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Infratest Dimap hat den neuesten Berlin Trend ermittelt und dafür zwischen dem 01. - 04.04. 1000 Berliner befragt. Danach liegen die Grünen wieder vor der SPD, 28% würden die Öko-Partei im Moment wählen, 26% die SPD. CDU und Linke kämen auf 21% und 15%, die Liberalen wären draußen.
Der Höhenflug der Grünen kommt auch in der Sonntagsfrage zu einer möglichen Bundestagswahl zum Ausdruck, auch hier würden 28% der Befragten die Grünen wählen, die damit nur 2 % hinter der CDU, aber 6% vor der SPD einkommen. Die Linke käme auf 9%, auch hier wären die Liberalen draußen.
Soweit die Zahlen. Was aber bedeutet dies praktisch? Erst einmal nichts konkretes, im Bund wird erst 2013 wieder gewählt, in Berlin ist es auch noch mehr als 5 Monate bis zum angesetzten Urnengang. Nur zeigt es, so finde ich, eine Umwälzung im politischen System der Bundesrepublik. In Baden Würtemberg wird es, ganz praktisch, einen grünen Regierungschef geben. Im Bund wäre, theoretisch, ein grüner Kanzler möglich. Die SPD ist nicht mehr automatisch der Stärkere der beiden Partner, in BW nimmt sie diese für sie neue Rolle des Juniorpartners ohne Probleme an.
Die große Volkspartei CDU bekommt nur noch weniger als ein Drittel der Stimmen, sie spürt den Atem der Grünen in ihrem Nacken. Die andere große Volkspartei SPD ist auf unter 25% gefallen. Nach allen realen Wahlergebnissen sowie allen Umfragen sind die Grünen die stärkste linke Kraft in Old Germany.
Sie haben die Meinungsführerschaft in zentralen Fragen wie Atomenergie oder Umwelt, sie besetzen andere Politikfelder wie Bürgerrechte mehrheitsfähig, sie haben erfahrenes Personal und treue Wähler. Auch wenn der Fukushima Effekt abebben wird, die Grünen haben jetzt schon die politische Landschaft Deutschlands nachhaltig verändert. Wenn sie ihren wachsenden politischen Einfluss klug und besonnen weiter nutzen, wird dieser Zustand weiter anhalten.
Ein grüner Kanzler erscheint im Moment nicht vorstellbar, und bis 2013 ist auch noch Zeit. Bis dahin kann sich noch viel verändern. Doch war auch nach Genscher ein grüner Außenminister für viele undenkbar. Joschka Fischer hat bewiesen, dass ein grüner Außenamtschef Deutschland sehr wohl weltweit erfolgreich vertreten und eine den deutschen Interessen dienende und Bündnisinteressen einbeziehende Außenpolitik gestalten kann.
Was also spricht gegen einen grünen Kanzler, wie er jetzt theoretisch möglich erscheint? Dass es noch nie einen gab, ist kein Argument, einen grünen Regierungschef eines Bundeslandes gb es auch noch nie.
Deutsche Innenpolitik ist spannend zur Zeit, vieles erscheint in Bewegung, sortiert sich neu. Und die Grünen sind mittendrin, sie gestalten es so aktiv, so intensiv wie noch nie.Sie sind im Moment die treibende Kraft, sie bestimmen die gesellschaftlichen Debatten, sie treiben die Bundesregierung vor sich her.
Es bleibt zu hoffen, dass sie, bei allem Realismus einer Regierungspartei sich etwas von dem nonkonformen Denken bewahren, der sie als Opposition immer ausgezeichnet hat. Dann wird der Glaube an gesellschaftliche Veränderungen auch weiter leben und wachsen.
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"Nach allen realen Wahlergebnissen sowie allen Umfragen sind die Grünen die stärkste linke Kraft in Old Germany."
Die Grünen sind - wie auch die SPD - keine linke Kraft oder Partei mehr seit der "Schröder-Fischer-Connection". Blaßrot-Grün / Grün-Blaßrot ist praktisch Schwarz-Gelb 2.0, und der neoliberal-neokonservative Block mit weniger Atomkraft. Wobei letzteres ein innerkapitalistischer Machtwechsel ist: schwarz-gelbe Atomindustrie des 20. Jahrhunderts versus grün-blaßrote Erneuerbare Industrie des 21. Jahrhunderts. Da wie dort fließen Milliarden. Links fängt parteienmäßig bei Der Linken an. |
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Kalter Kaffee schmeckt aufgewärmt nicht besser.
