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Politik : Anti-Atom-Marathon

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Hier ist mein Erlebnisbericht über den Anti-Atom-Marathon im März 2011. Alle Veranstaltungen wurden konkret von der Atom-Katastrophe in Japan im AKW Fukushima geprägt, und von der Forderung zum Atom-Ausstieg wie schon bei den großen Demos und Menschenketten voriges Jahr.

Montag, 14.03.2011 - Mahnwache in Nürnberg

Diese fand an der Skulptur des thematisch passenden Narrenschiffs statt, die als Metapher auf die vom Untergang bedrohte Welt vom Bildhauer Jürgen Weber in den 80er Jahren geschaffen worden war. Die Namen Tschernobyl und in Bayern Wackersdorf sind von damals Legende. Die 'Mütter gegen Atomkraft' sind bald ein viertel Jahrhundert auf der Straße. Es sind über 1.000 Leute der verschiedenen Generationen zusammengekommen. Der Nürnberger Oberbürgermeister hat sich auch sehen lassen. Der Platz war für die Menge zu klein bemessen. Da es eine Mahnwache war, ist es meistenteils leise gewesen. Es gab jedoch 'Abschalten!'-Rufe. Jemand hat allerdings angemerkt, dass es 'Stilllegen!' heißen müsste. Jubel kommt auf, als sich die Meldung verbreitet, dass das alte und fehlerträchtige AKW Isar I abgeschaltet werden soll.

Freitag, 18.03.2011 - Kundgebung in Nürnberg

Diese fand auf dem größeren Platz vor der Lorenzkirche statt. Es fanden sich an die 2.000 Menschen zusammen. Es gab ein paar Redebeiträge von verschiedenen Organisationen. Überhaupt ist es lauter zugegangen als bei den Mahnwachen. Eindrucksvoll war die Rednerin der 'Mütter gegen Atomkraft'. Vorher fand in der Kirche ein ökumenischer Gebets- und Gedenkgottesdienst für Japan statt.

Montag, 21.03.2011 - Mahnwache in Nürnberg

Wieder hatten sich eine Menge Leute versammelt. Diesmal hatten wir vor Der Linken auf meine Erinnerung hin unsere großen Plakatschilder um, die wir schon auf der großen Demo am 09.10.2011 getragen hatten. In der BR-Rundschau jenes Tages sind sie kurz gezeigt worden. Ein Mitdemonstrant hatte angemerkt, dass das AKW Isar I, das auf dem Plakat zum Abschalten stand, im Zuge des Atom-Moratoriums ja schon abgeschaltet worden war. Er hate mich gefragt, ob wir nicht glauben, dass es abgeschaltet bliebe. Ich hatte geantwortet, dass das in der Tat ein kleiner Erfolg ist. Allerdings stellt sich wirklich die Frage, ob die jetzt vom Netz genommenen älteren AKWs wirklich endgültig stillgelegt werden. Ich hatte sogar ein kleines Interview für einen Sender aus Spanien, Barcelona, gegeben, wo ich einen Bogen der Gefahren von der Urangewinnung über den Betrieb der AKWs bis zum Atom-Müll und dessen Endlagerung gezogen habe.

Samstag, 26.03.2011 - große Kundgebung + Demo in München

Wie voriges Jahr sind wir - die Genossinnen und Genossen sowie weitere Teilnehmer aus dem Städtedreieck - dazu wieder nach München gefahren. Diesmal bequem mit dem Bus statt in einem überfüllten Zug. Es waren auf der Strecke auch eine Reihe anderer Busse mit Demoteilnehmern zu sehen.

Angekommen sind wir in der Nähe des Veranstaltungsortes, dem Odeonsplatz. Leider sind die Leute aus unserem Bus schon am Anfang auseinandergelaufen. Ich bin mit einem Genossen zum Standplatz der Münchner Linken gegangen, wo wir zusätzlich zu unseren roten Standardfahnen, die wir dabeihatten, ein paar rote 'Atomkraft? Nein danke'-Fahnen der Linken in Empfang genommen haben.

Der Platz hat sich gefüllt, wobei die Menschen vor der großen Bühne dicht an dicht gestanden waren. Es haben am Anfang Bands gespielt, wobei die Musik sehr laut war. Eine Frau neben mir hat kritisch angemerkt, dass die Veranstaltung in Form eines Festes angesichts der Atom-Katastrophe in Japan nicht angemessen sei.

Das Wetter hat es nicht gut gemeint mit uns, denn es hat zu regnen angefangen, und schließlich hat es geschüttet. Etliche Leute haben ihre Regenschirme aufgespannt, was angesichts der Enge nicht ideal war. Andere haben sich untergestellt, wo es möglich war. Nach der Musik gab es den Eröffnungsredebetrag, dann eine Schweigeminute wie schon bei den anderen Veranstaltungen. Ich habe mich weiter nach hinten begeben, wo es weniger gedrängt zuging. Dabei habe ich gesehen, dass die Polizei die Seitenstraßen abgesperrt hat und die Hinzugekommenen nach hinten umgeleitet hat. Offensichtlich hat es Missverständnisse und daraus resultierend auch Diskussionen zwischen den Leuten, die durchwollten, und den Polizisten gegeben. Von der Bühne her wurde schließlich durchgegeben, dass der Platz von hinten her gefüllt werden sollte, wo auch noch Lautsprecher angebracht waren.

