Film der Woche

Yuli

Yuli

Die Geschichte einer unglaublichen Karriere, die aus einem Vorort Havannas bis ins Royal Ballett in London führt, wo Carlos Acosta zum ersten schwarzen Romeo im ewig weißen Universum des klassischen Balletts wird. Ein Biopic, das eine bewegende Familiengeschichte erzählt - von der Liebe, aber auch von einer widersprüchlichen Beziehung zum Vater
Yuli

Yuli

Die Geschichte einer unglaublichen Karriere, die aus einem Vorort Havannas bis ins Royal Ballett in London führt, wo Carlos Acosta zum ersten schwarzen Romeo im ewig weißen Universum des klassischen Balletts wird. Ein Biopic, das eine bewegende Familiengeschichte erzählt - von der Liebe, aber auch von einer widersprüchlichen Beziehung zum Vater

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Ein Film voller Leidenschaft und Expression

Ein Film voller Leidenschaft und Expression

Zum Film Eine atemberaubende Performance aus Erzählung, Tanz, Musik, Licht und Bewegung, mitreißend, berührend und humorvoll. Regisseurin Icíar Bollaín und Autor Paul Laverty erzählen in "Yuli" die Historie Kubas - von den 1980er Jahren bis heute

Eine Hommage an die Kraft der Kunst

Eine Hommage an die Kraft der Kunst

Kommentar Die Regisseurin Icíar Bollaín und der Drehbuchautor Paul Laverty über die Entstehung eines außergewöhnlichen Films

Acosta spielt Acosta

Acosta spielt Acosta

Biografien Die Idee, dass Carlos Acosta sich selbst spielen könne, kam von Paul Laverty und Icíar Bollaín gemeinsam – und Acosta ließ sich darauf ein. Entstanden ist eine überwältigende Kombination aus Spielfilm und Tanz

Ein etwas anderes Tänzer-Biopic

Ein etwas anderes Tänzer-Biopic

Netzschau "[...] mit viel Sinn für die Macht der Kunst, aber auch mit einem guten Sinn für sozioökonomische und psychologische Hintergründe erzählt das spanisch-britische Filmemacherpaar, wie [Acosta] es doch zum Tanz-Star schaffte."
Geschichte Kubas

Die 1970er und 1980er Jahre

Der Fehlschlag derGran Zafrazwang Kubas Regierung, sich weiter an das sowjetische Modell zu binden. Man erkannte, dass Kuba allein nicht überlebensfähig war. Das Bildungssystem wurde amMarxismus-Leninismusausgerichtet, frei denkende Künstler bekamen zunehmende Schwierigkeiten und die partizipative Demokratie starb vollends.

Aus der Sicht der Künstler begann mit den 1970er Jahren das sogenanntegraue Jahrzehnt, da sie sich nicht mehr wie gewohnt künstlerisch entfalten konnten oder durften. Die schon Anfang der 1960er Jahre ausgegebene Losung Fidel Castros „für die Revolution alles, gegen die Revolution nichts“ wurde nun verstärkt gegen von der offiziellen Linie abweichende Künstler genutzt, um diese zu kriminalisieren. Umgesetzt wurde diese harte Linie unter anderem vom damaligen Vorsitzenden des Nationalen Kulturrats,Luis Pavón.

Für den einfachen Kubaner begannen sich die persönlichen wirtschaftlichen Verhältnisse jedoch zunehmend zu verbessern. Die Ausgaben für das Bildungswesen erhöhten sich von 1959 bis Mitte der 70er um das 21-Fache.

LebenserwartungundSäuglingssterblichkeitbewegten sich zunehmend auf dem Niveau der Erste-Welt-Länder. Gleichzeitig begann sich die „Revolution“ zu institutionalisieren. 1975 fand der 1. Parteikongress der Kommunistischen Partei statt. Obwohl die Statuten der Partei einen Fünf-Jahres-Rhythmus vorsehen, wurden dieseParteitageauch in Zukunft nur in unregelmäßigen Abständen abgehalten.

