Alltag

Gender | 25.02.2010 13:00 | Katrin Rönicke

Männer, emanzipiert Euch!

Die Männeremanzipation stockt leider immer noch, denn es fehlen Männlichkeitsbilder der Zukunft. Sind alleinerziehende Mütter und Grundschullehrerinnen schuld?

Die Debatte um die armen Jungen, aus denen später die armen Männer werden, reißt nicht ab. WissenschaftlerInnen zeigten immer wieder, dass es vor allem allein erzogene Jungen hart treffe, da diese noch Jahrzehnte später ein erhöhtes Depressionsrisiko hätten, weil sie vaterlos aufwuchsen. So berichtete auch Jens Lubbadeh auf Spiegel Online vor drei Tagen. Lubbadeh war auf dem Männerkongress 2010, der in Düsseldorf stattgefunden hat. Dort hörte er sich offenbar einige Vorträge über die Männer und ihre Probleme an – und über Jungen, vaterlose. Daraus entstand der Artikel mit dem Titel „Frau muss man sein!“

Vaterlose Jungen wurden unter anderem von Professor Matthias Franz unter die Lupe genommen. Dazu zog er eine Langzeitstudie heran, die Kriegskinder der Jahrgänge 1935 und 1945 untersuchte. Langzeitstudien haben immer einen Vorteil: Man gerät nicht in Gefahr, überstürzte Urteile zu fällen, man betrachtet ein Phänomen und seine Entwicklung über Jahre – und kennt dadurch auch Langzeiteffekte von negativen Einflüssen auf Menschen. Langzeitstudien mit Menschen, die 1935 und 1945 geboren wurden, haben aus heutiger Sicht aber auch einen entscheidenden Nachteil: Sie lassen sich nur sehr schwer auf Menschen übertragen, die 60 oder 70 Jahre später geboren wurden. Kann man einen Jungen, dessen Vater im Krieg starb und dessen Mutter ihn darum allein erzog, wirklich mit einem Jungen vergleichen, dessen Vater einfach nur eine „Neue“ hat oder dessen Mutter nicht mehr mit dem Vater klar kam? Und wurden Jungen der Jahrgänge 1935 und 1945 nicht noch viel mehr zu „Männlichkeit“ erzogen und mussten sie als Männer nicht viel „männlicher“ sein (durchsetzungsstark, hart, mutig, Gefühle an Frauen delegierend), als heute, wo wir beobachten können, dass sich andere Männlichkeitsbilder zu entwickeln beginnen?

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Alleinerzogen, ohne Schaden

Ich meine: Franz und somit Lubbadeh – aber auch altbekannte Autoren wie Hurrelmann und Arne Hoffmann argumentieren immer, den Jungen ginge es so schlecht und sie würden depressiv, weil ihnen das „männliche Vorbild“ fehle – und weil Mütter dieses nicht ersetzen könnten. Hat schon einmal jemand untersucht, warum es dann auch Männer gibt, die nur von einer Frau großgezogen wurden und die keinerlei Schaden davon trugen (ich kenne da einige persönlich)? Was haben deren Mütter denn – rein wissenschaftlich gesehen - „falsch“ gemacht? Oder sind sie nicht vielmehr der Beweis, dass der arme vaterlose Junge kein Muss ist, sondern ein gesellschaftliches Phänomen, das aufgrund mehrerer Einflussfaktoren entstand? Und wer fragt eigentlich, warum es heute immer noch vor allem die Frauen sind, die nach der Scheidung alleine mit den Kindern dastehen?

Es tut sich Gott sei Dank sehr viel in der Debatte. Ein erster und großer Erfolg war das Urteil des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte, das Vätern mehr Mitsprache bei der Sorge um ihre Kinder zusprach. Denn es ist für beide Parteien und insbesondere für die Kinder, einfach unerträglich, dass hierzulande der Wertekonsens dahin zu gehen scheint, dass Väter bei der Kindersorge nicht mitreden dürften und müssten. Keine Rechte, kaum Pflichten. Auf der einen Seite stehen Frauen, die beklagen, dass ihre Männer keinen Unterhalt zahlen, auf der anderen Seite die Männer, die entrechtete Väter geworden waren. Und dazwischen viele Richter, die immer noch meinten, das Beste für das Kind seien ausschließlich die Mütter. Dieses Bild bröckelt.

Auch andere Bilder bröckeln: Seit den 70er Jahren haben sich Frauen kontinuierlich verändert. Zum großen Leid von Frauen wie Eva Herman haben sie sich emanzipiert, haben ihr Leben in die Hand genommen und sind heute erfolgreich in Schule und Beruf. Das ist gut so! Und es wäre wohl nicht so weit gekommen, wenn es keine Frauenbewegung und in der Politik keine gezielte Frauenförderung gegeben hätte. Der ungleiche Lohn, ungleiche Karrierechancen und die immer noch Familien- und damit Mütter-unfreundliche Arbeitswelt (da beißt sich die Katze in den Schwanz), die ungleiche Beteiligung von Frauen in der Politik und auf der sogenannten „Weltbühne“ – all das sind Hinweise darauf, dass es mit der Emanzipation der Frau noch nicht zum Abschluss gekommen sein kann. Trotzdem schreibt Lubbadeh in seinem anderen Artikel, man müsse Frau sein – dann ginge es einem ja viel besser.

Wo sind die Vorbilder?

Was fehlt denn noch? Genau: Die Emanzipation der Männer. Sie ist überfällig und Kongresse wie der in Düsseldorf, die in ihrem Titel die Frage stellen, ob neue Männer sein müssen (oder nicht?) und wie Männer mit Gefühlen umgehen, zeigen nur, dass die Männer ratlos sind. Was für ein Bild von Männlichkeit soll man heute leben? Wer soll das Vorbild dafür sein? Und alle stellen sich leise die Frage: Müssen Männer heute noch aggressiver, stärker, härter, gefühlsärmer und derartige Arbeitstiere sein, wie das früher selbstverständlich war? Ist das ihre testosterongesteuerte Natur? Solche Fragen und ihre Beantwortung mit einem Ja führen dann zu solch absurden Diskussionen, wie der über die Feminisierung der Erziehungsberufe.

Das Wort Feminisierung erhält dann fast eine Konnotation wie „Nazifizierung“ und impliziert etwas Böses. Die ganze Erziehung ist „feminisiert“ – natürlich ist das allein die Schuld der Frauen. Und dass aus den Jungen dann nichts wird, natürlich auch. Aber auch hier wird die Debatte manchmal in die richtige Richtung geführt, wenn von Aufwertung der momentan vor allem „weiblichen“ Berufe ErzieherIn und GrundschullehrerIn geredet wird. Wenn man zugleich von Gendergerechtigkeit in der Kita und Schule spricht und Methoden entwickelt werden, die ErzieherInnen dazu befähigen, ihre eigenen Vorurteile gegenüber den Geschlechtern zu reflektieren und aktiv dagegen zu wirken.

All diese Entwicklungen sind Anfänge. Anfänge, die auch dazu führen können, dass die ins Stocken geratene Frauenbewegung neuen Schwung aufnehmen kann. Denn seien wir ehrlich: Es ist immer noch mit sehr vielen Nachteilen verbunden, eine Frau zu sein – auch wenn darüber nicht mehr so viel geredet wird, wie über arme Jungen. Und es ist gerade die fehlende Emanzipation der Männer, die uns einen nötigen Schub verpassen könnte. Vorausgesetzt, man schafft es die Debatte so zu führen, dass das eine nicht gegen das andere ausgespielt wird.

 

 

 
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Artikelaktionen
Kommentare
THX1138 schrieb am 25.02.2010 um 13:07
"Und es ist gerade die fehlende Emanzipation der Männer, die uns einen nötigen Schub verpassen könnte."

Genau.

