Differenzierter Blick

Biographien Die Schauspielerin, Drehbuchautorin und Regisseurin Feo Aladag hat bereits mit ihrem weltweit äußerst erfolgreichen Debüt "Die Fremde" interkulturelle Konflikte thematisiert
Differenzierter Blick
Foto: Wolfgang Ennenbach/Majestic Film

Produktion, Drehbuch und Regie

Feo Aladag

Feo Aladag wurde 1972 in Wien geboren. Von 1990 bis 1995 studierte sie Schauspiel in Wien und London sowie Kommunikationswissenschaften und Psychologie in Wien. 2000 folgte ihre Promotion zum Dr. phil. Nebenbei arbeitete sie als Filmkritikerin und Kolumnistin für österreichische Tageszeitungen. Ab Mitte der neunziger Jahre spielte sie Theater und stand vor der Kamera – in deutschen und britischen Kinofilmen und TV-Movies sowie in einigen Episoden der ARD-Krimireihe "Tatort", für die sie Drehbücher verfasste. Sie absolvierte ein zweijähriges Gaststudium an der DFFB, besuchte zahlreiche Masterclasses und Seminare in den Fächern Regie, Schauspiel und Drehbuch an der Europäischen Film Akademie. Dabei zählten Regisseure wie Mike Figgis, Stephen Frears, Bertrand Tavernier und Mike Leigh zu ihren Dozenten. Als Schauspielerin war sie unter anderem in Anno Sauls GRÜNE WÜSTE (1998), Mike Figgis‘ CO/MA (2004), LUCY (2005) von Henner Winkler oder MEINE SCHÖNE BESCHERUNG (2007) von Vanessa Jopp zu sehen.

2005 gründete sie die in Berlin ansässige Independent Artists Filmproduktion, bei deren erstem Projekt, DIE FREMDE, Feo Aladag als Produzentin, Autorin und Regisseurin fungierte. Der Film gewann 47 nationale und internationale Auszeichnungen, darunter zwei Deutsche Filmpreise (Bester Film, Beste Hauptdarstellerin), den Europa Cinema Label Award der Berlinale sowie den Preis der Deutschen Filmkritik in gleich sieben Kategorien. 2011 wurde DIE FREMDE für die 83. Academy Awards als deutscher Beitrag in der Kategorie "Bester nicht englischsprachiger Film" entsandt.

Die Schauspieler

Ronald Zehrfeld (Jesper)

Der 1977 in Berlin geborene Schauspieler absolvierte seine klassische Ausbildung an der renommierten Hochschule für Schauspielkunst "Ernst Busch" und wurde dort schon während seines Studiums von Peter Zadek entdeckt, woraufhin er erste Rollen am Deutschen Theater übernahm. Nach seinem Studium spielte er zunächst ausschließlich am Theater, arbeitete vornehmlich mit Zadek am Berliner Ensemble, dem St. Pauli Theater in Hamburg und am Deutschen Theater Berlin.

Sein Kinodebüt gab er 2006 an der Seite von Jessica Schwarz und Max Riemelt in dem preisgekrönten Film DER ROTE KAKADU von Dominik Graf. Ronald Zehrfeld war bereits in diversen TV-Produktionen zu sehen, bevor er 2008 in seiner ersten Fernsehhauptrolle in der ZDF-Produktion "Der russische Geliebte" von Ulrich Stark an der Seite von Iris Berben ebenso glänzte wie in dem erfolgreichen Sat.1 Event-Zweiteiler "Wir sind das Volk" von Thomas Berger. In der Rolle des Klaus Störtebeker war er 2009 in ZWÖLF METER OHNE KOPF von Sven Taddicken erneut auf der großen Kinoleinwand zu sehen. 2010 kam es zur zweiten Zusammenarbeit mit Dominik Graf, erneut an der Seite von Max Riemelt: in der vielbeachteten und ausgezeichneten Serie "Im Angesicht des Verbrechens", welche u.a. mit dem Deutschen Fernsehpreis als Bester Mehrteiler ausgezeichnet wurde. Gemeinsam mit dem gesamten Ensemble wurde Ronald Zehrfeld für seine Rolle mit dem Deutschen Fernsehpreis in der Kategorie Besondere Leistung Fiktion sowie dem Grimme-Preis 2011 ausgezeichnet.

