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Kultur : Contra Aufruf zur großzügigen Kollekte

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Am heutigen Sonntag wäre ich zu gern ein kleines unscheinbares Kirchenmäuschen und würde mich aus purer Nächstenliebe in der Sakristei verstecken, um nach dem Gottesdienst zu beobachten, wenn die Einahmen im Klingelbeutel gezählt werden. Wie wird das Mimikspiel des Geistlichen aussehen? Werden viele Euroscheine rascheln oder doch nur wenige Cents klappern?

Vergangene Woche wurde auf die heutige Kollekte in meiner Pfarrgemeinde aufmerksam gemacht. Vom 22. bis 25. September kommt Prof. J. A. Ratzinger, besser in der gesamten Welt als Papst Benedikt XVI. bekannt, zu Besuch nach Deutschland. Er wird die Bundeshauptstadt Berlin wie auch die Städte Erfurt und Freiburg besuchen.

Es wird nun in deutschen katholischen Pfarrgemeinden für den Papstbesuch - um großzügige Kollekte der Messebesucher gebeten. Damit die Gäste aus dem Vatikan im September feierlich in Deutschland begrüßt werden können.

Haben Sie den Papst etwa eingeladen und ihm Großveranstaltungen versprochen? Ich habe den Papst nicht eingeladen, warum soll ich dann spenden? Für arme AIDS-Waisen würde ich sofort spenden, unter dem Vorbehalt, dass die Gelder dort auch ankommen. Warum sollte ich einen Papst feierlich begrüßen, der z.B. die Pius Bruderschaft wieder in die Kirche aufgenommen hat. Bei vielen Katholiken hat diese Entscheidung heftige Kritik ausgelöst, weise in diesem Zusammenhang auf einige Mitglieder der Pius Brüder hin, die z.B. Holocaust-Leugner sind. Ob sich homosexuelle Christen auf den Papstbesuch freuen, bezweifle ich. Werden Sie etwa in Berlin dabei sein, wenn der Papst von Bundespräsident Wulff begrüßt wird? Ich nicht, auch werde ich nicht im Deutschen Bundestag anwesend sein oder z.B. auf dem Erfurter Domplatz stehen.

Ich rufe die deutschen Katholiken zum Boykott auf. Diejenigen, die regelmäßig die Gottesdienste besuchen und nun aufgerufen werden, für den Papstbesuch zu spenden, sollen keinen Cent in den Klingelbeutel werfen.

Wer für einen pompösen Empfang Geld spendet, hat wohl nicht begriffen, dass man von den super katholischen Herren aus dem Vatikan abgezockt wird.

Christliche Grüße

Corina Wagner

Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.