Aber zuerst einmal muss mit alten (von der Frauenbewegung) und neu installierten Dogmen (von der Männerbewegung) aufgeräumt werden- und das wird nicht ohne Reibung abgehen.
Dreizehn schrieb am 27.02.2010 um 13:23
@ THX1138
.. nochmal an das erinnert, was mich in diesem thread bewegt: die Sprache der Autorin.
Den Frauen "einen nötigen Schub verpassen"? Wie ist einer gestrickt, der sowas schreibt? Normal bist du aus dem Alter raus, in dem du glaubst, dass Frauen "nötig" haben, dass ihnen ein "Schub" "verpasst" wird, oder? Welch eine abscheuliche Denkweise quillt da hervor.
THX1138 schrieb am 27.02.2010 um 14:48
Ich beschäftige mich mit dem Thema Gleichberechtigung schon seit ein paar Jahren- und mit dem Aufkommen des Internets ist es mittlerweile für jedermann möglich (ich verzichte jetzt auf eine politisch korrekte Schreibweise- der Einfachheit halber), sich innert kürzester Zeit profunde Kentnisse nicht nur über die Frauenbewegung selbst, sondern auch über artverwandte Themen zu verschaffen, die direkt oder indirekt mit dem Thema der Gleichstellung der Geschlechter verbunden sind. Insofern hat der Feminismus, wie er noch in den Sibziger-, Achziger und Neunzigerjahren vorherrschte, seine Diskurshoheit eindeutig eingebüsst, da die Wahrheit- sofern es denn eine gibt- nur einen Mausklick entfernt ist. Dem Feminismus geht es im Zeitalter der Informations- und Wissensgesellschaft genau so, wie anderen Kreisen, Interessensverbänden und Institutionen auch, die unter den Begriff der sog. opinion leaders fallen: Sie verlieren allmählich die Deutungshoheit, weil interessensgeleitete Behautpungen nicht mehr einfach mir nichts, dir nichts aufgestellt werden können. Lügen hatten noch nie so kurze Beine, wie heute!

Ich denke da in einzelnen Bereichen eher an Schubumkehr, wenn wir schon bei der verqueren Diktion der Autorin- die ansonsten nicht schlechte Artikel schreibt- zu bleiben.

Auffallend ist auch der Umstand, dass in diesen Kreisen (ganz bewusst?) mit Lücken operiert wird: Die Argumentation zeichnet sich vor allem durch Auslassungen, also das nicht Gesagte aus. Das gilt sowohl für Polemiken, als auch für Abhandlungen zu wissenschaftlichen Studien aus: Reflektiert werden nur die Teile, die den eigenen Interessen dienen- was den eigenen Interessen- und dem eigenen Weltbild notabene- diametral zuwiederläuft, wird einfach ausgeblendet. Auch da hätte ich unzählige Studien und Statistiken auf Lager- samt entsprechenden Pressemeldungen und Verlautbarungen der hier bezeichneten Kreise. Das ist zum Teil haarsträubend- doch nichts desto trotz offenbar völlig legitim.

Wer mit gezinkten Karten spielt, muss trotzdem damit rechnen, eines Tages dabei ertappt zu werden.
Dreizehn schrieb am 27.02.2010 um 17:57
Inhaltlich argumentieren? Ich find's extrem schwierig, und im Grundsatz überzeugt mich, was Phineas Freek nebean im Wochenblog geschrieben hat; den link hat er weiter unten nochmal reingestellt.

Du musst die Ausgangspositionen in Zweifel ziehen, es gibt sie gar nicht, sie sind Konstrukt, ein Phantasma. Und all die heftigen Frontbegradigungen, die leidenschaftlichen Gefechte? Sie vergeuden wertvolle Energien.

Es gibt Menschen, die hilfsbedürftig sind, und jeder von uns ist auf seine Weise hilfsbedürftig: ein Sozialstaat sollte die erforderliche materielle Hilfe leisten, das Bildungssystem sollte helfen, jeden Bürger auf angemessen zivilisiertes Niveau, auf menschliche Umgangsformen zu heben. Da müssen wir hin. Welchen Sinn hat es da, Männlein und Weiblein zu scheiden und Streit anzuzetteln?

Und nein, das ist nicht naiv und einfach, keineswegs; die Streitereien und Zweikämpfe, die Fronten, sie sind konstruiert, sie sind künstlich, irreführend, überflüssig.
THX1138 schrieb am 27.02.2010 um 18:46
"die Streitereien und Zweikämpfe, die Fronten, sie sind konstruiert, sie sind künstlich, irreführend, überflüssig."

Dem ist heute- im Gegensatz zur Vergangenheit- zweifellos so: Voraussichtlich handelt es sich hier um interessensgeleitete Fronten, die künstlich aufgebaut werden. Wie ich andernorten auch schon bemerkt habe: Die Fakten- wohlgemerkt: aus Statistiken und wissenschaftlichen Studien abgeleitet- sprechen eindeutig gegen viele von gewissen Frauenkreisen vertretene Standpunkte und Theorien. Doch mittlerweile ist aus dem Feminismus eine millionenschwere Industrie geworden- da ist es nur logisch, dass man an der Lebenswirklichkeit von, sagen wir, 90 Prozent aller Menschen im Privat- und Berufsleben keine Interesse hat, weil viel davon eben diesen uralten und geradezu liebevoll gepflegten Dogmen diametral zuwiederläuft. Man stelle sich einmal vor, die breite Öffentlichkeit wüsste um die faktisch zweifellos nicht vorhandene Lohn"ungerechtigkeit" der Geschlechter: Da würden ja zig' Institutionen und staatliche Stellen (und Millionen von Fördergeldern) augenblicklich überflüssig! Wer schafft schon gerne sich (und sein Stipendium) selber ab?
Rahab schrieb am 28.02.2010 um 10:20
@thx...
was wolltest du mit dem deinigen vom 27.02.2010 um 14:48 nun eigentlich sagen? konkret? mich tät's wirklich interessieren!
(das gilt für alles, was du dazu schreibst, dass es zwar einen lohn-unterschied gäbe, aber keine diskriminierung - wobei mir da dein neuestes argument zu sein scheint, dass frauen keine lohnverhandlungen führen können - und für alle deine andeutungen, du hättest da ganz viel material gesammelt, wolltest aber keine 'gratis-arbeit' abliefern - was jederfrau verstehen kann!)
mich täte auch interessieren, für welche männer du eigentlich schreibst? die, welche bei netto einen putzjob auf 325-€-basis (400 war mal!) annehmen, kann du eigentlich nicht meinen - denn denen müßten die tränen kommen, wenn sie was von lohnverhandlungen lesen, in denen sie angeblich besser sein sollen.
Dreizehn schrieb am 28.02.2010 um 13:08
Unter "Blog-Tipps" empfiehlt der Freitag einen Blick in "Das US-Frauennetzwerk" Jezebel. Das ist nun die Industrie, die sich liebevoll der weiblichen Sorgen annimmt:

Why the gossips find Shilo's "Tomboy" attire so odious - SHILO'S SUCH A TOMBOY! She's got a new Peter Pan 'do and doesn't like to dress up like a girly-girl. Does Brad Pitt and Angelina Jolie's daughter secretly want to be a boy?

Gut, so läuft's: reale Anliegen werden medienmäßig verwurstet, d.h. harmonisiert, verwässert und uns allen zu guter Letzt gar noch als "Unterhaltung" aufgetischt. Vom Boulevard, der ja im Freitag hoch gehandelt wird. Daher auch ein solcher "Tipp".
THX1138 schrieb am 06.03.2010 um 23:56
@Rahab, wenn auch reichlich spät: Du fragst mich, für welche Männer ich denn scheibe. Ich schreibe nicht nur für Männer, sondern für beide Geschlechter. Und ich schreibe für denjenigen Teil der Gesellschaft, der bis zur Mitte reicht, vor allem aber schreibe ich für Menschen, die in gemeinsamen Haushalten leben und mit der Frage konfrontiert sind, warum es einfach nicht klappen will mit der gleichberechtigten Partnerschaft.

