freiheitsliebender

Die Freiheitsliebe

09.05.2011 | 20:20

Gefangenenstaat USA – Einer von 99 sitzt im Gefängnis!

Man wirft Russland, China und dem Iran vor, dass sie Staaten sind, die die Menschen viel zu schnell inhaftieren und extrem hart gegen Regimegegner vorgehen, dies sind Tatsachen. Doch es ist keiner dieser Staat in dem am meisten Menschen pro 100 Einwohner inhaftiert sind und es ist auch nicht China, dass die meisten Inhaftierten Bürger hat, an erster Stelle in diesem trauriger Ranking liegen die USA.

Die USA mit ihrer Strafpolitik, die auf angebliche “Sicherheit”, statt auf Rehabilitierung der Gefangenen setzt. Führen diese traurige Statistik an, mit einem ungewöhnlich hohen Wert, so sitzt einer von 99 erwachsenen Amerikanern im Gefängnis. In keinem anderem Land auf dieser Welt ist dieser Wert so hoch. Die Kriminalitätsrate ist höher als die in Deutschland, allerdings bei weitem nicht so viel höher, wie die Statistik vermuten lässt. In Deutschland sitzen von 100.000 Bürgern (unabhängig vom Alter) 93 im Gefängnis, in den USA sind es mehr als 750.  In Deutschland sind etwas weniger als 75.000 Menschen inhaftiert. In den USA waren im Jahre 2008 schon über 2,2 Millionen Menschen inhaftiert und das ohne die Jugendbessereungsanstalten sitzenden Jugendlichen und jungen Erwachsenen

Schwarze sind häufiger im Gefängnis

Auffallend sind die starken Unterschiede zwischen schwarzen und weißen Amerikanern, sowie Latinos. So sitzt einer von 106 männlichen weißen Erwachsenen in einem Gefängnis, dies ein sehr sehr hoher Wert, wenn man ihn mit anderen Nationen vergleicht. Vergleicht man diesen Wert jedoch mit den Werten von erwachsenen Latinos und dunkelhäutigen Amerikanern erscheint dieser Wert noch sehr niedrig, so sitzt einer von 36 erwachsenen und männlichen Latinos in einem Gefängnis, dies ist ein unglaublich hoher Wert und zeigt die unterschiedlichen sozialen Probleme, die die Amerikaner verschiedener Herkunft haben. Allerdings sitzen im Verhältnis noch deutlich weniger Latinos in einem Gefängnis in den Vereinigten Staaten von Amerika, als dunkelhäutige Amerikaner einer von 15 männlichen dunkelhäutigen Bürgern der USA sitzt in einem Gefängnis. In der Altersgruppe von 20 bis 34 sitzt sogar jeder neunte dunkelhäutige Bürger der USA in einem Gefängnis. Die Unterschiede zwischen Latinos, weißen und dunkelhäutigen Amerikanern können nicht nur mit der meist schlechteren sozialen Situation der verschiedenen Gruppen begründet werden, sie sind in Teilen auch ein Ergebnis, dass der Diskriminierung von dunkelhäutigen Amerikanern geschuldet ist.

 

Null-Toleranz-Doktrin

Schuld an diesen unglaublichen hohen Wert ist vor allem die sogenannte Null-Toleranz-Doktrin, diese besagt, dass sogar kleinere Strafen sehr sehr hart bestraft werden sollen, damit andere Menschen von möglichen Verbrechen abgeschreckt werden. So sind die Strafen in den USA teilweise viermal so hoch wie in Deutschland. So wird in den USA jemand, der ein zweites Mal vor Gericht steht, fast doppelt so hart verurteilt, wie ein Ersttäters. Eine Besonderheit des amerikanischen Strafsystem ist ebenfalls die Politik der “three Strikes”, diese besagt, dass ein Täter der zum dritten Mal verurteilt wird, lebenslänglich erhalten kann, auch wenn es das Verbrechen eigentlich nicht zuletzt. Dieses System führt zu einer dauerhaften Inhaftierung von Menschen, obwohl diese sich nur kleinere Verbrechen schuldig gemacht haben. Das amerikanische Rechtssystem setzt auf Abschreckung nicht auf Rehabilitierung. Dies zahlt sich allerdings nicht aus, denn die Zahl der Gefangenen hat sich in den USA seit dem 50er Jahren mehr als verzehnfacht, während die Bevölkerung um nur das 2 und halbfache gewachsen ist.Die Zahl der Gefangenen ist auch in den letzten Jahren noch gestiegen, wenn auch “nur” um durchschnittlich 2% im Verhältnis zum Vorjahr!

Justizsystem reformieren, Kosten senken!

Eine Modernisierung des amerikanischen Rechtssystem ist unumgänglich, denn das aktuelle Rechtssystem lässt nicht nur  immer größere Teile der Bevölkerung hinter schwedischen Gardinen verschwinden, es kostet die Bundesstaaten auch mehr als 50 Milliarden Dollar jährlich und dies bei steigender Tendez.

Die 50 Milliarden Dollar würden es den Bundesstaaten ermöglichen einen Schrittweisen Umbau ihrer Rechts- sowie Sozialsysteme durchzuführen, denn ein großer Teil der amerikanischen Gefangenen entstammt den weniger priveligierten, die allerdings nicht durch ein soziales Sicherungssystem abgesichert sind, wie dies in den meisten europäischen Ländern der Fall ist.

