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Das Schreiben der Vorsitzenden der Linken an den ehemaligen kubanischen Präsidenten, Fidel Castro, sorgt in der deutschen Presse für Aufreger, da nun der Linken ein mangelndes Verständnis der Demokratie vorgeworfen wird. Aber ist es nicht selbstverständlich, dass man ausländischen Politikern zu runden Geburtstagen oder deren Wiederwahl gratuliert?
Rückblick ins Jahr 2004:
2004 hatte George W. Bush seine Wiederwahl geschafft, der damalige Bundeskanzler Schröder war einer der ersten ihm dazu gratulierte! Schröder gratulierte damit nicht irgendeinem US-Präsidenten, sondern einem rechten Angriffskrieger, unter Bushs Regentschaft wurde mehr als 100.000 Iraker und Afghanen ermordet, Bushs Politik hatte daran größten Anteil. Keine deutsche Zeitung fand, dass es eine Schlagzeile nötig sei, wenn man Bush gratuliert, bei Fidel Castro, einem durchaus streitbaren Präsidenten, welcher sein Land allerdings von der Diktatur befreit hat und das soziale System verbessert hat, gehen alle auf die Linke los!
Vor wenigen Wochen gratulierte Merkel dem Premierminister von Vietnam zu dessen Wiederwahl! Merkel schrieb ihm:
Sehr geehrter Herr Premierminister,
zu Ihrer Wiederwahl in das Amt des Premierministers der Sozialistischen Republik Vietnam gratuliere ich Ihnen herzlich und wünsche Ihnen für Ihre zweite Amtszeit viel Erfolg und eine glückliche Hand.
Deutschland und Vietnam sind einander seit langer Zeit durch freundschaftliche Beziehungen verbunden, die wir in den letzten Jahren gemeinsam deutlich intensiviert haben.
Dabei nehmen die Bemühungen Ihrer Regierung um eine friedliche und prosperierende Entwicklung Vietnams einen wichtigen Stellenwert ein. Die Bundesrepublik Deutschland steht Ihnen bei der Fortsetzung dieser Politik, die dem Wohl des vietnamesischen Volks dient, weiterhin als zuverlässiger Partner zur Seite.
Gerne erinnere ich mich an unser Gespräch während Ihres Deutschlandbesuches im März 2008 und freue mich, Sie im Herbst 2011 in Hanoi wieder zu treffen.
Diese Äußerungen störten niemanden, dabei berichtete Amnesty:”Die Rechte auf freie Meinungsäusserung, Vereinigungs- und Versammlungsfreiheit unterlagen 2010 weiterhin erheblichen Einschränkungen. Es wurden neue Bestimmungen zur Überwachung des Internets eingeführt. Die brutale Unterdrückung von friedlichen Dissidenten und für die Menschenrechte engagierten Personen hielt an.”
Es ist richtig, dass man die Linke für ihre kritiklose Gratulation an Castro kritisiert, aber wir müssten auch Merkel kritisieren oder Schröder. Wir müssen uns fragen, ob es wirklich einen Unterschied macht, wer einem ausländischen Staatspräsidenten gratuliert!
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@Freiheitsliebender
...das hatte ich an anderer Stelle schon einmal gepostet, und die Linken sind ganz in Ordnung. Sie sollten nur sich nicht immer so verwirren lassen und nicht reduktionistisch vorgehen. Marxismus und die Grünen (aus: Eros Kosmos Logos, Krüger 1996,S. 245) Die einzige ernstzunehmende soziale Bewegung von globaler Natur ist bis heute die internationale Arbeiterbewegung (Marxismus), der ein großes und bleibendes Verdienst zukommt, die aber auch eine fatale Schwäche hat. Das Verdienst besteht in der Entdeckung eines gemeinsamen Zugs aller Menschen, unabhängig von Glaubensbekenntnis, Nationalität, Mythologie oder Geschlecht: Wir alle müssen unser körperliches Überleben durch gesellschaftliche Arbeit dieser oder jener Art sichern: Wir alle müssen essen. So sind wir aufgrund der gesellschaftlichen Arbeit alle im selben Boot, alle Weltbürger. Diese Bewegung war echt und ernsthaft und für sehr viele Menschen einleuchtend und glaubwürdig genug, um die ersten wirklich global gemeinten Revolutionen von Rußland bis China und bis nach Südamerika auszulösen. Soweit die wirklich anerkennenswerte Seite. Die fatale Schwäche bestand darin, daß diese Bewegung die höheren kulturellen Bestrebungen nicht nur auf die Grundlage des ökonomischen und materiellen Bereichs, der gesellschaftlichen Arbeit und des materiellen Austauschs stellen wollte, sondern sie darauf zu reduzieren versuchte; sie wollte Kultur auf den kleinsten gemeinsamen Nenner reduzieren, auf materielle Produktion, materielle Werte und materielle Mittel, und alle Produktion höherer Art, insbesondere alles spirituelle, war nur noch Opium fürs Volk. Der Marxismus stellte also die Noosphäre nicht allein auf die Grundlage der Physiosphäre (was wegen des zusammengesetzten Charakters der Individualität entscheidend wichtig ist), sondern reduzierte die Noosphäre auf die Physiosphäre - was sich als derart abwegig herausstellte, daß sich die Evolution jetzt nach kaum einem Jahrhundert ernsthaft daran gemacht hat, diesen Irrtum aus der Welt zu schaffen. Da die reduktionistische Seite des Marxismus