rolf netzmann

der weg nur ist das ziel

22.02.2012 | 14:15

Der Autofahrer bleibt der Depp der Nation

1,66 Euro kostete der Liter Benzin gestern im Durchschnitt in Deutschland. Nun fordert der ADAC eine Erhöhung der Pendlerpauschale, sind es doch die Berufspendler, die dieser hohe Preis vor allem trifft. Wer keine öffentlichen Verkehrsmittel nutzen kann, für den bleibt die Benutzung des eigenen PKW alternativlos.
Doch ist diese Forderung berechtigt und vor allem, wie ist diese Steigerung des Preises gegenüber der Vorwoche zu erklären?

Am meisten verdient immer noch der Staat an jedem Liter Benzin. Die Mineralöl- und Ökosteuer betragen 65,5 Cent je Liter, dazu kommen 19% Mehrwertsteuer. Etwa 60% des Literpreises gehen also direkt an den Staat. Ausser in Frankreich und Großbrittanien langt der Staat nirgendwo in Europa so zu. Knapp 40 Milliarden Euro kassiert die Bundesrepublik  pro Jahr für den Besuch an der Tankstelle.
Insofern ist die Forderung des größten deutschen Automobilclubs nur folgerichtig und würde den Pendlern wenigsten einen Teil des Geldes, dass sie beim Tanken an den Staat bezahlen, zurück geben. Sie passt auch in die Zeit, weil die Steuereinnahmen Deutschlands im Moment so sprudeln wie schon lange nicht mehr.

Warum aber steigen die Preise so an, wo doch die Steuern auf dem gleichen Niveau wie 2011 verharren?
Einer der Gründe könnten die  politischen Unruhen im Nahen Osten und die Drohung des Iran sein, kein Öl mehr zu liefern. In Frankreich lag am 20.02.2012 der Durchschnittspreis bei 1,95 Euro/Liter, und die Franzosen erhalten schon kein iranisches Öl mehr. Die Vermutung liegt also nahe, dass auch in Deutschland die Preise noch weiter steigen werden.
Ein anderer Grund ist, dass in Zeiten politischer Unruhen immer auch mehr an den Börsen spekuliert wird. Das war bei den Wetten auf Staatsbankrotts zu erleben und ist jetzt beim Preis für Rohöl nicht anders.
Ausserdem sind die Rohölpreise gestiegen.

 Der Preis für Rohöl der Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) ist weiter gestiegen. Nach Berechnungen des Opec-Sekretariats vom Montag kostete ein Barrel (159 Liter) am Freitag im Durchschnitt 118,60 US-Dollar. Das waren 47 Cent mehr als am Donnerstag. Die Opec berechnet ihren Korbpreis täglich auf Basis von zwölf wichtigen Sorten des Kartells./jsl/hbr

Quelle: finanznachrichten.de vom 22.02.2012

Es bleibt aber festzuhalten, dass der deutsche Staat dadurch noch mehr an Steuern einnehmen wird, weil viele Deutsche am Sprit gar nicht sparen können. 
Und deshalb ist hier eine Kompensation dringend erforderlich. Besser noch als die Erhöhung der Pendlerpauschale wäre allerdings eine Senkung der Steuern. Dies würde nicht nur den Berufspendlern, sondern allen Autofahrern nutzen.

 
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Kommentare
B.V. schrieb am 22.02.2012 um 14:27
In dem Artikel kommt sehr schön zum Ausdruck, das der Staat der Hauptprofiteur beim Benzinpreis ist. Der Protest sollte sich also zunächst dagegen wenden!

https://www.facebook.com/groups/GermanLibertyClub/
Gustlik schrieb am 22.02.2012 um 14:35
Vielleicht sollte Friedenspolitik an der Tanksäule vermittelt werden: "Sind sie dafür, die Sanktionen gegen Iran zu verschärfen?"

Ansonsten... muss die Arbeit zu den Menschen, nicht der Mensch zur Arbeit. Dann sparen wir uns auch die Pendlerpauschale, die können sich Indien oder China auch nicht leisten.
rolf netzmann schrieb am 22.02.2012 um 14:41
ich bin dafür, dass alle Nationen friedlich zusammenleben auf unserem einen Planeten

und solange die Arbeit nicht beim Menschen ist, was ja auch gar nicht immer realisierbar ist, hat der Staat die Pflicht, dafür zu sorgen, dass sie steuerzahlenden Bürger zu erschwinglichen Preisen ihre Arbeitsstellen erreichen können
hardob schrieb am 22.02.2012 um 14:40
Wer sich ein Auto hält, dem muss es das auch wert sein. Wer billig auf dem Land leben und in der Stadt will, der verbraucht unnötige Infrastruktur, für die sind Steuern fällig.

Es gab mal eine Ölkrise, da wurde ein Tempolimit und autofreie Sonntage durchgeführt. Wie idyllisch war es damals in Westberlin, Super.

Wer ein bisschen langsamer fährt, spart, selbst bei noch höheren Benzinpreisen.

Ich kann dem Gejammer über die Spritsteuer nichts abgewinnen.
hardob schrieb am 22.02.2012 um 14:41
... und in der Stadt arbeiten will, ..
Lukasz Szopa schrieb am 22.02.2012 um 21:26
Wie Sie selbst schreiben, ist der Großteil des Steuerertrages die Ökosteuer - und die ist fix pro Liter, und nicht von dem steigenden oder fallenden Spritpreis abhängig. Also ist es dem Staat egal, wie hoch der Literpreis ist. Zwar stimmt es nicht bei der MwSt, doch das gilt auch für alle anderen Konsumgüter - so gesehen könnte jede für alles fordern nach einer staatlichen Kompensation fordern - Brot, Käse, Miete, Alkohol, oder öffentliche Verkehrsmittel.
B.V. schrieb am 29.02.2012 um 23:21
Da muß ich dem Vorredner zustimmen, ein Wunder das es noch keine Steuer für´s pimpern gibt. Aber kann ja noch kommen. Friede, Freude, Eierkuchen, Sonnendächer und Windmühlen: es lebe der deutsche Sonderweg - im neuen Tal der Ahnungslosen & Selbstgerechten. Mir gehen diese typisch deutsch-romantisch-protestantischen Energiespargouvernanten (Grünleuchten) und Propheten des Mangels (analfixierte Politsäuberlinge ihres Zwangscharakters) immer mehr auf den Kecks. Aber leider kann man auf deren Artensterben auch nicht setzen.
rolf netzmann
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