Acosta spielt Acosta

Biografien Die Idee, dass Carlos Acosta sich selbst spielen könne, kam von Paul Laverty und Icíar Bollaín gemeinsam – und Acosta ließ sich darauf ein. Entstanden ist eine überwältigende Kombination aus Spielfilm und Tanz
Acosta spielt Acosta
Der erwachsene Carlos (Carlos Acosta)

Piffl Medien

„Ich hatte von Anfang an Vertrauen in Paul und Icíar. Aber ich bin 45 Jahre alt, ich kann nicht mehr drei Meter hoch springen, und ich habe mich gefragt: Was erwartet man von mir in diesem Film? Soll ich der junge Mann von damals sein oder etwas anderes? Aber Icíar hat mich beruhigt. Sie sagte: Ich will dich, wie du jetzt bist, mit deiner Wahrheit von heute, ohne Verstellungen.“

Carlos Acosta

Geboren 1973. Kindheit in Los Pinos, einem Außenbezirk Havannas, als elftes Kind in der Patchwork-Familie des LKW-Fahrers Pedro Acosta. Auf Druck des Vaters besucht er zunächst die Nationale Ballettschule Kubas, von der er wegen zahlreicher Disziplinlosigkeiten verwiesen wird, anschließend das Ballettinternat in Pinar del Río.
1990 gewinnt Carlos Acosta während seines Gastengagements bei der Compagnia Teatro Nuovo Turin die Goldmedaille beim renommierten Prix de Lausanne. Es folgt die Einladung von Ivan Nagy zum English National Ballet, wo er mit 18 Jahren jüngster Principal Dancer in der Geschichte des Ensembles wird.
Aufgrund einer Verletzung nach Kuba zurückgekehrt, arbeitet er ein halbes Jahr am Ballet Nacional de Cuba unter Alicia Alonso. 1993 bietet ihm Ben Stevenson einen Vertrag als Principal Dancer am Houston Ballet an. Während seiner fünf Jahre in Houston tanzt er alle großen Rollen des klassischen Repertoires und wird zum internationalen Star. 1998 wird Carlos Acosta Principal Dancer am Royal Ballett in London, seit 2003 firmiert er dort als Principal Guest Artist. In diese Zeit fallen zahllose legendäre Inszenierungen, wie "Romeo und Julia" oder das erste von ihm selbst choreografierte abendfüllende Ballett, "Don Quixote". Ausgedehnte Tourneen und Gastengagements führen ihn an nahezu alle großen Bühnen der Welt.

2003 choreografierte er das halb autobiografische Stück "Tocororo", das in Havanna seine Premiere feierte und anschließend alle Besucher-Rekorde im Londoner Sadler’s Well Theatre bricht. Neben seiner Arbeit als Tänzer und Choreograf wirkte Carlos Acosta in mehreren Filmen mit.
2007 veröffentlichte er seine Autobiografie "No way home", 2013 seinen ersten Roman "Pig's Foot".
2015 nahm Carlos Acosta mit seiner eigenen Version von "Carmen" Abschied vom Royal Ballet, im Jahr darauf beendete er
seine aktive Karriere als klassischer Tänzer mit fünf ausverkauften Shows in der 5.000 Plätze fassenden Londoner Royal Albert
Hall. In diese Zeit fällt die Gründung von Acosta Danza in Havanna, einem hochklassigen Ensemble, das sich aus den besten
Tänzerinnen und Tänzern Kubas zusammensetzt und sich in kurzer Zeit mit seinem eigenständigen Konzept aus zeitgenössischen, traditionellen und klassischen Elementen ein weltweites Renommee erarbeitet hat.

Mit seiner Stiftung Carlos Acosta Foundation gründete er jüngst die Acosta Dance Academy, die Stipendien an junge Talente aus Kuba und dem Ausland für eine dreijährige Tanzausbildung vergibt. Ein weiteres Projekt der Stiftung ist der Wiederaufbau der Ballettschule im Komplex der Escuelas de Arte Moderna in Havanna.

Edilson Manuel Olbera Nunez als Carlos Acosta / Kind

Edilson Manuel Olbera war 10 Jahre alt, als der Film gedreht wurde. Für YULI, seine erste Filmarbeit, wurde er in einem monatelangen Casting ausgewählt. Ähnlich seiner Rolle, die er spielt, verfügt Edilson über ein beeindruckendes natürliches Talent, Sensibilität, Charisma und Charakter und Sinn für Humor. Und obwohl er er vorher gar nicht tanzen konnte, lernte er schnell und wurde, wie Icíar Bollaín sagt, schon mit dem ersten Take zum „Yuli, zum Kind Carlos Acosta“.

Keyvin Martinez als Carlos Acosta / Junger Mann

Keyvin Martínez ist ein international renommierter kubanischer Tänzer. Nach dem Abschluss seiner Ausbildung an der Escuela
Nacional de Ballet de Cuba 2013 arbeitete er u.a. mit den Ensembles für zeitgenössischen Tanz Rakatan und Acosta Danza , mit denen er auch international für Furore sorgte. Zuletzt war er in der Inszenierung der Choreografin María Rovira von Carmina Burana in Barcelona zu sehen. "Yuli" ist das Debüt von Keyvin Martínez als Schauspieler.

Mario Sergio Elías als Carlos Acosta in den Tanzszenen

Geboren in Cienfuegos, Kuba. Ausbildung an den Escuelas de Arte Benny Moré und Samuel Feijoo, anschließend an der Escuela Nacional in Havanna. 2012 wurde er Solotanzer von Danza Contemporánea de Cuba, ausgedehnte Tourneen u.a. in die Schweiz, Großbritannien, Holland, Kolumbien und Polen. 2014 und 2015 tanzte er in Carlos Acostas "Cubanía"in der Royal Opera, seit 2015 ist er Ensemblemitglied von Acosta Danza.

08:38 17.01.2019

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Netzschau "[...] mit viel Sinn für die Macht der Kunst, aber auch mit einem guten Sinn für sozioökonomische und psychologische Hintergründe erzählt das spanisch-britische Filmemacherpaar, wie [Acosta] es doch zum Tanz-Star schaffte."