freiheitsliebender

Die Freiheitsliebe

26.12.2011 | 23:15

Die Grünen gegen die Macht der Märkte?

Die Linkspartei versagt derzeit in ihrer eigentlichen Kernaufgabe, nämlich Opposition gegen diese Regierung zu sein” so der Fraktionsvorsitzende der Grünen im Bundestag, Jürgen Trittin, in einem Interview mit dem linksliberalen Freitag. Beweise für die These kann er allerdings nicht liefern.

Die Linke hat in der letzten Zeit viele Fehler gemacht z.B. die sinnlosen Diskussionen über ihren Brief an Fidel Castro oder die Antisemitismusdebatte. Den von Herrn Trittin beschworenen Fehler hat sie aber sicher nicht gemacht, sie hat von allen Oppositionsparteien am deutlichsten Profil gezeigt. Sie hat gegen die EU-”Rettungsschirm” gestimmt, nicht weil sie auf Populismus setzte und sagte, dass die Griechen selber Schuld seien, sondern weil sie erkannt hat wem der Rettungsschirm wirklich nutzt. Sie kritisiert als einzige Partei die neoliberale Politik und analysiert die Fehler des Systems, wenn sie diese Kritik auch an Rot-Grün äußert, dann weil diese Parteien auch neoliberal agiert haben.

Trittin und die linken Grünen?

Trittin spricht davon, dass die Grünen eine linke Partei seien und sich auch ihre Wähler so verorten: “Die Wählerinnen und Wähler der Grünen stufen sich regelmäßig links ein – übrigens linker als die Wähler der Linken. Wir stehen für das Primat der Politik über den Markt und nicht nur für so viel Politik, wie es der Markt erlaubt. Das ist die Scheidelinie zwischen links und rechts.” Wenn die Grünen aber für das Primat der Politik über den Markt stehen würden, dann würden sie wenigstens Hartz 4 zurücknehmen wollen und Unternehmen sowie die Erlöse von Finanztransaktionen höher besteuern, von beidem ist aber nichts zu hören.

Trittin zeigt mit dieser Aussage, dass die Grünen eine Partei sind, welche daran glaubt, dass die Politik den Markt beruhigen kann und dieser sich der Politik unterordnen wird. Vor der Rot-Grünen-Regierung gab es Märkte, die wenigstens ein bisschen abhängig von der Politik waren und auf deren Gesetze angewiesen waren, durch die Liberalisierungsmaßnahmen der Regierung hat sich das geändert und die Lasten wurden den Ärmeren aufgebürdet.

Die Investitionen in den Finanzmarkt stiegen unter Rot-Grün stark an, während Investitionen in Produktionen vernachlässigt wurden, da diese nicht so große Gewinne erzielen konnten. Auch die Zulassung und Öffnung der Märkte für Derivate, sogenannte Termingeschäfte, und Hedgefonds wurde einzig als Chance gesehen und nicht als Risiko. Herr Trittin, der damals Minister war und im Bundestag für die Öffnung der Märkte stimmte, spricht heute davon, dass die Grünen als einzige für die Regulierung der Märkte stehen. Die Führung der Grünen hat in den letzten Jahren gezeigt, dass sie bei allen wichtigen Gesetzesvorhaben auf der Zeite der Märkte steht. So wurde für den Rettungsschirm gestimmt und für eine Laufzeit bis 2022, in beiden Abstimmungen hätte sie zusammen mit der Linken stimmen können und gegen die Macht der Märkte.

Die Grünen haben nicht nur in ihrer Regierungszeit gezeigt, dass sie eine Partei der Märkte sind, sondern auch in der Opposition. Wenn die Linke aus der Sicht von Herrn Trittin nicht regierungsfähig ist, dann vor allem, weil sie wirklich die Macht der Märkte beschneiden würde und weil sie Rot-Grün an ihre eigenen Fehler erinnert. Die Linke wäre wohl kein linkes Feigenblatt in einer Regierung, sondern würde deren Kurs massiv verändern, daran scheinen aber weder die Spitzen der SPD noch die der Grünen Interesse zu haben!

Das Trittin von Machtwechsel und nicht von Politikwechsel spricht, zeigt dass das er weiß, dass Rot-Grün nicht wirklich viel verändern wird!

 
Senden Bookmarken Drucken
Kommentare
goedzak schrieb am 27.12.2011 um 12:52
"Die Linke hat in der letzten Zeit viele Fehler gemacht z.B. die sinnlosen Diskussionen über ihren Brief an Fidel Castro oder die Antisemitismusdebatte." - Dass es zu diesen Diskussionen (oder was man so nennt) gekommen ist, war nicht der Fehler, denn diese 'Diskussionen' wurden der Partei aufgedrängt. Der Fehler war der voraus- besser nacheilende Gehorsam, mit dem die 'Argumente' und Einstellungen derer, die das Gequatsche vom Zaune brachen, übernommen wurden, um dann brav zu versichern, dass man aus den vorgeworfenen 'Fehlern' lernen würde...