keinerlei Rückhalt im Kosmos fand, mußte das Ganze in eine religiöse Mythologie umgedeutet und dann unter imperialistischem Zwang durchgesetzt werden. Eine zweite große Bewegung, die eine gewisse Eignung als Träger einer Weltbürgerschaft besitzt oder zu besitzen vorgibt, ist die der Grünen. Ich habe sehr viel Sympathie für diese Bewegung, solange sie sich als ein Unterfangen neben anderen versteht, aber ich glaube, sie besitzt nicht im entferntesten die nötige Integrationskraft für eine globale Föderation von Weltbürgern, die sich ihre Grundsätze freiwillig zu eigen machen (unter Zwang vielleicht,aber das wäre kein ungehinderter globaler Diskurs, sondern wieder nur gewaltsame Einigkeit). Die Grünen machen im Grund den gleichen Fehler wie die Marxisten, weil sie die unbestrittene und unbestreitbare Tatsache, dass niedrigere Ebenen grundlegender sind als höhere, zum Anlaß einer Reduzierung des Höheren auf das Niedrigere nehmen. Aber das Grundlegendere ist allein nicht ausreichend für das Leben des Höheren und Tieferen. Wo die Marxisten alles auf materielle Austauschprozesse der Physiosphäre zurückzuführen versuchen, reduzieren die Grünen alles auf ökologische Austauschprozesse der Biosphäre. Das ist zwar ein Schritt über den Marxismus hinaus, bleibt aber eine Wissenschaft des kleinsten gemeinsamen Nenners, die zwar (wie der Marxismus) in ihrem Geltungsbereich wichtiges leistet, aber jenseits eines gewissen Punktes katastrophal wird und vor allem völlig außerstande ist, Weltbürgerschaft über diesen Punkt hinauszutreiben. Zu ihrer philosophischen Plattform machen die Grünen a) den Gedanken, daß die Kultursphäre oder Noosphäre Teil des größeren Ganzen der Biosphäre ist, und b) die Systemtheorie als Wissenschaft vom Gewebe des Lebens. Der genannte Gedanke ist, wie wir gesehen haben, schlicht falsch, und die Systemtheorie stellt, wie wir ebenfalls gesehen haben, eine etwas martkschreierische Form des subtilen Reduktionismus dar. Die Biosphäre ist grundlegender als die Noosphäre, aber eben deshalb nicht höher, sondern niedriger und seichter; und das Niedrigere kommt in aller Evolution zuerst, vor allem anderen. Die Grünen meinen nun, das Erste und Grundlegendste müsse auch das Letzte und Höchste sein - ein schwerer Irrtum, der dazu führt, daß sie wie die Marxisten die biomaterielle Dimension durchforsten und zu bereinigen versuchen, was dort nicht in Ordnung ist. So gut und begrüßenswert das ist, sie kommen darüber nicht hinaus, sie finden keine integrativen Ansätze zu einem tieferen Bewußtsein, zu höherem Umfangen, zu echter Gesamtschau, zu etwas wirklich Befreiendem - nur zu eher theoretischer und regressiver biosphärischer Indissoziation. Und wie die Marxisten haben sie für alle wahrhaft tieferen oder höheren Bestrebungen nichts anderes als das Vokabular des sozialen Reduktionismus parat: "Eskapismus", "Opium", "Illusionismus", "falsches Bewusstsein". Ein wirklich integrativer Ansatz, der von den tatsächlichen historischen Gegebenheiten unserer Zeit ausgeht, um eine Weltkultur zu schaffen, wird sicher auch für eine gerechtere Verteilung im materiell-ökonomischen Bereich und für tragbare ökologische Verhältnisse zu sorgen haben, also die Anliegen der Marxisten und der Grünen berücksichtigen. Aber er wird weit darüber hinausgehen müssen und sich ganz direkt und ohne jeden Reduktionismus auf die Noosphäre und ihre Verteilungsprobleme und Fehlentwicklungen einlassen... Gesellschaftliche Arbeit kann uns als Weltbürger insoweit einigen, als wir Materie gemeinsam haben - weiter nicht. Ökologische Vernunft kann uns als Weltbürger insofern einigen, als wir alle einen Körper haben - weiter nicht. Es wird einer Schau-Logik-Bewegung von gewaltiger Integrationskraft bedürfen, um uns als Weltbürger zentaurisch zu einigen, das heißt insofern, als uns Materie und Körper und Geist (ganz zu schweigen vom GEIST und dem Selbst, die all dem vorausgehen) gemeinsam sind. |
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@ FL
Es ist richtig, dass man die Linke für ihre kritiklose Gratulation an Castro kritisiert, aber wir müssten auch Merkel kritisieren oder Schröder. Es gehört doch zum allgemein anerkannten Standard zwischenmenschlicher Beziehungen, dass Gratulationen zu Geburtstagen nicht mit Kritik verbunden werden. Auch Merkel und Schröder wissen das. Wenn die dt. Presse sich aufregt, dann ist das gewollt, um der Linken politisch in die Kniekehle treten zu können. In diesem Fall wurde öfter mit dem Begriff 'Dummheit' agiert, um daraus zu schließen, die Linke sei nicht demokratiefähig. Diejenigen in der Linkspartei, die sich nun ihrerseits aufregen, haben nur die Wahlchancen im Hinterkopf. Und so argumentieren anderen Parteien seit Jahren. Verarschen kann ich mich selber. |
Ausgabe 21/2012
24.05.2012
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