Zeitplan © Corina Wagner, 2012
Chronos Kosmos, so nennt er sich selbst, wenn man ihn auf seinen Namen anspricht. Niemand darf seinen Vornamen Sextus zelebrieren und wehe es grinst jemand dreist, wenn er erklärt, warum seine betagte Mutter Hebe im zeitgenössischen Seniorenstift Zeitlosigkeit jedes Mal ausrastet. Das Ausstellen der Geburtsurkunde muss damals ein kleines Vermögen gekostet haben und sie kann sich noch an jedes zeitintensive Detail erinnern, als wäre es erst vorgestern gewesen. Vor genau sechs Monaten gründete Chronos aus reinem Zeitvertreib die Zeitschrift Zeitstil, die er in einer aufregenden Zeitspanne zeitraubend für alle Beteiligten erschuf. Zeitweise benutzte er mehrere Zeitungsenten gleichzeitig, um sich zu profilieren. Jede Zeitschriftenspalte würde Chronos am liebsten stündlich mit unglaublich zeitnahen Schriften füllen, würde es sein Zeitmesser zulassen. Doch der Zeiger, der ihn in Bewegung hält und ihm aufzeigt wie sein Zeitplan funktioniert, spinnt seit einiger Zeit, wie alle, die er nun in diesem kosmischen Zeitraum kennengelernt hat. Seine tägliche Zeitrechnung geht irgendwie nicht mehr auf, wie seine digital gesteuerte Zellentür.
Kultur : Zeitplan
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