Ich kenne die Antworten und bin stolz darauf, richtig stolz.

Aber nochmal zurück zu Deiner ursprünglichen Frage: Kernzielgruppe dürften vor allem Frauen sein- als ich damals, vor Jahren also, noch in einer Männerrechtsgruppe aktiv war- mittlerweile schon lange nicht mehr- wurde mir eines bewusst: Es gibt sehr viele Frauen, die erkannt haben, dass auch für Männer etwas schief läuft; dass sie Erwartungen ausgesetzt sind, die sie gar nicht erfüllen können- und dabei Partei für Männer ergriffen habe. Wieviele Male habe ich gehört, ob die Männerrechtsgruppe, der ich seinerzeit angehörte, auch Frauen als Mitglieder aufnehmen würde. Und wenn ich heute so die Medienberichterstattung über die Geschlechterwirklichkeiten betrachte, dann habe ich den Eindruck, dass es nur noch eine Art von unbelehrbaren Feministen gibt: Männer, die speichelleckerisch und unkritisch das nachplappern, was man ihnen in den letzten Jahrzehnten eingetrichtert hat. Ich kenne sehr viele Frauen, die das nicht tun- und noch mehr Männer, die das ebenfalls nicht tun.

Im Prinzip weiss ich wirklich ganz genau, wo des Pudels Kern steckt, bzw. wo der Hase im Pfeffer liegt- warum ich mir solche Artikel überhaupt noch antue, ist mir schleierhaft.

Muss an meiner Debattiefreudigkeit liegen. Oder an meinem Masochismus. Oder meiner Geltungssucht. Oder an der Freude, mich aufzuregen.
TomGard schrieb am 25.02.2010 um 14:41
Ich ziehe es grad vor, es lustig zu finden, wie eine Autorin sich unter dem Titel "Emanzipation" erst über (angeblich) ehemalige "Männlichkeitsbilder" mokieren kann um anschließend ihren Ersatz in einer Art Gender-Angebotskatalog zu fordern.
Bzw. zu behaupten, neue Männerbilder bildeten "sich".

Und was ist mit der "Nachfrage", Frau Rönicke? Warum wohl sind Sie (anscheinend) niemals auf die Idee gekommen, männliche Gender-Konstrukte könnten vielleicht - im Unterschied zu weiblichen - gar vorwiegend nachfrageorientiert (gewesen) sein? Mögen Sie mal einen Gedanken daran verschwenden, daß in einem Staat mit einer immerhin halbwegs funktionierenden Grundsicherung, plus gesonderter Gebär- und Zuchtprämien für Mütter der alte rurale und kleinbürgerliche Zustand, der Weiberleben zum Zubehör männlichen Eigentums- und Berufslebens bestimmte, in beträchtlichem Umfang umgekehrt worden sein könnte? Und daß unter solchen Umständen gewisse historische und aktuelle Zusatzbedingungen, wie z.b. ein schichtungsbedingt und konkurrenzbedingt stetig fallender Anteil an ökonomisch und sexuell attraktiven Männern (sowieso eine widersprüchliche Fügung), weiter die traditionelle sittliche Richtung, welche die Ökonomisierung und Bewirtschaftung sexueller Reize dem weiblichen Geschlecht weitgehend vorbehält, sowie weitere kulturelle Parameter, die ich hier nicht aufzählen will, dazu beigetragen haben, daß "Männerbilder" stets in erster Linie von Frauen geprägt waren?
Ein scheinbar feminisiertes Männerbild ist - umgekehrt - absolut nichts Neues, seine Grundzüge liegen seit der Romantik in der Gestalt großbürgerlicher und bohèmiener Fortentwicklungen von Bestandteilen vor, die spätfeudaler Decadence entstammen, also schon in der Gestehung ein Angebotskonstrukt waren. Sie hatten seither etliche Konjunkturen, hierzulande besonders merklich in der Bohèmekultur der ersten zweieinhalb Jahrzehnte des letzten Jhd. Sie sind parallel neben den söldnerisch-militärischen und Pioniers-Zügen der Männerbilder so alt (oder neu, wie man's nimmt), wie die modernen Nationalstaaten, Volksarmeen, Finanzmärkte und industrielles Bürgertum, aber +/- stets auf die gehobenen Schichten und die prekären Existenzen beschränkt geblieben.

Wie kriegen Sie es hin, um es einfacher zu sagen, gleichzeitig zu verteidigen, daß die Sozialisation in zunehmendem Umfang ausschließlich von Frauen geprägt wird und sich über die angeblich so produzierten Männlichkeitskonstrukte zu beklagen?

Privat stelle ich fest, die Frauenbilder der Männer, die ich kenne, sind in beklagenswertem Umfang weniger an Lust und Liebe - was immer das sei - als an mehr oder minder berechnender Bescheidenheit orientiert; es tut nichts zur Sache, daß dies umgekehrt, rein quantitativ bemessen, wenig anders sein könnte. "Ihr" (ich nehme mich da wohlbegründet ein klein wenig aus) kriegt halt die Kerle/ Weiber, die Ihr Euch 'ranzieht und verdient, so egalitär ist diese Gesellschaft auf Genderebene allemal geworden, das sagen zu können.

Und schließlich drittens:
Ich gestehe, auch ich setzte noch bis in jüngere Zeit einige Hoffnungen in die Verflüssigung der Gender-Konstrukte, welche heutzutag die Eigenart haben, einige Freiheitsgrade mehr aufzuweisen, als andere Konkurrenzkonstrukte. Zwar habe ich nichts "Emanzipatives" von den möglichen, sozial in der Luft liegenden Neuorientierungen erwartet, doch die Verflüssigung selbst, die Bewegung, so dachte ich, könnte abseits des Verhältnisses der Geschlechter, hier und da auch vermittels ihrer Verunsicherung, einiges an Erkenntnissen und Einsichten auf den WEg bringen.
Welch eine Illusion!

TomGard
wwalkie schrieb am 25.02.2010 um 14:49
Hmm. Wer sagt denn, dass die "Feminisierung" des Bildungswesens die "Schuld" der Frauen sei? Es ist ein politökonomischer Prozess, der nichts mit indivividueller "Schuld" zu tun hat, mit dem aber die Ziele der Frauenbewegungen konkludierten. Wie praktisch!

Die "Feminisierung" hat übrigens eine wohl unbeabsichtigte Nebenwirkung, auf die man aber achten sollte: die "Arbeitstiere" im Bildungsbreich sind weniger die Männer. Diese sehen sich vielmehr umgeben von brummenden weiblichen Arbeitsbienen, die sich permanent gegenseitig ihres Arbeitsfleißes versichern müssen. Gerade die "Feminisierung" ermöglicht die flächendeckende Top-down-Durchsetzung von Dressage-Methoden zu Lasten der Inhaltsvermittlung, der Ersetzung des autonomen Lerners durch den employablen Humankapitalträger.

Zur Emanzipation des Menschen gehört auch die Fähigkeit, die berufliche Tätigkeit in Distanz reflektieren zu können. Da mangelt's nicht nur bei den Männern.
TomGard schrieb am 25.02.2010 um 14:52
PS: Ich vergaß den "Witz" der Leistung, Genderkonstrukte in der Art des Artikels zu besprechen und zugleich die familiäre Sozialisation nicht nur nicht anzugreifen, sondern für geforderte Veränderungen zuständig zu erklären.
Noch nie was vom institutionellen Charakter gesellschaftlichen Verhaltens, Normierungen, Wertesystemen gehört?

kopfschüttelnd
TomGard
Red Bavarian schrieb am 25.02.2010 um 18:43
Ich habe mich in meinem Leben schon lange aus dem Themenkomplex ausgeklinkt. Wenn ich das Thema einmal betrachte, dann sehe ich eine Gender-Emanzipation als notwendig an. Also dass Frauen und Männer aufeinander zugehen und voneinander lernen, anstatt dass es eine Frauen-Emanzipation auf der einen Seite und eine Männer-Emanzipation auf der anderen Seite gibt.

