rolf netzmann

der weg nur ist das ziel

10.11.2010 | 04:09

Die Enden der Parabel, Seite 249.....

Die Szenerie wechselt, das Bizarre bleibt. Von London führt uns Pynchon nach Berlin, in die Reichshauptstadt. Ein Studentenwohnheim, kalt, unbewohnt. Junge Leute, fröstelnd, hungrig.Leni, Rudi, Wanja, Rebekka.... philosophieren über Widerstand und Rosa Luxemburg. Fiktion, Realität und Erinnerung vermischen sich zu einer eigenen Welt. Die Kinderzeit, das Baden, es taucht bei Leni wieder auf, sie trifft Richard Hirsch wieder, Hirsch, auch ein Jude? Verliebtsein, Leni Hirsch, wie klingt das?Wie wäre es mit der Jüdin, wann handelt dies, vor 1938, als Juden in Berlin noch geduldet waren?

Franz, der Träumer, er hebt ab in seine ganz eigenen Traumfantasieflugreisen. Gleichzeitig nüchtern, sachlich,  Fragmente zusammensetzend. So passiv beim Sex, dass Leni selber etwas tun muss, um zu kommen. Ilse, ihre Tochter, sie wird kurz gestreift, ja , es gibt sie.

Wer ist der Präsident, der ausruft " scheißt drauf", der alle Waffen ins Meer werfen möchte, der den Krieg nicht mehr erträgt. Neuwahlen und Rosa Luxemburg als Favoritin, sind es die verloren gegangenen Illusionen der jungen Leute? Wie wäre es mit der Jüdin... sehr private Fantasien werden eingewebt.

WHO, THE FUCK, IS PETER SACHSA ?

Er wird benutzt seit 10 Jahre, wer ihn wofür benutzt, ahnt er machmal nur. Nur, er wird Milch für die kleine Ilse haben und ein Bett. Es tummeln sich Vertreter der IG Farben und Nazis bei ihm, eine Seance zu Walther Rathenau, dem 1922 ermordeten Aussenminister der Weimarer Republik wird vorbereitet. Was für eine Szene.

Pointsman, Mexico, Slothorp und der Pirat in London, hier erleben wir das deutsche Pendant. Was macht der Krieg aus Menschen, wie deformiert er sie? Pynchon spielt mit mir, er wechselt die Orte, die Handlungen, es bleibt als Bindeglied das Bizarre, nicht Fassbare. Wo ist das Ende des Fadens, den ich aufnehmen kann, ich sehe mehrere, imme wieder neue, während andere verschwinden .

Was bleibt, ist Neugier, auf die Figuren, auf neue Situationen, auf eine, irgendwann, erfolgende, Auflösung. Deshalb lese ich weiter.

 

 Wir lesen gemeinsam Thomas Pynchons "Die Enden der Parabel"

 

 
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rolf netzmann
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