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Biographien Der Iraner Asghar Farhadi, welcher für seine bisherigen Werke bereits zahlreiche internationale Preise erhielt, gilt als einer der wichtigsten Regisseure des Weltkinos
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Foto: Prokino Filmverleih

ASGHAR FARHADI (REGIE)

Asghar Farhadi wurde 1972 in Isfahan, Iran, geboren. Seinen ersten Kurzfilm drehte er mit 13 Jahren in einem Jugendfilmclub. Insgesamt schuf er fünf Kurzfilme, bevor er 1991 an der Universität von Teheran ein Theaterstudium begann. Diese Entscheidung sollte seinen Inszenierungsstil als Filmemacher später nachhaltig beeinflussen. In seiner Bachelorarbeit verteidigte er das Werk Harold Pinters und die Funktion von Pausen und Stille in Pinters Stücken. 1996 setzte er das Studium im Fachgebiet Bühnenregie an der Tarbiat Modares Universität fort. Hier begann er, zunächst Hörspiele, später Fernsehserien zu schreiben. Nach seinem Masterabschluss in Bühnenregie begann er unmittelbar, Regie bei Fernsehserien zu führen, die er, wie etwa „A Tale of City (Dastane Yek Shahr)“ selbst geschrieben hatte.

2002 schrieb und inszenierte er sein Spielfilmdebüt DANCING IN THE DUST (RAGHS DAR GHOBAR), das mit mehreren Preisen ausgezeichnet wurde, darunter für Drehbuch und Regie beim Asian Pacific Film Festival sowie dem Preis der russischen Filmkritik und für den Besten Hauptdarsteller beim Filmfest in Moskau. Ein Jahr danach drehte Asghar Farhadi BEAUTIFUL CITY (SHAHRE ZIBA), dessen sozialrealistischer Ansatz im iranischen Kino der Zeit eine Seltenheit war. Der Film beschreibt den Konflikt zweier Familien, die eines zum Tode verurteilten Mörders und die des Opfers. Letztere entscheidet über das Schicksal des 18-jährigen Mörders, denn sie könnte zustimmen, dass das Todesurteil nicht vollstreckt wird. Der Film erhielt mehrere Auszeichnungen, darunter den Grand Prix beim Filmfest in Warschau.

Farhadis nächster Film FIREWORKS WEDNESDAY (CHAHAR SHANBE SOURI) im Jahr 2005 warf einen kompromisslosen Blick auf die Irrungen und Wirrungen eines Mittelschichtspaares durch die Augen seines Hausmädchens und zeigte das gesellschaftliche Doppelleben einer Familie im heutigen Iran. Zwei Jahre später drehte Farhadi ALLES ÜBER ELLY (DARBAREYE ELLY) über eine Gruppe von Freunden, die Ferien an der Nordküste des Irans macht. Die fröhliche Stimmung kippt, als eine von ihnen auf mysteriöse Weise verschwindet. Seine Weltpremiere feierte der Film auf der Berlinale 2009, wo Farhadi mit einem Silbernen Bären für die Beste Regie ausgezeichnet wurde. Auch auf dem Fajr Filmfestival erhielt er für den Film den Regiepreis.

Auch in NADER UND SIMIN – EINE TRENNUNG (JODAEIYE NADER AZ SIMIN) steht ein Paar der iranischen Mittelschicht im Zentrum, dessen Ehe auseinanderbricht und das sich, trotz eines gemeinsamen Kindes, scheiden lassen will. Der Film war international und über alle kulturellen Grenzen hinweg ein großer Erfolg. Seine Weltpremiere feierte er auf der Berlinale, wo er den Goldenen Bären für den Besten Film sowie zwei Silberne Bären für das Ensemble der Darsteller und Darstellerinnen gewann und von Kritik und Publikum euphorisch gefeiert wurde. Dies war nur der Anfang eines Siegeszuges, bei dem am Ende über 70 internationale Auszeichnungen standen, gekrönt durch den Golden Globe und schließlich den Oscar für den Besten nichtenglischsprachigen Film.

