Es war etwa 14.20 Uhr, als ich am Bahnhof Berlin –Alexanderplatz eintraf. Normalerweise schlendere ich immer gemütlich über den weitläufigen Platz in Richtung meiner Arbeitsstelle. Doch heute war alles anders. Alle Ausgänge des Bahnhofsgebäudes zum Alex waren mit Absperrgittern der Polizei versehen und vor jedem dieser Gitter standen mindestens drei Ordnungshüter. Als ich einen der Uniformierten fragte, was denn hier wieder los sei, antwortete er nur, heute findet hier eine Wahlkampfveranstaltung der NPD statt. Danach zuckte er mit den Schultern und fügte lakonisch hinzu, dass ja wie immer auch linke Gruppen dagegen demonstrieren müssen. Es klang gleichgültig, wie er das sagte.Auf meine Frage, wie ich denn nun zu meinerArbeitsstelle komme, wurde er noch gleichgültiger. Ich müsse eben den Platz umlaufen, irgendwie würde ich schon ankommen.
Also los, die Gegend kenne ich schließlich. Überall sehe ich Polizeifahrzeuge, neben den Berlinern sind auch die Bundespolizei sowie Einheiten aus anderen Bundesländern vertreten.
Während ich so laufe, mache ich mir meine Gedanken. Die NPD ist in 3 von 12 Berliner Bezirksverordnetenversammlungen, jedoch nicht im Abgeordnetenhaus vertreten. Wie viele Ihrer Anhänger werden sich heute auf dem Alex versammeln, 200 oder 300? Dafür wird dieser immense Aufwand betrieben und einer der bekanntesten BerlinerPlätze für Einheimische und Touristen gesperrt. Diese Touristen sehen in der deutschen Hauptstadt die ewig Gestrigen mit ausländerfeindlichen Parolen aufmarschieren. Wie wird dies auf sie wirken? Dafür müssen drei Straßenbahnlinien ihre Routenführung ändern, weil sie ihre Haltestellen auf dem Alex nicht anfahren können.
Und noch etwas beschäftigt mich. Wie perfide ist es, ausgerechnet heute, am 10. Jahrestag der Anschläge vom 09.September, im Zentrum Berlins aufzumarschieren? Die NPD hat keine Skrupel, diese Anschläge für sich zu vereinnahmen.Während am Brandenburger Tor bei einem Friedensfest Menschen unterschiedlicher Nationalität Toleranz und ein friedliches Miteinander praktisch leben, zeigen die Rechtsextremen das andere Gesicht Deutschlands. Was mir Mut macht, sind die Gegendemonstranten, die mit Trillerpfeifen und Anti - Nazi – Plakaten eintreffen. Sie stehen rund um die Absperrgitter herum und zeigen deutlich, wohin nach ihrer Meinung der braune Spuk gehört, auf den Müllhaufen der Geschichte, wie ich auf einem Plakat lese.
Hoffentlich zeigen die Wähler in Berlin in einer Woche allen Naziparteien deutlich die Rote Karte, auch bei den BVV-Wahlen.Dass die NPD inzwischen die zweite Legislaturperiode im Schweriner Landtag sitzt, dafür auch noch Fraktionsgelder bezieht und von der Parlamentsbühne ihre ausländer- und demokratiefeindlichen Ansichten präsentieren darf, ist schlimm genug.
Auf morgenpost .de sind gerade mehrere Fakten erschienen, 120 NPD-Anhänger, 500 Gegendemonstranten und 1000 !! Polizisten. Hier ist der Link zum Artikel
www.morgenpost.de/berlin-aktuell/article1760616/Grosseinsatz-bei-NPD-Aufmarsch-auf-Alexanderplatz.html