Es gibt ja diesen Witz: Die alternativen Eltern sind mit ihrem Baby unterwegs. Werden sie gefragt: "Was ist es denn, ein Mädel oder ein Bub?", antworten sie: "Das soll unser Kind später einmal selber entscheiden."

Ich betrachte das weniger als Witz zum Lachen, sondern mehr als Witz zum Nachdenken. Er erinnert mich an meine Kindheit in einer konservativen Landwelt in den 70ern ohne Alternative: Der unerfüllbare Zwang, schon als kleiner Bub ein harter Mann sein zu müssen. Ich wäre dortmals lieber ein Mädel wie meine Schwestern gewesen.

Einmal provokativ in den Raum gestellt: Das hört sich ähnlich an wie der im Artikel genannte Titel "Frau muss man sein!"
Magda schrieb am 27.02.2010 um 21:36
"Also dass Frauen und Männer aufeinander zugehen und voneinander lernen, anstatt dass es eine Frauen-Emanzipation auf der einen Seite und eine Männer-Emanzipation auf der anderen Seite gibt."

Ist das nicht das Ergebnis, wenn beide Geschlechter sich emanzipieren?
kritzmix schrieb am 25.02.2010 um 22:20
Ich als Mann soll mich emanzipieren? Nun, nichts lieber als das. Als erstes gehe ich nicht zum Wehr- oder Ersatzdienst, brauchen Frauen schließlich auch nicht. OK, dann kommen die Feldjäger, nehmen mich zwangsweise fest und ich mache mich strafbar.
Aber ich habe mich emanzipiert...

Werde ich mal Elternteil, dann würde ich gerne mit meinem Kind mal in den Urlaub fahren, Spanien wäre schön. OK, mangels automatischem Sorgerecht, wie jede Mutter es hat, mache ich mich dann wieder strafbar, denn ich begehe eine Kindesentführung.
Aber ich habe mich erneut emanzipiert...

Irgendwann sagt mir meine Partnerschaft nicht mehr zu. Ich beschließe als alleinerziehender Vater zu leben, packe das Kind ein und ziehe aus. Machen Frauen ja auch. Wieder mache ich mich strafbar, denn ich begehe mangels Sorgerecht Kindesentzug.
Aber ich habe mich emanzipiert...

Werde ich dann nochmals Vater, möchte es aber gar nicht, lehne ich die Elternschaft einfach ab. Machen Frauen ja auch, z.B. durch Abtreibung, Pille danach, Babyklappe etc. Natürlich mache ich mich wieder strafbar.
Aber ich habe mich emanzipiert...

Emanzipation von Männern ist immer nur dann erwünscht, wenn es Frauen nützt.
merdeister schrieb am 27.02.2010 um 21:14
"Werde ich dann nochmals Vater, möchte es aber gar nicht, lehne ich die Elternschaft einfach ab. Machen Frauen ja auch, z.B. durch Abtreibung, Pille danach, Babyklappe etc. Natürlich mache ich mich wieder strafbar.
Aber ich habe mich emanzipiert..."

Teil der Emanzipation ist die Reflexion.

"Wäre" in diesem Fall.
Technixer schrieb am 27.02.2010 um 22:43
Zugespitzt amüsant :)

Einen weiteren Punkt den der Artikel nicht beleuchtet, ist ja ob Frau überhaupt einen "emanzipierten" Mann will, m. E. nach ist dies eben nicht der Fall. Frau will, entgegen lautstarker Beteuerungen, schon eher einen starken richtungsweisenden, intelligenten Mann, der weiß was er will. Was NICHT den egozentrischen Machotyp bedeuten soll oder das ich mir anmaße ein Frauenversteher zu sein.
ER kann IHR Kontra bieten. Ich habe noch nie eine Frau erlebt die einen Mann haben will, der SIE einfach machen lässt. Rethorisch schaffen das doch nur Männer die entweder um vieles älter sind (Lebenserfahrung) oder einen höheren/gleichwertigen Bildungsgrad besitzen.
Ich persönlich kenne nur Beispiele wo der Bildungsgrad von Mann und Frau in langjährigen Beziehungen, entweder gleich graduiert ist oder der Mann eine höhere Bildungsstufe vorweist.
Wir haben also in den Köpfen beider Geschlechter nach wie vor eine Rollenverteilung vorliegen. Dies Ganze findet unbewusst statt... die Austrahlung, die Aura von Männern die Führungspotential haben ;)
Wohingegen Frauen die in höheren Positionen (Karrierefrauen) tätig sind, häufig keine Partner haben (Ausnahmen bestätigen die Regel). In Japan gibt es staatlich geförderte Programme zur Paarbildung (Singleprogramme), weil kaum noch Ehen geschlossen werden. Hauptgrund dafür ist das in den Köpfen von Männern vorhandene Patriarchat, welches starke unabhängige Frauen in Führungspositionen ablehnt. Gerade die japanische Wirtschaft, hat diese Entwicklung förmlich erzwungen. Man konnte auf das weibliche Potential innerhalb einer wachstumsorientierten Wirtschaft einfach nicht mehr verzichten. Außerdem ist es von Vorteil, wenn beide Partner arbeiten, da Förderung (Klavier, Nachhilfe, Auslandsaufenthalt u.v.m.) von Kindern in Informationsgesellschaften wie den unsrigen essentiell.
Dreizehn schrieb am 25.02.2010 um 22:53
Der Artikel, finde ich, ist auch journalistisch miserabel. Im ersten Satz ["arme Jungen, aus denen später arme Männer werden"] sofort der Kübel Häme, auf dass der Autor seinen Standort kundtue, unmissverständlich.

"WissenschaftlerInnen" - da wird achduliebeGüte der Grammatik beigebracht, sich an die Regeln der Emanzipation zu halten. Wird der Orwell oder der Huxley nicht mehr gelesen?

Die Gedankenführung im zweiten Absatz kulminiert in zwei rhetorischen Fragen - SPIEGELschreibe.

Da vergeht mir jegliche Lust am Lesen. Nur den noch: "Bilder bröckeln", das nennen wir Katachrese: Wenn alle Stricke reißen, häng ich mich auf.

Der ganzheitliche Blick verrät: Wer so liederlich schreibt, der denkt genauso.

Mit Bedauern,
Dreizehn
THX1138 schrieb am 26.02.2010 um 19:38
Der erste Satz verrät eigentlich mehr über die wirkliche Haltung der Autorin, als der ganze Artikel, stimmt.

Aber ich nehme an, wir verstehen da nur etwas falsch.

Dialektisch saumässig, wenn man ehrlich sein will.
THX1138 schrieb am 26.02.2010 um 22:02
...aber "drüben", bei der Mädchenmannschaft, gibt's dann wieder einen ganz erstaunt-erbosten Beitrag über die ausufernde "Kritik" gewisser Männer. Nicht dass ich die teilen würde- doch wer dialektisch dermassen saumässig zu Werke geht, wie Katrin Rönicke in diesem Artikel, sollte sich nicht wundern, wenn dem einen oder anderen Mann darob allmählich nur noch die Zornesröte ins Gesicht steigt- woran natürlich wieder nur die Männer schuld sind. Dass der Feminismus nicht nur stehen geblieben ist, sondern mit einer richtiggehenden Glaubwürdigkeitskrise zu kämpfen hat, vermag gut informierte Männer (und auch immer mehr Frauen) kaum mehr zu überraschen.

Trotzdem staunt man offensichtlich über Männer, die ihren Zorn kaum mehr richtig artikulieren können.

Jaja, die Kaiserin ist immer noch nackt... wie vor dreissig Jahren auch schon.

Nichts Neues im Westen also.

