Tessa

Ein Fetzen Gemeinschaft.

21.01.2009 | 10:24

Those Dancing Days - In Our Space Hero Suits

Die Wahl ihres Bandnamens im Zusammen- spiel mit den sorgsam selektierten Vintage-Outfits, die über die skandinavischen Streetstyle-Blogs auch aus der Garderobe deutscher Mädchen nicht mehr weg zu denken sind, lässt erste Schlüsse darüber zu, welche musikalischen Schritte die Mädchen von Those Dancing Days in die Welt des Pop gewagt haben: Es sind beschwingte Schritte direkt auf das Tanzparkett jeder Indie-Disko: Mit Anlauf, mit rosigen Wangen, aber vor allem mit Stimme. Linnea Jönsson, die Sängerins, ein zartes Wesen mit frech sprin- genden Locken, manövriert eine sehr erwachsene Stimme durch jungen, verspielten Sound ohne in den Kurven vom Gas zu gehen. Ihr souliger Gesang trägt wohl nicht unwesentlich dazu bei, dass eine Gruppe soeben volljährig gewordener Musikerinnen nicht direkt in die Ecke des Zuckerpop abgeschoben wird. Zudem verzichten die Damen aus dem Stockholmer Vorort Nacka auf eine Rotation am Lead-Mikrophon oder den übermäßigen Einsatz ihrer Stimmen vereint im Chor, der auch in nonchalant vorge- tragenen Stücken schnell die Erinnerung an ein Ferienlager wecken kann. Die Rollen und Instrumente sind klar verteilt. Seit dem Sommer 2005 spielen Rebecka, Lisa, Cissi, Mimmi und Linea als Band zusammen. Auch bei den Schwedinnen entpuppte sich die Entscheidung einige Demos auf ihre Myspace-Seite zu laden als einfache Werbe- maßnahme mit hoher Triebkraft. Sie werden ohne Frage in diesem Jahr fester Gast bei britischen Award-Shows sein.

Ihre erste EP konnten die fünf Energiebündel vergangenen August veröffentlichen und überbrückten die Zeit zum Erscheinen ihres ersten Albums mit dem Abklappern der Bühnen sämtlicher schwedischer Festivals. Dass die Damen von ihrem Schwung on Stage nichts verlieren, lassen nicht nur Augenzeugenberichte sondern auch die bereits veröffentlichten Videos verlauten, die den Drive, der das gesamte Album durchzieht, bilderreich und bunt in Szene setzen. Mit einem Trompeten-Intro läuten Those Dancing Days 40 Minuten ungestümen Pop ein: Nicht glatt, nicht fehlerfrei, teils verspielt, teils in kitschigen Sphären wandelnd, doch ohne die Lauscher des Süßen überdrüssig werden zu lassen. Das hier schmeckt ehrlich. Those Dancing Days erscheinen so liebenswert, weil sie zum einen naturgetreue, musizierende Mädchen darstellen, ohne Absicht süß doch nicht unerreichbar glamourös, immer noch tanzend aber nicht Hüfte schwingend, keine gestylt genug um den Look der Fans zu diktieren. Zum anderen servieren sie neben ‚Hitten’, die schwedische Vokabel für Hit, ein komplettes Album voller Kompositionen, die als kommerzielle Popsongs Wirkung entfalten könnten doch die Eigenwilligkeit aufweisen, die vielen Chartsongs fehlt. Trotz dieser Leistung vermisst man ein wenig Variation in Melodie, Tempo und Arrangements. Goldmedaillenkandidat des Albums ist sicherlich ‚I know where you live’, dessen wunderschönen Metaphern ebenso zu Herzen gehen wie die sehnsüchtig bekommene Stimme von Frontfrau Linnea. In ‚Space Hero Suits’ brauchen Those Dancing Days sich schon bei ihrem Debutalbum nicht zu verstecken um sich gehörigen Respekt zu verschaffen.


Those Dancing Days
In Our Space Hero Suits
(Wichita/Cooperative Music/Universal)
 
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Tessa
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