Die Kollektion der Münchnerin Miriam Schaaf, die am kommenden Donnerstag als eine von sieben Jung-Designern bei der Beck's Fashion Experience in Berlin mit ihren Entwürfen den Laufsteg befüllen wird, ist für Schaafs eigenes Shooting für die Liebhaber eines stark geschminkten Jared Leto gestylt worden. Ein Blick in ihre Inspiration, dargestellt als eine Aneinanderreihung von Künstlernamen, verdeutlicht den hochverdichteten Einfluss eben dieser auf ihr Design. David Bowie, PJ Harvey, Fiona Apple, Caspar David Friedrich oder Donnie Darko - all sie und viele weitere, eher aus düsteren Gefilden stammende Künstler, scheinen durch die Stücke von 'Kein Wille triumphiert' als modischer Auswuchs hindurch. Und richtig vermutet: Die Namensgebung ihrer Kollektion ist wohl einer Textzeile von Tocotronic zu verdanken.
Wenn auch durch die medial am stärksten zelebrierte Jugendkultur unter dem Stichwort 'Emo' der Eindruck entstehen konnte, dass ein bißchen Schmerz im Herzen, geschminkte Buben und Anlehnungen an Gothic und dunkle Gestalten nur modisch frivol, mit wenig Kreativität, Babyspeck und Lippenpiercing geschehen konnte, belehrt Miriam Schaaf uns eines Besseren. Traurig, wunderschön und trotz des Emo-Hauchs dem Versprühen von Leichtigkeit nicht abgeneigt, beschreibt sich für mich die Kollektion der Modedesignerin. Interpretiert man Schaafs Design hinsichtlich kommender Trends, können Frauen ihre Männer wohl zum Valentinstag in diesem Jahr mit einem Kajalstift überraschen, auch ohne Fan der Band Tokio Hotel gewesen zu sein, dessen Sänger sich seit den ersten Tagen der Band und noch vor Einsetzen seines Stimmbruchs begann dunkel zu schminken.
Ausgabe 06/12
09.02.2012
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