Sowas von enttäuschend.
Ehemaliger Nutzer schrieb am 27.02.2010 um 10:34
Auf "Mächenmannschaft" komme ich nicht mehr. Die Mädels sperren einem bei kritischen Äußerungen sofort die IP
Teile dieses Kommentars wurden aufgrund eines Verstoßes gegen die AGB editiert
Dreizehn schrieb am 27.02.2010 um 13:02
Ich beziehe mich auf den mädchenmannschaft-Beitrag vom 25.02., 10:32; damit verglichen, finde ich den Text oben von Katrin Rönicke journalistisch schnoddrig und eben so, als wolle sich jemand auf SPIEGEL herunterschreiben. Wenn man dann sieht, wie ein exzellenter Autor wie Ingo Arend herausgedrängt wird, kann das schon nachdenklich machen.

Frau Rönicke schreibt für mädchenmannschaft; vermutlich ist sie für den Beitrag vom 25.02. nicht verantwortlich. Im übrigen sortiere ich mich nicht in eine Männlein-Weiblein-Debatte - es geht um sorgfältige Argumentation und professionelles Schreiben.

Ist aufgefallen, dass dieser thread gesäubert wurde? Einer fehlt, der von "Arschlöchern" in "vorzugsweise neuralgischen Positionen dieser Gesellschaft" sprach und darauf hinwies, dass es gleichgültig sei, ob da "Lippenstift" benutzt werde oder nicht, und ein darauf antwortender fehlt ebenfalls. Sie hatten definitiv keinen beleidigenden Inhalt, sie waren lediglich pointiert formuliert.
Dreizehn schrieb am 27.02.2010 um 13:53
.. tut mir leid. Das mit der "Säuberung" muss ich zurücknehmen. Stimmt nicht. Steht im thread nebenan und ist nicht "gesäubert".

zerknirscht,
Dreizehn
Ehemaliger Nutzer schrieb am 27.02.2010 um 14:04
Dieser Kommentar wurde aufgrund eines Verstoßes gegen die AGB editiert.
Phineas Freek schrieb am 27.02.2010 um 14:09
@Dreizehn
Das ist ja schon á bisser'l seltsam.
Handelte es sich da vermutlich um diesen Kommentar und meine folgende und zustimmende Erwiderung, die ich gestern hier hinterlassen habe?

www.freitag.de/wochenthema/1008-feminismus-frauen-oecd-maenner-emanzipation

Wenn ja - wer kopiert hier Fremdbeiträge irgendwo rein? Ist ja auch wurscht.
Die Löschung wäre allerdings auch dann nur der Ausdruck einer hilflos vernagelten Diskursunfähigkeit, die exemplarisch ist für eine verbarrikadierte Subjektivität, die ausschließlich nur Hass und persönliche Beleidigungen erkennen WILL, wenn sie NICHT hört, was ihr ideologisches Immunsystem für gut befindet.
Rahab schrieb am 27.02.2010 um 14:17
erst mal wünsch ich mir, dass es bei mr.smith grammatik schlägt. beherrschung der eigenen sprache in wort und schrift ist zwar nicht unabdingbare voraussetzung für emanzipation, aber schaden tut sie dabei nicht.
Phineas Freek schrieb am 27.02.2010 um 14:20
...Fehlalarm. Das freut mich. Erwähnenswert ist es dann aber auch mal, dass dieses Projekt hier bisher frei von Zensur war und unvergleichlich mit allen sog. "Mitbewerbern" ist.
Dafür kann man den Machern ja auch mal seine Wertschätzung ausdrücken.
Ehemaliger Nutzer schrieb am 27.02.2010 um 15:15
Schließe mich gern der Wertschätzung an, Phineas Freek.

@rahab
Da isse wieder, die ewige Nörgelmutti.
Tessa schrieb am 01.03.2010 um 11:51
Lieber Dreizehn,

wir möchten darum bitten die Diskussion um Personalentscheidungen beim Freitag in diesem Thread nicht forzuführen. Bitte kritisieren sie den Text der Autorin sachlich.

Viele Grüße
Tessa
Phineas Freek schrieb am 25.02.2010 um 23:02
„Männer, emanzipiert Euch!“ Wie ist dieser Begriff „Emanzipation“ nur auf den Hund gekommen. Da schickten sich vor Jahrzehnten eine Menge Frauen an, die auf Konkurrenz, Vergleich und gegenseitigen Ausschluss basierenden gesellschaftlichen (angeblich männlichen) Herrschaftsstrukturen zu knacken, um so auf dem Weg zu einer (angeblich weiblicheren) kooperativen und freieren Vergesellschaftung für beide Geschlechter zu gelangen.
Und die „Emanzipationsbewegung“ mutierte brav zur Bewegung für die gleichberechtigte Indienstnahme durch die herrschende Politik und Ökonomie – also genau der (angeblich männlichen) Strukturen, denen man mal den Krieg erklärt hatte.
Nun dürfen auch Frauen im staatlichen Auftrag töten (wobei der Kriegsdienst ja noch nicht bei der holden Weiblichkeit angekommen ist), in den Kommandozentralen kapitaler oder öffentlicher Herrschaft Menschen herumscheuchen, drangsalieren und feuern, oder das ganze mehrheitlich auch umgekehrt – und selbst das regierungsamtliche Oberkommando liegt in den Händen einer Frau.
Das sich nun auch neben all den ekelhaften und omnipotenten Ritualen männlicher Provenienz auch die weibliche Konkurrenzsiegerin mehrheitlich dazugesellt, genauso wie das schutzbedürftige Männlein einer erfolgreichen Powerfrau die Welt mit dem umgekehrten Klischee der 50er Jahre bereichert – das sind ja nicht nur erbärmliche Treppenwitze einer immer unerträglich werdenden politischen Herrschaft und ihren traurigen kulturellen und bizarren Erscheinungsformen.
Sie illustrieren nebenbei und unbeabsichtigt aber auch exemplarisch die praktische Widerlegung behaupteter, nichtkultureller Determinanten eines angeblich „geschlechtsspezifischen Verhaltens“.
Dreizehn schrieb am 25.02.2010 um 23:10
Nein ich sollte vielleicht besser hier nicht weiterlesen. Ich möchte Ihnen das aber wirklich einmal sagen: Der Fanfarenstoß im Titel: Männer, emanzipiert euch!, der wird sogleich im Untertitel [Männeremanzipation stockt leider immer noch] krokodilstränenmäßig konterkariert. Kommt bei mir als verlogen an. Bigott.

Was ich mir bei sowas denke: Da sitzt also eine dieser Oberlehrerinnen, die weiß erstens, was den Männern gut täte, fanfarenstoßmäßig getönt, und weiß zweitens, dass die Kerle das eh nicht gebacken kriegen: "stockt immer noch". Also genaugenommen hätt ich, wär ich helle gewesen, schon mit dem Titel weiterblättern sollen.

Mit beträchtlichem Bedauern,
Dreizehn
spätrömische gefühle schrieb am 25.02.2010 um 23:33
"...dass das eine nicht gegen das andere ausgespielt wird." Genau DAS, und hoffentlich noch die Erkenntnis, dass die täglich vorgekaute Differenz (die ja zudem auch nett ins Auge haut, sage ich als Mann) überhaupt nicht die entscheidende Differenz ist - sondern lediglich nur EINE ihrer Ausprägungen...

Und zudem soll (auch) sie von der entscheidenden sozialen Differenz ablenken (was ja manches Mal auch schön ist, zugestanden...) und ihre Merkmalsträger gegeneinander ausspielen - was ausser grauer Eminenz gar niemandem nutzt.

