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Zeitungen, Medien und Politiker warnen vor islamischem Terror und der stetig steigenden Gefahren von Anschlägen durch Islamisten. Diese Angst vor dem islamischen Terror hat bei vielen Bevölkerungsteilen zur Angst vor dem gesamten Islam geführt. Doch wieviele islamische Terroranschläge gab es überhaupt und spielt islamischer Terror in Europa eine große Rolle?
Europol hat kürzlich einen Bericht veröffentlicht, dessen Ergebnisse wohl viele verängstigte Bürger beruhigen können und der die wirkliche Relevanz von islamischem Terror in Europa zeigt.
Zahlen und Daten
Europol bringt in seinem Bericht 2010 (PDF, 6 MB) folgende Zahlen:
2006-2008, EU:
* Islamistische Terrorakte: 0,4%
* Separatistische Terrorakte: 84,8%
* Sonstige (Links- und Rechtsradikale u. a.): 14,8%
2009 gab es 294 versuchte bzw. vereitelte oder ausgeführte Terrorakte in der EU.
* Islamistische: 1
* Separatistische: 237
* Sonstige (Links- und Rechtsradikale u. a.): 56
Separatistische Terrorakte überwiegen also. Sie beschränken sich weitgehend auf Frankreich, Spanien und Großbritannien (Nordirland). Sowie einige Attentate aus politischen Gründen in verschiedenen Ländern.
Die Autoren des Berichts schreiben (Übersetzung der Initiative Gruppe):
Islamistischer Terrorismus wird immer noch als größte Bedrohung weltweit wahrgenommen, trotz der Tatsache, dass die EU 2008 nur einen einzigen terroristische Anschlag zu verzeichnen hatte. Dieser Bombenanschlag fand in Großbritannien statt. Separatistischer Terrorismus bleibt der Bereich, der die EU am stärksten trifft. Das beinhaltet den baskischen Separatismus in Spanien und Frankreich, den korsischen Terrorismus in Frankreich …
Fakten und Berichterstattungen
Die Zahl der Terroranschläge, die mit dem Islam begründet werden, obwohl der Islam Gewalt verbietet, liegt unter 1%. Wenn man nun aber Berichte in den Medien sieht, könnte man den Eindruck gewinnen, dass die Menschen in Europa jeden Tag einem Terroranschlag fanatischer Muslime zum Opfer fallen könnten.
Dies mag daran liegen, dass die wenigen Terroranschläge durch Muslime eine größere Reichweite hatten und ihnen viele Menschen zum Opfer gefallen sind. Noch viel mehr könnte es allerdings daran liegen, dass man versucht, die Muslime als religiöse Fanatiker darzustellen, die für ihren Glauben töten.
Diese Muslime gibt es natürlich auch, allerdings gibt es in jeder Religion Fanatiker und Extremisten, dass diese bei den Muslimen eine ebenso geringe Rolle spielen, wie bei anderen Religion, wird dabei aber verdrängt. Die Medien erwecken darüber hinaus den Eindruck, dass Terrorakte im Irak und Afghanistan immer religiös begründet sind, während es sich besonders im Irak in den meisten Fällen um politisch motivierte Aktionen handelt. Es wird von muslimischen Terroranschlägen gesprochen, weil der Täter den muslimischen Glauben anhängt, jedoch würde keiner auf die Idee kommen, einen baskischen oder korsischen Anschlag als christlisches Attentat zu bezeichen, obwohl die meisten Basken und Korsen dem christlichen Glauben anhängen.
Zusammenspiel von Gegnern
So schreibt die Initiativegruppe über das Zusammenspiel von Islamfeinden, Medien und Terrororganisationen
Islamfeinde, Medien und islamistische Terrororganisationen spielen hier perfekt zusammen und erzeugen ein Bild, in dem sie alle drei die Gewinner sind. Der vernünftig bleibende Teil der Gesellschaft schlägt sich die Hand vor den Kopf und fragt sich, ob unsere Gesellschaft dabei ist, verrückt zu werden.
Dieses Zusammenspiel ist sicherlich nicht geplant, bringt den muslimischen Terrororganisationen allerdings eine weit größere Beachtung als sie verdienen. Jede Beachtung ist eigentlich zu viel, da Terroristen nie beachtet werden sollten! Rechtspopulisten erhalten dadurch die Möglichkeit auf ihre Thesen aufmerksam zu machen und sie mit "realitätsnahen Ereignissen" zu verbinden, so dass sie auf einen Zuwachs bei den nächsten Wahlen hoffen können. Die Medien erhalten durch die Berichterstattung ein neues Themenfeld, das vielleicht neue Leser/Zuschauer begeistern könnte.
