Im Moment echauffiert sich die Welt so sehr an #occupy, dass „Besetzungen“ praktisch untergehen. Und mit Besetzungen meine ich Rollen. Eine, die Zeit ihre Lebens Rollen gespielt hat, ist Erika Pluhar. Die Burgschauspielerin, jetzt 72, im lesenswerten Interview mit dem SZ-Magazin:
„Ich war wie in einem Glassarg, aber am Schreibtisch und im Studio konnte ich meine Trauer durchwandern und verwandeln. Ansonsten tat ich, was der Tag von mir verlangte, und sagte keine Termine ab. Ich war in diesen Wochen grauenvoll gesund. Rundum tobte eine Grippewelle, ich blieb tödlich gesund. Ich war ein bisschen tot. Wenn man sich dann nicht die Kugel gibt, greift irgendwann das Leben wieder nach einem, einfach das Leben: Man geht jeden Morgen ins Badezimmer, plötzlich merkt man, dass einem was schmeckt, plötzlich hört man sich sogar lachen. Während man noch hinterhersterben möchte, lebt man bereits wieder.“
Da ist nicht dieser materielle Tod, bei dem sich Menschen überfordert fühlen, weil das Geld futsch ist. Da sind Lebensgrundlagen weg: Dem einen zerbricht’s das Herz, der andere sucht die Vene für die tödliche Injektion. Pluhar ist eine Überlebende, die in einer wunderbar direkten Sprache davon erzählt.
Die Tage bekam ich eine Mail von einer Frau, die ich nicht kenne. Genauer: Was wir im Laufe von Jahren gechattet haben, passt auf mehrere Kuhhäute. Aber so von Angesicht zu Angesicht war nicht. Chatten ist out, Korrespondenzen sind in. Aus Ihrer Mail:
„… über das gefühlsleben zu reden, als frau ist man da oft zu weich, man muss sich eine berufliche härte zulegen, die, und das ist GANZ wichtig, im privaten wieder abschalten.“
Da zeigt sich eine Konstante. Concita de Gregorio, Journalistin und Mutter von Vieren, hat so beim Journalismusfestival in Perugia gesprochen, Catrin Schoneville für Wikimedia auf dem blauen Sofa bei der Buchmesse gestern in Frankfurt, Sue Gardner in ihrem Blog im September zur Frage des Weltbildes bei Wikipedia: „mainly well-educated young men in wealthy countries“, sie prägen. Auch das Verhalten von Frauen, das als Rolle wahrgenommen wird und zu nur 7% der Beiträge in einer Wissensplattform führt. Weil sie sich nach Arbeit, Heim und Kindern nicht auch noch die Revolution alleine antun wollen (De Gregorio: „Wenigstens die könnten wir gemeinsam machen“; Schoneville: „Dann tut man sich den Ton nicht auch noch an“). Und warum ist Courage Mutter?
Zu Frauenrechten gehören allmählich Männerpflichten beigesellt, und ein § daraus lautet: Quotierung.