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Kultur : Nachtrag zum Blog „Diadochenkämpfe auf Italienisch“

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Eigentlich wollte dieser Blogger das Thema in einem weiteren Artikel abhandeln. Aber die Aktualität überholt wie so oft den Plan, also nun diese Randbemerkung.

Am heutigen Tag hat Il Manifesto, bekannt als linke kritische Tageszeitung mit Sitz in Rom, online sämtliche Inhalte zugunsten einer öffentlichen Überlegung zur Seite geschoben: Wie überleben wir? Das ist in Italien nicht erst seit der Finanzkrise (und mit ihr dem Rückgang der Werbeeinnahmen) aktuell. Denn anders als in Deutschland erhält das Verlagswesen in Italien jedes Jahr öffentliche Zuwendungen in Form verlorener Zuschüsse, die Fondi per l’Editoria. In den Haushaltsplanungen 2010-2011 sollten sie wegen der Krise auf Null zurückgefahren werden. Das hätte für zahlreiche Zeitungen das Aus bedeutet. Inoffiziellen Angaben zufolge schleppt Il Manifesto 19 Millionen Euro Schulden mit sich herum bei einem jährlichen Verlust von mehr als 300.000 Euro. Der im Blog genannte Libero hat für die Jahre 2008 und 2009 noch Zuwendungen aus dem Fonds in Höhe von 6 Millionen zu erwarten.

Erstaunlich ist die Feststellung, dass es praktisch keine Publikation gibt, die nicht „Staatknete“ bezieht, so obskur sie auch sein mag oder so klein ihre Reichweite. Auch die dezidierte Ausrichtung zu einer Partei ist nicht Grund fürs Darben, im Gegenteil: Parteizeitungen erhalten einen Zuschuss in Höhe von 40% ihrer Gestehung, sofern die dafür in Ansatz gebrachten Kosten in den Normen, die die Bezuschussung regulieren, anerkannt sind. Nährt sich so unabhängige Presse?

Mit einer der Gründe, warum dieser Blogger Il Fatto Quotidiano als „am anderen Ende des publizistischen Spektrums“ bezeichnet hat, ist der Umstand, dass deren Gründer das Programm ausgegeben haben: Wir nehmen kein Geld vom Staat. Il Fatto ist, neben der in jeder Hinsicht respektlosen Sprache, auch in der Hinsicht ein Unikum. Wie lange sie es durchhalten werden? Es kommt darauf an, wie viele neue Abos sie werden gewinnen können. Für eine Zeitung, die ihre Ursprünge im Netz hat, ein wirklich gewagtes, ein bewundernswertes Experiment. Il Manifesto scheint das auch begriffen zu haben und ruft heute zum „kollektiven Herausgeber“ auf, was nichts anderes bedeutet, als auf den Leser zuzugehen und ihn ins Boot zu holen. Und zwar unabhängig von den nun doch insgesamt 329 Millionen Euro, die für das laufende Haushaltsjahr an Zuschüssen für das Verlagswesen (einschl. für Radio und Fernsehen) vorgesehen sind.

Eigentlich wollte dieser Blogger: Ja, er wollte eigentlich nur sagen, ins Boot holen, den Leser, das klingt doch irgendwie vertraut. Oder?

Für die nächste Zeit verabschiede ich mich in eine Region, wo Netz an einer unzureichenden Strom- und Datenversorgung hängt, so dass das Ausrufen eher vom Zufall abhängt. Daher Ihnen allen jetzt schon: Arrivederci, wir lesen uns über den Weg. e2m

Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.