Also neulich: Berlinerin und Berliner wollen abends noch los. Mit dem Rad, klar. Sie: „Is mir zu kalt.“ Er: „Quatsch, komma her, setzte dich bei mir aufe Stange, wird schon schön puschig.“ Sie: „Na gut!“
Losgeradelt, war wirklich puschig und ja auch gar nicht weit: Drei Straßen weiter warten Kumpels mitm Bully, rein das Rad und die Leute und raus aus der Stadt. Irre Party aufm Dorf, müssen alle hin. Aber bevor man noch da ankommen konnte, eine Straße weiter dies:
Mann liegt an Straßenbahnhaltestelle. Ganz recht: LIEGT. Daneben: Fahrrad, zum Mann gehörig. Berliner auf Rad halten an. D.h.: Er hält an, sie muss mit anhalten, ob sie will oder nicht. Aber sie findet das auch gut, wenigstens fragen kann man ja. Also:
„He, alles ok?”
“Nnningnschdraßnbn…”
“Hm?”
Berliner zu Berlinerin: “Der ist besoffen.”
Berlinerin: „Aber der kann hier doch nicht so liegen bleiben.“
Liegender: „NrmdschwillnachHause!“
Berlinerin: „Na bitte: Da kommt die Bahn, he Sie, steigen Sie da ein und dann los!“
Liegender: „NnnnnneeeSchwillnTaxiMitmTaxifahrnwillsch!“
Straßenbahn rauscht weiter, Berlinerin zückt ihr Handy. Hat jedoch keine Taxinummer in Speicher oder Kopf und hält also Ausschau. Unterdessen lernen sich Berliner und Liegender kennen.
„SchbinDerWolleUndDu?“
„Ähem, ich heiße ... ähem Tim.“
Berliner ist misstrauisch, von Natur aus.
„UndDieDa?“
„Ähem... das is... hm... na das is Antje.“
„AAAAAAAANTJE, kommaherhier!“
Berlinerin winkt von anderer Straßenseite, wo sie sich zum Behufe der Besorgung eines Taxis aufhält. Zwei Taxis fahren vorbei, eins hält kurz, fährt dann weiter, das vierte hält länger. Fahrer kurbelt Scheibe runter:
„Wasn los.“
„SchwillNaHauseeeee!“
„Der is besoffen. Den nehmick nich mit.“
„SchwillNaHauuuuuuuse Alter!“
„Nüscht is.“
Berlinerin und Berliner reden auf Taxifahrer ein. Alle werden ein bisschen laut, der Betrunkene ist am lautesten. Schließlich zückt er einen Ausweis:
„HierKannsteKiekenSchbinPoooolizist! Brauchst keene Angst ham!“
„Ja klar und meine Oma is Mutta Theresa...“
„Hörma schbin escht Poooolizist hier kannste gucken hörma wenn du misch nich mitnimmst ich will deine Taxinummer und alles hömma!!“
„Mir reichts, ich ruf die Bullen.“
„Abersch BIN doch die Bullen!“
Betrunkener versucht zu erklären, dass Polizei-Ruf unschön wäre, weil: Sein Revier, hier. Deswegen mit Straßenbahn, weil Radfahren betrunken durchs eigene Revier doof. Und jetzt Polizei auch doof, sind ja seine Leute. Taxifahrer greift zum Telefon, Berliner und Berlinerin gackern. Dreißig Sekunden später nähert sich von links und rechts je ein Einsatzwagen, sog. Wanne. Halten mit quietschenden Reifen, springen raus: Drei Männer, eine Frau. Zweiter Wagen: Drei Männer. Großes Hallo.
„Mönsch Wolle, isn los hier?“
„Machst DU denn hier, Wolle?“
„Na Wolle, is wieder so weit?“
Zwei vorbeikommende Taxen halten an und rufen ihrem Kollegen „Isn los?“ zu. Mehrere nicht betrunkene Polizisten am Wegschmeißen, einer hört dem Taxifahrer mit ernstem Gesicht zu. Betrunkener zwingt Polizistin die Namen von Berliner und Berlinerin aufzuschreiben. Die beiden geben vor Schreck die richtigen an. Polizisten inkl. Wolle und Fahrrad ab („Komma wir nehm dir mit, na komma her hier.“), Taxifahrer mit quietschenden Reifen dito.
Der Tag danach: Wolle steht bei Berliner und Berlinerin vor der Tür und fragt, ob sie nicht auch der Meinung wären, dass er den Taxifahrer keinesfalls BEDROHT hätte. Berliner und Berlinerin stimmen zu und werden das notfalls vor Gericht oder wo wiederholen. Schlechtgelaunter Taxifahrer. Frage nach Taxinummer ist doch keine Drohung. Hm.
Merke: Betrunkene Polizisten, die Hilfe brauchen, immer nach ihrem Revier fragen! Notfalls zehn Meter weiter schleppen und so Beschwerden vereiteln! Wahlweise: Ungeliebte betrunkene Polizisten IN ihr Revier zerren und größtmögliche Aufmerksamkeit auf sie ziehen! Nicht den echten Namen nennen!
Quelle: „Antje“ M. und „Tim“ S. aus B.