rolf netzmann

der weg nur ist das ziel

28.08.2011 | 04:16

Die Grünen, die Umfragen und die Macht der Realität

Die sinkenden Umfragewerte der Grünen nur darauf zurück zu führen, dass die Kanzlerin ihnen ihr ureigenes  Thema Atomausstieg genommen hat, greift zu kurz.

Erstens, weil die Bundesregierung bisher lediglich ein Datum für die Abschaltung der AKW-s festgelegt hat.  Damit bleiben den Grünen immer noch genug Themenfelder, auf denen sie innovative und kreative Ideen entwickeln können. Wie deckt Deutschland nach der Abschaltung der AKW-s  seinen Strombedarf? Welche Forschung muss jetzt forciert werden, um die regenerativen Energieträger auch energieeffizienter werden zu lassen? Wie werden kommunale und regionale Energieunternehmen gestärkt? Noch weiter gefragt, wie werden diese Unternehmen in regionale Wirtschaftskreisläufe eingebunden? Das sind nur einige Fragen, in den die Grünen sich profilieren können, nur bisher ist dazu von ihnen nichts zu hören oder zu lesen.

Zweitens, die Grünen haben sich auf ihrem Weg hin zu einer etablierten Volkspartei einige dicke Brocken selber in den Weg gelegt. Die Zustimmung zu den Auslandseinsätzen der Bundeswehr und  zum Abbau sozialer  Sicherungssysteme durch die Einführung von Hartz 4 hat sie einige Wähler ihrer ersten Wählergeneration gekostet. Das konnten sie durch die Gewinnung neuer Wähler kompensieren, nur stoßen sie jetzt an die Grenzen dieses Wachstums. Dies auch, weil sie sich in einem Wählerspektrum bewegen, in dem auch die beiden „Volksparteien“ SPD  und CDU nach neuen Wählerstimmen fischen. Die Grünen habe eine gewachsene und feste Stammwählerschaft und müssen jetzt, wie andere Parteien ebenfalls,  Wechsel- und Nichtwähler gewinnen. Dafür müssen sie die Kreativität und Frische wieder gewinnen, die sie in den Anfangsjahren auszeichnete und sie von den anderen Parteien abhob. Im Moment wirken sie etwas verstaubt, übrigens auch wie ihre politischen Konkurrenten.

Drittens fehlt ihnen junges Personal, das bundesweit bekannt ist. Die jetzige Führungsriege der Grünen stammt noch aus der Zeit ihrer Beteiligung an der rot-grünen Bundesregierung. Das hat, wie bei Winfried Kretschmann, den Vorteil, dass es bekannt ist. Kretschmann hat die Grünen in BW auch deshalb in die Regierung geführt, weil er ein bodenständiger Schwabe ist. Nun ist Künast auch Berlinerin und begann ihre politische Laufbahn bei der GAL, nur haftet ihr an, dass sie schon lange in der Bundespolitik ist. Dass sie als Fraktionschefin der Bundestagsfraktion den Berliner Wahlkampf führt, zeigt, dass sie sich ein Hintertürchen offenlässt. Wo bleibt der grüne Nachwuchs, der die Alten beerbt?

Viertens fehlen den Grünen neue Ideen. Die Berliner Grünen führen zwar einen interaktiven Wahlkampf, wo jeder auf einer Karte die Problemstellen örtlich markieren kann, die er für solche hält. Nur spricht das eben nur Menschen an, die an dieser Technik interessiert sind und sich damit auch auskennen. Wo bleibt das kreative Moment, was hebt die Grünen aus der Masse der Parteien heraus? Welche Lösungen bieten sie an für die drängenden Probleme der Stadt? Hier bleiben die Grünen mit „einer Stadt für alle“ genau so nebulös wie die SPD mit „Berlin verstehen“ oder die CDU mit „damit sich was ändert“. So bleiben sie in der Einheitssoße stecken und vergeben sich die Chance,  kreativ und innovativ auf die neuen Herausforderungen unserer Zeit zu reagieren.

Übrigens, dass Renate Künast in einem Radiointerview gestern eine Koalition mit der SPD nicht mehr ausschließen wollte, passt in das Bild von den angepassten und an die Fleischtöpfe der Macht drängenden Grünen.

Und es zeigt ein Stück weit die Resignation der „kämpfenden Renate“ auf den grünen Wahlplakaten.

 
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Kommentare
Ehemaliger Nutzer schrieb am 28.08.2011 um 07:56
Die Grünen, die Umfragen und die Macht der Realität

Die Macht der Realität für GrünDagegen kommt erst noch!
Schätzungsweise in 1 - 2 Jahren!

Nämlich wenn die bisherigen Wähler von GrünDagegen spüren, was grüne/dagegen Politik für ihr eigenes Portemonnaie bedeutet.

Direkt vor allem durch höhere Energiekosten und auch durch Stromausfälle infolge der AKW-Abschaltungen.

