Die Konservativen beginnen zu ahnen, dass die Linke recht hatte. Hört hört, wie den ehemaligen Schmuddelkindern nun geschmeichelt wird. Nur wie soll die Linke mit dieser unverhofften Ehre umgehen?
Wenn die Linke, was nicht nur die Linkspartei in Deutschland ist, es schafft, sich dieser von ihr nie gewollten Umarmung der Konservativen zu entziehen, wird sie daran wachsen können. Dafür muss die Linke jetzt keine Freude nach dem Motto zeigen, seht her, wir haben es ja immer gesagt, sondern realistische Alternativen aufzeigen und für deren Umsetzung streiten. Dafür muss die Linke selbstbewusst agieren und ihre, auch parlamentarischen, Möglichkeiten effektiv nutzen. Dafür muss die Linke sich besser als bisher vermarkten und geschlossen auftreten.
Und, dafür muss die Linke jetzt, wo intelligente konservative Publizisten wie der FAZ- Mitherausgeber Frank Schirrmacher anfangen, öffentlich über den Sinn oder Unsinn der Merkelschen Politik nachzudenken, Distanz halten zu denen, die ihr jetzt schmeicheln.
Es ist schön, recht zu haben, gewiss, nur ist die Lage zu ernst, als dass die Linke sich in diesem späten Erfolg sonnen könnte. Glaubhaft für einen Staat eintreten, der wehrhaft gegenüber den ausser Rand und Band geratenen Märkten ist, die parlamentarische Demokratie und das, was Ludwig Erhard ein mal als " soziale Marktwirtschaft" bezeichnet hat, mit der deutlichen Betonung auf "sozial", das zu verteidigen gegen diejenigen, die den Staat nur als schwache und wehrlose Hülle einer hemmungslos agierenden Truppe gieriger Finanzjongleure sehen, das ist jetzt auch eine Aufgabe der Linken.
Nimmt sie diese an und führt sie glaubhaft aus, dann wird sie aus dieser Krise als eine Kraft hervor gehen, die mehr an politischem Gewicht hat als vor der Krise.