Jetzt gilt es nur noch, diese Letztdifferenz zu finden, die alles go round macht, und sich quer über die medienpropagierten Lager (die natürlich dann auch durchaus von Weiblein und Männlein GEWOLLT confirmed werden, je nach geschäftlicher Situation und Nutzen - ausser vielleicht von den etwas renitenteren Exemplaren beider Pole des Menschseins)zu verständigen, und abzuschaffen. Dann gibt's auch Frieden mit den Geschlechtern - bei allen fortbestehenden Unterschieden.
Dreizehn schrieb am 26.02.2010 um 07:43
Witzig zu beobachten, wie das in mir arbeitet. Ich verweise Sie mal auf den Block von Mädchenmannschaft; die schreiben so, dass sie auch ihre eigene Ohnmacht im Blick haben und ihre Verletzungen nicht für sich behalten.

Sie gehören offenbar zu den Westerwellen: Immer feste druff und so oft wiederholen, bis der Gegner kapiert. Das ist mehr so die männliche Härte, die oft mit - wie es so schön heißt - Beratungsresistenz daherkommt und die weder Mann noch Frau mit Emanzipation vereinbaren. Sie sind vermutlich auch stolz darauf, wenn Sie im Block möglichst viele Kommentare nachzählen können. Dann will ich mich mal lieber aus dem Staub machen hier.
Ehemaliger Nutzer schrieb am 26.02.2010 um 09:45
"Keine Rechte, kaum Pflichten."

Kaum Pflichten? Soll das ein Witz sein. Die Autorin weiß offenbar nicht was passiert, wenn Vatern keinen Unterhalt zahlt - egal ob der Umgang von Muttern verweigert wird. Das Jugendamt schickt den Gerichtsvollzieher bzw. droht, sich an den Arbeitgeber zwecks Einzug des Unterhalts zu wenden.
Parallel dazu kann Vatern keinen Betreuungsunterhalt gegen den Willen der "konstruierten" Mutter durchsetzen. Warum? Unter väterlicher Zuwendung ist eben hierzulande nur eines vorgesehen: Barunterhalt.

Der "EMMA" war das Urteil des Europagerichts im Übrigen kein Sterbenswörtchen wert. Mütter und Frauen sollen aus demografischen Gründen nicht in die Pflicht - welcher Art auch immer - genommen werden können. Oberstes Gebot ist deshalb die Wahlfreiheit und das Selbstbestimmungsrecht von Frauen. Dafür sorgt ein Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, dass sich bisher namentlich für Männer/Väter nicht zuständig erklärte. Genau diese rückständige Frauenzentrierung des aktuellen Familienrechts verhindert jedoch Geschlechtergerechtigkeit in diesem Land. Auf wessen Kosten, wird anhand der männlichen Lebenserwartung bzw. den Suizidraten mehr als deutlich.

Matriarchat pur!

Immerhin sieht schon mal Frau Köhler, sorry Schröder, diesbzgl. Handlungsbedarf. Die beiden kümmerlichen Vätermonate sind ein dankend aufgegriffener Anfang. Warum eigentlich nur zwei Monate?
Red Bavarian schrieb am 26.02.2010 um 17:04
Der Titel "Männer, emanzipiert Euch!" ist doch ein Aufruf. Im letzten Absatz: "Was fehlt denn noch? Genau: Die Emanzipation der Männer.", und der Schlusssatz "Vorausgesetzt, man schafft es die Debatte so zu führen, dass das eine nicht gegen das andere ausgespielt wird."

Da stimme ich zu. Überhaupt: Die Missstände erkennen und erforschen, das ist der erste Schritt. Der zweite Schritt ist, die Missstände beheben. Die zwei Spiegel-Artikel, auf die Bezug genommen wird (Titel: "Geschlechter-Forschung - Frau muss man sein!" und "Alleinerzogene Jungen - Papa, wo bist du?"), stellen praktisch eine Männersicht dar, während der Artikel oben praktisch eine Frauensicht darstellt. Das soll ja nicht zu einer Front Feministinnen vs. Maskulisten werden.

Den Begriff Geschlechterdemokratie finde ich gut, denn er erinnert daran, dass sich die Frauen im 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts auch in unseren westlichen Gesellschaften erst grundlegende demokratische Rechte erkämpfen mussten, beispielsweise das Wahlrecht.

In den Artikeln geht es ja auch um Kinder. Was ich ungut finde: Wenn den Kindern die emanzipatorischen Kämpfe der Erwachsenen aufgedrückt werden. Ich habe übrigens weder Kinder, noch einen Beruf, wo ich mit Kindern zu tun habe. Als junger Erwachsener habe mir selber geschworen, dass ich weder Familie, noch Kinder haben will.

Jedenfalls ich habe als Kind in einer gewalttätig-patriarchalischen Umwelt keinen feministischen Kampf geführt, sondern ich wollte nur das sein, was ich bin: Einfach ein Kind. Ich wünschte als Bub, ich dürfte mehr wie meine Altersgenossinnen sein, die nicht diesem Zwangskorsett des Maskulin-Sein-Müssens ausgesetzt waren.

Im Artikel "Gemeinsam oder Gegeneinander" (siehe oben unter "Mehr zum Thema") ist zu lesen: "So stand 1986 in der Zeitschrift EMMA: „Wenn wir wirklich wollen, dass unsere Töchter es einmal einfacher haben, dann müssen wir es unseren Söhnen schwerer machen“ (EMMA 6, 1986)."

Ich hätte es anders formuliert: "Wenn wir wirklich wollen, dass unsere Töchter es einmal einfacher haben, dann müssen wir unseren Söhnen zeigen, dass es nichts Schlimmes ist, mehr wie unsere Töchter zu sein."

Als Kind war ich eh so drauf, das habe ich nicht vergessen. Ich drehe Denkwege auch mal um, und schlage andere Denkwege ein. Im Kommentar von Smith heißt es zu den ungleichen Rechten und Pflichten von Müttern und Vätern: "rückständige Frauenzentrierung". Geht es dabei nicht um die rückständige alte Denkweise? Also: Die Väter zahlen, die Mütter betreuen die Kinder. So wie im klassischen Gesellschaftsmodell die Väter arbeiten und das Geld heim bringen, die Mütter dagegen daheim die Kinder betreuen.
Der_Aal schrieb am 26.02.2010 um 18:35
Dein Artikel ist sehr gut geschrieben.

Leider muss ich auch sagen, dass nicht immer nur die fehlende Emanzipation der Männer ist. Oftmals wollen auch die Frauen lieber unmündig bleiben.
Ehemaliger Nutzer schrieb am 26.02.2010 um 20:58
Unmündig?

Nee, hat mit`n Mund weniger zu tun. `Mein Bauch = mein Kind` lautet immer noch die Parole. Wer weiterhin diesbzgl. weitgehend unmündig bleiben soll, ist Manne.
Da muss wohl noch einiges an tradiertem Rollenverständnis dekonstruiert werden.
Magda schrieb am 26.02.2010 um 21:14
Also ich finde die Meinungslawinen, die bei solchen Themen immer runtergehen, höchst amüsant.
klar müssen sich die Männer emanzipieren, das ist doch überhaupt keine Frage.

Das wird schon noch...
Ehemaliger Nutzer schrieb am 26.02.2010 um 23:22
Alles beim "Alten": selbst ist der Mann.
merdeister schrieb am 27.02.2010 um 21:17
"WissenschaftlerInnen zeigten immer wieder, dass es vor allem allein erzogene Jungen hart treffe, da diese noch Jahrzehnte später ein erhöhtes Depressionsrisiko hätten, weil sie vaterlos aufwuchsen."

"Hat schon einmal jemand untersucht, warum es dann auch Männer gibt, die nur von einer Frau großgezogen wurden und die keinerlei Schaden davon trugen (ich kenne da einige persönlich)?"

