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Kultur : Pantha Du Prince: Geschichten im Club

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Hendrick Webers Wurzeln liegen in der Indiemusik – begeistert von der Hamburger Schule zog er Mitte der 90er in die Hansestadt, seine aktive musikalische Karriere begann er als Bassist der Indie-Band Stella. Dann wandte er sich immer mehr der elektronischen Musik zu, die ihn seit seinen Jugenderlebnissen auf Kasseler Raves Anfang der 90er in Form von Detroit House und Minimal Techno begleitet hat. Er veröffentlichte Projekte unter dem Namen Glühen 4, aber vor allem als Pantha du Prince.

Vor drei Jahren bekam Hendrick Weber eine E-Mail aus London. Absender war der Geoff Travis, Chef des legendären Londoner Indie-Labels Rough Trade. Der war so beeindruckt von Webers zweitem Album unter dem Namen Pantha Du Prince, dass er sich den deutschen Elektromusiker auf sein Label holte und ihm sogar einen nichtexklusiven Vertrag anbot.

Dass heißt, das Weber auch weiterhin mit dem kleinen Hamburger Label Dial verbunden bleiben kann, auf dem er bisher veröffentlichte. Sein neues Album Black Noise nahm er in den Schweizer Alpen auf. Das bedeutet noch lange nicht, dass es dort entstanden ist – denn die Hauptarbeit fand in Webers Berliner Studio statt.

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Welches Konzept steckt hinter Pantha Du Prince?
Weber: Pantha Du Prince war für mich die Idee, dass ich ein Clubprojekt mache, das aber auch andere Schichten und Erzählungen hat, die vielleicht sonst nicht im Club stattfinden. Das ist sehr konzeptionell, aber der eigentliche Vorgang ist dann aber sehr frei fließend. Ich probieren einfach rum. „Black Noise“ klingt nach einer Konzeptplatte, ist es aber am Anfang gar nicht gewesen, sondern ist alles im Prozess entstanden. Das war kein vorgefertigtes Gerüst, was ich dann bearbeitet habe.

Aber hinter dem Album steckt doch schon eine ganz klare Idee. Kannst du den Prozess der Entstehung beschreiben?
Ich habe mir auch relativ viel Zeit gelassen, weil auch persönlich bei mir viel passiert ist und ich war auch viel unterwegs und hatte wenig Zeit, Studioarbeit zu machen.

Ich habe mich dann mit Joachim Schütz, mit dem ich in Hamburg ein Studio hatte, zusammengetan. Der macht Theatermusik und ist so ein ganz ausgefuchster Tüftler, der elektronische Verfahrensweisen gut entwickeln kann. Er erzählte mir von einem Haus in der Schweiz. Ich habe dann gesagt: Da müssen wir hinfahren und was machen. Ich wollte einfach so einen Sack mit Klängen füllen, die ich im Studio wieder auspacken und mich durcharbeiten kann.

Das Haus war also eure Ausgangsbasis für die Aufnahmen. Was für ein Haus war das?

Das Haus ist auf eine Art recht unheimlich. Es ist nicht so das klassische Schweizer Chalet, wo man mit der Milka-Schokolade n der Hand auf der Terrasse sitzt. Es waren auch noch Tiere drin aus einem angeschlossenen Streichelzoo, und die hört man natürlich auch nachts, obwohl man mit denen gar nichts zu tun hat.

Wie habt ihr die Sachen dann eingespielt?

Wir haben viele Wanderungen gemacht. Dann haben wir irgendwann entdeckt, dass es da an dem Haus ein total verwunschenes Gebiet gibt. Wir haben herausgefunden, dass da 1816 ein Hang abgerutscht ist und ein Dorf begraben hat. Da sind wir sozusagen in diesen Bergrutsch rein, um zu spielen und mikrofonieren. Es gab schon während der Aufnahmesituation eine Form von Entörtlichung, das heißt, du hast mehrere Mikrofone und hörst gleichzeitig verschiedene Orte, und hörst auch was die anderen spielen an den verschiedenen Orten, was schon im Kopf einen komplett neuen Raum beschreibt, weil man sich das so zusammen setzt.

Ich fand das gut, weil es schon eine Faltung an sich war. Es ging nicht nur um diesen kitschigen, romantischen Moment, dass man da in den Bergen aufnimmt, sondern auch darum, innerhalb dieses Bergrutsches Realitäten zu konstruieren. Wir haben eigentlich immer nur kurze Settings aufgenommen, kleine Improvisationen.

Was für Instrumente habt ihr da gespielt?
Das waren meistens präparierte Sachen, von Kontaktmikrofonen bis präparierte Akustikgitarren mit abgeklemmten Saiten. Ich habe oft auch einfach den Raum aufgenommen, bin mit dem Fieldrecorder durchs Studio gelaufen. Wir haben viele Gitarrenexperimente gemacht, mit elektronischer Gitarre und E-Bow, also Induktionsschleifen, die die Saiten zum schwingen bringen und dann bleibt ein Ton stehen. Und Bass habe ich auch viel gespielt. Aber nicht im üblichen musikalischen Sinne, sondern mit freier tonaler Gestaltung.