"... vieles erscheint in Bewegung, sortiert sich neu. Und die Grünen sind mittendrin, sie gestalten es so aktiv, so intensiv wie noch nie ..." Nicht in der Regierung lässt sich großmäulig gestalten, am Kabinettstisch bleibt konkret das Dosenpfand übrig. Nebst Angriffskrieg auf Jugoslawien, ekelerregend mit angeblicher Auschwitzverhinderung bemäntelt, uneingeschränkter Solidarität bei Verteidigung unserer Freiheit am Hindukusch, Bürgerrechten nach Ex-Grünem Otto-Katalog, Atomkompromiss mit absehbarer Laufzeitverlängerung usw., usf. Sachzwänge eben. Die Grünen sind eine FDP mit Fahrrad und sollten sie tatsächlich irgendwann noch irgendwo an die Regierung kommen, werden sie ebenso demontiert wie das Guido-Original. Das wird schon (En)BW weisen. |
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Über dem Modeständer im Land hängt ein grüner Schleier. Ob sich daraus konkretes Handeln der Regierenden und der Regierten ableitet, ist fraglich.
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schrieb am
07.04.2011 um 09:54
Das konkrete Handeln ist, wie von Realisten oben schon in Kommentaren geschrieben, bekannt. Die Grünen waren von 1998 bis 2005 an einer Regierung beteiligt und haben gezeigt, wem sie sich verpflichtet sehen und wen sie bedenkenlos verheizen wenn nur die Parteispenden fliessen...
Wenn die Grünen sich jetzt mit Hilfe der Fukushima-Katastrophe bei den Wählern einschleimen, dann tun sie nur, was Kapitalisten immer machen: Das Volk verarschen, um es besser ausbeuten zu können... |
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lieber rolf, nicht die grünenpartei treibt und drängt zu veränderungen im land. es sind die ereignisse, es sind die neuen medien, welche die wähler/innen treiben. die grünen profitieren allerdings zu recht von der tatsache, dass sie schon immer "Atomkraft? - Nein, danke!" sagten und in ihr programm schrieben.
sie profitieren von den menschengemachten katastrophen, die in unschöner regelmäßigkeit geschehen. vor einem noch war es der untergang der ölplattform deepwater horizon. die grünen profitieren zu recht von dem restrisiko einer wirtschaftspolitik, die auf risiko setzt und verlieren wird, bei banken, atom- und energiewirtschaft allgemein, verkehrspolitik usw. heute ist hier im münsterland der erste aktionstag gegen gasbohren, sprich: fracking. der protest gegen das landschaft, grundwasser und infrastruktur gefährdende verfahren zur erdgasförderung formiert sich in nrw, während niedersachsen die leute schlicht überfahren hat, um gut eine milliarde pro jahr gewinnbeteiligung in der landeskasse zu haben. die parteiaktiven vor ort, die mitmachen und helfen, sind die grünen. sie würden im cdu-stammland hier sicher wieder von der fortschreitenden umweltzerstörung profitieren. als einzige partei. die eingriffe und bedrohungen sind so massiv, dass die menschen nicht mehr bereit sind, so zu tun, als wäre nichts geschehen. wen sollten sie denn sonst noch wählen, falls sie noch teilnehmen an den wahlen? es ist eine zwangslage. was die grünen als partei daraus machen werden, ist eine andere frage. meine vorhersage: sie werden nur kosmetisch etwas bessern (können), weil und solange die gesellschaftlichen strukturen die gleichen bleiben. |
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Dass die Grünen den ausserparlamentarischen Druck ihrer Basis und Wähler brauchen werden, um die sich als Regierungspartei bietenden Möglichkeiten der Gestaltung auszuschöpfen, das ist klar. Dass sie von 1998 - 2005 diese Möglichkeiten nicht genutzt haben, dass sie insbesondere ihre pazifistische Einstellung auf dem Altar der Macht geopfert haben, ist ebenfalls richtig.