Ist es Absicht, dass aus einem Depressionsrisiko eine Schadengarantie wird?
merdeister schrieb am 28.02.2010 um 10:27
THX1138 schrieb am 27.02.2010 um 22:25
Da ich nicht gerne Gratismaterial zu Verfügung stelle, dass ich in jahrelanger Kleinarbeit selber mühsam zusammengestellt habe, aber doch gerne genau darüber etwas sagen würde, was ich aber leider aus erwähnten Gründen nicht kann (Hinweis: Selbstironie), weil sonst alle wüssten, was sie offenbar nicht wissen dürfen, denn wenn sie es wüssten, dann wüssten sie auch, dass sie vorher etwas nicht gewusst haben, was sie eigentlich gewusst haben sollten, sodann sie überhaupt an einer seriösen Diskussion interessiert sind, was ich mitunter zu bezweifeln wage, da sie genau vor dem, was sie vieleicht doch wissen, aber nicht wissen wollen, dem, was sie zu wissen vorgeben, irreparablen Schaden zufügen könnte, möchte ich hier ein paar Sachfragen stellen, deren Antworten ich natürlich schon kenne- vor allem darum, weil ich etwas weiss, was andere nicht wissen, oder vorgeben nicht zu wissen, weil sie dem, was sie wissen, keinen irreparablen Schaden- oder Schlimmeres- zuzufügen wollen:

1) Wer weiss, wie es um die gemeinsamen Haushalte aus Sicht der Erwerbstätigkeit bestellt ist?

2) Wieviel Prozent steuern Frauen mit ihrer Erwerbstätigkeit im Durchschnitt an das gemeinsame Haushaltseinkommen bei?

3) Um einer möglichen Antwort auf Frage zwei vorzubeugen: Warum gibt es- entgegen aller Beteuerungen und Schwüre- keine Lohn"diskriminierung" von 20 Prozent zwischen den Geschlechtern?

Für sachdienliche Hinweise und Antworten bin ich ausserordentlich dankbar!
Lee Berthine schrieb am 28.02.2010 um 10:08
Hallo Frau Rönecke,
ach, das ist ein wirklich heikles Thema: Mannsein.
Frausein ist schon kompliziert genug, aber Mannsein, angesichts nur vereinzelter geeigneter Vorbilder und gleichzeitig gestiegener Vorurteile und gesellschaftlichen Erwartungen, wer möchte da schon tauschen... ;)

Nein Spaß beiseite, die Männer können sich nur von Rollenklischees und starren Verhaltensmustern und den sogenannten "Gefühlspanzern" befreien - so sie es denn überhaupt möchten - wenn sie sich mit den sie umgebenden und beeinflussenden Frauen (und Männern) auf Lern- und Entwicklungsprozesse einlassen.
Wer das sagt? Ich, als Nicht-Soziologin...!

Experten kann ich nur empfehlen, was Klaus Theweleit zum Thema geschrieben hat, zum Beispiel.

Ansonsten: selbst ist der Mann - nicht nur die Frau!
Rahab schrieb am 28.02.2010 um 10:40
@Lee Berthine

den hinweis auf Theweleit werden manche nicht gern lesen. schließlich hat doch Amendt den Theweleit unter den tadels- und verachtenswerten "Frauenverstehern" abgelegt.
Red Bavarian schrieb am 28.02.2010 um 16:31
@Lee Berthine: Da stimme ich als Nicht-Soziologe zu. Ich sehe das Thema überhaupt im größeren Rahmen der Gender-Emanzipation, also dass Frauen und Männer voneinander lernen, und dass die Menschen ihr Leben frei von klassischen Gender-Rollen individuell ohne einen gesellschaftlichen und rechtlichen Gegendruck gestalten können.
THX1138 schrieb am 28.02.2010 um 12:25
Ich habe soeben eine vollständige Gegenthese zu diesem Artikel (und anderen gleicher Natur) verfasst- ein Querschnitt aus über 30 Statistiken und Studien, zusammengefasst in wenigen, prägnanten Sätzen.

Wenn nächsten Mittwoch alles gut geht, rückt ein "Gut zum Druck" in greifbare Nähe.
attac.peter schrieb am 02.03.2010 um 23:20
Ich finde, die Überschrift passt nicht recht zum Text.
Aber zumindest wird das leidige Thema Vorbilder angesprochen. Dass Jungen angeblich die Vorbilder fehlen, halte ich für nen grundsätzlichen Irrtum: die Mehrheit der Jungen hat Vorbilder, oft auch die richtigen. Ebenso haben sehr viele Jungen auch positive männliche Bezugspersonen in ihrem Umfeld. Dass die sogenante Bildungskatastrophe der Jungen auf den geringen Anteil an Männern in v.a. Kita und Grundschule geschoben wird, ist meiner Meinung nach, etwas polemisch gesagt, eher eine mediale Arbeitsbeschaffungsmaßnahme für Arne Hoffman und Co. damit sie über was schreiben können.
Eine grundsätzliche Kritik an Bildungsinstitutionen, die natürlich auch geschlechteranalytisch sein muss, wird in der Regel von diesen Leuten nicht geleistet.
Magda schrieb am 02.03.2010 um 23:24
"Eine grundsätzliche Kritik an Bildungsinstitutionen, die natürlich auch geschlechteranalytisch sein muss, wird in der Regel von diesen Leuten nicht geleistet."

Genau.
Ehemaliger Nutzer schrieb am 03.03.2010 um 11:12
Jetzt bin ich mal gespannt, welche Vorbilder da die richtigen sind. Die vielen Väter, "die eine Katastrophe sind" wie du weiter unten sagst, wohl nicht. Mit Sicherheit auch nicht die Männer, an deren Adresse zwei Threads weiter pauschal der Aufruf ergeht: "Emanzipiert euch!".
In den Schulen gibt es kaum männliche Lehrer. Welche mehrheitlich positiven, männlichen Bezugspersonen im Umfeld der Kinder könnten das nur sein? Erübrigt sich gar der Aufruf "Emanzipiert euch!"? Lass hören, Peter.
TomGard schrieb am 03.03.2010 um 13:16
Dass die sogenante Bildungskatastrophe der Jungen auf den geringen Anteil an Männern in v.a. Kita und Grundschule geschoben wird, ist meiner Meinung nach, etwas polemisch gesagt, eher eine mediale Arbeitsbeschaffungsmaßnahme für Arne Hoffman und Co. damit sie über was schreiben können.
Die Diktion entspricht tatsächlich der bei Attac-Linken nicht selten vorzufindenen Gesinnung, eine linke Gesinnung ersetze jede Sachkenntnis. Mach Dich mal kundig Mensch! Und fang bei den Grundtatsachen von Sozialisation überhaupt und der geschlechtlichen im Besonderen an. Dazu muß man nicht J.Butler lesen, mit Beginn der anthropologischen Feldforschung wurde klar, daß Geschlecht in nahezu allen nichtchristlichen Kulturen (der Islam ist christlich) ein sowohl mythologisch wie bewußt ethisch formiertes bipolares Konstrukt darstellte, an dessen Bildungsprozess beide Geschlechter beteiligt sind und sein müssen, soll die Akkulturation gelingen. Überdies ist die Literatur voll von Analysen der vergangenen europäischen "Bildungskatastrophen", die, schmutzig gesprochen, in die Psychopathologie der männlichen Sadisten (es gibt auch weibliche) mündeten, die in den kolonialen und imperialistischen Kriegen eine prominente Rolle spielten. Die auch Momente enthalten, die in der vorchristlichen Formierung der Sklaverei eine prominente Rolle spielten, man kann da gut auf Bornemann zurückgreifen, auch wenn manche seiner Schlüsse mindestens bedenklich sind.