Als friedensliebender Mensch sollte man sich für einen Dialog einsetzen und gegen jede Art von Terrorismus und Gewalt vorgehen, dabei darf allerdings keine Gruppe für die Taten einiger weniger bestraft werden.
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Wenn man verstehen möchte, warum die Berichterstattung so ist, wie sie ist, dann muss man Noam Chomsky lesen (Media Control).
Initiiert durch die sogenannten "Anschläge" auf das WTC 2,3, und 7, verquickt mit einer hanbüchenen Verschwörungstheorie, die wissenschaftlich längst widerlegt, aber medial nach wie vor aufrecht erhalten wird, werden daraus sämtliche Einschnitte in unsere Freiheitsrechte abgeleitet, und wird keine Chance ausgelassen, uns und unsere Meinung in die "richtige" Richtung zu dirigieren. Islamischer Terror ist das Menetekel - nicht etwas sukzessive Beraubung der Freiheit durch organisierte Kriminalität (die sich geschickt als demokratische legitimierte Regierung tarnt). Wir leben in einer Situation, in der die Lüge nicht einmal durch ihren Gegensatz aus der Welt geschafft werden kann. Wir haben dadurch den denkbar höchste Grad der Lüge erreicht, weil das Urteilsvermögen zwischen Wahrheit und Lüge aufhört zu existieren, weil der Lügende seiner eigenen Lüge glaubt und sich darüber entrüstet, dass andere an seinen Worten zweifeln. |
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Dieses Zusammenspiel ist sicherlich nicht geplant (...)
Das sehe ich anders. Dazu einmal kurz (ehem. oder lang.) eine andere Unterscheidung von "Arten" des Terrors, ich paraphrasiere Ulrich Schneckener (in "Friedensbedrohung Terrorismus", LIT Verlag 2005), durchsetzt zuweilen mit meiner eigenen Meinung. Der zeichnet folgendes Bild: erstens gibt es die Unterscheidung von religiösem und weltlichem Terrorismus. Der säkuläre Terrorismus hat irgendeine ideologische Grundlage, die aber im Jetzt legitimierbar sein muss (Separatismus, anti-imperial, etc). Daraus folgt, dass v.a. Repräsentanten der gegnerischen Gruppierung ins Ziel geraten (Politiker, Konzerne). Damit bleibt die Gefahr für den Otto-Normalbürger relativ überschaubar, schließlich will man sich ja auch nicht mögliche Unterstützer vergrätzen. Daraus lässt sich ableiten, warum säkulärer Terror, obwohl quantitativ öfter, weniger Schrecken auslöst. Religiös motivierter Terrorismus braucht keine Legitimation im Jetzt, er braucht also auch weniger bis gar keine Rücksicht nehmen. Das weitet das Gefahrenpotential zumindest gefühlt für den Otto-Normalbürger aus. Weiter: Separatistisch motivierter Terrorismus ist zumeist nationaler Art (eta, ira, raf). Hier geht es um die Veränderung der nationalen Ordnung, Anschläge meist innerhalb der Landesgrenzen. Das kann sich auch ändern, das ganze wird international, wie bspw. bei den olympischen Spielen 1972, aber auch hier haben wir es noch primär mit der Frage um einen bestimmten Staat zu tun (oder zweien, Israel - Palästina). Das ist alles etwas komplett anderes als der sog. transnationale Terrorismus. Was kümmert uns hier die ETA? Sind wir in Madrid? (Um es mal provokativ auszudrücken.) Transnationaler Terrorismus ist "entterritorialisiert", seine Grundlage sind Netzwerke und große Basisorientierung. Man ist weitgehend unabhängig von der Spitze. D.h., wenn Bin Laden tot ist, ist Al Quaida nicht am Ende. Netzwerke in unterschiedlichen Ländern, die zusammenhalten und sich nicht irgendwann abspalten sollen, brauchen ein gemeinsames, bindendes Element. Al Quaidas Zielgruppe sind alle Muslime. Daraus folgt, dass man mehr Interessenten hat, als wenn man Leute mit einer rein politischen oder nationalistischen Motivation anspricht. Der Islam ist eine Weltreligion und aus welchem Grund auch immer: Gewaltbereite gibt es überall. Bei sehr gläubigen Menschen kann man zudem eher davon ausgehen, dass sie das Jenseits höher gewichten als das Diesseits --> größeres Zerstörungspotential. Nur kurz als Zwischeneinwurf, nicht, dass mich jemand missversteht: ich ziehe nicht den Umkehrschluss, dass alle Muslime Terroristen sind. Wir haben nun ein internationales Netzwerk, also keine