Das Zitat aus dem Interview fand ich auch am lustigsten, diese selbstgefühlt 'Linken', wa? :)
Die CDU ist ja inzwischen auch fast so 'links' wie die SPD, und damit nicht ganz so fast links wie Die Linke, sagt jedenfalls die FDP.
der Hetiritter schrieb am 28.12.2011 um 09:04
Ich denke, das die Linke eigentlich nicht sehr viele Fehler gemacht hat, ihnen wurden viele Dinge einfach nur negativ angelastet, eine Sache des Zeitgeistes.
Ist ein Schreiben an Fidel Castro eine wirklich wichtige Geschichte? Es ist ein Symbol an die Vergangenheit, an die eigenen Ursprünge und hat eigentlich nur für alte SED-, PDS-Mitglieder eine Bedeutung, die auch etwas wärme brauchen.
Die Antisemitismusdebatte ist einfach nur schrecklich und wurde der Partei von aussen aufgedrückt. Da hat sie wirklich keine gute Figur gemacht.
Die Linke versucht man mit solchen in der Presse wieder und wieder durchgekauten Themen unglaubwürdig zu machen, dabei müsste eine wirklich unabhängige Presse sich eigentlich jeden Tag vor Oskar Lafontaine verbeugen. Denn Oskar war es, der fasst alle heutigen Probleme schon vor vielen Jahren kommen gesehen hat. Das kann den Regierenden nicht gefallen und so schiesst man sich auf alle nicht glücklichen Diskussionen ein, die von den Problemlösungen ablenken.
Klar schiesst die Linke mit ihren Problemlösungen über das Ziel hinaus, aber im Konsens mit der SPD könnten wirklich soziale und gesellschaftliche Reformen stattfinden. Darauf hoffe ich in der Zukunft.
langweiler schrieb am 27.12.2011 um 16:58
Zunächst wollten die meisten Parteien der Mitte sein um weitere Wählerschichten zu erschließen und jetzt bezeichnen sie sich noch als links. ha ha.

Für mich ist auch eine sogenannte linke Partei nicht wählbar/glaubwürdig und auch nicht links, wenn sie sich für Kriegseinsätze ausspricht, wie einst die antikriegspartei-kriegsbefürworterpartei die Grünen 1998 den Einsatz deutscher Soldaten im Kosovo mittrug. Trotz eines kategorischen Imperativs "Von deutschem Boden soll nie wieder Krieg ausgehen. " hat die Partei den Krieg im Kosovo mitgetragen.
Und was die sonst sogenannten linken bzw. sozialen Parteien mitgetragen haben, davon will ich hier nicht weiter reden.
freiheitsliebender schrieb am 27.12.2011 um 20:43
Da kann ich ihnen nur zustimmen, einige "linke" Parteien haben sich in diesen Punkt tatsächlich sehr blamiert!
rheinhold2000 schrieb am 28.12.2011 um 08:20
Die Grünen sind nicht links. Vermutlich waren sie es auch nie. Sie sind einfach eine neue FDP. Nichtmal ne Öko FDP, sogar die Anti AKW Bewegung haben sie verraten.
der Hetiritter schrieb am 28.12.2011 um 09:07
Die Grünen bestanden damals noch aus einem wirklich linken Flügel, lange, sehr lange ist es her und Grün sind sie auch nur, solange sie nicht an der Regierung sind.
Als FDP würde ich sie trotzdem nicht bezeichnen, sie sind eine liberale Partei, also eine Partei der Beliebigkeiten.
Gleichberechtigung: Ja, Islamismus: Ja
Für alle gibt es was.
freiheitsliebender
Jung und politisch!
Mitglied seit:
2 Jahre 29 Wochen
Zuletzt aktiv:
26.05.2012
Status:
Blogger
Aktivität:
Beiträge: 161
Kommentare: 97
Mein Web:
Logbuch
00:12
Dreizehn hat gerade einen Kommentar geschrieben.
00:10
marvinius hat gerade einen Kommentar geschrieben.
23:58
brefcourte hat gerade einen Kommentar geschrieben.
23:52
koslowski hat gerade einen Blogbeitrag erstellt.
23:52
drhwenk hat gerade einen Kommentar geschrieben.
Jürgen Roth Gazprom – das unheimliche Imperium Westend Verlag 2012

316 Seiten. Gebunden.

19,99
 
Das Imperium Gazprom verfügt über eine eigene Armee und einen mächtigen Geheimdienst. An verantwortlichen Positionen arbeiten ehemalige KGB-Agenten, sein privater Besitz ist absolut geschützt, die Verantwortlichen sind unantastbar. Mit Hilfe williger deutscher und europäischer Industrieller versucht es, den Energiemarkt zu monopolisieren und die Verbraucher abzuzocken. Jürgen Roth enthüllt, wer hinter den Kulissen die Fäden zieht >> mehr
Arte-Kooperation

portlet_ArabienArte.png

portlet-gaertnerbuch.png

wir müssen reden

Augstein und Blome

portlet_Phoenix-12.png

Probe-Abo

probeabo260x120.jpg

Aktuelle Ausgabe bestellen
Der gefährlichste Mann Europas?

Ausgabe 21/2012
24.05.2012

keine Versandkosten
kein Aufpreis

Einzelpreis: 3.60 €

>> bestellen
der Freitag Kollektion

Freitag-Kollektion_Gaertner.jpg

Arte

portlet_arte+zeile.pngportlet_arte+zeile.png

Freitag-Buchshop.png

 
 
 
 
© der Freitag Mediengesellschaft mbH & Co. KG