 
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Kommentare
Ehemaliger Nutzer schrieb am 09.05.2011 um 20:56
Lieber Freiheitsliebender,

danke für diesen Beitrag über die ach so freiheitlichen USA. Ich habe sogar noch ganz andere Zahlen in Erinnerung: Danach sitzen sogar zwischen 3 und 6 Mio. Menschen in Gefängnissen ein, was dann sogar einen Prozentsatz (bei 310 Mio. nach Census 2010) von 1-2 Prozent der Gesamtbevölkerung ausmacht. Diese dürfen übrigens auch gar nicht wählen, doch das mal so am Rande. Bei Verurteilungen zu Todesstrafen finden sich bei den gleichen Delikten signifikant mehr Farbige als Weiße und dies allein liefert beredtes Zeugnis darüber ab, wie sehr die Justiz auch über 40 Jahre nach den Bürgerrechtsgesetzen tendenziell rassistisch agiert. Übrigens im März diesen Jahres hat Illinois als der 16. Bundesstaat offiziell die Todesstrafe abgeschafft - In den 70er Jahren waren die USA da schon einmal weiter, bevor das martialische Rollback begann.

LG UJN
Dreizehn schrieb am 09.05.2011 um 20:59
In den USA sind ca 120.000 der Inhaftierten in privatisierten "Gefängnisfirmen", die für die Betreiber hohe Renditen abwerfen; in den an Mexiko angrenzenden Staaten sitzt ein hoher Anteil Immigranten ein. So geht's. Über diese Zustände wird hier nur höchst zurückhaltend informiert.
freiheitsliebender schrieb am 09.05.2011 um 23:37
Die Gefängnis-Industrie ist ein wichtiger Bestandteil des amerikanischen Gerichtssystems geworden. Mir fallen wenige bis gar keine ausführlichen und gute Quellen zu der Industrialisierung ein, zumindest auf deutsch.
Kennst du welche?
Dreizehn schrieb am 10.05.2011 um 08:47
www.arap.so36.net/pas/pic/pic5.html ist die Seite von einem Nervenarzt, der Erfahrungen damit hat. Außerdem gibt's einen Artikel in der SZ vom 5. Januar 2009 (!).
freiheitsliebender schrieb am 10.05.2011 um 09:15
Dafür danke ich dir, werde es mir jetzt mal anschauen, ist defintiv ein interessantes Thema!
ebertus schrieb am 09.05.2011 um 20:59
Gehen wir mal davon aus, und einige, seriöse Links zu den genannten Zahlen wären nicht schlecht gewesen, dass sich die Verhältnisse und gerade in den USA doch zunehmend ändern werden. Fragt sich nur, in welche Richtung.

Mein persönlicher Eindruck, in den Gesprächen "drüben", auch beim Lesen amerikanischer Medien ist, salopp gesagt, die notwendige Entscheidung zwischen Pest und Cholera, vordergründig natürlich und lediglich die Symptome - gern personifizierend, plakativ - in den Mittelpunkt stellend. Ein Reflektieren über grundsätzliche Entwicklungen der Gesellschaft ist drüben und außerhalb von eher akademischen Zirkeln absolut tabu.

Ja und dieses Kurieren an den Symptomen bedeutet momentan und nicht zuletzt den mehr als desolaten, öffentlichen Finanzen geschuldet, die zunehmende Überlassung, Überführung dieses weiten Landes in Richtung Anarchie, drüben eher zur Wildwest-Tradition verklärt. Polizei, Feuerwehr, öffentliche Verwaltung und Daseinsvorsorge werden eingeschränkt. Die Wohlhabenden dagegen dürfen, ja müssen die Mauern der bekannten "gated communities" noch höher ziehen. Private und hochgerüstete Söldnereinheiten für größereObjekte werden die Folge sein.

Absehbar, aber "wir" haben hierzulande und dahingehend noch etwas Zeit...
freiheitsliebender schrieb am 09.05.2011 um 23:40
Hier ist ein Link www.pewcenteronthestates.org/initiatives_detail.aspx?initiativeID=85899358500
weitere Quellen sind das Buch "Ich gegen Amerika" und die Webseite des BpB!

Wieso die Auswahl zwischen Pest und Cholera? Ich bin der festen Überzeugung, dass eine Verbesserung des Gesundheits- und Sozialsystems die Kriminalitätsrate stark senken würde!
ebertus schrieb am 10.05.2011 um 09:42
Ne, ne @freiheitsliebender, so war das nicht zu verstehen. Pest oder Cholera meint in diesem Falle der vordergründigen Symptombekämpfung die jeweils bzw. grundsätzlich anfallenden Kosten.

Entweder rüstet man die staatlichen Infrastrukturen auf, eben bis hin zu mehr Überwachung, mehr Repression und neuen, zusätzlichen Gefängnissen; das kostet...

Oder man überläßt nach und nach weite Teile des Landes der Wildwest-Anarchie und rüstet dagegen - eben vielfach unter privater Regie und Initiative die Inseln, die im Indianerland gängigen Forts entsprechen auf; das kostet ebenfalls...

"...eine Verbesserung des Gesundheits- und Sozialsystems..." dagegen ist kommunistisches Teufelswerk, das steht nicht zur Debatte; und leider wird diese menschenverachtende Entwicklung auch uns nicht verschonen, sind wir bereits auf "gutem" Wege.
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