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Pferderennen gelten als mondän, die Galopprennbahn Hoppegarten ist aber schon lange eher Selters als Sekt. Am Wochenende ist Saisonauftakt – Einblicke in ein Milieu

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Mein erstes Mal Galopprennsport war an einem Feiertag. An einem goldenen 3. Oktober entschloss sich meine Familie, von Berlin weiter als sonst hinaus in den Osten zu fahren, um irgendwo hinter Lichtenberg an der B1 auf Pferde mit zackigen Namen und auf Jockeys in geringelten Jerseys zu setzen.

Unsere Wetten auf der Galopprennbahn Hoppegarten waren angesichts gering gehaltener Einsätze ziemlich verlustfrei. Man musste nur die rätselhaften Quoten an den hölzernen Tafeln studieren und den Wettschein auf Platz platzieren. Die kleinen Beträge zirkulierten munter zwischen Wettenden und Rennbahn. Es gab Freudenschreie und Flüche, außerdem Zuckerwatte und Erbseneintopf aus der Gulaschkanone.

Pferderennen gelten oft als mondän, Hoppegarten ist aber schon lange eher Selters als Sekt. Und das macht es so angenehm. Zumal es dort heute auch Belgische Waffeln und Bionade zu kaufen gibt. Man geht mit der Zeit.

1868 fand das erste Pferderennen in Hoppegarten statt. Schnell stieg die Rennbahn zur wichtigsten in Deutschland auf. Der Erste Weltkrieg war ein erster Einschnitt, weil die dominierenden britischen und amerikanischen Jockeys ab 1914 nicht mehr an den Rennen teilnehmen durften. In den dreißiger Jahren wuchs die Rennbahn dann stark, die Tribünen wurden vergrößert. Den Großen Preis 1935 verfolgten 45.000 Zuschauer.

"Walzertraum"

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die Bahn und die noch vorhandenen Vollblüter verstaatlicht. Der Pferderennsport galt in der DDR als bourgeoises Vergnügen und führte ein exotisches Nischendasein.

Ab 1990 erlebte Hoppegarten wieder einen Besucheransturm, die Rennbahn ging an den ursprünglichen Besitzer, den Union-Klub, zurück. Doch die Einnahmen deckten nicht die Kosten für Erhalt und Modernisierung. Der Klub ging 2005 insolvent. Seit 2008 gehört Hoppegarten einem Fondsmanager.

Heute sieht man hier hutbewehrtes Wilmersdorfer Bürgertum genauso wie altgediente Ostberliner Zocker. Es heißt, die älteste Pferderennbahn Deutschlands hätte sich vom Kaiserparcours über den volkseigenen Galoppbetrieb hin zu einem Bionade-Biedermeier-Themenpark gewandelt. Tatsächlich ist dieser Ort am Rande Berlins aber eine Mischung aus allen drei. Die Atmosphäre aus Anspannung, Erlösung und Enttäuschung hat einen eigenen Reiz.

Wir setzten an jenem Oktobertag übrigens auf „Walzertraum“, der nicht ganz hielt, was sein Name versprach. Ein polnischer Student freute sich stattdessen über den „Großen Preis“. Aber auch wenn man auf der Bahn nicht reich wird, ist Hoppegarten einen Sonntagsausflug wert. Wollen wir wetten?

Saisonauftakt in Hoppegarten ist am Sonntag, den 17. April, Einlass ab 12 Uhr

Daniel Seiffert arbeitet als freier Fotograf in Berlin. Er tippt auf der Rennbahn immer nur auf Platz. Um damit zu gewinnen, muss das Pferd unter die ersten Drei kommen

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