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Kultur : Nicht immer artig

Besser zuhören statt strikte Regeln aufstellen: Bei der Elternuniversität in Potsdam diskutierten Eltern, Pädagogen und Bildungspolitiker, wie man Kinder richtig erzieht

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„Unartig? Artig? Einzigartig!“ – so lautete das Motto der Brandenburgischen Elternuniversität, die am Samstag zum dritten Mal in der Fachhochschule Potsdam stattfand. Diesmal in neuen Gebäuden. Hätte sie – wie in den Jahren zuvor – am Alten Markt stattgefunden, wäre sie vielleicht spannender geworden. Dort haben die Studenten zurzeit den Hörsaal besetzt. Es wäre interessant gewesen zu sehen, wie die Eltern mit den „unartigen“ Nachfahren umgegangen wären.

Dass Eltern- und Kinderinteressen nicht immer Hand in Hand gehen, macht das Zusammenleben zwischen Kindern und Erwachsenen bekanntlich nicht immer leicht. Mark Twain hat Erziehung einmal als die "organisierte Verteidigung der Erwachsenen gegen die Jugend" bezeichnet. Die Pädagogen in Potsdam zeigen sich da liberaler. Die Einzigartigkeit der Kinder und Jugendlichen soll herausgestrichen werden.

Die Veranstaltung, die alljährlich von einem Team um Landeselternrat und Fachhochschule organisiert wird, lud Eltern, Lehrer, Sozialarbeiter und Pädagogen zum Austausch und zur Auseinandersetzung zu aktuellen pädagogischen Fragen ein. In Workshops wurde über die individuellen Aspekte gesprochen.

Der Minister zitiert Astrid Lindgren

In seinem Grußwort zitiert Brandenburgs Bildungsminister Holger Ruprecht aus Astrid Lindgrens Roman Michel aus Lönneberga" target="_blank">Michel aus Lönneberga. Schließlich hat Michel sich so manches Mal Mühe gegeben, artig zu sein und war dann doch ziemlich unartig – dass er aber einzigartig ist, findet der Minister unumstritten. In Bildungspolitiker-Sprech wird daraus: „Die individuelle Förderung steht im Mittelpunkt unserer Bildungspolitik in den nächsten fünf Jahren.“ Was auf politischer Ebene passiert, wird man verfolgen können. Leise Zweifel seien angemerkt.

Fünf Jahre sind schließlich eine lange Zeitspanne in der Entwicklung eines Kindes. Der Anpassungsdruck ist für Kinder heute hoch. In ihrem Vortrag fordert die Pädagogin Éva Hédervári-Heller, „Rebellion zuzulassen, um kritische Menschen zu schaffen“ und kritisiert Ratgeber, die noch immer ihre Schwerpunkte auf Disziplin, Gehorsamkeit und Autorität richten. Im Alltag werde häufig erwartet, dass Kinder sich den Erwachsenen anpassen. Umgekehrt fiele es den Eltern oft schwer, ihr Verhalten jenem ihrer Kinder anzupassen. Die Individualität des Kindes stünde zwar im Fokus wie nie zuvor, gleichzeitig gäbe es aber einen hohen Grad an emotionaler und materieller Verarmung.

Die Pädagogin konstatiert ein Zuviel an Kontrolle, zu wenig würde dem einzelnen Kind ein offenes Ohr entgegengebracht. Die anwesenden Eltern sollen sich informieren und ihr Wissen weiter tragen. Und sie tröstet: „Die Verunsicherung von Eltern ist nicht neu.“

Der ganz normale Wahnsinn des Alltags

In den anschließenden Workshops ging es um Computersucht und Alkoholmissbrauch, um Schulangst und Pubertät – also um den ganz normalen Wahnsinn des Alltags in Familien und die tägliche Arbeit der pädagogischen Fachkräfte, die zahlreich vertreten waren. Alle sind gekommen, um zu erfahren: Wie mache ich es besser?

Von „Erziehungspartnerschaft“ ist an diesem Tag oft die Rede, von „wertschätzen“, „zuhören“ und „kommunizieren“. Aber längst nicht alle sind sich einig, was das heißt. Eltern streiten gegen die Meinung anderer Eltern an, Lehrermeinungen treffen auf Elternopposition, Mütter widersprechen Fachleuten. Dass es keine Patentlösung für individuelle Förderung geben kann, wird schnell deutlich. Doch alle kämpfen bei dieser Elternuniversität um den richtigen Weg – für ihre Kinder, ihr Lebenskonzept und das Familienglück.

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