Es folgten Auftritte in Christian Schwochows DIE UNSICHTBARE, Toke Constantin Hebbelns WIR WOLLTEN AUFS MEER sowie die beeindruckende Verkörperung der männlichen Hauptrolle in Christian Petzolds Kinofilm BARBARA an der Seite von Nina Hoss. BARBARA feierte seine Premiere im Wettbewerb der Berlinale 2012 und Ronald Zehrfeld wurde in der Kategorie Bester Hauptdarsteller im selben Jahr mit einer Nominierung beim Deutschen Filmpreis geehrt. 2013 wurde er für seine schauspielerischen Leistungen gleich mehrfach ausgezeichnet: Für die TV-Produktion "Das unsichtbare Mädchen" erhielt Zehrfeld den Publikumspreis Jupiter, das 25. Fernsehfilm-Festival in Baden-Baden ehrte ihn für sein Spiel in "Mord in Eberswalde" (Regie: Stephan Wagner) mit dem Darstellerpreis. Im TV überzeugte er als rebellischer Pfarrer in der zweiten Staffel der beliebten Serie "Weissensee" (2013, Regie: Friedemann Fromm), im Kino war er 2013 in der Tragikomödie FINSTERWORLD von Regisseurin Frauke Finsterwalder an der Seite von u.a. Corinna Harfouch und Sandra Hüller zu sehen. Demnächst folgen Dominik Grafs historisches Liebesdrama DIE GELIEBTEN SCHWESTERN, das ebenfalls im Wettbewerb der Berlinale 2014 zu sehen sein wird, sowie Christian Petzolds PHOENIX und RICO, OSKAR UND DIE TIEFERSCHATTEN (Regie: Neele Vollmar).

Mohsin Ahmady (Tarik)

Mohsin Ahmady stammt aus dem Dorf Gore Mar im Distrikt Mazar-i-Sharif. Der 18-jährige Afghane, der sein genaues Geburtsdatum nicht kennt, hat in seinem jungen Leben bereits am eigenen Leib erfahren, was es heißt, in Afghanistan aufzuwachsen. Noch als Schüler der Gore Mar High School musste er im Jahr 2002 mit dem Tod des Vaters Mohamad Qasem, einem ehemaligen Taliban-Mitglied, fertig werden. Seitdem hat er, als ältester Sohn, gearbeitet, um etwas Geld für seine Familie zu verdienen und zugleich jede Gelegenheit genutzt, seine Ausbildung weiter voran zu treiben.

Saida Barmaki (Nala)

Saida Barmaki wurde 1992 in Aziz Abad in der Nähe von Mazar-i-Sharif geboren. Als sie noch ein kleines Kind war, emigrierte ihre Familie nach Pakistan, wo sie auf die IQRA Islamic Public School zur Grundschule ging. Im Jahre 2002 kehrte die Familie nach Mazar-i-Sharif zurück und lebt dort seitdem. Barmaki arbeitet als Grundschullehrerin und unterrichtet in den Fächern Farsi, Englisch und Zeichnen. Neben ihrer Arbeit als Lehrerin studiert sie an der Balkh University im Fachbereich IT.

Abdul Salam Yosofzai (Haroon)

Abdul Salam Yosofzai ist ein afghanischer Schauspieler, der jedoch hauptberuflich bei der Direktion von Afghan Film in Kabul arbeitet. Zudem ist er regelmäßig an Filmsets in Afghanistan in der Technik und Organisation tätig. Seinen ersten Auftritt hatte er in der internationalen Kinoproduktion ERDE UND ASCHE (2004, Regie: Atiq Rahimi). Mit der Rolle des Assef in DRACHENLÄUFER (2008, Regie: Marc Forster) feierte er seinen bisher größten Erfolg. In Afghanistan ist er außerdem durch diverse Rollen in TV-Serien ein bekanntes Gesicht. Derzeit lebt er mit seiner Familie in Kabul.

