Tessa

Ein Fetzen Gemeinschaft.

07.06.2010 | 19:19

Community-Debatte - Sparen II

Die Regierung hat heute ihr Sparpaket vorgestellt (hierzu Tom Strohschneider: Die Ärmsten im Visier).

Wir möchten dazu mit allen Lesern, Bloggern und Kommentatoren eine Community-Debatte sowohl hier im Netz als auch in der Zeitung gestalten (mehr Infos hier). Den ersten Teil der Debatte findet ihr nach dem Klick, zudem haben wir gebeten alle Blogbeiträge zum Thema mit dem Stichwort 'spardebatte' zu taggen. Alle Beiträge lassen sich über das Banner in der rechten Spalte der Website aufrufen.

Wir sind weiterhin gespannt auf eure Reaktionen, Kritik und Kommentare zu dem Sparprogramm der Regierung, sowie zu euren persönlichen Sparplänen und Sparzwängen in euren Haushalten und Auswirkungen von Sparmaßnahmen in den Kommunen. Aber auch zu der Frage: in welchem Bereich darf keinesfalls gespart werden, wo muss jetzt investiert werden?

Schreibt eure Beiträge gerne als Kommentare zu den zur Thematik erscheinenden Artikeln und Blogs und als eigenständige Blogbeiträge. Gerne teilt uns auch mit, welche Aspekte der Entscheidungen der Regierung und ihrer Auswirkungen ihr von Seiten der Freitag-Redaktion näher beleuchtet haben möchtet.

Viele Grüße

Tessa

 

 
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Kommentare
j-ap schrieb am 07.06.2010 um 19:47
Liebe Redaktion,

was ich mir nicht nur in diesem Zusammenhang wünschen würde wäre eine waschechte Wirtschaftsredaktion, die beispielsweise mal erklärt, daß der Begriff »sparen« im Zusammenhang mit Staatshaushalten bzw. Staatsausgaben schlichtweg eine Verschmutzung der intellektuellen Landschaft ist, weil der Begriff als solcher jede Pointe verliert: Sparen heißt intertemporale Rückstellung freier Mittel zu späterer Verwendung, während Sparen bei Staatsausgaben nur bedeutet, weniger auszugeben — die Pointe dabei ist aber, daß der Staat nur das ausgeben kann, was er wem auch immer entweder im zurückliegenden (d.h. Besteuerung) oder im vorausliegenden (Schulden) Zeitraum abknöpft.

Wo »spart« daher der Staat? Natürlich bei all jenen, deren Fiskalabhängigkeit jedes Maß an Kujonierung erlaubt. Und das ist nun einmal nicht bei den oberen Zehntausend der Fall, sondern bei denen, deren Existenz von staatsbürokratischem Wohlverhalten abhängt: Rentner, abhängig Beschäftigte, »Aufstocker«, HartzIV-Bezieher et al.

Ich hätte schon einen »Sparvorschlag«: Reißen Sie den Staat nieder! Jetzt! Nicht morgen! Und zwar umso mehr und umso dringender, je weiter »unten« Sie sind!

Zu welcher 'linken' Zeitung muß man denn in diesem gottverdammten Land noch krebsen, um soetwas zu lesen zu bekommen?

J. A.-P.
Deaktivierter Nutzer schrieb am 07.06.2010 um 20:33
Der erste Kommentar ist immer der beste.
Ohne Schmunzeln.
Skepsis schrieb am 08.06.2010 um 01:03
Bist du es Guido?
luggi schrieb am 07.06.2010 um 20:17
Auf das ganze Dilemma gibt es nur eine Antwort: Entmachtung der Finanzoligarchen (der internationalen).
Erdlingsdings schrieb am 08.06.2010 um 00:43
@luggi
Ich dachte die Spekulationsblasen entstehen, da es keine ausreichenden Investitionsmöglichkeiten in der Realwirtschaft gibt. Da ändert sich auch nix wenn die "internationale Finanzoligarchie" entmachtet wird!?
Magda schrieb am 07.06.2010 um 20:25
Bei den Renten wollen sie ja nicht sparen. Bei uns ist sie auch nicht wesentlich über dem "Armutslevel" .