Dann gab es eine Reihe von Redebeiträgen von verschiedenen Organisationen, Parteien und Einzelpersonen, unter anderem einen satirischen von Urban Priol. Dessen Rede ist in diesem und diesem Video zu hören. In diesem Video kann man auch weitere Eindrücke sehen. Überhaupt wurde viel Kritik an der Atom-Industrie und der schwarz-gelben Regierung geäußert.

Zu sehen waren neben dem üblichen Fahnenwald der diversen Organisationen und Parteien viele selbergebastelte und fantasievolle Schilder und Transparente. Eine Genossin hat auch unseren thematischen Flyer verteilt, der jedoch nicht so gut angekommen ist. Nicht wegen dem Inhalt, sondern weil er von Der Linken ist. Allerdings war wie auf den anderen Demos ein genereller Parteien- und Politikerverdruss zu bemerken. Andererseits sind immer Teilnehmer aller Atom-Oppositionsparteien auf den Demos anwesend: Die Grünen, Die Grüne Jugend, die SPD, Die Linke, Die Linksjugend ['solid], die ÖDP, die Piraten und die Freien Wähler, sowie auch die Linksaußenparteien.

Nach einiger Zeit hat es zu regnen aufgehört. Sogar die Sonne hat herausgespitzt, obwohl es relativ kühl blieb. In der Zeit, als die Redebeiträge zu Ende waren, hat sich eine Spontandemo geformt, die zum Energiekonzern EON ziehen wollte. Wir von Der Linken sind gefragt worden, ob wir mitgehen wollten. Leider musste ich absagen, weil ja ein Termin zur Busabfahrt festand. Die Münchner Genossen mussten ihr Material wegbringen. Sie teilten mir auf meine Frage mit, dass die Nürnberger schon gegangen seien. Ich hatte angenommen, dass sie schon zum Platz, wo der Bus abfahren sollte, gegangen seien, worauf ich mich noch vor dem Ende der Veranstaltung dorthin aufgemacht habe. Ich bin viel zu früh angekommen. Später habe ich erfahren, dass einige zusammen Biertrinken waren. Schließlich sind alle wieder zusammengekommen, und wir sind am Abend gut heimgekommen.

Insgesamt waren es um die 40.000 Menschen, die auf der großen Anti-Atom-Demo zusammengekommen sind. Die Stimmung insgesamt war trotz dem schlechten Wetter relativ gut, allerdings nicht so ausgelassen wie voriges Jahr, was angesichts der Atom-Katastrophe in Japan logisch ist.

Montag, 28.03.2011 - Mahnwache in Nürnberg

Im Vergleich zu den vorherigen Veranstaltungen in Nürnberg waren schon weniger Leute anwesend. Auch von der Presse war kaum jemand mehr zu sehen. Im Verlauf der Mahnwache sind die Veranstalter der Montagsdemo zu uns Teilnehmern gekommen, um uns zu einem Protestmarsch zu Sitz der Nürnberger N-Energie einzuladen, analog zum erwähnten Protestmarsch in München. Die Montagsdemonstranten hatten sich auch schon den anderen beiden Mahnwachen angeschlossen. Ein Teil der Mahnwachenden hat sich dem Protestmarsch angeschlossen, und ein noch kleinerer Teil hat bis zum Ende durchgehalten, wo es vor dem Energiekonzern eine kleine Kundgebung gegeben hat.

Interessant war auch ein Redner, der sich als Gründungsmitglied Der Grünen und Aktivist vorgestellt hat, der jedoch von Den Grünen enttäuscht und verärgert weggegangen war, und auf Politiker generell nicht gut zu sprechen war. Ich meine, dass außerparlamentarische und parlamentarische Arbeit zusammengehört, dass also Aktivisten und Politiker am gleichen Strang ziehen müssen.

Mit Den Grünen übrigens haben wir bei uns ein entspanntes Verhältnis und Gemeinsamkeiten, insbesondere bei den Themen Ökologie, Anti-Atomkraft und Erneuerbare Energien. Von der bewegten Seite her gibt es ja viele Überschneidungen, zudem Wechsel zwischen grün, links und parteilos. Auch mir kommt es da auf das Inhaltliche an, wie ich schon in meinem Blog-Artikel 'Das Gleichnis von den Anti-Atom-Aktivisten' dargestellt habe.

Die Linke Liste Nürnberg wird im Übrigen einen Antrag mit in den Stadtrat einbringen, dass der Energiekonzern N-Energie, an dem die Stadt mehrheitlich beteiligt ist, keinen Atom-Strom mehr beziehen soll. Das war auch schon unsere Forderung auf der oben erwähnten Kundgebung.

Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.