„Blödmann!“, intonierte die alternde Operndiva während einer Probe mit ihrem Lieblingspianisten, der inzwischen im Rollstuhl sitzt. Dabei stand heute so viel für sie auf dem Spiel.
„Welches Spiel?“, stöhnte noch vor wenigen Minuten der Neunzigjährige, dessen Finger von schwerer Arthrose gezeichnet sind. Danach setzte hysterisches Gelächter im Aufenthaltsraum des Seniorenstifts Nabucco ein.
„Ruhe!“, schrie die demente Geigerin und hielt sich dabei die Ohren zu. Daraufhin fing die Cellistin bitterlich zu weinen an, zitterte am ganzen Körper und rief ganz verzweifelt: „Feuer, Feuer!“. Zeitgleich zuckte der von Parkinson gezeichnete Hornist dermaßen zusammen, dass sein Auge Bekanntschaft mit dem Fagott machte und wäre dies nicht schon dramatisch genug gewesen, zog sich der übergewichtige Xylophon-Spieler splitterfasernackt aus.
Natürlich brannte es nicht und doch kamen gleich fünf Pfleger angerannt, die ihren Augen nicht trauten. Das Demenz-Orchester hatte mal wieder für einen Auftritt geprobt.
© Corina Wagner, Februar 2012