Hanning Voigts

Blog von Hanning Voigts

15.11.2011 | 10:08

Occupy Wall Street: Polizei räumt

Wie verschiedene Zeitungen und „Spiegel Online“ berichten, hat die New Yorker Polizei in der Nacht zum heutigen Dienstag damit begonnen, das Protestcamp am Zucotti Park zu räumen. Laut den Aktivsten der Bewegung wurde dabei auch mit Pfefferspray gegen Demonstranten vorgegangen, außerdem seien Beamte in Kampfmontur, Hubschrauber und Bulldozer im Einsatz. Persönlicher Besitz und Zelte seien zerstört worden, ebenso die 5000 Bücher starke Bibliothek des Camps.

Dem Wall Street Journal zufolge sagte der New Yorker Bürgermeister, Michael Bloomberg, der Park müsse nur vorübergehend geräumt werden, um die Zelte zu entfernen und den Park zu säubern. Danach könnten die Protestler wieder in den Park kommen. Das Blatt berichtet auch von Verhaftungen und dem Abriss des Medienzeltes, von dem aus die Demonstranten in den letzten Tagen per Internet-Livestream aus ihrem Camp berichtet hatten. In den letzten Wochen war verschiedentlich betont worden, das Protestcamp im Zucotti Park könne nicht ewig bestehen bleiben. Die Aktivisten hatten den Park Mitte September das erste Mal besetzt.

Auf der Homepage von „Occupy Wall Street“ geben sich die Aktivisten bereits kämpferisch. „Occupy Wall Street wird angegriffen“, heißt es dort, und außerdem: „Man kann keine Idee räumen, deren Zeit gekommen ist“. Wie es mit den Protesten jetzt weitergeht, bleibt vorerst abzuwarten. Die Occupy-Bewegung kündigt jedenfalls schon einmal an: „We will reoccupy!“

 
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Kommentare
Hanning Voigts schrieb am 15.11.2011 um 10:36
kleiner Zusatz: Die New York Times bietet auf ihrer Homepage eine Bildergalerie mit Fotos von der nächtlichen Räumung an.
www.nytimes.com/2011/11/16/nyregion/police-begin-clearing-zuccotti-park-of-protesters.html?_r=1&hp
Rosa Sconto schrieb am 15.11.2011 um 12:13
Wenn, ja wenn, die Kids dann wiederkommen,

ist der Park vollkommen mit Mikros und Kameras verwanzt.

Die Räumung in Oakland war richtig krass.
konyhakert schrieb am 15.11.2011 um 12:23
die gewaltspirale dreht sich immer weiter....

so weit ich hörte, wurde die bibliothek als erstes geräumt... welch eine symobolik...

auf welcher rechtsgrundlage passiert die räumung? den park säubern? schämen die sich nicht, solch eine durchsichtige scheinbegründung zu nutzen? haben die es nicht einmal mehr nötig zu kaschieren, nur noch notdürftig?

abgsehen von der räumung denke ich jedoch, daß die bewegung sich ein "winterquartier" suchen sollte. warum? die idee mit den zelten stammt aus den arabischen ländern, zudem zu einer zeit als es warm war, wurde fortgesetzt im mai in spanien... all das ist ok und richtig. aber man muß die symbolik nicht überstrapazieren, wenn die grundlagen sich verändern. und die verteidigung des camps dann zur hauptsache wird. und auch das durchhalten unter widrigen bedingungen im winter viel kraft erfordert.

denke aber, wir alle brauchen die kräfte im kommenden jahr für die richtigen kämpfe (falls es überhaupt noch so lange dauert) und müssen uns jetzt konsolidieren und nicht an symbolen festhalten und damit unnötig kräfte verschwenden. (die kann man ja im frühjahr auch wieder aufnehmen)
eine große halle wäre über den winter vielleicht angebrachter. da die bewegung so groß ist, wird sich womöglich ein unterstützer finden, der dies ermöglicht. in winterfesten bedingungen wird es möglich sein, sich auf die eigentlichen aufgaben zu konzentrieren.
(das sehe ich im übrigen auch für berlin genau so. die zeit für das camp ist zeitlich limitiert durch das auslaufen des pachtvertrages, durch den wir geschützt sind bis ende november. ob es sinnvoll ist, danach weiter zu campen, daran zweifle ich. die kälte und der ewige kampf um das camp vor vertreibung kostet unnötig kräfte, denke ich, die wir dringender brauchen, sie gezielt einzusetzen. - aber auch ich bin nur eine stimme unter vielen von occupy. und wir sind viele und jedeR hat eine stimme. einigen müssen wir uns am ende gemeinsam.)
Hanning Voigts schrieb am 15.11.2011 um 13:42
In einem Blog der New York Times kann man den leeren Zucotti Park sehen, er ist offenbar komplett geräumt worden.
cityroom.blogs.nytimes.com/2011/11/15/updates-on-the-clearing-of-zuccotti-park/