Nur, mal ganz realistisch-nüchtern betrachtet, welche Möglichkeiten, unsere Gesellschaft von innen heraus zu verändern, gibt es denn? Erstens, dass politische Gestaltungsmöglichkeiten als Regierung genutzt und ausgeschöpft werden. Dabei werden die Akteure immer auf vielfältige Hindernisse stoßen, Kompromisse eingehen müssen und Maximalforderungen der "Realität" anpassen. Zweitens, der Druck der Strasse, Demos, Mahnwachen, Petitionen usw. Wenn beides zusammen passiert, und das wünsche ich mir für Baden Würtemberg, dann vergrößern sich Handlungsspielräume. Auf Dauer ist eine Politik gegen die 'Bevölkerung zum Scheitern verurteilt. Nur dazu muss die Bevölkerung aufstehen und die politischen Kräfte, auch Linke und Grüne, zwingen, ihre Möglickeiten zu nutzen. Diese Kombination aus öffentlichem Druck und politischen Gestaltungsspielräumen ist in BW gegeben. Wie die Grünen, ihre Wähler, Anhänger und alle Bürger, die Veränderungen wollen, diese Kombination gestalten und ausnutzen, wird sich zeigen. Gelingt es, wirkliche Veränderungen durchzusetzen, würde dies ein Beispiel für die Zukunft sein.Die verkrustete SPD ist dazu aber momentan nicht fähig, nur die Grünen können es praktisch realisieren. Wie sie es praktizieren, werden wir erleben. |
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Dass die Grünen den ausserparlamentarischen Druck ihrer Basis und Wähler brauchen werden, um die sich als Regierungspartei bietenden Möglichkeiten der Gestaltung auszuschöpfen, das ist klar. Dass sie von 1998 - 2005 diese Möglichkeiten nicht genutzt haben, dass sie insbesondere ihre pazifistische Einstellung auf dem Altar der Macht geopfert haben, ist ebenfalls richtig.
Nur, mal ganz realistisch-nüchtern betrachtet, welche Möglichkeiten, unsere Gesellschaft von innen heraus zu verändern, gibt es denn? Erstens, dass politische Gestaltungsmöglichkeiten als Regierung genutzt und ausgeschöpft werden. Dabei werden die Akteure immer auf vielfältige Hindernisse stoßen, Kompromisse eingehen müssen und Maximalforderungen der "Realität" anpassen. Zweitens, der Druck der Strasse, Demos, Mahnwachen, Petitionen usw. Wenn beides zusammen passiert, und das wünsche ich mir für Baden Würtemberg, dann vergrößern sich Handlungsspielräume. Auf Dauer ist eine Politik gegen die 'Bevölkerung zum Scheitern verurteilt. Nur dazu muss die Bevölkerung aufstehen und die politischen Kräfte, auch Linke und Grüne, zwingen, ihre Möglickeiten zu nutzen. Diese Kombination aus öffentlichem Druck und politischen Gestaltungsspielräumen ist in BW gegeben. Wie die Grünen, ihre Wähler, Anhänger und alle Bürger, die Veränderungen wollen, diese Kombination gestalten und ausnutzen, wird sich zeigen. Gelingt es, wirkliche Veränderungen durchzusetzen, würde dies ein Beispiel für die Zukunft sein.Die verkrustete SPD ist dazu aber momentan nicht fähig, nur die Grünen können es praktisch realisieren. Wie sie es praktizieren, werden wir erleben |
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schrieb am
08.04.2011 um 06:30
Eine recht zuverlässige Prognose über die tatsächliche Politik einer Partei jenseits der Wahlreklame kann erstellen, wer sich die Ziele ihrer Spender anschaut, zum Beispiel hier:
www.parteispenden.unklarheiten.de/?seite=datenbank_show_k&db_id=8 Wenn sich eine Partei nachvollziehbar von ihren Lobbyisten lossagt und ihren Abgeordneten "Nebengeschäfte"* per Beraterverträgen untersagen würde, dann hätte sie ein gewisses Vorschussvertrauen verdient. Solange das nicht der Fall ist, kann man vor den Lobbyparteien und ihren Wählerfangmethoden nur warnen. *für viele Abgeordnete das Hauptgeschäft, der Parlamentsposten ist nur Mittel zum Zweck. |
Ausgabe 21/2012
24.05.2012
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