Der Zuschuss des Bundes zur Rentenversicherung beträgt 80 Milliarden Euro. Dass über die Rentenkassen auch zahlreiche versicherungsfremde Leistungen finanziert werden, soll zumindest erwähnt werden.
Und die Höhe dieses Zuschusses ist auch geringen Löhnen geschuldet und dem Abbau von voll beitragspflichtigen Jobs. Hier muss der Staat einspringen, was dann wieder von denen, die Deutschland zum Niedriglohnland gemacht haben, lauthals beklagt wird. Die Arbeitgeberverbände haben massiv für eine Senkung der Renten plädiert. Da spielt auch die Intention einer weiteren Privatisierung der Rentenvorsorge eine Rolle.

Sicherlich spielt bei der Entscheidung, auf Rentenkürzungen zu verzichten, eine Rolle, dass die Rentner eine wichtige Wählergruppe sind.

Aber indirekt trifft es sie. Zum Beispiel bei den Heizkostenzuschüssen für Wohngeldempfänger. 400 000 Rentner zum Beispiel sind Wohngeldempfänger und werden auf den Zuschuss verzichten müssen.

Ansonsten sind Rentner bei allen Beitrags- und Gebürenerhöhungen ohnehin betroffen. Aber, bis jetzt - erstmal nur mittelbar. Sorgen machen wir uns trotzdem.
weinsztein schrieb am 07.06.2010 um 20:32
Inwiefern sind Rentner nur mittelbar betroffen, wenn ihnen das Wohngeld gestrichen wird oder ihnen Beiträge und Gebüren erhöht werden?
j-ap schrieb am 07.06.2010 um 20:38
Ihre Sorgen — und die aller anderen Rentner und Pensionsberechtigten — sind auch im höchsten Maße angebracht. Immerhin sind die Erträgnisse, die während Ihrer bisherigen Lebensarbeitszeit an Beiträgen aufgelaufen sind, stets 'treu sorgenden' Händen anvertraut. ...

Was muß eigentlich in diesem Land geschehen, daß hier mal richtig »rumble« herrscht? Sie haben Dekaden lang in Kassen einbezahlt, und nun, da Sie dem Apparat auf Gedeih und Verderb ausgeliefert sind, herrscht betretenes Schweigen? Was muß man Ihnen denn noch kürzen? Wie lange darf sich denn »Vater« Staat noch ungebeten zu Ihnen aufs Kanapee legen und sich an Ihres Heimes Herdfeuer schadlos halten, bis Sie mal den Feuerlöscher holen?
j-ap schrieb am 07.06.2010 um 21:07
Je mehr ich darüber nachdenke, desto schneller schwillt mir die Zornader zum Platzen. Wissen Sie, sehr verehrte Magda, woran mich dieser Satz: »Bei den Renten wollen sie ja nicht sparen« erinnert? An Harry Graf Kessler. Der beobachtete nämlich im November 1918, wie die lieben Berliner im Tierpark flanieren gingen, als sei überhaupt nichts geschehen. Er merkte dazu an:

»Auf den Gesichtern stand geschrieben: Die Löhne werden weiterbezahlt.«

Genau so klingt das bei Ihnen, Magda. Die Renten werden schonmal nicht gekürzt. Ja gott- und kaiserlob, kann man da nur sagen, da ist der Kelch ja noch einmal an Ihnen vorübergegangen. Mit dieser Einstellung ist nunmal kein Staat zu machen. Wobei das völlig falsch formuliert ist: Mit genau dieser Einstellung ist nur ein Staat zu machen!

Hat denn hier niemand mehr auch nur den leisesten Anflug von Selbstachtung im Leib? Als Westerwelle damals an die Schneeschaufeln rief, habt ihr Euch alle miteinander aufgeregt, als ginge die Welt unter. Aber bei solchen Luftnummern kreischt die ganze Republik, als gäbe es kein Morgen mehr. Hauptsache, den Hormonhaushalt wieder einmal Gassi geführt.

Ihr seid alle miteinander genauso korrupt wie die großen und kleinen Damen und Herren 'da oben', an denen ihr's stellvertretend immer so sehr geißelt. Ihr seid's zufrieden, wenn man euch einen Hunderter mehr läßt im Monat, ja noch schlimmer: Ihr seid sogar zufrieden, wenn man euch den Hunderter im Monat nicht auch noch abzieht!

Und genau deshalb habt ihr auch genau die Regierung, die Euch zusteht — auch wenn ihr noch so sehr quengelt.

