Corina Wagner

Blog von Corina Wagner

15.05.2011 | 01:06

Contra Aufruf zur großzügigen Kollekte

 

 

Am heutigen Sonntag wäre ich zu gern ein kleines unscheinbares Kirchenmäuschen und würde mich aus purer Nächstenliebe in der Sakristei verstecken, um nach dem Gottesdienst zu beobachten, wenn die Einahmen im Klingelbeutel gezählt werden. Wie wird das Mimikspiel des Geistlichen aussehen? Werden viele Euroscheine rascheln oder doch nur wenige Cents klappern?

Vergangene Woche wurde auf die heutige Kollekte in meiner Pfarrgemeinde aufmerksam gemacht. Vom 22. bis 25. September kommt Prof. J. A. Ratzinger, besser in der gesamten Welt als Papst Benedikt XVI. bekannt, zu Besuch nach Deutschland. Er wird die Bundeshauptstadt Berlin wie auch die Städte Erfurt und Freiburg besuchen.

Es wird nun in deutschen katholischen Pfarrgemeinden für den Papstbesuch - um großzügige Kollekte der Messebesucher gebeten. Damit die Gäste aus dem Vatikan im September feierlich in Deutschland begrüßt werden können.

Haben Sie den Papst etwa eingeladen und ihm Großveranstaltungen versprochen? Ich habe den Papst nicht eingeladen, warum soll ich dann spenden? Für arme AIDS-Waisen würde ich sofort spenden, unter dem Vorbehalt, dass die Gelder dort auch ankommen. Warum sollte ich einen Papst feierlich begrüßen, der z.B. die Pius Bruderschaft wieder in die Kirche aufgenommen hat. Bei vielen Katholiken hat diese Entscheidung heftige Kritik ausgelöst, weise in diesem Zusammenhang auf einige Mitglieder der Pius Brüder hin, die z.B. Holocaust-Leugner sind. Ob sich homosexuelle Christen auf den Papstbesuch freuen, bezweifle ich. Werden Sie etwa in Berlin dabei sein, wenn der Papst von Bundespräsident Wulff begrüßt wird? Ich nicht, auch werde ich nicht im Deutschen Bundestag anwesend sein oder z.B. auf dem Erfurter Domplatz stehen.

Ich rufe die deutschen Katholiken zum Boykott auf. Diejenigen, die regelmäßig die Gottesdienste besuchen und nun aufgerufen werden, für den Papstbesuch zu spenden, sollen keinen Cent in den Klingelbeutel werfen.

Wer für einen pompösen Empfang Geld spendet, hat wohl nicht begriffen, dass man von den super katholischen Herren aus dem Vatikan abgezockt wird.

Christliche Grüße

Corina Wagner

 
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Kommentare
Ehemaliger Nutzer schrieb am 15.05.2011 um 09:56
Liebe Corinna, dafür gebühren Ihnen fünf Sterne! Sie haben mir aus der Seele gesprochen! Wann wird in Deutschland eigentlich endlich einmal das Grundgesetz Realität, das die Trennung von Staat und Kirche vorschreibt? Wann wird Deutschland endlich säkularisiert? Deutschland und Österreich, im III. Reich "brüderlich" vereint, klammern sich fest an den damals zwischen dem Vatikan und Herrn Hitler geschlossenen Konkordatsvertrag! Wie kommt Deutschland eigentlich dazu, eine Kirchensteuer zu erheben und das klerikale Personal der Kirche nach den Besoldungsgruppen der deutschen Beamten zu bezahlen? Deutschlands Kirche ist die reichste der Welt und stützt mit ihren Geldern einen grossen Teil des prunkvollen Haushaltes des Vatikan! Eine glaubwürdige Kirche hat arm zu sein, sonst ist sie nichts als eine auf Gewinnmaximierung ausgerichtete Sekte!

Herzliche Grüsse
Monsieur Rainer
Corina Wagner schrieb am 15.05.2011 um 10:25
Hallo Monsieur Rainer,
vielen lieben Dank für Ihren Kommentar. Da ich mich so sehr über diesen Aufruf geärgert habe, recherchierte ich wieder einmal einwenig im Internet über das Vermögen des Vatikans. Es gibt ja z.B. einmal im Jahr eine weltweite Kollekte, die man auch als Peterspfennig bezeichnet.
Jährlich nimmt der Vatikan dank dieser Aktion eine enorme Summe durch die Spendenbereitschaft ein. Man spricht jedes Jahr über einen Betrag ca. 85 Millionen Euro.
In den Medien liest man interessante Zahlen, die das Vermögen des Vatikans betreffen.
Man munkelt von mindestens 1,25 Milliarden und auch Werte bis zu ca. 12 Milliarden Euro. Zu diesen Beträgen gehören z.B. Goldreserven, Schatzbriefe, Aktien und festverzinsliche Wertpapiere und Immobilien. Das Wort Transparenz im Bezug auf das Vermögen des Vatikans findet keine Bedeutung, da die Verantwortlichen der APSA (Vermögensadministration der Kurie) interessierten Menschen so gut wie keine Auskünfte erteilen.
Man fragt sich wirklich, warum man tatsächlich noch Kirchensteuer zahlen soll...
Ich wünsche Ihnen einen schönen Sonntag.
Herzliche Grüße
Corina

