rolf netzmann

der weg nur ist das ziel

11.09.2011 | 20:14

Die NPD missbraucht 9/11 und legt den Alexanderplatz dafür lahm

 

 

 Es war etwa 14.20 Uhr, als ich am Bahnhof Berlin –Alexanderplatz eintraf. Normalerweise schlendere ich immer gemütlich über den weitläufigen Platz in Richtung meiner Arbeitsstelle.  Doch heute war alles anders.  Alle Ausgänge des  Bahnhofsgebäudes zum Alex waren mit Absperrgittern der Polizei versehen und vor jedem dieser Gitter standen mindestens drei Ordnungshüter.  Als ich einen der Uniformierten fragte, was denn hier wieder los sei, antwortete er nur, heute findet hier eine Wahlkampfveranstaltung der NPD statt. Danach zuckte er mit den Schultern und fügte lakonisch hinzu, dass ja wie immer auch linke Gruppen dagegen demonstrieren müssen.  Es klang  gleichgültig, wie er das sagte.  Auf meine Frage, wie ich denn nun zu meiner  Arbeitsstelle komme, wurde er noch gleichgültiger. Ich müsse eben den Platz umlaufen, irgendwie würde ich schon ankommen.

  Also los, die Gegend kenne ich schließlich. Überall sehe ich Polizeifahrzeuge, neben den Berlinern  sind auch die Bundespolizei sowie Einheiten aus anderen Bundesländern vertreten. 

 Während ich so laufe, mache ich mir meine Gedanken. Die NPD ist in 3 von 12 Berliner Bezirksverordnetenversammlungen, jedoch nicht im Abgeordnetenhaus vertreten.  Wie viele Ihrer Anhänger werden sich heute auf dem Alex versammeln, 200 oder 300? Dafür wird dieser immense Aufwand betrieben und einer der bekanntesten Berliner  Plätze für Einheimische  und Touristen gesperrt.  Diese Touristen sehen in der deutschen Hauptstadt die ewig Gestrigen mit ausländerfeindlichen Parolen aufmarschieren. Wie wird dies auf sie wirken? Dafür müssen drei  Straßenbahnlinien ihre Routenführung ändern, weil sie ihre Haltestellen auf dem Alex nicht anfahren  können. 

 Und noch etwas beschäftigt mich.  Wie perfide ist es, ausgerechnet heute, am 10. Jahrestag  der Anschläge vom 09.September, im Zentrum Berlins aufzumarschieren? Die NPD hat keine Skrupel, diese Anschläge für sich zu vereinnahmen.  Während am Brandenburger Tor bei einem Friedensfest Menschen unterschiedlicher Nationalität Toleranz und ein friedliches Miteinander praktisch leben, zeigen die Rechtsextremen das andere Gesicht Deutschlands.  Was mir Mut macht, sind die Gegendemonstranten, die mit Trillerpfeifen und Anti - Nazi – Plakaten eintreffen.  Sie stehen rund um die Absperrgitter herum und zeigen deutlich, wohin nach ihrer Meinung der braune Spuk gehört, auf den Müllhaufen der Geschichte, wie ich auf einem Plakat lese.

 Hoffentlich zeigen die Wähler in Berlin in einer Woche allen Naziparteien deutlich die Rote Karte, auch bei den BVV-Wahlen.  Dass die NPD  inzwischen die zweite Legislaturperiode im Schweriner Landtag sitzt,  dafür auch noch Fraktionsgelder bezieht und von der  Parlamentsbühne ihre ausländer- und demokratiefeindlichen Ansichten  präsentieren darf,  ist schlimm genug.  

   Auf morgenpost .de sind gerade mehrere Fakten erschienen, 120 NPD-Anhänger, 500  Gegendemonstranten und 1000 !! Polizisten. Hier ist der Link zum Artikel

 

                 www.morgenpost.de/berlin-aktuell/article1760616/Grosseinsatz-bei-NPD-Aufmarsch-auf-Alexanderplatz.html

 
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Kommentare
KalleWirsch schrieb am 11.09.2011 um 21:54
Am Ostkreuz fand am Abend ein Demonstrantionszug Richtung Lückstraße statt, wo die NPD Veranstaltungen in Berlin geplant werden. Trotz der Kündigung des Vermieters weigern sich die Nazis auszuziehen. Ich wusste von der Demo nichts, war nur überrascht, dass vier Wannen vor meinem Haus stehen.. Ich dachte, ojkay, geh mal schnell nochmal mit dem Hund raus, falls das ne Nazidemo wird, die du verpeilt hast. Meine Frage an die Polizei, ob gleich die NPD hier weitermacht wird im Originalton beantwortet:
Die NPD war am Alex. Hier ist kommt gleich die gleiche Scheiße von links.

Ich zählte 20 Wannen, eine Freundin, die mich besuchte, meinte, es waren in der Boxhagener nochmal 10. Ich schätze mal die Demonstranten auf knapp 100 (sie sind an meinem Balkon vorbeigelaufen). Was ein Aufwand.

Interessant war, was für eine Stimmung von Gefahr rüberkommt bei dieser Präsenz. Und dass das Anti Konflikt Team, das stand jedenfalls auf ihren neongelen Westen, imVorfeld, wo man doch schon mal Kontakt aufnehmen kann, lieber Pizza isst,
Dabularasa schrieb am 12.09.2011 um 13:00
Danke für Ihre anschaulichen Schilderungen.
Die taz kam gestern mit der These" NPD plötzlich auf dem Alex".
Das die NPD auf dem Alex demonstrieren wollte ist schon mehrere Wochen bekannt.
Insofern dürfte hier kein Überraschungs-Effekt sein.
rolf netzmann
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