(Meinem Adrenalinspiegel zu urteilen bricht der Sommer bald aus. Ich schalte deshalb an dieser Stelle für heute aus.)
mcmac schrieb am 07.06.2010 um 21:55
Kein Problem, kann jedem mal passieren. Und das ganze gute Adrenalin sollen die Nebennierchen natürlich nicht umsonst ausgeschüttet haben; es könnte hier z.B. noch ganz gute Dienste erweisen: www.kapitalismuskrise.org/aktuelles/bundesweiter-aufruf-12-06-10/
Magda schrieb am 07.06.2010 um 22:40
"Genau so klingt das bei Ihnen, Magda. Die Renten werden schonmal nicht gekürzt. Ja gott- und kaiserlob, kann man da nur sagen, da ist der Kelch ja noch einmal an Ihnen vorübergegangen. Mit dieser Einstellung ist nunmal kein Staat zu machen. Wobei das völlig falsch formuliert ist: Mit genau dieser Einstellung ist nur ein Staat zu machen!"

Hören Sie bitte auf, mich persönlich anzumachen. Was ich sonst tue und wie ich mich politisch engagiere, wissen Sie nicht. Also bitte....
Magda schrieb am 07.06.2010 um 22:41
@ weinsztein - Bei mir wäre unmittelbar gewesen, wenn sie direkt die Renten gekürzt hätten, was ja im Gespräch war.
Ehemaliger Nutzer schrieb am 08.06.2010 um 01:06
@j-ap
@mcmac: "Kein Problem, kann jedem mal passieren."

Es IST ein Problem.
Es sollte jedem mal passieren.
Eigentlich fortwährend passieren.
Dass es nicht passiert ist ein Indiz für eine Fehlfunktion der Nebennieren...
j-ap schrieb am 08.06.2010 um 05:22
Liebe Magda,

ich hatte tatsächlich nicht Sie persönlich im Sinn — das wäre auch schwer, weil ich, richtig, Sie gar nicht kenne — sondern eher die Haltung, die Sie hier vorgetragen haben. Und mit der sind Sie nun wirklich keineswegs alleine, im Gegenteil.

Ihr müßtet ja noch nicht einmal »Revolution« machen. Es würde ja völlig genügen, wenn ihr einfach nicht mehr mitmacht ...
mcmac schrieb am 08.06.2010 um 10:06
Liebe Leif Miles,

ich bin ganz bei Ihnen; allerdings wäre es noch schöner, wenn wir die Wut dahin senden, wo sie hingehört und uns hier nicht gegenseitig vollsauen. Also: wir sehen uns?...http://www.kapitalismuskrise.org/aktuelles/bundesweiter-aufruf-12-06-10/
Magda schrieb am 08.06.2010 um 13:11
"sondern eher die Haltung, die Sie hier vorgetragen haben."

Ich habe keine Haltung vorgetragen, sondern etwas konstatiert, nämlich dass sie die Renten vorerst nicht direkt kürzen. Und von einem Kelch, der an mir vorübergeht ist schon gar nicht die Rede.

"Ihr müßtet ja noch nicht einmal »Revolution« machen. Es würde ja völlig genügen, wenn ihr einfach nicht mehr mitmacht ..."

Was soll das heißen: Soll ich mich umbringen? :-))

Schwebt mir schon lange vor: "Die Kohortenschlachtung als Lösung des Rentenproblems. (kleiner Scherz)
luggi schrieb am 07.06.2010 um 21:31
Die "Mutti" TINA Merkel widerspricht sich doch selbst mit ihrer "Schwäbischen-Hausfrauen-Propaganda" im Wahlk(r)ampf 2009 zur Bundestagswahl.
sinngemäß:"Wenn es einem Familienmitglied schlecht geht, dann borgt sich etwas und zahlt es...(den Rest des Unsinns erspare ich mir)." Und jetzt? Alles Merkel-Alzheimer?
Merkel als Physikerin. Mit der richtigen Energie verschwindet Materie.
Sie ist die Fortsetzerin der finanztechnischen Kausalität: Der Dualismus von "Dein Geld - Mein Geld". Materie löst sich auf, toll.
misterl schrieb am 07.06.2010 um 22:42
Was mich an sich am meisten irritiert ist die Brennelementeabgabe, welche in Verbindung gebracht wird mit der Verlängerung der Laufzeiten von Kernkraftwerken. Ist das an irgendeiner Stelle überhaupt schon beschlossene Rechtslage?
Magda schrieb am 07.06.2010 um 23:11
Darüber wird glaube ich auch schon diskutiert. Dass das so eine Hintertür sein soll für die Verlängerung der Laufzeiten und versüßt mit dem Argument Steuereinnahmen. Oder so.
misterl schrieb am 07.06.2010 um 23:21
Selbst Herr Rötten, Bundesumweltminister der CDU mit Rückendeckung der Kanzlerin (bisher) geht davon aus, dass er dafür das Votum des Bundesrates benötigt. Das dürfte nach der NRW-Wahl Geschichte sein. Gut in Baden Würtemberg hat man bereits im Etat für 2010 Milliardeneinnahmen eingeplant aus Laufzeitverlängerungen ohne gesetzliche Grundlage.