Auf diesem Parteitag wurde die 1976 in Kraft getreteneneue Verfassungbeschlossen. Fidel Castro erhielt dieabsoluteMacht, das sogenanntemando único. Er vereinigte nun sämtliche wichtigen Ämter des Staates in einer Person. Er war sowohl Staats- als auch Regierungschef, Generalsekretär der kommunistischen Partei sowie Oberbefehlshaber der Armee. Weder die formal angestrebte partizipative Demokratie noch irgendein gesunder Wettbewerb um politische Ämter fand mehr statt. Die Rhetorik der „permanenten Revolution“ trat an ihre Stelle.

In der Wirtschaft erfolgte eine Phase der „Sowjetisierung“, auch verbunden mit einer gewissen Dezentralisierung. Betriebe, die für Munizipial- oder Provinzregierungen arbeiteten, wurden deren Kommando unterstellt. Es wurdeKostenrechnungeingeführt, wogegen sich Che Guevara zu seiner aktiven Zeit in Kuba heftig gesträubt hatte. Im Juli 1972 trat Kuba demRat für gegenseitige Wirtschaftshilfe(RGW), der Wirtschaftsorganisation der Ostblockstaaten, bei. Nach den Zeiten des Mangels in den 60er Jahren führten feste Zuckerpreise,Transferrubel-Geschäfte und regelmäßige Lieferungen von Öl und Material nun zu einem bescheidenen Wohlstand der Kubaner. Sogenannte Microbrigaden aus freiwilligen Arbeitern sollten für die Schaffung von Wohnraum sorgen, den sie dann selbst bewohnten. 1980 wurden freie Bauernmärkte zugelassen. Lebensmittel und andere Agrarprodukte konnten dort zu höheren als den staatlich festgesetzten Preisen verkauft werden. Private Kooperativen nahmen schlagartig zu. Der Staat war allerdings nicht in der Lage, das Transportproblem zwischen Land und Stadt zu lösen, weswegen sich ein illegales Händlernetz etablierte, das begann, Monopolpreise auszurufen. 1986 wurden die privaten Bauernmärkte wieder verboten.

Auch technologisch war die Anbindung an den Comecon ein Rückschritt. Kuba war bisher auf technische und Konsumgüter aus den USA ausgerichtet. Diese wurden nun nach und nach unbrauchbar. Man begann sowjetisches Erdöl weiterzuverkaufen, um dadurch höherwertige westliche Güter einkaufen zu können. In der Zeit der Präsidentschaft vonJimmy Carterkam es außerdem zu einer Entspannung der Beziehungen zu den USA. Mit den neuen Bruderstaaten kam es zu einem regen Austausch. Kuba wurde zu einem Urlaubsparadies für Ostblockfunktionäre. Auch durften junge Leute aus der DDR und den anderen Ostblockstaaten in Kuba studieren und in Havanna einen Hauch westlicher Lebensweise kennenlernen. Dieser „Internationalismus“ diente den kubanischen Verantwortlichen gerne als Ausrede für den mangelnden Lebensstandard der Kubaner. Fidel Castro selbst präsentierte sich liebend gerne als außenpolitischer Visionär, um von innerstaatlichen Miseren abzulenken.

