20.09.2010 | 21:01

Menschen, Natur

Mit den Menschen geht mir es schon besser, man muß sie nur mit dem Krämergewicht, keineswegs mit der Goldwaage wiegen, wie es leider sogar oft Freunde untereinander aus hypochondrischer Grille und seltsamer Anforderung zu tun pflegen.

J.W.Goethe, Italienische Reise, Neapel, zum 17. März 1788, Ersterscheinung 1829
entnommen bei www.textlog.de/7189.html

Blog editiert 21.09.2010, 16:02 Uhr: Datumsangaben ... ergänzt!

Finale Ergänzung: Womit sich der Blogger endgültig blamiert zu haben scheint und es als Zeichen seiner Schande genauso so stehen läßt

 
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Kommentare
goedzak schrieb am 20.09.2010 um 21:11
Passt ja! - Beim Blogtitel dachte ich erst, wir kämen zu einem hier vor Wochen angerissenen Thema zurück (und damit auch einen Schritt vom Egomanen-Karussel weg). Na, wird schon noch...
ed2murrow schrieb am 20.09.2010 um 21:19
Ein weiterer Teil des Tagebucheintrags lautet:

"Ich habe viel gesehen und noch mehr gedacht: die Welt eröffnet sich mehr und mehr, auch alles, was ich schon lange weiß, wird mir erst eigen. Welch ein früh wissendes und spät übendes Geschöpf ist doch der Mensch!

Nur schade, daß ich nicht in jedem Augenblick meine Beobachtungen mitteilen kann; zwar ist Tischbein mit mir, aber als Mensch und Künstler wird er von tausend Gedanken hin und her getrieben, von hundert Personen in Anspruch genommen. Seine Lage ist eigen und wunderbar, er kann nicht freien Teil an eines andern Existenz nehmen, weil er sein eignes Bestreben so eingeengt fühlt."
Volker schrieb am 20.09.2010 um 22:40
Ein Mensch...

Der Lichtblick
Ein Mensch erblickt das Licht der Welt -
Doch oft hat sich herausgestellt
Nach manchem trüb verbrachten Jahr
Dass dies der einzige Lichtblick war.

Ein Ausweg
Ein Mensch, der spürt, wenn auch verschwommen,
Er müßte sich, genau genommen,
Im Grunde seines Herzens schämen
Zieht vor, es nicht genau zu nehmen.

Realismus
Ein Mensch erhofft sich leis' und still,
dass er einst das kriegt, was er will,
bis er dann dann doch dem Wahn erliegt
und schliesslich das will, was er kriegt!

Das reicht doch an sich völlig aus als Erkenntnishorizont für Mensch, Natur.... ;-)
Deaktivierter Nutzer schrieb am 20.09.2010 um 21:13
17. März 1829, merk ich mir; schon wegen Frankfurter Zeiten!
Deaktivierter Nutzer schrieb am 20.09.2010 um 21:15
Meint: Prolegomena zum Verhältnis von Goethe zum Institut an der Senckenberganlage. Oder: Romantik Nein Danke!
Deaktivierter Nutzer schrieb am 20.09.2010 um 21:17
Oder: Konnte Goethe Zug fahren, hatte Teddy einen Führerschein.
Deaktivierter Nutzer schrieb am 20.09.2010 um 21:17
Alles mit Sinn gepostet.
ed2murrow schrieb am 20.09.2010 um 21:24
Lieber Walter,

weder Metaphysik noch Romantik sind der Grund für das kleine Ding da oben gewesen; Zurücklehnen schon eher. Sehe, dass Du das schlußendlich auch so begreifst.
Deaktivierter Nutzer schrieb am 20.09.2010 um 22:30
"Ich habe viel gesehen und noch mehr gedacht: die Welt eröffnet sich": als ein Fußball; ein Rundes, das ins Eckige muß.
Kurz, e2m: volle Zustimmung.
Uwe Theel schrieb am 21.09.2010 um 01:12
Lieber ed2murrow,

sagen Sie mir bitte, wie kommen Sie zu dem Titel

"Menschen, Natur"

Alles in Goethes Zeilen drückt die größte Ferne von Natur, die größte Annäherung aber an Kunst, an das, was den Menschen von Natur und seinesgleichen offenbar trennt, ihn mindestens wesentlich unterscheidet aus?

