04.10.2011 | 19:31

Ein Wiki und sein Shitstorm – Epilog

Sie haben miteinander gesprochen, telefoniert, gemailt, gechattet oder was auch immer, aber sie haben sich verständigt. Und das ist die wichtigste Nachricht nach rund 36 Stunden hoher Wellen im italienischen Netz: Nonciclopedia ist wieder online gegangen, und Vasco Rossi zieht seine Strafanzeige zurück.

Dafür, so die Mitteilung der Admins der Satireplattform, werden sie den Text zu dem Sänger nicht mehr veröffentlichen: „Von beiden Seiten gibt es den Willen, gehaltvollen Humor zu garantieren, so dass wir nicht ausschließen, dass es eines Tages auf Nonciclopedia wieder einen Artikel zu Vasco Rossi geben wird, über den alle lachen können.“ Beide Kontrahenten haben dieses Schreiben auf ihren jeweiligen Präsenzen gegen 18:00 Uhr veröffentlicht.

Was auch immer es gewesen sein mag. Ob der Blog „Valigia Blu“, seit etwa zwei Jahren eine der maßgebenden Schnittstellen zwischen Print- und online-Journalismus in Italien, der sich äußerst kritisch mit dem Tonfall der Diskussion auseinandergesetzt hat; obder laut gewordene Vorwurf, die facebook-Präsenz „Salviamo Nonciclopedia“ („Retten wir Nonciclopedia“) sei von einer Medienagentur zu eigenen Zwecken ins Leben gerufen worden; oder der Vorwurf an den Künstler, Humor sei immer nur der auf Kosten anderer – die eigentlichen Akteure und Kontrahenten haben ihre Karten ausgespielt und wohl eingesehen, dass  jeder von ihnen nur verlieren kann, wenn das Patt nicht aufgelöst wird.

Denn die eigenen Standpunkte nur darstellen und dann die jeweiligen Fans aufeinander los lassen, das ist bestenfalls Schlachtordnungsdenken, aber nicht Netz. Mit dem Disput und seinem gefundenen Kompromiss haben beide Seiten vielleicht ein paar Sympathien eingebüßt, dafür aber an Größe gewonnen.

Das ist auch nötig. Denn morgen steht im Parlament in erster Lesung ein Gesetz zur Debatte, mit dem Presse- sowie Veröffentlichungsrechte im Netz stark beschränkt werden sollen. Die Initiative hatte es bereits 2010 einmal gegeben, die Regierungsmehrheit hatte sie zurückgezogen, weil sie „nicht scharf genug“ erschien. Nicht wenige befürchten nun, dass in den derben Ausdrücken gegenüber dem populären Vasco Rossi ein Vorwand gesehen wird, dem unpopulären Vorhaben eine breitere Basis zu verschaffen. In der Tat hat es den Tag über einige Nachrichtensendungen vor allem aus dem Hause Berlusconi gegeben, die aus angeblichen Inhalten von Nonciclopedia zitiert haben, obwohl „sie nie auf unserer Plattform veröffentlicht worden sind“, so deren Administratoren. e2m

 

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