgefallen.   SILENT   HEART   –   MEIN   LEBEN   GEHÖRT   MIR   ist   Albinus‘   erste   Rolle  in  einem  Film  von  Bille  August.

18:46 23.03.2016

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