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Politik : Dominik Brunner und die Zivilcourage

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Spiegel Online berichtet heute, dass der Münchner Manager Brunner, der im letzten September von angetrunkenen, gewaltbereiten jungen Männern zu Tode geprügelt wurde, weil er Jugendliche vor ihnen schützen wollte, nicht an den Folgen der Verletzungen starb, sondern an Herzversagen. Dies mag in dem gegenwärtigen laufenden Prozeß gegen die beiden Schläger eine andere juristische Bewertung notwendig erscheinen lassen, doch die Kernfrage bleibt, warum blieb Brunner allein, warum half ihm keiner. Ein Zeuge hat im Prozeß ausgesagt, dass der Manager andere Passanten angeschrieen haben soll, ihm zu helfen. Wie mögen die Männer, die vorbeigelaufen sind, mit ihrer Schuld umgehen? Was war ihnen wichtiger, als einem Mann zu helfen, der junge Menschen vor Gewalttätern schützen wollte, die wartende Ehefrau, der noch zu erledigende Einkauf, die Oma im Altersheim? Wieder juristisch betrachtet, ist dies unterlassene Hilfeleistung und damit strafbar. Viel wichtiger erscheint aber die Frage, wie wenig ausgeprägt die Bereitschaft ist, einzugreifen, wenn andere Menschen ganz offensichtlich in (Lebens-) gefahr ist. Zivilcourage zu fordern ist das eine, sie real zu leben, offensichtlich etwas ganz anderes. Wenn sich nur zwei andere Männer so wie Brunner getraut hätten, sich den Schlägern entgegenzustellen, könnte der 50-jährige vielleicht noch leben. Sicherlich, die Angst, selber etwas auf die Fresse zu kriegen, ist in solchen Situationen vorhanden, nur gilt auch hier, gemeinsam ist man stärker. Doch leben wir, wie dieses Beispiel deutlich zeigt, in einer Gesellschaft, in der lieber nach dem Prinzip der drei Affen gelebt wird. Lass den da mal machen, dann muss ich nicht Farbe bekennen, der Fall Brunner demonstriert deutlich die Entsolidarisierung unserer Welt. Sich hinter anderen verstecken, ducken, hoffen, dass der Nebenmann aktiv ist, erleben wir das nicht auch im täglichen Leben immer wieder? Unabhängig davon, wie der Prozeß ausgehen wird, dieser Vorfall, die mit dem Leben bezahlte Zivilcourage sollte jeden von uns wachrütteln, einzustehen für gelebte Menschlichkeit, einzugreifen, wenn Menschen ihrer Würde beraubt werden, ob am Arbeitsplatz , im öffentlichen Raum oder wo auch immer. Mal ehrlich, wie oft sehen wir weg, weil wir feige sind, wie oft lachen wir, wo uns das Lachen im Halse steckenbleiben sollte? Darüber lohnt es nachzudenken, wenn wir das nächste Mal von dem Prozeß vor dem Münchner Landgericht hören oder lesen. Unser eigenes Verhalten kritisch prüfen, Mut zum Eingreifen haben, wo es notwendig ist, nur dies kann die Lehre aus dem sein, was im September auf dem Bahnhof München - Solln passiert ist.

Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.