7
]
Bei der Wochenzeitung ZEIT wurde nun SPD-Chef Sigmar Gabriel von Journalist Stephan Haselberger interviewt. Die erste Frage, die ihm gestellt wurde, zielte zunächst auf die politische Glaubwürdigkeit ab. Hauptsächlich beinhaltete der geführte Dialog dann den Streit zwischen der SPD und ihrem Mitglied Thilo Sarrazin:
Frage: „Herr Gabriel, was macht einen glaubwürdigen Politiker aus?“
Sigmar Gabriel: „Reden und Handeln müssen im Einklang stehen. Ob das allerdings wirklich der Fall ist, erweist sich meist erst nach einer etwas längeren Zeit – wie wir es leider am Fall zu Guttenberg erleben mussten.“
Gabriel zeigte rhetorische Fähigkeiten, sendete in seiner Beantwortung sofort einen negativen Impuls und verwies auf ein Fehlverhalten in einer anderen Partei.
Parteichef Gabriel nahm während des Interviews auch seine Generalsekretärin Andrea Nahles im Bezug auf Sarrazin in Schutz. Seine Botschaft: Nahles leistete gute Arbeit. Er stärkt ihr den Rücken. Tatsächlich? Böse Genossenzungen behaupten das Gegenteil.
Frau Nahles hätte sich bei den Verhandlungen profilieren können oder
hat sie es? Und wenn ja - zu Gunsten Gabriels oder Sarrazins? Oder bekam sie keine Chance, weil dieses parteiinterne „Wortgeplänkel“ sowieso überhaupt keinen Sinn machte. Fragen, die diversen SPD-Mitgliedern Schweißperlen auf die Stirn treiben.
Die Schiedskommission schenkte Sarrazins Erklärung Glauben, somit soll nun diese parteischädliche „Bestelleraktion“ des früheren Finanzsenators schnell vergessen werden.
Angeblich soll Thilo Sarrazin nie eine Wiederbelebung des Sozialdarwinismus….
Ein Stück SPD-Hoffnung, die Gabriel nun als SPD-Chef verkünden muss, damit seine Parteifreunde vor den Wahlen in Bremen, Mecklenburg-Vorpommern und Berlin Zuversicht spüren. Doch viele Menschen können sich genau noch an die Szene erinnern, als Gabriel damals wegen Sarrazins rassistischen Äußerungen den sofortigen Parteiaustritt forderte.
„Jetzt wird die Zeit zeigen, ob diese Brücke zwischen Thilo Sarrazin und der SPD trägt.“
Ein Zitat von Gabriel aus dem geführten Interview, könnte zum Nachdenken anregen, so jedenfalls bei mir.
Wenn die Statik einer Brücke falsch berechnet wurde, hält sie Dauerbelastungen nicht stand.
Im Moment stellt sich mir die Frage: Wer ist nun für den „Stresstest“ verantwortlich?
Sigmar Gabriel oder Andrea Nahles?
Mit besten Grüßen
Corina Wagner
Quelle
www.zeit.de/politik/deutschland/2011-04/interview-gabriel-spd-sarrazin
|
|
@Corina Wagner
Gabriels Aufgabe ist allerdings auch nicht gerade leicht. Schließlich war er es, der noch vor kurzer Zeit die Sarrazin Thesen in einen direkten Zusammenhang mit dem ideologischen Unterbau der NS-Dikatatur gestellt hat.: "Der Hobby-Eugeniker Sarrazin und seine medialen Helfershelfer sind dabei, Theorien der staatlichen Genomauswahl wieder salon- und hoffähig zu machen." (Quelle: Sigmar Gabriel in der Zeit vom 16.09.2010: www.zeit.de/2010/38/SPD-Sigmar-Gabriel?page=all) Seine Mission läuft damit im Moment auf reine Schadensbegrenzung hinaus: Wie schafft es die SPD, den letzten Rest an sozialdemokratischer Glaubwürdigkeit aufrecht zu erhalten, ohne mit einem Parteiausschluss von Sarrazin ein deutliches Zeichen gegen Rassismus, soziale Ungerechtigkeit und Stammtisch-Ideologie in der deutschen Politik zu setzen. Und das gelingt eben am Besten, wenn man mit dem dicken Finger auf politische Gegner zeigt und sich ansonsten auf inhaltslose Phrasen beschränkt, die ebenso sinnlos und unbelastbar sind, wie eine "Brücke zwischen Thilo Sarrazin und der SPD". Danke für den guten Beitrag und einen schönen Tag Jacob Jung |
|
|
Hallo Herr Jung,
zunächst vielen Dank für Ihren Kommentar und den eingefügten Link. Den veröffentlichten Artikel von Herrn Gabriel hatte ich damals nicht gelesen, wundert mich eigentlich. ;-) Heute Abend unterhielt ich mich mit Freunden aus dem Chor, die durchschnittlich ca. 70 Jahre jung sind und unterschiedliche Schulbildungen genossen. Obwohl diese nicht unbedingt SPD Wähler sind, äußerten sie sich übereinstimmend gegen den Austritt Sarrazins aus der Partei. Sie sind der Auffassung, dass die Partei auch „Querdenker“ und „Spinner“ aushalten müsse. ;-) Gruß Corina Wagner |
|
|
schrieb am
29.04.2011 um 21:54
"Und das gelingt eben am Besten, wenn man mit dem dicken Finger auf politische Gegner zeigt und sich ansonsten auf inhaltslose Phrasen beschränkt................"