Insbesondere für Künstler und Kulturschaffende begann mit den 1970er Jahren ein trauriges, „graues“ Jahrzehnt (decada gris). Mit der Etablierung und Bürokratisierung wurde die künstlerische Entfaltung stark eingeschränkt. Die schon 1961 von Fidel Castro ausgegebene Parole, „für die Revolution alles, gegen die Revolution nichts“, wurde nun aus der Sicht der Machthaber konsequent umgesetzt. Auslöser war die sogenanntePadilla-Affäre, benannt nach dem PoetenHeberto Padilla, welche Kuba viele Sympathien im Ausland kostete. Padilla veröffentlichte 1971 seinen GedichtsbandAußerhalb des Spiels, der von einer Jury des nationalen SchriftstellerverbandesUNEACausgezeichnet wurde. Die Führung des Verbandes wollte dem jedoch nicht folgen. Das Buch enthielte „ideologische Elemente, die dem Denken der Revolution deutlich entgegengesetzt“ wären. Das Buch drücke den „Selbstausschluss des Autors aus dem kubanischen Leben aus.“ Zwar durfte dieser Band Padillas noch erscheinen, spätere Werke wurden jedoch verboten. Im Ausland zu einer zentralen Figur des Widerstands hochgepuscht, wurde Padilla im März 1971 wegen vorgeblicher Kontakte zu ausländischen Geheimdiensten verhaftet, womit das sogenannte „graue Jahrfünft“ (quinquieno gris) begann, eine Zeit harter Verfolgung von von der Staatslinie abweichenden Künstlern und anderen Personen. Auch der Hochschulbereich und die ParteizeitungGranmawurde vonunorthodoxen linkenDenkrichtungen gesäubert. Einer der heute bekanntesten Oppositionellen,Elizardo Sánchez, damals Professor fürmarxistische Philosophie, gehörte zu den Betroffenen.Heutzutage wird das gesamte Jahrzehnt der 1970er Jahre alsgraues Jahrzehntbezeichnet, weil damit die „schöne Revolution“ linker Künstler und Intellektueller zu Grabe getragen wurde.

1974 kam es inPortugalzur sogenanntenNelkenrevolution. Im Anschluss daran strebte die damalige portugiesische KolonieAngolanach Unabhängigkeit. Es kam zu einem Bürgerkrieg zwischen der marxistisch orientierten MPLA und der vom rassistischen Südafrika unterstützten UNITA. Ende 1975 griff Kuba zugunsten der MPLA-Rebellen in den Konflikt ein, in dessen Ergebnis die angolanische Regierung einigermaßen stabilisiert werden konnte,Namibiadie Unabhängigkeit erreichte undSüdafrikazu Verhandlungen gezwungen wurde.

Im Jahr 1973 unterstützten kubanische Truppen in kleinem Umfang die arabischen Armeen vonÄgyptenundSyrienbei ihrem Angriff aufIsraelimJom-Kippur-Krieg. Im Jahr 1978 unterstützte KubaÄthiopienim Kampf gegenSomaliaum dasOgaden-Gebiet. Sechs Tage nach dem Mord am grenadischen PremierministerMaurice Bishopbesetzten US-amerikanische Streitkräfte am 25. Oktober 1983 die Karibik-InselGrenada, ein britisches Überseedominion. Nach der umstrittenen Invasion, die zum Sturz der Regierung des sozialistischenNew Jewel Movementführte, nahmen die Streitkräfte die meist im Flughafenbau tätigen Kubaner gefangen.

In Kuba selbst verschärften sich jedoch die wirtschaftlichen Probleme, worüber dieaußenpolitischenErfolge nur schwer hinwegtäuschen konnten. Versorgungsprobleme und Wohnraummangel führten zu Verdruss bei der Bevölkerung. Durch die daraus folgenden sozialen Spannungen kam im April 1980 zur Besetzung derperuanischenBotschaftin Havanna. Daraufhin genehmigte die kubanische Regierung die Anlandung von Booten aus den USA, umFlüchtlingeaufzunehmen und in die Vereinigten Staaten zu transportieren. In der Folge flüchteten gut 100.000 Kubaner, meist über den HafenMariel, in Richtung USA, darunter zahlreiche Schwarze, welche bis dahin nicht zu denjenigen mit dem höchsten Emigrationsdruck gehörten.[22]Das Ereignis ging als dieMariel-Bootskrisein die Geschichte ein.

Sinkende Zuckerpreise Anfang der 80er Jahre verschärften die Krise zusätzlich. Zwar erhielt Kuba aus der Sowjetunion jährliche Subventionen von rund zwei Milliarden Dollar nebst 13 Millionen Tonnen Erdöls, dennoch konnte sich das Land kaum über Wasser halten. Wachsende Schulden erhöhten die Abhängigkeit gegenüber der UdSSR. Die staatliche Verteilungspolitik über dieLibretakonnte die Krise einigermaßen abmildern.