Aber leben wir in einer korrupten Bananenrepublik? Sag bloss nicht ja...
GeroSteiner schrieb am 07.06.2010 um 22:47
>>spardebatte

Das Finanzsystem mit dem unterlegten Zinseszins-Wahnsinn in Form einer Exponential-Funktion führt unweigerlich zu einem defizitären System, wenn irgendwann mal Geld geborgt wurde um Umzuschulden. Wer es als Staat erst einmal bis zur Insolvenz geschafft hat, darf als Bittsteller auf den Fluren der IWF-Büros warten. Nichts macht Macht deutlicher. Weiteres Geld gibt es nur gegen eine sogenannte Absichtserklärung - vulgo Erpressung.

Diese Absichtserklärungen führen immer zu den gleichen Reformvorschlägen: brutale Einschnitte ins soziale Netz, Steuererhöhungen, strenge Haushaltsdisziplin, Entlassungen in staatlichen Einrichtungen, Kürzungen der Gehälter von Staatsbediensteten, Privatisierung nationaler Industrien und Ressourcen sowie die teilweise oder komplette Liquidierung öffentlicher Dienste.

Die zugrunde liegende Logik ist so zwingend wie falsch: Wie soll man denn einer finanziellen Misere beikommen, wenn nicht durch radikales Sparen? Moment. Sparen? Ein Staat kann nichts auf die hohe Kante legen. Weniger ausgeben ist gemeint! Die Regierungen belasten also die Ärmsten, die sozial Schwachen und die Normalverdiener, die, von denen am wenigsten Widerstand zu erwarten ist.

Die angekündigten Sozialkürzungen durch Verschuldung und Geldknappheit sind der Dreh- und Angelpunkt, wenn es darum geht, den Volkswillen zu brechen. Die perfide Logik, dass man ja leider nur das Geld ausgeben kann, was man hat, ist irgendwie zwingend - oder auch alternativlos, wie wir häufiger schon von unserer Bundeskanzlerin gehört haben. Die zum Teil wahnwitzigen Milliardenvermögen in den Händen der reichsten 10 Prozent der Bevölkerung werden dabei geflissentlich verschwiegen.

Abschlussbemerkung zum Thema sparen: Die Idee, einem abgemagerten Kranken durch eine kräftige Diät auf die Beine zu helfen, führt nach allgemein gültiger Auffassung eher selten zu einer Gewichtszunahme, sondern endet aus naheliegenden Gründen zumeist mit dem Hungertod.
Magda schrieb am 07.06.2010 um 23:12
"Die Idee, einem abgemagerten Kranken durch eine kräftige Diät auf die Beine zu helfen, führt nach allgemein gültiger Auffassung eher selten zu einer Gewichtszunahme, sondern endet aus naheliegenden Gründen zumeist mit dem Hungertod."

So wirds wohl werden.
Erdlingsdings schrieb am 08.06.2010 um 00:57
Es gibt 2 Dinge wo Sparen sinnvoll ist.

1. Sparen wir uns das Gejamer
2. Sparen wir für Maschinengewehre und jagen die Politiker/Kapitalisten-Brut zur Hölle.

P.S. war nur ein scherz, jammert soviel ihr wollt^^
eykiway schrieb am 08.06.2010 um 01:10
Wenn du sie verjagt hast kommen neue politiker andere werden verjagen deine Politiker
An der Krippe sitz und frisst das Schwein und du wirst immer sein ein Mensch
Skepsis schrieb am 08.06.2010 um 01:34
Man sollte jetzt gar nicht sparen - so einfach ist das!
Ich weiß auch nicht, warum man in Deutschland immer wieder die gleichen Fehler wiederholen muss. Pro-zyklisches Sparen und Deflationspolitik haben hierzulande noch nie etwas gebracht - weder bei Brüning noch bei Schröder (noch dem Platzen der Dot.com Blase).