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Dann bist du mit den Sachen in dein Berliner Studio gegangen.
Ich hatte eine Festplatte voll mit Material. Das war einfach ein Beutel voll mit Geschichten. Ich habe in diesen Aufnahmen Momente gesucht, wo es besonders dicht war und versucht, aus diesen Momenten Stücke raus zuziehen. Ganz kurz, meistens zwei, drei Sekunden. Manchmal nehme ich auch längere Teile raus, aber das sind dann Klänge, die ich auch noch einmal weiterprozessiere.

Ich habe das dann auch mit dem Studioenvironment verknüpft und die Klänge in eine komplett synthetische Welt morphen lassen und habe mit physical modelling die Sachen dann nochmal nachgebaut und nochmal gelayert. Es ist schwierig, mit wilden Klängen, die draußen aufgenommen worden sind, eine Clubplatte zu machen.

Es ging es mir aber auch darum, diese Form von Verfremdung, und die Frage, was ist echt und was ist nicht echt, ohne so einen Authentizitätsanspruch zu stellen - wir machen jetzt hier Folktechno oder so einen Quatsch. Es ging darum zu sagen: Was du hörst ist das, was du in deinem Kopf hörst, da besteht keinerlei Bezug zu einer Form von Humanität oder Echtheit dahinter.

Für mich stellt sich bei allem, was für dich dahinter steht die Frage: Machst du dir auch Gedanken, welche Bilder beim Hörer entstehen könnten, der die ganzen Geschichten ja nicht kennt und mit diesen unkenntlichen Schnipseln konfrontiert wird? Was du in Deinem Kopf hast ist ja erstmal nicht erschließbar.
Das ist ja nicht schlimm. Die Platte soll auch so hörbar sein, ohne diese Informationen. Die gebe ich jetzt dazu, weil man darüber redet. Für die erste Platte gab es die Informationen ja auch nicht. Ich finde, dass die Musik an sich auch für sich selbst stehen und auch als Track im Club funktionieren muss. Ich möchte da auch gar nicht so viel Informationen dazu geben. Die Information, wie das entstanden ist, das überfrachtet die Musik noch nicht, oder den Hörer, dass er schon vorgefertigte Bilder im Kopf hat. Ich glaube das ist eher spannend, dass dann zu hören.

Die sprachst vorhin von den verschiedenen musikalischen Einflüssen. Aus welcher Musiktradition kommst du?
Zunächst war die Teenage-Initiation, also diese Riot-Initiation. Die hat bei mir mit englischen Gitarrenbands stattgefunden – Ende der 80er, Anfang der 90er Jahre, also Post-Smiths Shoegaze Musik. Damit habe ich sowas wie eine Ich-Werdung erfahren. Also in dem Sinne: Das ist jetzt meine Musik und nicht die Musik meiner Eltern, sondern meine eigene Welt.

Ich bin dann als Teenager viel ausgegangen, in Indie-Clubs von Kassel. Die haben dann aber irgendwann zu gemacht. Dann konnte man weiterziehen in die Techno Clubs oder auf illegale Partys. Insofern haben mich die verschiedenen Szenen immer schon beschäftigt. In denen habe ich mich auch zu Hause gefühlt, habe aber nirgendwo wirklich sozial verwurzelt, weil ich Stadtfreunde hatte und Landfreunde, die unterschiedliche Interessen hatten. Und so ist das glaube ich auch bis heute mit der Musik.

Du bist dann Mitte der Neunziger nach Hamburg gezogen.
Ich bin dahin gezogen, weil ich die Szene da interessant fand, die Post-Punk-Szene und was dann so hochkam in St. Pauli um den Pudel und Heinz Karmers Tanzcafé. Da habe ich dann auch weiter viel Gitarrenbands gehört, aber auch schon experimentelle Musik, also z. B. Die Mille Plateau-Sachen, die bis heute extrem beeinflussend für mich sind, wie Terre Thaemlitz. Aber sowas wie Daft Punk hat mich auch total für House begeistert, oder Egoexpress in Hamburg.

Darüber ist man ganz schnell bei Detroit angekommen, und ich habe mich dann auch wieder an die alten Zeiten in Kassel erinnert, wo das auf den Partys auch lief. Das ist so ein Interesse für bestimmte Musikern und Szenen, die sich jetzt in Pantha Du Prince in einer Mischung aus House und erzählerischer elektroakustischer Musik widerspiegeln,und man hört noch immer sowas wie Songwriting mit durchschwingt. So setzt sich das, glaube ich, aus einer Geschichte zusammen.

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Pantha Du Prince spielt am 22.7. ab 20 Uhr im Rahmen von Based in Berlin im KW Institute for Contemporary Art.

Das Interview wurde anläßlich des Erscheinens seines aktuellen Albums Black Noise im vergangenen Jahr geführt. Die ausführliche Version ist auf Popkontext.de nachzulesen.

Fotos: Barbara Mürdter / Popkontext

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Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.