NADER UND SIMIN war international der erfolgreichste iranische Film aller Zeiten. Allein in Frankreich lockte er über eine Million Zuschauer ins Kino und auch in den USA brach er alle Rekorde für einen fremdsprachigen Film. Das TIME Magazine setzte Asghar Farhadi auf die Liste der 100 einflussreichsten Menschen der Welt. Während der Film weltweit in Kinos und auf Festivals lief, zog Farhadi mit seiner Familie nach Paris, um am Drehbuch zu LE PASSÉ – DAS VERGANGENE zu arbeiten, seinem ersten Film außerhalb Irans. Der Protagonist Ahmad kehrt nach vier Jahren Abwesenheit nach Paris zurück, um die Rechtsfragen bezüglich seiner Scheidung von Marie zu regeln. Ahmads Anwesenheit in Maries Alltag nach all der Zeit sorgt für eine komplizierte Situation, die sie beide zwingt, sich mit ihrer gemeinsamen Vergangenheit auseinanderzusetzen. Der Film lief im Wettbewerb von Cannes, wo Bérénice Bejo als Beste Darstellerin ausgezeichnet wurde. Der Film war außerdem für den Golden Globe und den César nominiert und verkaufte allein in Frankreich rund eine Million Eintrittskarten.

Nach LE PASSÉ – DAS VERGANGENE begann Asghar Farhadi an einem Drehbuch zu arbeiten, das in Spanien spielen und vor Ort gedreht werden sollte, produziert von Alexandre Mallet-Guy und Pedro Almodóvar. Als das Projekt um ein Jahr verschoben wurde, entschied er, die Chance dieser Auszeit zu nutzen und THE SALESMAN (FORUSHANDE) im Iran zu drehen. Einige Monate später wurde der Film für den Wettbewerb in Cannes ausgewählt, wo er mit den Preisen für das Beste Drehbuch und den Besten Hauptdarsteller ausgezeichnet wurde.

THE SALESMAN ist Farhadis zweiter Spielfilm, den Alexandre Mallet-Guy für Memento Films produziert. Kennengelernt haben sich die beiden 2009 auf der Berlinale, wo Alexandre Mallet-Guy gerade ALLES ÜBER ELLY entdeckt hatte und seitdem alle Filme Farhadis in die französischen Kinos gebracht hat.

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SHAHAB HOSSEINI (EMAD)

Shahab Hosseini wurde am 3. Februar 1974 in Teheran, Iran, geboren. Seine erste Zusammenarbeit mit Asghar Farhadi war ALLES ÜBER ELLY (2008), gefolgt von NADER UND SIMIN – EINE TRENNUNG (2011). Für seine Rolle als Hojjat in NADER UND SIMIN erhielt er einen Silbernen Bären der Berlinale 2011 sowie ein Ehrendiplom des Fajr Filmfestival. Vom iranischen House of Cinema, dem Verband unabhängiger Filmschaffender, erhielt er zahlreiche Nominierungen und Auszeichnungen, darunter als Bester Hauptdarsteller für seine Leistung in ALLES ÜBER ELLY. 2014 gab Shahab Hosseini sein Regiedebüt. THE SALESMAN ist sein dritter Spielfilm mit Asghar Farhadi.

TARANEH ALIDOOSTI (RANA)

Taraneh Alidoosti wurde am 12. Januar 1984 in Teheran, Iran, geboren. Ihren ersten Auftritt als Schauspielerin hatte sie 2002 in Rasoul Sadramelis TARANEH, 15 JAHRE ALT, wofür sie den Silbernen Leoparden der 55. Filmfestspiele von Locarno und den Preis als Beste Hauptdarstellerin des Fajr Filmfestival erhielt. Ihre zweite Hauptrolle spielte sie in Asghar Farhadis BEAUTIFUL CITY (2004), gefolgt von Farhadis FIREWORKS WEDNESDAY (2006) und ALLES ÜBER ELLY (2009). THE SALESMAN ist ihr vierter Film mit Asghar Farhadi.

BABAK KARIMI (BABAK)

Babak Karmi wurde am 22. März 1960 in Prag als Sohn iranischer Auswanderer geboren, beide Elternteile arbeiteten als Schauspieler und Regisseure. 1971 zog die Familie nach Italien, wo Babak Karimi später eine Kameraausbildung absolvierte. Ab Ende der 1980er Jahre arbeitete er als Schnittmeister bei italienischen und iranischen Produktionen. Sein Schauspieldebüt gab er im Alter von zehn Jahren im ersten neorealistischen iranischen Spielfilm DOROSHKECHI, bei dem sein Vater Regie führte. Nach Nebenrollen in italienischen Produktionen wie STILLES CHAOS (2008), besetzte ihn Asghar Farhadi als Verhörbeamter in NADER UND SIMIN – EINE TRENNUNG (2011). Auch bei Farhadis LE PASSÉ – DAS VERGANGENE (2013) wirkte Babak Karmi mit. THE SALESMAN ist sein dritter Film mit Asghar Farhadi.

17:32 01.02.2017

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