Man sollte versuchen, das BIP wieder auf das Niveau von 2008 zu bringen, denn dann würde sich viele Probleme von alleine erübrigen.

Ergo: Die Sparmaßnahmen sind ökonomischer Schwachsinn und eine sozialpolitische Katastrophe!
j-ap schrieb am 08.06.2010 um 05:24
»Man sollte versuchen, das BIP wieder auf das Niveau von 2008 zu bringen, denn dann würde sich viele Probleme von alleine erübrigen.«
Es gibt für jedes Problem eine Lösung, die einfach, klar und falsch ist.
nuntius schrieb am 08.06.2010 um 05:57
Die Sparmaßnahmen sind keine sozialpolitische Katastrophe.
Soziale Politik wird im Wirtschaftssystem BRD seit etwa 15 Jahren systematisch abgebaut, und hat den Status Katastrophe schon längst überwunden. Und der Traum von der Lösung mit dem BIP träumen die Wirtschaftspolitiker schon seit Jahrzehnten ohne Sinn und Erfolge. Natur und Umwelt, Rohstoffe und Arbeitskräfte sind doch realistisch gar nicht mehr in der Lage den BIP ins Unendliche zu steigern.
Ich weiß auch nicht warum die Leute jammern? Sie haben ihre Regierung gewählt, diese hat ihr Sparkonzert und ihre einseitige Interessenvertretung seit langer Zeit angekündigt und erfüllt jetzt nur ihre Wahlversprechen. Das wollen doch immer alle, und so lange sich aus den Armen noch Milliarden rauspressen lassen, ohne das die sich wehren, ist damit noch lange nicht Schluß.
misterl schrieb am 08.06.2010 um 09:13
Da stimmt so nicht.

Die FDP wurde zB gewählt weil sie unverdrossen von Steuersenkungen für alle, Mittelstandsbauch (auch ein Steuerthema) und solide Mittelstandspolitik (kleine Unternehmen) stand und stehen wollte.

Das alles ist einkassiert worden und zum Dank gibt es weder einen höheren Spitzensteuersatz (den wollen sogar Teile der Union) und kein Börsentransaktionssteuer (welche die die grossen Händler getroffen hätte). Letzte war gar kein Wahlthema.
j-ap schrieb am 08.06.2010 um 09:54
»Börsentransaktionssteuer (welche die die grossen Händler getroffen hätte)«
Eine Börsentransaktionssteuer würde in erster Linie die Kleinen treffen, also etwa Daytrader et al., weil die Großen sie einfach auf die Gebühren umlegen.
mh schrieb am 08.06.2010 um 10:23
nur die bankenabgabe ist vom tisch, nicht die transaktionssteuer.

mfg
mh
j-ap schrieb am 08.06.2010 um 10:41
Lieber mh,

ich sehe es genau anders herum: Die Bankenabgabe wurde soeben für 2011 ff. ins Visier genommen, im Zuge der sog. »Sparbeschlüsse«. Inwieweit das nur Augenwischerei für's Publikum ist, lassen wir mal dahinstehen.

Bei der Transaktionssteuer siehts etwas anders aus. Im Wege eines Alleingangs dürfte die nicht ohnehin nicht funktionieren, man befrage dazu die skandinavischen Länder, die das zu Beginn der 1990er-Jahre schon durchzogen; die dazugehörige Entschließung des Koalitionsausschusses ist darüber hinaus so windelweich formuliert, daß der Magel an Ernstlichkeit von vornherein jedem klar sein muß.

Ich halte übrigens beide Maßnahmen für falsch. Wesentlich wichtiger wäre, die gesamte Malaise per Wurzelbehandlung zu erledigen.
BanaBab schrieb am 08.06.2010 um 10:59
@j-ap
ich unterstreiche vor allem Ihren letzten Satz! Das würde auch der überschaubaren Gemeinde der Ural-Kat....... helfen:-)
B.V. schrieb am 08.06.2010 um 11:33
"Man sollte jetzt gar nicht sparen - so einfach ist das!
Ich weiß auch nicht, warum man in Deutschland immer wieder die gleichen Fehler wiederholen muss. Pro-zyklisches Sparen und Deflationspolitik haben hierzulande noch nie etwas gebracht - weder bei Brüning noch bei Schröder (noch dem Platzen der Dot.com Blase).

