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Wer dieses Jahr an die Urlaubsplanung denkt, stellt sich eine ungewohnte Frage: Kann ich in ein Land, das pleite ist? Die Möglichkeit von Insurrektionen oder Hungerrevolten schreckte bisher niemanden ab. Schon gar nicht beim letztminütigen Trip in die dominikanische Republik –wir erinnern uns, Haiti ist deren Appendix- oder zu einer der anderen exotischen Lokalitäten, die am Ticket-Schalter als besonders preiswert gehandelt werden. Denn die Relation zwischen billig und der vor Ort anzutreffenden Misere wird nicht nur werbetechnisch formvollendet ausgeblendet („Individuell eingerichtete Ferienhäuser in tropischer Umgebung mit Privatstrand“), sondern ist geradezu Grundvoraussetzung für Lokalkolorit. Hier das geschlossen klimatisierte Ensemble eines Feriendorfes, in das man sofort zurück kann, wenn dem all-inclusive-Magen Schmutz, käufliches Fleisch und sichtbares Elend da draußen doch zuviel werden.

Für Griechenland scheint das alles nicht zu gelten. BILD titelte die Frage: „Wie sicher ist jetzt noch mein Griechenland-Urlaub“ und WELT gab drei Tage vorher schon die vorauseilende Antwort: „Viele Deutsche streichen Griechenland-Urlaub“. Wie immer zwiespältig das Auswärtige Amt: Reisende nach Athen und Thessaloniki sollten sich in den Medien sowie bei ihren Gastgebern über die aktuelle Lage unterrichten und Demonstrationen weiträumig meiden. „Touristenziele außerhalb der großen Städte sind von diesen Entwicklungen nicht betroffen“. Nur der Deutsche ReiseVerband (DRV) gab zeitgleich und entgegen den Springer-Blättern Entwarnung: Die Buchungen seien „auf Vorjahresniveau“, der Umsatzrückgang, der die Alarmmeldungen verursachte hatte, allein Folge davon, dass Reiseveranstalter „für fast alle Reiseziele weltweit – und damit auch für Griechenland – die Preise für dieses Jahr gesenkt“ hätten.

Gut, dass es den DRV gibt. Man müsste als deutscher Durchschnittskonsument sonst fürchten, die Griechen würden in ihrer Not auch kleine Kinder fressen. Schade, dass es nur noch wenige Reiseziele gibt, wo es keine Nachrichten gibt, gar keine.

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