Fixierung auf ein bestimmtes Territorium, wie bspw. bei Separatisten. Was ist dann also das Ziel? Ayman al-Zawahiri, ein Vertrauter Bin Ladens, ließ einmal verlauten, es sei notwenidig "ein Maximum an Toten zu produzieren, da dies die einzige Sprache sei, die der Westen verstehe" (Schneckener). Der Westen - könnten wir alle sein. Wie macht man einer so großen Zielgruppe Angst? Natürlich durch die Medien. Al Quaida ist medienfixiert. Die lieben natürlich Osamas Videobotschaften, klar, aber das Zusammenspiel dieser beiden ist zumindest von einer Seite Strategie. Dass das dann alles wieder der Regierung gut in den Kram passt, ist eine andere Seite, die ich ausdrücklich nicht besrteiten will. Aber es ist ganz einfach auch das Ziel des transnationalen Terrorismus, größer und gefährlicher zu wirken, als es die ETA jemals beabsichtigt hat. Der Islam (wie auch das Christentum sich eignen würde) als Basis eignet sich leider, leider sehr gut zur Märtyrer-Motivation - wobei man dann wieder diskutieren könnte, inwiefern solche Menschen tatsächlich noch als Muslime zu betrachten sind. Wenn ich es richtig verstanden habe, soll sich der große und wichtige Dschihad auf die eigene Person richten; dann erst kommt der kleine zur Verteidigung des Islams nach außen. |
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Eine lesenswerte Replik, liebe Cassandra, die Sie da geschrieben haben.
So sehr man zwischen assimilierten, unorthodoxen Muslimen und Islamisten unterscheiden muß, so muß man auch zwischen tatsächlich kritisch-aufgeklärten Gegnern von Islamismus und Islamisierung einerseits und den berüchtigten »Rettern des Abendlands« andererseits unterscheiden, denen der Islam lediglich als nötiger ideologischer Gegner der nationalidentitären Selbstaufwertung (dazu gehört die neueste »Leitkultur«-Debatte, aber auch die »Das wird man ja wohl noch sagen dürfen!«-Fraktion der begeisterten Anhänger des Freizeitethnologen Thilo Sarrazin), der Entsorgung historischer Schuldlasten (dazu zählen die neurechten Ethnopluralisten) oder als Abfuhrhilfe für ganz diffuse antiemanzipatorische Affekte und Ressentiments dient. Und im Falle der Regierungen ist dieser platte Nexus der Form Islam=Terrorismus höchst willkommener Anlaß, um in aller Entschiedenheit den Rechtsraum individueller Freiheiten einschränken zu können. Dieser Befund wird nur diejenigen überraschen, die entweder aus Idealismus oder aus Blödheit vom Zwangscharakter jeder Staatlichkeit nichts wissen wollen. Es geht im Grunde darum, den Raum für Religion und religiöse Betätigung einerseits aufrechtzuerhalten (und also die Freiheit zur Religion zu ermöglichen), die Religiösität aber eben auch in jene Grenzen zu verweisen, die ihr in einer zivilen und säkularen Gesellschaft gesetzt sind (und d.h. die Freiheit von Religion nicht nur pro forma zu garantieren) und sie dort, wo sie über die Sphäre des Privaten hinausgreift, mit aller nötigen Konsequenz zurückzudrängen. |
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merke: wo mensch person, hat es in der öffentlichkeit nix verloren, egal was der staat vor staat zu stehen hat
wozu antimuslimismus so alles führen kann! |
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>Jede Beachtung ist eigentlich zu viel, da Terroristen nie beachtet werden sollten! < -- Ja, eigentich schon. Aber was ist, wenn man von einem Terrorakt betroffen ist? Oder die Gegend, in der man wohnt?
Ich glaube, daß man dann Terroristen sehr viel Beachtung schenkt. Nur sollte man sich von einzelnen Terrorakten nicht in permanente Angst versetzen lassen. Das ist nämlich ein wichtiges Herrschaftsinstrument. Es ist im Interesse einer kleinen Gruppe von Menschen, daß die große Mehrheit sich in dauernder Angst befindet. Angst ist ein Zustand, der nicht durch tatsächlichen Schrecken genährt wird, sondern durch ein diffuses Gefühl, daß "etwas" passieren könnte. Und diesem Zweck dienen die weit entfernt stattfindenden Terrorakte im Sinne dieser herrschenden Minderheit sehr gut. |
Ausgabe 21/2012
24.05.2012
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