Man sollte versuchen, das BIP wieder auf das Niveau von 2008 zu bringen, denn dann würde sich viele Probleme von alleine erübrigen.

Ergo: Die Sparmaßnahmen sind ökonomischer Schwachsinn und eine sozialpolitische Katastrophe!"

So ist es! Ansonsten: Brüning läßt grüßen.
Und wo das endete wissen wir (jedenfalls einige).
j-ap schrieb am 08.06.2010 um 11:41
(BanaBab schrieb am 08.06.2010 um 10:59)

Gebenedeit sei unser aller (sprich: beider) Swedlitschok, товарищ!
BanaBab schrieb am 08.06.2010 um 11:57
Amen und Всего хорошего!
Пока! :-)
mh schrieb am 08.06.2010 um 13:58
@j-ap: politisches handeln erfolgt nich auf basis von falsch oder richtig.

die globale bankenabgabe wurde am wochenende auf dem g20 finanzminstertreffen gekippt. jeder kann da zwar irgend was machen, es gibt aber kein gemeinsames handeln und somit höchstens schwächliche, symbolische akte.

die worte von merkel dazu waren gestern auch entsprechend... wobei es ohnehin komisch erscheint, dass die schaffung eines auffangfonds im bundeshaushalt verbucht werden soll.....

finanztransaktionssteuer hingegen wird man ende juni dann sehen, auf dem haupttreffen.

mfg
mh
Skepsis schrieb am 10.06.2010 um 03:47
Und es gibt Postings die kurz und inhaltsleer sind - wie deiner. Wie wäre es mit einer konkreten Begründung?
Skepsis schrieb am 10.06.2010 um 04:05
Ich hab auch nicht von endlosen Steigerungen gesprochen, sondern lediglich davon, das BIP wieder auf das Niveau von 2008 zu steigern, das sollte doch möglich sein, oder?

Übrigens halte ich nichts von diesem "Grenzen-des-Wachstums-Gefasel" bei dem sich konservative Kulturpessimisten und deren ökologisch bewegten Sprösslinge weinend in den Armen liegen. Insbesondere dann nicht, wenn das "Gürtel-enger-schnallen" und der Verzicht auf Wohlstandfswachstum auf Kosten der sozial Schwachen organisiert werden soll.
Lukasz Szopa schrieb am 08.06.2010 um 11:47
Sparen, bzw. wie "j-ap" richtig bemerkt, "sich weniger verschulden" ist auf jeden Fall sinnvoll - nicht nur in einer schwierigen Haushaltslage. Abgesehen davon, dass man langfristig (nicht nur als Staat) nicht mehr aus- als einnehmen darf - zum Glück hat es Griechenland als warnendes Beispiel vorgezeigt. Selbst wenn man nicht nahe an einer Staatpleite ist - es ist doch erschreckend, dass prozentuell jedes Jahr mehr vom Haushalt als Zinsen füe die Bedienung der Schulden anfallen!

Andererseits ist die Frage, WIE man sparen sollte. Denn ähnlich wie ein Unternehmen oder ein Familienhaushalt sollte man nicht "sich dumm sparen" - indem man bei Faktoren spart, die früher oder später substanziell für den Wohlstand sind. Wenn ein Produktionsunternehmen 50% seiner Maschinen verkauft, und 70% der Vertriebsleute entlässt - wird es auch in "besseren Zeiten" untergehen, auch wenn die buchhalterische Bilanz kurzfristig positiv erscheint. Oder wenn eine Familie z.B. drastisch bei den Heizkosten spart - das Ergebnis sind dann Krankheiten und damit verbundenen Kosten bzw. Einkommensausfälle.