Ein allgemeines Wort noch dazu.
Der bürgerliche Geschlechtsrassismus ist dem Kapitalverhältnis immanent! Die biologische Reproduktion der Arbeitskraft fällt außerhalb ihres Daseins im Kapitalverhältnis in Gestalt von "klein c", ganz nach dem selben Muster, wie Trinkwasserreserven oder nutzbarer Boden aus ihm heraus fallen und daher der Vernichtung preisgegeben sind. Das heißt ohne wenn und aber:
Die Weiber sind im Kapitalismus "von Natur aus" - gemäß ihrer Stellung im Wertverhältnis - Sklawen , insoweit sie im Rahmen ihrer Reproduktionstätigkeiten Zubehör einer in theoretischer wie praktischer Idealisierung (Geld! Lohn!) vollgültigen Kapitalisierung männlicher Arbeitskraft werden. Die nur scheinbar weniger radikale Formel von Engels: Weiber sind im Kapitalismus begrifflich Reproduktionsgehilfen der Männer. Die Abwicklung von Ehe- und Familienverhältnissen nebst fälschlich für "emanzipativ" gehaltene Umverteilung der Reproduktionsarbeiten zwischen den Geschlechtern ändert nichts an den biologischen und elementarisch sozialen Grundvoraussetzungen und ihrer Wirkung im Zusammenhang des Kapitalverhältnisses.
Der Grund, warum der Geschlechtsrassismus notorisch mißverstanden wird, ist derselbe, der dazu führt, daß dieser "Teufel" beständig mit Beelzebub ausgetrieben werden soll: mit dem Begriff sozialer "Gleichheit" nämlich, der den Kern des Rassismus selbst darstellt. Vor der fiktiven Gleichheit eines abstrakt vorgestellten Menschen nämlich, stellt jeder sinnliche, handelnde Mensch eine rassische Abweichung dar. Schwanz und Möse sind das Skandalon der in geistige und seelische Entitäten übersetzten Stellung der Menschen im Kapitalverhältnis, die eine notwendige Verdopplung enthält, welche Marx "Citoyen" und "Bourgeois" nannte. Sie sind übrigens nur eine fortgeschrittende Form der Verdoppelung eines Menschen in "Sünder" und "Gotteskind", wie sie den frühen Formen patriarchalischen Privateigentums entsprang.

Daraus folgt auch ganz abseits entwicklungspsychologischer und kulturtheoretischer Kenntnisse, daß sowohl beim Erwerb des bürgerlichen Gender-Konstrukts, wie zu partiellen Korrekturen an ihm - von kompensatorischen Einwirkungen auf seine Schadwirkungen zu schweigen - eines gewissen Minimums an geschlechtlich arbeitsteiliger Leistung bedürfen.

Für einige weitere Grundlagen zum Thema verweise ich auf meinen Blog:
www.freitag.de/community/blogs/tomgard/frauenarbeit
TomGard schrieb am 03.03.2010 um 13:29
Verzeihung, es muß natürlich "klein v" heißen, und die "SklaWen" waren ein Produkt des Lärmes um mich herum ;-)
attac.peter schrieb am 02.03.2010 um 23:26
"WissenschaftlerInnen zeigten immer wieder, dass es vor allem allein erzogene Jungen hart treffe, da diese noch Jahrzehnte später ein erhöhtes Depressionsrisiko hätten, weil sie vaterlos aufwuchsen."
Es ist tatsächlich schade, dass in der Diskussion immer wieder untergeht, dass viele Jungen Väter haben, die eine Katastrophe sind und aufgrund der Väter zu Depressionen neigen oder von anderen Krankheiten betroffen sind.
Die Diskussion um die fehlenden Väter impliziert doch: Hauptsache ein Vater und alles ist gut. Vielmehr sollte diskutiert werden, wie müssen Eltern sein, was müssen sie für Kompetenzen haben, wie muss Erziehung aussehen, das Zuhause gestaltet sein, damit es den Jungen gut geht?
Red Bavarian schrieb am 03.03.2010 um 14:59
Ich denke, überhaupt werden feministische und maskulistische Belange mit der Kindererziehung vermengt. Besonders gravierend ist das Thema Väter als Gewalttäter in der Familie, woraus für die betroffenen Kinder und Frauen teilweise lebenslange Traumata entstehen.
Red Bavarian schrieb am 03.03.2010 um 15:00
Zum Antwort-Beitrag von Magda vom 27.02.2010 um 21:36: "Ist das nicht das Ergebnis, wenn beide Geschlechter sich emanzipieren?" auf mein "Also dass Frauen und Männer aufeinander zugehen und voneinander lernen, anstatt dass es eine Frauen-Emanzipation auf der einen Seite und eine Männer-Emanzipation auf der anderen Seite gibt."

Es sollte das Ergebnis sein, wobei ich noch einen Schritt weiter gehe, hin zu einer Gender-Emanzipation, das heißt: das Zurückfahren des bipolaren sozialen Geschlechterbildes. Das rückt die Menschen als Individuen mit vielen Eigenschaften in den Mittelpunkt.

Von der Überschrift des Artikels "Männer, emanzipiert Euch!" fühle ich mich nicht besonders angesprochen, denn ich habe kein Wir-Gefühl zu Männern.
attac.peter schrieb am 03.03.2010 um 21:36
@ Red Bavarian . Ok, "aber" ihr nicht Wir-Gefühl zu Männern ist ja vollkommen ok. Heißt das, sie sehen sich nicht als Mann. Wenn ja, dann ist das nachfolgende irrelevant. Wenn sie sich doch als Mann sehen, dann verstehe ich ihr Argument nicht: Warum sollte sich jemand, der sich als Mann sieht nicht angesprochen füheln von der Überschrift aufgrund eines nicht vorhandenen "Wir -Gefühls". Das ist für mich nicht der eigentliche Punkt hier. Ich halte eine kritische Emanzipation von Männern durchaus für notwendig, auch wenn sich ein Mann nicht in dieses Wir-Schema einordnen kann/will. Ich fühle mich auch nicht besonders angesprochen von der Überschrift, aber v.a. weil ich die Überschrift im Grunde genommen nen guten Anlass finde darüber zu diskutieren, was im Text aber untergeht! Was wären denn sinnvolle Ansatzpunkte einer Emazipation aus, wenn wir hier schon beim Freitag sind, linken Perspektive?
freundliche Grüße Peter
Red Bavarian schrieb am 04.03.2010 um 14:24
Mein fehlendes "Wir-Gefühl" zu Männern und das Pendant "Ihr-Gefühl", sowie wo ich mich gendermäßig einordne, das ist eine persönlich-individuelle Sache. Das hat mit der Geschlechtsidentität und mit der persönlichen Lebensgeschichte zu tun. Zu den Eckpunkten in Bezug auf mich selber siehe meine Beiträge weiter oben. Als Kind waren mir Männer und männliche Gleichaltrige viel eher Anti-Bilder, ich habe mich mehr an Frauen und weibliche Gleichaltrige gehalten. Das Problem war in jenem klassisch-konservativen Umfeld: So ist man weder richtig von den einen, noch richtig von den anderen akzeptiert worden. Meine heutige Position als souveräner Erwachsener im mittleren Alter: Es ist mir relativ egal, wo die Gesellschaft mich gendermäßig einordnet.

Dazu kommt das Gesellschaftliche, das Wirtschaftliche und das Politische. Meine Haltung auch in dem Sinn fußt auf Individualität und sozialer Gerechtigkeit, ist also im Großen und Ganzen eine links-alternative. Die Rahmen-Zielsetzung ist, dass jeder Mensch seine Persönlichkeit frei entfalten kann, ohne jedoch anderen diese Freiheit zu nehmen. Von den über-5%-Parteien repräsentiert das heutzutage am besten Die Linke.

Im letzten Absatz des Artikels schreibt die Autorin von der ins Stocken geratenen Frauenbewegung und von der fehlenden Emanzipation der Männer, die den Frauen einen nötigen Schub verpassen könnte. Das liest sich mir so, als ob beide Seiten auf die jeweils andere Seite wartet. So geht logischerweise nichts voran. Der erste Ansatz ist ein Appell: "Frauen und Männer, die ihr unzufrieden seid, tut Euch zusammen."
Katrin Rönicke schrieb am 05.03.2010 um 13:22
Zitat:

"Der erste Ansatz ist ein Appell: "Frauen und Männer, die ihr unzufrieden seid, tut Euch zusammen.""

absolut. sehr gut auf den punkt gebracht.


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