Indirekt durch höhere Arbeitslosigkeit bei der Energieträchtigen Industrie. Dadurch wird es weitere Steuererhöhungen durch notwendige Sozialtransfers für noch mehr Arbeitlose geben.
Achtermann schrieb am 28.08.2011 um 09:12
@ arno schmidt

Direkt vor allem durch höhere Energiekosten und auch durch Stromausfälle infolge der AKW-Abschaltungen.

Schuld ist die Kanzlerin. Sie vollzog die Kehrtwende zur Abschaltung der AKW. Sitzt Du jetzt nachts im Dunkeln?
Ehemaliger Nutzer schrieb am 28.08.2011 um 09:39
@ Achtermann
Schuld ist die Kanzlerin. Sie vollzog die Kehrtwende zur Abschaltung der AKW. Sitzt Du jetzt nachts im Dunkeln?


Klar hat die Kanzlerin auch Schuld!
Sie macht keine Politik nach Grundsätzen, sondern nach der Technik des Einfangens von Wählerstimmen. Egal was da für Inhalte hinter stehen.
Insofern wurde sie fukushimamäßig von den Grünen getrieben, um Wählerstimmen für die Union zu retten.
-
Klar sitze ich nachts manchmal im Dunkeln.
Bald noch zusätzlich frierend! ;-)
Achtermann schrieb am 28.08.2011 um 11:42
@ arno schmidt

Sie [die Kanzlerin] macht keine Politik nach Grundsätzen, sondern nach der Technik des Einfangens von Wählerstimmen.

Alle machen Politik nach der Technik des Einfangens von Wählerstimmen. Dafür bezahlen Sie Werbeagenturen. Genauer: Da sind auch Steuergelder dabei, denn die Parteien kriegen ja eine Wahlkampfkostenerstattung. So gesehen finanzieren wir die Sprüche, die uns die Parteien um die Ohren hauen. Dabei hätten wir Besseres verdient, als diesen sog. politischen Willensbildungsprozess, der über uns ausgekübelt wird.
Achtermann schrieb am 28.08.2011 um 11:45
Dafür bezahlen Sie Werbeagenturen.

Besser: Dafür bezahlen die Parteien Werbeagenturen.
Ehemaliger Nutzer schrieb am 28.08.2011 um 12:24
Achtermann schrieb am 28.08.2011 um 11:42
Genauer: Da sind auch Steuergelder dabei, denn die Parteien kriegen ja eine Wahlkampfkostenerstattung. So gesehen finanzieren wir die Sprüche, die uns die Parteien um die Ohren hauen. Dabei hätten wir Besseres verdient, als diesen sog. politischen Willensbildungsprozess, der über uns ausgekübelt wird.

Sehe genauso!

Schlimm ist es auch, dass die Medien da auch noch mitziehen und überhaupt nicht überparteilich sind.
Das (GEZ-Zwangs-) Fernsehen z. B. achtet peinlichst genau bei der Intendantenwahl auf den Parteienproporz.
Die vielen Zeitungsschmierer erkaufen sich die Interviewbereitschaft von dusseligen Politikern damit, dass sie deren Blödsinn auch noch ausloben.
Außerdem schreiben die erbärmlichen Schmierer genau das, was von den Finanziers der Verlage verlangt wird.

Ich vermisse jedenfalls eine Aufklärung der Medien zu wichtigen Fragen für die Gesellschaft wie:

1.
Wirtschaftliche- und wohlstandmäßige Auswirkungen durch den AKW-Ausstieg.

2.
Desgleichen zu Euro-Rettungsschirmen.

3.
Desgleichen zur unkontrollierten Zuwanderung schlecht Qualifizierter, besonders aus Afrika und islamischen Ländern, ohne natürlich das Asylrecht einzuschränken.

4.
Desgleichen zu unsinnigen Maßnahmen zur Klimabeeinflussung.
Ehemaliger Nutzer schrieb am 28.08.2011 um 12:24
Sehe ICH genauso...
claudia schrieb am 28.08.2011 um 13:27
>>Klar sitze ich nachts manchmal im Dunkeln.<<
Na so was?
Ich lege mich immer hin, bevor ich das Licht ausschalte.
Ehemaliger Nutzer schrieb am 28.08.2011 um 13:33
claudia schrieb am 28.08.2011 um 13:27
Ich lege mich immer hin, bevor ich das Licht ausschalte.

Solange man es noch selber ausschalten kann, ist es problemlos! ;-)
claudia schrieb am 28.08.2011 um 14:29
Ach so: Hat das E-Werk abgeschaltet?
Wegen "spätrömischer Dekadenz"?
Ehemaliger Nutzer schrieb am 28.08.2011 um 14:35
claudia schrieb am 28.08.2011 um 14:29
Ach so: Hat das E-Werk abgeschaltet?
Wegen "spätrömischer Dekadenz"?


Eher wahrscheinlich wegen dekadenter Energiepolitik! ;-)
Achtermann schrieb am 28.08.2011 um 14:51
@ claudia

Ich lege mich immer hin, bevor ich das Licht ausschalte.