Wirtschaftsmacht Vatikan: Die Finanzen des Kirchenstaats | Suite101.de www.suite101.de/content/wirtschaftsmacht-vatikan-a70003#ixzz1MPBdDsr5

warumglaubstdunoch.de/glaubenssaetze/58/vermoegenm

community.zeit.de/user/corina-wagner/beitrag/2010/08/04/%C3%BCberall-wird-deutschland-gespart-nur-nicht-am-glauben
paulart schrieb am 15.05.2011 um 23:04
Auch ich empfinde es geradezu als zynisch, wenn eine der reichsten Institutionen der Welt, die katholische Kirche, dazu aufruft, Geld für den Papst-Besuch in Deutschland zu spenden. Warum eigentlich? Müsste der Papst ohne diese Spendengelder auf einer Parkbank übernachten? Oder müsste Papst Benedikt XVI. bei der Berliner, Erfurter oder Freiburger Tafel um eine warme Mahlzeit bitten? Oder müsste Joseph Aloisius Ratzinger um einen Hartz IV-Beitrag für im Ausland lebende mittellose Deutsche bitten?

Im übrigen - diesen Vorschlag habe ich meinem evangelischem Pastor schon als Konfirmand gemacht - plädiere ich dafür, die Kirchensteuer nicht "automatisch" zu erheben. Sonst sollten andere Berufszweige, ich nenne hier mal als Beispiel die Bäcker-Innung und das Schuhmacher-Handwerk, diesen Steuerbetrag - vor gleichem rechtlichen Hintergrund - ebenso einfordern dürfen! Denen, das sage ich ehrlich, würde ich das Geld sogar eher gönnen, weil deren "Verkaufshäuser" bei weitem nicht mit diesem Prunk ausgestattet sind.

Außerdem, Monsieur Rainer hat darauf dankenswerter Weise schon hingewiesen, schreibt unser Grundgesetz eine strikte Trennung zwischen Staat und Kirche vor. Aus gutem Grund!

Corina, ein guter und mutiger Gegenentwurf (bist Du in der RKK?) zum Aufruf der katholischen Kirche!
Corina Wagner schrieb am 16.05.2011 um 09:15
Wenn man sich mit dem Thema Papstreisen, Spendenaufrufe und Vermögen des Vatikans beschäftigt, kann man absolut über Zynismus öffentlich nachdenken. Es gibt in Deutschland Kinderarmut und auch Menschen, die z.B. vor einem Tafelladen in der Schlange stehen, um Lebensmittel zu ergattern, die andere in einem Supermarkt bzw. Discounter liegen lassen würden. Diese können sich keine Reise leisten und müssen zu Hause bleiben, wenn sie dafür kein Geld haben. Der jetzige Papst ist mit seinem Vorgänger absolut nicht zu vergleichen. Papst Benedikt XVI. liebt es pompöser…und dies auf Kosten der Armen. Diese Tage hörte ich einen interessanten Vergleich. Warum sollen wir so großzügig für einen prunkvollen Empfang spenden, wenn der damalige Chef einst mit dem Esel daher kam...
Wenn man bedenkt, wie viele Menschen Ehrenämter in der Institution Kirche ausüben, die unbezahlte Arbeit leisten, weil sie überzeugte Christen sind, darf man über die Besitztümer und das geschätzte Vermögen eigentlich nicht nachdenken.
Ich bin auch für die strikte Trennung zwischen Kirche und Staat.
Viele Grüße
Corina
bambulie schrieb am 16.05.2011 um 21:35
Die Geldgier der Klerikalen kennt wie immer keine Grenzen. Anstatt in sich zu gehen und nach dem Wort ihres Gottes, welches ja in der Bibel steht (Armut, Demut,Nadelöhr) zu leben, reizen sie schonungslos und skrupellos alle Möglichkeiten aus, um neue Reichtümer anzuhäufen. Pfui Deibel!

An sich nicht Neues, aber in diesem Fall doch wieder einmal eine besonders perfide Art der Geldbeschaffung. Die Herren sollten es mal mit Arbeit versuchen, anstatt die unstillbare spirituelle Sehnsucht der „Normalbürger“ für ihre Zwecke in Geld umzumünzen.

Die Macht der RK ist allerdings so gefestigt, nicht zuletzt durch brutalste Machenschaften in der Historie, sodass dies zu ändern, etwa dem Versuch gleichkäme den Mount Everest auf die Zugspitze zu setzen. No way!

Salve!
Corina Wagner
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