Da drückt das Komma in Ihrem Titel eine Reihung aus, wo ich, wenn, dann einen Trennstrich erwartet hätte.

lg
ut
ed2murrow schrieb am 21.09.2010 um 07:49
Herr Theel,
es steht so da wie an dem Ort, an dem ich es entnommen habe. Folgen Sie dem Link und fragen Sie den Autor.
e2m
Uwe Theel schrieb am 21.09.2010 um 14:39
Lieber e2m

mit den 10 Zeilen davor

Wenn ich Worte schreiben will, so stehen mir immer Bilder vor Augen des fruchtbaren Landes, des freien Meeres, der duftigen Inseln, des rauchenden Berges, und mir fehlen die Organe, das alles darzustellen.

Hierzulande begreift man erst, wie es dem Menschen einfallen konnte, das Feld zu bauen, hier, wo der Acker alles bringt, und wo man drei bis fünf Ernten des Jahres hoffen kann. In den besten Jahren will man auf demselben Acker dreimal Mais gebaut haben.

Ich habe viel gesehen und noch mehr gedacht: die Welt eröffnet sich mehr und mehr, auch alles, was ich schon lange weiß, wird mir erst eigen. Welch ein früh wissendes und spät übendes Geschöpf ist doch der Mensch!


wird´s dann auch klar. Über das Ganze kann man dann auch gut nachdenken, meinetwegen während man sich - aber nicht zu weit - zurücklehnt. ;-)

lg
ut
Wolfram Heinrich schrieb am 21.09.2010 um 13:08
J.W.Goethe, Italienische Reise, Neapel, zum 17. März 1829

Ich würd ja mal eher annehmen, daß Goethe 1829 weder in Neapel noch in der Nähe davon war.

Ciao
Wolfram
ed2murrow schrieb am 21.09.2010 um 15:51
Bingo :-)
Wolfram Heinrich schrieb am 21.09.2010 um 16:02
@ed2murrow
Kann es sein, daß 1829 die "Italienische Reise" erstmals als Buch erschien?

Ciao
Wolfram
ed2murrow schrieb am 21.09.2010 um 16:04
In der Tat, siehe meine neue Eintragung im Blog.
Wolfram Heinrich schrieb am 21.09.2010 um 16:24
@ed2murrow
In der Tat, siehe meine neue Eintragung im Blog.

Die "Italienische Reise" erschien erstmalig 1816/17, und es muß 17. März 1787 heißen, im März 1788 war Goethe bereits wieder in Rom.
www.goethezeitportal.de/index.php?id=italien_timeline

In einer Buchhandlung habe ich mal nach der "Italienischen Reise" gesucht und mir fast das Buch von Goethe "Reise durch Italien im Jahre 1740" gekauft. Die Jahreszahl 1740 machte mich stutzig, so gut habe ich die Lebensdaten Goethes im Kopf, daß ich wußte, er konnte nicht 1740 nach Italien gereist sein, 9 Jahre vor seiner Geburt. Ein zweiter Blick belehrte mich, daß der Autor Johann Caspar Goethe war, sein Vater. Der Originaltitel des Reiseberichts ist übrigens "Viaggio per l'Italia", der Alte hat das Buch tatsächlich auf Italienisch geschrieben. Kein Wunder, daß der Sohn fließend Italienisch gesprochen hat.
www.amazon.de/Reise-durch-Italien-Jahre-1740/dp/3423126809

Ciao
Wolfram
Wolfram Heinrich schrieb am 21.09.2010 um 16:30
Nachtrag:
Ich bin nie durch die "Italienische Reise" bis ans Ende gekommen, er erzählte mir zuviel von Geologie und Kunst und zu wenig von Italien. Gelesen habe - und das inzwischen zweimal - den "Spaziergang nach Syrakus" von Seume. Der ist knappe 30 Jahre nach Goethe zu Fuß von Preußen aus gegangen, der hat was erlebt und er weiß es zu schildern. Der schreibt auch was über die Kunstwerke, die er gesehen hat, aber auch und vor allem über die soziale Realität dieser Zeit.

Ciao
Wolfram
ed2murrow schrieb am 21.09.2010 um 16:44
Ihren Angaben gemäß habe ich den Blog mit einer abschließenden Sentenz vervollständigt. Wer anderen eine Grube ... der Rest ist bekannt :)
ed2murrow
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