Beim Staat ist es nicht anders - wenn man bei Bildung, Investitionen, Infrastruktur spart, oder aber die mittleren oder unteren Einkommen belastet - ist das Ergebnis bald noch schlimmer: weniger Einkommen führt zu weniger Steuereinnahmen, ein Teufelskreis.
Daher lobe ich z.B. die Vorhaben von Guttenberg, bei Verteidigungsausgaben drastisch zu kürzen. Oder die Vorhaben (die wohl leider wiedermal kaum durchkommen werden), einzelne Subventionen oder Begünstigungen zu streichen, die nur einzelne begünstigen (Kohlesubventionen, Eigenheimzulage, Ehegatten-Splitting, etc.).
Ausserdem plädiere ich schon sein langem für "Back to Helmut Kohl" - wenn es um die Einkommensteuersätze oder Körperschaftssteuer geht, und eine niedrigere MwSt.
Weitere wichtige Einnahmen wären Vermögenssteuern (incl. Erbschaft), die auf das Niveau von GB oder USA steigen - also auf bis zu 5%. Nichts gegen "die Reichen" an sich, aber wer Vermögen anhäuft, dem nutzt ein funktionierender Staat mehr als einem "Ärmeren".

Eine Transaktionssteuer sollte sowieso kommen - auch ohne der Finanzkrise und "Banken-bashing". Einfach als eine sinnvolle regulierende Maßnahme.

Renten und "Soziales" sind natürlich im Haushalt ein riesiger Brocken - doch andererseits sind es auch "Versicherungsverträge" (die leider seit Jahrzehnten mit dem Bundeshaushalt vermengt werden) - man kann die nicht einfach kürzen. Da sollte man mittelfristig eine Reform in Richtung "staatl. Rente = Mindesteinkommen" anschlagen (wer zusätzlich mehr privat anspart, hat dann auch mehr), dieses (wie alle anderen Sozialleistungen) dann aber jedes Jahr inflationsangepasst. Denn das von Adenauer eingeführte Rentensystem (unter dem inzwischen zynischen Titel "Generationenvertrag") ist demografisch schon seit den 70ern nicht zu halten.

Bei Kinder- und Elterngeld kann ebenfalls gespart werden - aber anders als es jetzt die Regierung tut. Also diese Sozialleistungen an das Einkommen anrechnen - und ab einer gewissen höhe wieder versteuern (asunahme: Hartz IV-Einkommen, da dann ein "Harzer" vom Kindergeld prozentuell mehr abgeben müsste als ein Gutverdienender.)
Skepsis schrieb am 10.06.2010 um 04:32
Dem ersten Teil deines Beitrages liegen zwei fundamentale Irrtümer zu Grunde.

1.) Deutschland ist nicht Griechenland. Die deutschen Schuldverschreibungen (a.k.a Bundesanleihen) gelten als die sichersten der Welt (höchstes Rating, höchste Bonität, niedrige Zinsen), Deutschland hat über Jahre enorme LeistungsbilanzÜBERschüsse erwirtschaftet und eine private Sparquote von über 11%. Kurz: In Deutschland kann von einer allgemeinen(!) Überschuldung nicht mal ansatzweise die Rede sein.

2.) Man kann das ökonomische Gebaren Deutschlands und die Finanzmarkt-/Euro-Krise nicht voneinander trennen. Die rot-grüne Deflationspolitik nach dem Platzen der Dot.com Blase (also: Sparen, Priviatisieren, Deregulieren, Exportieren) hat mit zur Krisen-Entstehung beigetragen. Anders gesagt: Man macht hierzulande erneut dieselben Fehler wie damals.

Dem Rest deines Beitrages möchte ich ausdrücklich zustimmen.
Lukasz Szopa schrieb am 10.06.2010 um 09:47
Ad 1.) Stimme ich zu. Dennoch finde ich es nicht gut, das der Anteil des Schuldendienstes im Bundeshaushalt immer höher wird. Ein konstantes Weiter-Verschulden mittelfristig unsozial: Denn die Gläubiger des Staates sind eher die Vermögenden - und die verdienen an den Zinsen. Während der Staat immer weniger Handlungspielraum hat - und das vor allem die Ärmeren trifft (ob über Soziales, Bildung, Infrastruktur).

