Berührende Dokumentation

Interview Der Regisseur Stéphane Haskell über seine Heilung durch Yoga, das seinen durch die Lähmung in „Oben und Unten“ geteilten Körper wieder vereint hat, die Reise zu yogapraktizierenden AIDS-Patienten und MS-Erkrankten, in den Todestrakt und zu den Massai
Berührende Dokumentation
Yogapraktizierende in Amboseli, Kenia

Foto: Arsenal Filmverleih

Sie haben vor Ihrer Erkrankung kein Yoga praktiziert. Wie kamen Sie zum Yoga, wie verlief Ihre erste Annäherung?

Meine erste Annäherung ans Yoga fand über einen Umweg statt: Meine Cousine stellte mir einige Monate nach meinen Rückenoperationen eine amerikanische Yogalehrerin vor, die nur auf der Durchreise in Paris war. Sie überzeugte mich davon, mit ihr nach Deutschland in ein Meditationszentrum in der Nähe von Frankfurt zu kommen, wo sie unterrichtete. Zuerst war ich sehr widerstrebend – wegen meiner chronischen Schmerzen und meiner Ignoranz der Yogapraxis gegenüber –, doch sie hat mich nach und nach innerhalb von zwei Jahren an die Haltungen, die Atmung und die Philosophie des Yoga herangeführt.

Welche körperlichen und geistigen Vorteile hat das Yoga Ihnen gebracht?

Das Yoga hat das Oben und Unten meines Körpers, der in zwei Teile geteilt war, wieder zusammengebracht und mir erlaubt, meinen Körper und meinen Geist zu vereinen, um zu heilen. Mit der Ausbildung, die ich von meiner ersten Lehrerin bekam, studierte ich die verschiedenen Grundlagen des Yoga, die Sutren und die körperlichen und geistigen Grundlagen, die uns die Praxis vermittelt. Indem ich die Jahrtausende alte Geschichte des Yoga und die Leben der verschiedenen Meister, die es vermittelten, studierte, bekam ich ein tieferes geistiges Verständnis.

Erzählen Sie uns von den verschiedenen Yogakulturen und -ansätzen, die Sie auf Ihren Reisen erlebten.

Der erste Ort außerhalb meiner Kursstunden in Europa war Bali, wohin ich meine Lehrerin begleitete. Dort traf ich eine sehr alte Kultur, die mir für meine persönliche Praxis spirituell sehr viel gab. Danach Indien, die Wiege des Yoga, wo die Begegnung mit B. K. S. Iyengar und Sharath Jois mir viel über die Herkunft des Yoga zeigte und wie die westliche Welt ihn an eine moderne Welt anpasste. Die Reise nach Afrika war eine der kraftvollsten, die mir zeigte, bis zu welchem Punkt Yoga universell ist und sich an die verschiedenen Kulturen anpasst – und nicht umgekehrt. In Kenia werden die Kurse mit Freude, Tanz und Musik gehalten. Das ist ein toller Beweis für die Heilkraft des Yoga: dass einige Hoffnung und Selbstachtung darin finden, obwohl ihre Armut und Inhaftierung sie körperlich und mental zerstört.

Welcher Ort, an dem Sie praktizierten, hat Sie am meisten inspiriert?

Mit dieser fröhlichen und starken Gemeinschaft in Kenia zu üben, war das markanteste Erlebnis. Das passierte in einem Massai-Dorf in Amboseli am Fuße des Kilimandscharos.

Nachdem Sie Ihren Körper zurückerobert und wieder laufen gelernt hatten, drehten Sie einen Dokumentarfilm und schrieben ein Buch. Was ist Ihre nächste Herausforderung?

Meine nächste Herausforderung ist es, weiterhin durchzuhalten, mit meiner Arbeit und dem Yoga, um möglichst lange die Vorzüge dieser tausend Jahre alten Praxis weiterzugeben, die uns heilt und uns dabei hilft, unser Leben besser zu gestalten.

Was ist der beste Rat, der Ihnen jemals erteilt wurde?

Versuche nicht, andere von den Vorteilen des Yoga zu überzeugen. Praktiziere einfach und die anderen werden die Veränderungen an dir bemerken und Lust bekommen, es selbst auszuprobieren.

10:20 12.06.2019

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