@jacob jung, sind das etwa die ersten Anzeichen auf dem Weg zur Besserung? Jedenfalls verorte ich die im Kontext zur Selbsterkenntnis. |
|
|
@Corina Wagner
Liebe Corina, Danke für den Hinweis auf das Interview. Ach übrigens, als Ex SPD-Genosse, glaube ich dieser Partei schon lange absolut nichts mehr. Das mag hart klingen; ich könnte es - wenn ich denn Lust dazu hätte, mich mit diesem traurigen Verein nochmals intensiv zu beschäftigen - sicher auch detailliert belegen, warum das so ist ... Noch eine kleine "zynische" Anmerkung: Obwohl ich kein Fan der GRÜNEN bin, gönne ich der SPD in Baden-Württemberg den Lernprozess sich plötzlich als Junior-Partner der GRÜNEN in einer Landesregierung wiederzufinden. Wer weiß, vielleicht ist das ja - auch auf Bundesebene - die einzige Perspektive die dem " *Verein, wo Familien Kaffee kochen können" überhaupt noch bleibt ... :-) * "(...) Es ist ein Unglück, dass die SPD Sozialdemokratische Partei Deutschlands heißt. Hieße sie (...) Reformistische Partei oder Partei des kleinern Übels oder Hier können Familien Kaffee kochen oder so etwas –: vielen Arbeitern hätte der neue Name die Augen geöffnet, und sie wären dahingegangen, wohin sie gehören (...) So aber macht der Laden seine schlechten Geschäfte unter einem ehemals guten Namen (...)“ Quelle: Kurt Tucholsky unter seinem Pseudonym 'Peter Panter' in 'Die Weltbühne', 19.07.1932, Nr. 29, S. 98 Schönes Wochende! Gruß Knüppel |
|
|
Hallo Knüppel,
die rosaroten Zeiten sind wohl für viele Sozialdemokraten vorbei und sie müssen hart kämpfen, damit sich nicht noch mehr Menschen neu orientieren. Dies spürte nun in Baden-Württemberg deutlich Mappus und seine Freunde der CDU Ich glaube, dass die SPD mit den GRÜNEN gut harmonieren wird. Die GRÜNEN sind schon lange nicht mehr die Turnschuhpartei bzw. der Stricknadelverein mit politischen Ambitionen. Franz Untersteller z.B., stellvertretender Parteivorsitzender der GRÜNEN in Baden-Württemberg, arbeitete bislang auch als energiepolitischer Sprecher und wird nun voraussichtlich Umweltminister in Baden-Württemberg. Er wuchs in meinem Heimatort auf und ich kenne ihn. Ich würde mich sehr freuen, wenn er den Job bekommt, habe ein gutes Bauchgefühl. ;-) Ich wünsche Dir ein schönes Wochenende. Corina |
|
|
Nun - ich glaube, dass man sich um den "Dicken" (nein, nicht Peter; nicht Gunter, sondern Sigmar) keine so große Sorgen machen muss. Aber die Nahles ist auf dem Wege, die maroden Fässer im ehemaligen Salzbergwerk Asse sozusagen vis a vis auszumachen. Will sagen, sie sinkt - ich vermute auch in der Wählergunst - zur Zeit tief, sehr tief ab. Einige alte Fahrensleute, darunter ist insbesondere Müntefering zu nennen, haben sich, sagen wir mal, über das "Temperament" dieser Dame schon das ein oder andere Mal gewundert.
Und nun verkauft sie - ausgerechnet Andrea Nahles! - den Sarrazin-Verbleib als einen ausreichend guten Kompromiss und SPD-Erfolg. Man muss sich schon wundern! Nur mal so: Sarrazin wäre auch ohne dieses peinlich-penetrante Provinztheater immer noch SPD-Mitglied. Aber er hätte wohl weniger Bücher ("Deutschland schafft sich ab") verkauft. Ob Thilo S. allerdings einen Teil seiner Buch-Tantiemen an die Sozis überweist, ist nicht bekannt. |
|
|
Sigmar Gabriel steht wie eine deutsche Eiche stabil da, wenn ich Deinen Kommentar richtig interpretiere. Nahles Grinsversuche bei geführten Interviews bezüglich Sarrazins Wortwahl wirken etwas deplatziert und vielleicht... sollte sie nochmals... Schauspielunterricht nehmen, wenn ich an Deine Aussagen zum Thema Provinztheater denke. Improvisationstheater liegt übrigens auch nicht jedem in der Partei… ;-)
Schönes Wochenende Corina |
Ausgabe 21/2012
24.05.2012
keine Versandkosten
kein Aufpreis
Einzelpreis: 3.60 €
>> bestellen