Ad. 2.) Ich finde Sparen ,Deregulieren, Privatisieren "an sich" nicht immer falsch - nur habe ich den Anschein, dass erstens die damalige Regierung (wie viele andere in Europa, u.a. GB) diese Schritte weniger aus volkswirtschaftlich rationellen als aus eher ideologischen (oder defätistischen: "Es geht eben nicht anders...") Gründen/Überzeugungen gemacht hatte. Ich finde dennoch das der größte Fehler der Schröder-Regierung die Herabsenkung der Steuern (ESt wie auch KörpSt) war - in dem Glauben(?): "Wenn die Reichen mehr in der Tasche haben, geben sie es schon aus - und der Wirtschaft und allen wird es schon besser gehen."...
rolf netzmann schrieb am 09.06.2010 um 11:47
Eine Zahl ist mir im Gedächtnis geblieben. Als 2005 die rot grüne Bundesregierung in die Geschichte einging, wurde veröffentlicht, was ihre führenden Köpfe als monatliche Pensionen erhalten.Die Herren Fischer und Schröder bekommen jeden Monat mehr als 8000 Euro von uns Steuerzahlern. Dass teht ihnen nach geltender Rechtslage zu, es wurde hart erarbeitet. Wer heute zwei Legislaturperioden als Hinterbänkler im Bundestag aushält, bekommt schon eine Pension, die für ein gutes Leben später reicht. Wie viele ehemalige Abgeordnete und Minister gibt es in Deutschland, die längst wieder andere, gutbezahlte Jobs haben und später die fette Kohle vom Staat erhalten. Wenn das System dahin geändert würde, dass Abgeordnete und Minister zwar gut verdienen, aber für ihre Altersvorsorge selber sorgen müssen, würde der Staat viele Millionen sparen und die Rentenversicherungen noch Einnahmen erzielen. Ausserdem hätte es den Nebeneffekt, dass nur noch Menschen Politiker werden, die dies innerlich wollen, weil das Versorgungsparadies wegfallen würde. Dies würde zwar die aktuellen Staatsschulden nicht abbauen, aber wesentlich zu einer besseren Akzeptanz der Politiker , zu mehr Ehrlichkeit und Transparent führen.
goedzak schrieb am 09.06.2010 um 14:07
Die Wirtschaft will es so, die regierungsamtlichen Klientelparteien führen es aus. Genannt wird es 'Sparen', ob das nun der richtige Begriff ist, egal, im Klartext heißt es, allen, die sich nicht wehren können, was wegzunehmen/vorzuenthalten. Den Betroffenen stellt sich nun also wieder die Frage, welche Dinge von der Einkaufsliste gestrichen werden können/müssen.

Ich habe mir die 'Humanisierung' (kein elementarer Mangel, keine wesentlichen Konsumprivilegien mehr) des Kapitalismus immer damit erklärt, dass es einen systemimmanenten Zwang zum Massenkonsum gibt. Solange die Produktion Massen von Produzenten brauchte, die dann die Massen von Produkten/Waren konsumieren konnten, war alles in Butter. Auch als die Rationalisierung dazu führte, dass Teile der Massen nicht mehr als Produzenten gebraucht wurden, war deren Existenz noch gesichert, da man sie als Konsumenten brauchte. Doch nun steh' ich bass erstaunt da und sehe: Auch diese letzte Existenzberechtigung für große Teile der Massen ist verloren gegangen!! Braucht der Kapitalismus den Konsum etwa nicht mehr? Kaufen Autos jetzt Autos? Oder zerschießen wieder Panzer Panzer?

Puh, jetzt bin ich aber abgeschweift. - Also, sparen! Sparen ist für uns konkrete Individuen ja sowas wie erzwungene Konsumverweigerung. Früher habe ich mich immer der von meiner peer group propagierten Konsumverweigerung verweigert, weil ich darin eine perfide Art der Warenästhetik sah: Man kriegt ein schlechtes Gewissen beim Konsumieren eingeredet, womit verhindert wird, dass ich unbefangen genießen kann. Was bedeutet, dass ich durch den Konsum nicht zur Befriedigung komme, was wiederum dazu führt, dass ich weitere Konsumobjekte brauche (And I try and I try but I can't get no satisfaction...), eine Art Konsum-Nymphomanie/-Satyriasis also.

Ab sofort aber sage ich Ja zur Kosumverweigerung! Bestehe jedoch auf meiner Genusssucht!!! Praktisch sieht das so aus: Kein Auto mehr, Radfahren, Zufussgehen, Mitfahrgelegenheit nutzen, Kaffee zu Hause kochen, Bücher leihen, Balkonurlaub, Naturaltausch, Mundraub, Allmende nutzen, zum subkulturellen Bricollagieren zurückkehren statt Moden zu folgen etc.pp.
Tessa
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