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Administrative Court in London

COURT 4

Before SIR JOHN THOMAS PQBD and MR JUSTICE OUSELEY Wednesday 2 November, 2011 At a quarter to 10

FOR JUDGMENT HAND DOWN CO/1925/2011 Assange v Swedish Judicial Authority

lautet der virtuelle Aushang in der Rechtssache Assange, in der es um eine relativ banale Rechtsfrage geht: Darf der Australier von den britischen Justizbehörden an die Justizbehörden Schwedens ausgeliefert werden?

Für Assange selbst dürfte der Gang schwer sein. Nicht deswegen, weil er seit Beginn der Ermittlungen in Schweden davon spricht, dass gegen ihn eine Verschwörung in Gang sei, die sinngemäß beinhalte, ihn mundtot zu machen. Sondern weil Gerichtstermine, in denen es um die persönliche Freiheit geht, für den angenommenen Delinquenten immer sperrig sind. Bereits jetzt ist er ausgeliefert, den Verfahrensregeln, den Richtern, den Anklägern und hat dagegen seine Verteidiger und deren Auslegungen und Einwendungen. Es ist der Augenblick, da unwillkürlich bewusst wird, dass von ganz weit hinten, eigentlich: unvordenklich ein theoretischer Apparat existiert, der nun in die Praxis tritt.

Im Falle britischer Gerichte war das bis 2008 an besonders prächtigen Roben und Perücken sinnfällig. Die Szenerie glich hinsichtlich der Akteure an barocke Hofhaltung, ausgedrückt in Attribut und Pracht der Kleidung von Richtern, Staatsanwälten, Saaldienern. Die Robedes Advokaten war bereits minder, im Räuberzivil erschien die Partei. Die Distinktionen waren so jedem begreiflich und greifbar. Sie sollten dem Sparzwang zum Opfer fallen, was aber Standesvertretungen noch im Herbst 2007 auf die Barrikaden trieb.

Wobei es sonderbar anmutet, dass sich jemand gegen eine Kleiderordnung wenden mag, die ihn von künstlichen Haarteilen, schweren Roben, Bändern und Besätzen befreien will. Seitdem herrscht eine Form von Anarchie im gerichtlichen Dress-Code. Modernisierer ziehen über normale Geschäftskleidung eine einfache Robe ohne Besätze an, Konservative tragen ihre alte Prachtkleidung auf, weil für eine Erneuerung in dieser Hinsicht kein Geld mehr bewilligt wird. Nur eines ist geblieben: Iura novit curia.

In einigen Stunden werden wir schlauer sein, wie wohl der Richter im Fall Assange vs. Schwedische Justizbehörden gekleidet gewesen ist. Und auch wissen, ob der angenommene Delinquent sich nun der Anklage in Schweden wird stellen müssen, gegen Frauen sexuelle Gewalt begangen zu haben. WikiLeaks ist ohnehin kein Thema mehr, sondern wie sein Hauptakteuer etwas für die Seite Vermischtes geworden. Eigentlich hat Julian Assange nichts mehr zu befürchten: Die eigentliche Schlacht um Anerkennung ist längst geschlagen. e2m

Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.