Auch im eigentlich hochgelobten Bildungswesen Kubas kriselte es. Schüler der Sekundärstufe wurden in der Regel inLandinternatenfernab von ihrem Elternhaus unterrichtet. Es mangelte an gut ausgebildeten Lehrern, sodass häufig ältere Schüler die jüngeren unterrichteten. Zusätzlich kam es zu einem rapiden Verfall der traditionellen Werte der kubanischen Familie. Die Zahl derTeenagerschwangerschaftennahm erheblich zu. Das Ziel „größtmögliche Bildung für alle“ war real nur durch Absenkung des allgemeinen Bildungsstandards zu erreichen. Es gab im Land auf einmal keine Reinigungskräfte mehr. Andere Dienstleistungen, vor allem handwerkliche, blühten auf und „ernährten“ sich vor allem durchillegal beiseitegeschaffte Waren. Eine gewisse Ausnahme bildeten jedoch die militärisch geführten Betriebe.

Als Mitte der 1980er JahreMichail Gorbatschowdie sogenanntePerestroikaausrief, die auch in der kubanischen Bevölkerung Begeisterung hervorrief, opponierte Fidel Castro dagegen. Er hielt dies für eine Rückkehr zumKapitalismus. 1986 rief er zur sogenanntenrectificación, Berichtigung von Fehlern auf. Die Folge waren Reformen, die jeglichemmarktwirtschaftlichemCharakter zuwiderlaufen. Obwohl denMarktkräftenzwischenzeitlich mehr Freiraum eingeräumt wurde, herrschte diese Politik bis zum Ende von Fidels Amtszeit. Die Ideen Che Guevaras wurden neu aufgelegt, wonach der Kommunistischen Partei dieAvantgarde-Funktion zukam, welche für Massenmobilisierung sorgte. Der verordneteVoluntarismusfunktionierte jedoch nur noch bedingt. 1988 kritisierte Castro die Vorgänge in der Sowjetunion direkt. In Kuba sei der Sozialismus und die Unabhängigkeit untrennbar miteinander verbunden. Daraufhin wurden in Kuba die privaten Bauernmärkte verboten.

Ab 1988 kehrten die erfolgreichen Angola-Kämpfer in ihre Heimat zurück. Deren wahrscheinlich entstandeneKorpsgeistwar der Regierung ein Dorn im Auge. Die Folge waren eine Verkleinerung und gleichzeitige Professionalisierung des Militärs. Die USA beschuldigten Kuba in dieser Zeit, Förderer desRauschgifthandelszu sein. Es kam zuSchauprozessenunter anderem gegen den populären Angola-Veteran GeneralArnaldo Ochoa. Ochoa und drei enge Mitarbeiter, ebenfalls hochdekorierte Angola-Offiziere, wurden zumTode verurteiltund erschossen.

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Yuli | Trailer

Trailer Offizieller Trailer des neuen Films von Regisseurin Icíar Bollaín. "Yuli" erzählt die Geschichte des kubanischen Tänzers Carlos Acosta - eine Hommage an den klassischen Tanz und seine Musik, sowie die Kühnheit und Unbeirrbarkeit Acostas


Yuli | Kommentar

Video Carlos Acosta reflektiert mit Darcey Bussell, der Präsidentin der Präsidentin der Royal Academy of Dance über seine 17 Jahre beim Royal Ballett in London


Yuli | Making of

Video Making of von "Yuli". Erzählt wird die Geschichte des Tänzers Carlos Acosta, der im Kuba der 1980er Jahre aufwuchs und zum international gefeierten Star des klassischen Balletts wurde.


Yuli | Carlos Acosta in Manon

Video Carlos Acosta als Des Grieux und Tamara Rojo als Manon im 1. Akt des gleichnamigen Balletts des britischen Tanzdramatikers Kenneth MacMillan, aufgeführt 2004 im Royal Ballett in London