Burghart Klaußner (Oberst Haar)

In Berlin geboren, begann Burghart Klaußner 1969 an der Freien Universität ein Studium der Germanistik und der Theaterwissenschaft und ergänzte dieses 1970 durch eine Schauspielausbildung an der Max-Reinhard-Schule Berlin. Sein Debüt gab er 1971 unter der Regie von George Tabori in dessen Stück "Pinkville". Seither war er an nahezu allen bedeutenden deutschsprachigen Bühnen engagiert. Für seine Hauptrolle in Arthur Millers "Tod eines Handlungsreisenden" am St. Pauli Theater Hamburg wurde Burghart Klaußner im November 2012 als bester Darsteller mit dem renommierten Deutschen Theaterpreis "Der Faust" geehrt. Klaußners erster Kinoauftritt war 1980 die Hauptrolle in Dietrich Schuberts Spielfilm ZIEMLICH WEIT WEG. Zahlreiche ambitionierte Kinoproduktionen, wie zum Beispiel KINDERSPIELE unter der Regie von Wolfgang Becker 1993 folgten.

Einem breiten Publikum wurde er mit seinen Rollen in Kinofilmen wie DAS SUPERWEIB (1996, Regie: Sönke Wortmann), ROSSINI (1997, Regie: Helmut Dietl) und dem preisgekrönten Film GOOD BYE, LENIN! (2003, Regie: Wolfgang Becker) bekannt. Mit dem Regisseur Hans-Christian Schmid arbeitete er bei 23 (1999), CRAZY (2000) und REQUIEM (2006) zusammen, für den er beim Deutschen Filmpreis 2006 als Bester Männlicher Nebendarsteller nominiert wurde. Diesen renommierten Preis nahm Burghart Klaußner bereits ein Jahr zuvor für seine Darstellung des entführten Managers in Hans Weingartners umjubeltem Cannes-Beitrag DIE FETTEN JAHRE SIND VORBEI entgegen. Beim Internationalen Filmfestival Locarno 2006 wurde Klaußner für seine Hauptrolle in DER MANN VON DER BOTSCHAFT von Dito Tsintsadze mit dem Silbernen Leoparden als Bester Hauptdarsteller ausgezeichnet.

2009 war er in Michael Kliers ALTER UND SCHÖNHEIT neben Henry Hübchen, Armin Rohde und Peter Lohmeyer im Kino zu sehen, sowie als Richter an der Seite von Kate Winslet in der Oscar-nominierten Verfilmung des gleichnamigen Romans DER VORLESER (Regie: Stephen Daldry). Im Herbst 2009 brillierte Burghart Klaußner als Pfarrer in Michael Hanekes Drama DAS WEISSE BAND, das bei den Internationalen Filmfestspielen in Cannes die Goldenen Palme, anschließend die Golden Globes sowie den Europäischen Filmpreis gewann und eine Oscar-Nominierung als bester ausländischer Film erhielt. Für seine darstellerische Leistung wurde Burghart Klaußner selber nicht nur mit dem Preis der deutschen Filmkritik, sondern auch als Bester Schauspieler mit dem Deutschen Filmpreis 2010 ausgezeichnet. Im Sommer 2010 war Burghart Klaußner als Kommissar in DAS LETZTE SCHWEIGEN, einem Krimi von Boran Bo Odar, im Kino zu sehen. Anschließend folgten Philipp Stölzls Drama GOETHE! sowie Sebastian Groblers Verfilmung DER GANZ GROSSE TRAUM, über den Mann, der das Fußballspiel nach Deutschland brachte.