Das ist mir zu umständlich. Wenn ich im Keller, im Bad, im Flur, in der Küche, am Arbeitsplatz das Licht ausmache, lege ich mich nicht vorher hin. Das mach' ich im Stehen.
claudia schrieb am 28.08.2011 um 17:50
@Achtermann:
Auch wieder wahr. ;-)
claudia schrieb am 28.08.2011 um 17:53
@arno schmidt:
Also kein Einkommensausfall wg. Arbeitslosigkeit/Armutsarbeit, folglich Stromrechnung bezahlt und trotzdem abgeschaltet?
Interessant.
Ehemaliger Nutzer schrieb am 29.08.2011 um 07:43
@claudia schrieb am 28.08.2011 um 17:53

Naja, zuerst wird bestimmt der Strom wegen Kapazitätsengpässen im Winter abgeschaltet.
Unsere Energiekonzerne versuchen derzeit, sich Stromkapzitäten bei den Umliegenden Staaten (natürlich mit AKW's) zu sichern. Das wird glaube ich nur teilweise gelingen.
Später könnte bei mir der Strom dann deshalb abgeschaltet werden, weil die Stromverteuerung vielleicht meinen Job vernichtet und ich dann nicht mehr bezahlen kann, falls H4 nicht ausreicht!
claudia schrieb am 29.08.2011 um 09:19
>>Klar sitze ich nachts manchmal im Dunkeln.<<
>>Naja, zuerst wird bestimmt der Strom wegen Kapazitätsengpässen im Winter abgeschaltet.<<
Ach so, jetzt verstehe ich: Sie sitzen schon mal zur Prone Dunkeln.

>>weil die Stromverteuerung vielleicht meinen Job vernichtet und ich dann nicht mehr bezahlen kann, falls H4 nicht ausreicht!<<
SIE bekommen dann gar nichts, weil die Transferleistungen zu hoch sind.
Strom ist nur für Leistungsträger da!
Ehemaliger Nutzer schrieb am 29.08.2011 um 09:23
@claudia schrieb am 29.08.2011 um 09:19
SIE bekommen dann gar nichts, weil die Transferleistungen zu hoch sind.
Strom ist nur für Leistungsträger da!


Sie gönnen mir aber auch nichts! ;-)
So, muß jetzt ins Büro um Leistung zu bringen.
Bis später. Gruß, Arno.
claudia schrieb am 28.08.2011 um 13:25
Die Gründung der Grünpartei habe ich als Mischgruppe ohne einheitliche Ziele erlebt:

- Kernkraftgegner, deren Mehrheit zu ökologisch vernetztem Denken nicht in der Lage war.
(„Sonne, Wind und Kohle
reicht zu unserm Wohle“)

- „Müslifreaks“, die mit Pappigeld einen Bioladen gründeten und Gewerkschaften und Tarifgehälter als Hauptfeind ihrer "Bewegung" erkannt hatten

- übriggebliebene „K-Gruppen“-Leute, die nicht wussten, wo sie sonst mit sich hin sollten.

- Ein paar Leute, die tatsächlich einen „ökosozialen Umbau“ der Gesellschaft anstrebten, zum Teil mit sowohl naturwissenwissenschaftlich als auch ökonomisch qualifizierten Denkanregungen, aber von vornherein in der Minderheit gegen den Rest der bunten Zusammenballung.

Welche Geschmacksrichtungen sich letztlich durchgesetzt haben wissen wir ja.

---
Koalitionen mit der SPD wäre ohne das Hinausekeln des ökosozial kreativen Teiles gar nicht möglich gewesen.
Die Richtung wurde von der SPD ab 1982 zuerst in Hessen, dann auch auf der Bundesebene vorgegeben(vielleicht erinnert sich jemand an den „Dachlatten-Börner“?)
Der SPD war damals ihr Koalitionspartner FDP abhanden gekommen. Die "Realo"-Grünen versuchten, letztlich erfolgreich, diese Lücke rein koalitionsrechnerisch zu füllen.

Während der hessischen bekamen die Grünen auch ihre erste Parteispende: 50 000 DM vom Verband der chemischen Industrie.*
Etwa um die gleiche Zeit wurde das Entwickeln von Argumenten aufgegeben und die Grünen bedienten sich, wie die 3 anderen Lobbyparteien, der psychologischen Verkaufsstrategie einer Werbeagentur. Das wurde "professionell werden" genannt. Die Denker, wie z.B. Jutta Dithfurt) wurden von den Verkaufsprofis rausgeekelt und die "Regierungsfähigkeit" war perfekt.

*Im Gegensatz zur „Wahlkampfkostenerstattung“ müssen Parteien sich die Spenden durch Gefälligkeit verdienen, denn die edlen Spender können jederzeit den Geldhahn zudrehen.

---
www.parteispenden.unklarheiten.de/
einfach auf die Partei (z.B. „Grünen“) draufklicken
rolf netzmann
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