Dort ist ebenfalls ein Statement des Bürgermeisters Michael Bloomberg zu lesen. Bloomberg schreibt, der Park habe geräumt werden müssen, weil Zelte und Schlafsäcke dort generell nicht zulässig seien und der Park in den letzten Tagen immer weniger für die Öffentlichkeit zugängig gewesen sei. Selbstverständlich könne dort jeder sein Recht auf freie Meinungsäußerung ausüben, Zelte und andere Infrastruktur würden dort aber ab sofort nicht mehr geduldet: „Die Protestler konnten den Park zwei Monate lang mit Zelten und Schlafsäcken besetzen. Jetzt müssen sie den Platz mit der Kraft ihrer Argumente besetzen.“

Eins ist damit klar: Die Occupy-Zeltstadt ist, wenn es nach den Behörden geht, Geschichte. Jetzt müssen die Aktivisten entscheiden, wie sie auf diese Kampfansage reagieren.
Hanning Voigts schrieb am 15.11.2011 um 16:07
... und noch eine Ergänzung: Bürgermeister Michael Bloomberg hat die Räumung des Parks nach einem Bericht der New York Times gerechtfertigt. Das Protestcamp habe mit freier Meinungsäußerung nichts mehr zu tun gehabt.
www.nytimes.com/2011/11/16/nyregion/police-begin-clearing-zuccotti-park-of-protesters.html?hp

Was man dem NYT-Bericht noch entnehmen kann: Bei der Räumung des Zucotti Parks in der Nacht auf den heutigen Dienstag wurden 150 Menschen festgenommen.
Joachim Petrick schrieb am 15.11.2011 um 16:17
@Hanning Voigts

Die "Occupy Bewegung" ist ja allerorten in der Welt, nicht nur eine Bewegungen gegen Börsenplätze, sondern eine Bewegung gegen die administirierte Verknappung des Öffentlichen Raumes im Freien, wie unter Dach und Fach.

Ganz abgesehen davon, dass sich z. B. in Hamburg hinter der "Occupy Hamburg" Bewegung nicht nur unter studentischem Milieu eine grassierend maskierte Wohnungsnot durch Wohungsverknappung im Wege hochpreisiger Luxus Sanierung von Wohnungen versteckt.
Wie lange noch?

Kommt jetzt demnächst die Müllabfuhr mit gepanzerten Hundertschaften stahlhelmbewehrter Polizei, um durch rabiate Räumungen von Häusern, Wohnungen in den vorrübergehenden Besitz des Mülls zu gelangen?
anna T. schrieb am 15.11.2011 um 21:13
@Joachim Petrick

So mal unter uns Hamburgern,was meinen Sie, wie die autonome Szene darauf reagiert.Auf die ist Verlass,dass Schanzenviertel tanzt sich dann warm.Was denken Sie, würde passieren,wenn es Bambule noch geben würde und sie sollte demnächst geräumt werden ?
anna T. schrieb am 15.11.2011 um 18:25
>Euronews< berichtet,es wurde in New York Tränengas eingesetzt.
Ich bin gerade ehrich gesagt sprachlos,dass erinnert an den Polizeieinsatz bei der friedlichen Stuttgart 21 Demo.
Angelia schrieb am 15.11.2011 um 20:50
gibt es eingentlich etwas neues aus Münster?
Das Camp stand auch vor der Räumung. Allerdings soll es da moderater zugehen als in NY
iDog schrieb am 15.11.2011 um 23:38
Mahatma Gandhi dancing

Mahatma Gandhi dancing!
Hanning Voigts schrieb am 16.11.2011 um 09:50
... ein weiteres kleines Update: Einen Tag nach der Räumung haben die Occupy-Aktivisten den Zucotti-Platz wieder besetzt und wieder eine Vollversammlung abgehalten – allerdings ohne ihre Zelte und Ausrüstung. Auf ihrer Homepage geben sich die Protestierenden kämpferisch. Aber wie lange sie ohne eine feste Zeltstadt weitermachen werden, steht in den Sternen.

Bericht der New York Times: www.nytimes.com/2011/11/16/nyregion/ousted-wall-street-protesters-face-an-uncertain-future.html?_r=1&hp
Statement von Occupy Wall Street: occupywallst.org/article/what-democracy-looks-huge-general-assembly-progres/
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