Ein cineatisches Highlight war die Berlinale 2013. Mit der niederländisch-belgischen Kinoverfilmung von David Grossmans Bestseller NONE ZIG ZAG KID eröffnete Burghart Klaußner an der Seite von Isabella Rossellini das Kinderfilmfest der Filmfestspiele. Darüber hinaus war er im Wettbewerb des Festivals in einer kleineren Rolle in Bille Augusts NACHTZUG NACH LISSABON mit Jeremy Irons zu sehen. Herausragende Kritiken und ein Millionenpublikum bescherte ihm im Januar 2013 der ZDF-Dreiteiler "Das Adlon. Ein Hotel, zwei Familien, drei Schicksale.", in welchem er den Gründer des weltberühmten Adlon Hotel in Berlin, Lorenz Adlon, verkörperte.

Anfang 2006 gab Burghart Klaußner sein Regiedebüt an den Hamburger Kammerspielen mit der Inszenierung von Edward Albees "Die Ziege oder Wer ist Sylvia?". Es folgten weitere Regiearbeiten am Schauspielhaus in Bochum, unter anderem Thomas Bernhards "Der Ignorant und der Wahnsinnige" mit Otto Sander oder die deutsche Erstaufführung von Yasmina Rezas "Der Gott des Gemetzels" im Jahr 2006. Im Januar 2009 feierte eine weitere Inszenierung, die zudem aus seiner Feder stammt, Premiere: "Marigold". Ein Stück mit Songs der Beatles. Zudem begeisterte er Anfang 2013 mit seiner erneuten Regiearbeit "Baumeister Solness" am Staatsschauspiel Dresden.

Felix Kramer (Oli)

Felix Kramer, 1973 in Berlin geboren, absolvierte zunächst eine Lehre als Dekorationstischler, bevor er seine Leidenschaft für die Schauspielerei entdeckte. Er studierte Schauspiel an der angesehenen Hochschule für Schauspielkunst "Ernst Busch" in Berlin. Nach seiner Ausbildung spielte Felix Kramer vorwiegend Theater und wurde zunächst festes Ensemble-Mitglied am Staatstheater Stuttgart. Danach wechselte er an das Deutsche Schauspielhaus Hamburg. Er wirkte, meist in Hauptrollen, in Theaterproduktionen wie "Die Leiden des jungen Werther", "Die Kameliendame", "Medea", "Der kaukasische Kreidekreis" bis hin zu "Dorfpunks" mit.

Seit 2008 ist Felix Kramer als freier Schauspieler tätig. Er spielte in Gastauftritten am Deutschen Theater Berlin, Maxim Gorki Theater, Deutsches Schauspielhaus Hamburg sowie am Münchener Volkstheater und arbeitet als Sprecher für diverse Hörspiele und Features von Deutschlandradio, NDR und SWR. Im Fernsehen wirkte Kramer vielfach in beliebten Krimiserien, wie der Soko-Reihe, Rosa Roth, Bella Block oder auch Tatort mit. Er arbeitete u.a. mit Regisseuren wie Markus Imboden, Hannu Salonen und Alexander Kluge. Sein Kinodebüt gab er 2003 in einer Nebenrolle in Stefan Ruzowitzkys ANATOMIE 2, bevor er nun erstmals in einer größeren Kinorolle zu sehen ist.

22:41 26.03.2014

Film der Woche: Weitere Artikel


Theorie und Praxis

Theorie und Praxis

Synopsis Auf ganz eigene Weise zeigt der Beitrag zum Wettbewerb der diesjährigen Berlinale die alltäglichen Wirrnisse und unlösbaren Widersprüche der ISAF-Truppen und ihrer Verbündeten auf
Anders als gedacht

Anders als gedacht

Einblicke Seit mittlerweile 13 Jahren befindet sich die Bundeswehr in ihrem bisher größten Auslandseinsatz, der bis heute 54 deutsche Soldaten das Leben kostete. Versuch einer Sammlung zum Thema
Von vielen Seiten

Von vielen Seiten

Netzschau Kritiken aus dem Netz: "Der Film gibt dem Konflikt Gesichter, mit denen wir fühlen und Angst haben, ohne dass er dabei je seine Komplexität und Ambivalenz unterschlagen würde."