Alltag

Interview | 07.03.2009 16:00 | Steffen Kraft

Abgründige Striche

"Ich habe bisher keine Katastrophen erlebt", sagt der Cartoonist Adam. Das mache aber nichts. Ein Gespräch über Humor, so schwarz wie ein Panda-Auge

Der Freitag: In einem Ihrer Cartoons entdecken die Eisbären einen geheimen Tunnel zum Südpol - und die Pinguine dort werden zum Festmahl. Das ist in Ihren Arbeiten oft so: Was für die einen das Paradies ist, bedeutet für die anderen die Apokalypse. Eine Weltanschauung?
Adam Trepczynski: Es ist ja fast immer so, dass des einen Freud des anderen Leid ist. Diese Gegensätze liegen eben in der Natur der Welt. Und man kann beide Perspektiven einnehmen, die des Siegers oder des Verlierers der Geschichte. Hier habe ich mich für die Perspektiven der Eisbären entschieden.

Die Sicht der Pinguine wäre wahrscheinlich auch nicht so lustig.
Oh, man kann Cartoons gut aus der Sicht des Bedrohten erzählen. Das mache ich sogar ziemlich häufig. Es zeigt, dass man selbst in verzweifelten Situationen kreativ und sich selbst treu bleiben kann.

Zeichnen Sie deshalb so viele Szenen mit Menschen, die sich selbst umbringen wollen?
In meinem Cartoons zeige ich selten, dass jemand wirklich tot ist. Es geht häufiger um die Missgeschicke rund um das Ende des Lebens. Alles was schiefgehen kann, lässt sich ja humoristisch verwerten.

Aus welchem Grund ist Ihnen schwarzer Humor so wichtig?
Wenn ich einen anderen Humor beherrschen würde, würde ich auch den machen. Aber ich finde schwarzen Humor halt am lustigsten. Und der muss ja nicht immer Tod oder Gewalt zeigen. Er ist eine Art mit der Welt umzugehen. Und wir müssen ja irgendwie mit ihr umgehen.

Klingt, als hätten Sie in Ihrem Leben bisher mit viel Schwierigem umgehen müssen.
Ich hatte bisher keine Katastrophen. Aber das macht nichts. Wenn die Menschen keine Katastrophen selbst erleben, interessieren sie sich für die der anderen. In den Nachrichten etwa. Wir finden immer etwas, was traurig ist und worüber wir nachdenken können. Da kommt es gar nicht darauf an, ob es einen selber trifft.

Oder ob eine Art ausstirbt. Die Pandas zum Beispiel, die in Ihren Zeichnungen häufig vorkommen.
Ja, über die kann man sich wunderbar lustig machen. Weil sich alle Welt darüber aufregt, dass sie aussterben – nur den Pandas selbst ist das völlig egal. Die bleiben ihrer Lebenseinstellung einfach treu.

Das heißt: Humor ist eine Möglichkeit, frei zu sein, selbst wenn die Katastrophe unausweichlich scheint.
Man kann durch Humor vielleicht nicht die Welt verändern, aber die Wahrnehmung. Das ist ja, was Humor macht. Und für die Menschen ist die Wahrnehmung viel wichtiger als die realen Möglichkeiten.

Kann man das lernen?
Gerade bei schwarzem Humor gibt es viele, die zuerst gar nicht darüber lachen können. Wenn man aber eine Weile einer bestimmten Art von Humor ausgesetzt wird, lernt man, dass man die Dinge auch mit Abstand betrachten kann. Dann bekommen sie einen anderen Blick - und plötzlich geht es.

Haben Sie manchmal Angst, dass Ihnen dieser Blick verloren gehen könnte?
Das denkt man oft so, aber es passiert nicht.

 
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Kommentare
WOanders schrieb am 07.03.2009 um 18:43
Heute kann ich drüber lachen, noch gestern hätte ich vor Traurigkeit geweint und für morgen hoffe ich, dass papa wieder mitspielt...
Igor Pavellenko schrieb am 09.03.2009 um 12:50
Schönes Interview! Finde ich wirklich klasse dass das geklappt hat.
Mal ganz abgesehen davon dass ich seinen schönen, schwarzen Humor einfach großartig finde. Der hebt sich wunderbar von denen anderer Cartoonisten ab.
ebby schrieb am 27.03.2009 um 14:09
Ganz genau mein Humor. Wir haben viel zu viele Menschen die Dinge "Schön" reden. Warum etwas schön malen wenn es nicht der Wahrheit entspricht?
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