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Zu Syrien wird in den deutschen Medien viel gemeldet und geschrieben. Manches ist aber nicht zu lesen oder nur selten zu finden. Solche Nachrichten wie diese zum Beispiel: "Syrien: Libysche Freiwllige helfen beim Regime-Sturz". Oder diese: "Großbritannien führt bereits offizielle Gespräche mit syrischen Oppositionellen, die zur baldigen Anerkennung einer Exilregierung führen könnten."
Sicher ist auch das derzeitige syrische Machtsystem differenziert zu sehen und nicht nach dem Gut/Böse-Schema zu beurteilen. Bei einem bin ich mir sicher: Auch der syrische Präsident ist genauso wenig ein "Monster" wie es Gaddafi das nicht war. Und auch in diesem Fall läuft eine Manipulationsmaschinerie, bei der die Konzernmedien tapfer mitmachen und für die sich auch mancher ehrlichen Herzens und guter Meinung einspannen oder gar benutzen lässt, auch wenn er dabei nur die Menschen im Blick hat, die unter all diesen Machtkämpfen leiden müssen.
Ich kann dazu nicht einfach schweigen, auch wenn ich weiß, dass ich nichts an dem ändern kann, was da abläuft und was vermutlich mit dem Sturz des syrischen Präsidenten enden wird. Faszinierend ist es schon, zuzusehen, wie da etwas planmäßig abläuft und durchgezogen und mit welchen durchsichtigen Propagandamethoden begleitet wird. Durchsichtig, aber erfolgreich: Wie bei Jugoslawien und gegen den Irak, so auch bei Libyen und jetzt Syrien und immer wieder auch beim Iran. Und unterdessen sorgen die uniformierten Marionetten der USA in Ägypten dafür, dass der Wunsch nach wirklicher Veränderung im Wüstensand verläuft. Und wer das nicht kapieren will von den jungen Ägyptern, dem wird brutal gezeigt, dass sich nichts verändert hat ... Unterdessen fordern die gleichen Kräfte, die im ägyptischen Hintergrund bestimmen, wo es langgeht auch ohne Mubarak, mehr Demokratie in Syrien und den Rücktritt Assads ...
Ein Nachtrag vom 5.12.11: "Katar soll heimlich "Freie syrische Armee" bewaffnen"
Na wer sagt's denn, die Kataris haben auch schon in Libyen (nach)geholfen und haben den Job für die Briten, Franzosen und die USA übernommen, damit die sich nicht die Hände schmutzig machen.
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Assad ist - genauso wie es Gaddafi war - ein brutaler Herrscher, der die politische Opposition unterdrückt und nicht erst seit diesem Jahr für viele tote und Gefolterte verantwortlich ist. Man kann bei vielem zweierlei Meinung sein, aber ich denke das alle Menschen mit einem Interesse an Gerechtigkeit den Tag feiern werden, an dem er nicht mehr an der Macht ist (was danach kommt, ist eine Frage die differenzierter beantwortet werden muss).
Die Unruhen in Syrien auf einen Komplott des Westens zurück zu führen ist gelinde gesagt etwas lächerlich. Ja, die meisten westlichen Regierungen werden dem Assad-Regime keine Träne nachweinen. Aber die größte Unterstützung erfahren die Oppositionellen in Syrien gerade durch die Türkei sowie verschiedene arabische Regime. Der Begriff des "westlichen Imperialismus" wird wohl etwas überstrapaziert, wenn man nun auch schon die Türkei als Akteur definiert. Überhaupt ignoriert die in diesem Artikel propagierte Sichtweise die Hauptakteure: die Syrer selber. Es sind Syrer, die in Syrien getötet werden und es sind Syrer, die das Töten übernehmen. Respekt vor dem Selbstbestimmungsrecht der Völker bedeutet auch, zu erkennen wenn ein Volk die berechtigte Forderung nach politischer Teilhabe stellt und diese Forderung zu unterstützen. |
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Oh oh, da wird mein Hinweis auf eine differenzierte Sicht auf die Ereignisse in Syrien gekontert mit pauschalen Aussagen und Vorwürfen ... Das zeigt mir, dass die Menschenrechtspropaganda derer, die alles, bloß nicht die Menschenrechte, im Blick haben, wunderbar wirkt. Und die nachweislichen Machenschaften der führenden westlichen Staaten, die sich gern selbst als "die internationale Staatengemeinschaft" bezeichnen, als überstrapazierten westlichen Imperialismus abzutun, ich weiß nicht ... Nie habe ich die Unruhen auf ein Komplott zurückgeführt, siehe auch meine anderen Texte. Oder ich habe mich undeutlich ausgedrückt. Die Unruhen und Proteste in der arabischen Welt haben soziale Ursachen. Mich beschäftigt, wer diese zu ganz anderen Zwecken nutzt, auch in Syrien, und aus berechtigten Unruhen bewaffnete Aufstände provoziert, wie in Libyen und Syrien. Und was ist da mit Ägypten? Eben alles nicht so einfach, wie wir es vielleicht gern hätten.
"Das Selbstbestimmungsrecht der Völker" - ein schwerer Hammer, ein Totschlagargument. Sicher ist, dass die, die davon am meisten reden auf der internationalen Bühne, sich am wenigsten dafür interessieren. Ich will jetzt nicht aufzählen, wer alles in der Geschichte mit diesem Argument welche Kriege begründet hat. Ich rate nur zur Vorsicht, solche pauschalen Argumente und pauschale Begriffe wie "das Volk" vorschnell undifferenziert zu benutzen. Zu behaupten, in Syrien stehe ein ganzes Volk gegen einen bösen Herrscher - nein, lasst uns bitte nicht auf diesem manipulationsverseuchten Niveau diskutieren. Also, ich will und kann da nicht mitmachen ... Das ist mir zu billig und einfach Um noch einmal für eine differenzierte Sicht auf die syrischen Ereignisse zu plädieren, bei der auch die nicht übersehen werden, die sich zu Recht für politischen Veränderungen in dem Land einsetzen, verweise ich nochmal auf den Text von Jürgen Todenhöfer in der Berliner Zeitung vom 26. November 2011, in dem er einen ganz kleinen Einblick in das gibt, was in dem "verbotenen Land" geschieht: www.berliner-zeitung.de/politik/syrien-reise-in-ein-verbotenes-land,10808018,11219274.html Auch wenn ich nichts dagegen tun kann am Ende und mich solche Kommentare für einen Moment noch ratloser machen, werde ich weiterhin gegen Meinungsmache, auch im Fall Syrien, anschreiben ... |
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Ich habe noch Jemen vergessen, ein anderes Beispiel neben weiteren. Da wird wie in Ägypten der berechtigte Protest niedergeknüppelt und -geschossen und am Ende eine Marionette gegen eine andere ausgetauscht, um Druck aus dem Kessel zu nehmen, im Interesse derer, die Gaddafi weggebombt haben und in Syrien eine Situation anheizen, weil sie sich Bomben gegen Assad doch nicht trauen, aber den sie auch weg haben wollen, schon lange, weil er ihnen nicht hörig ist wie andere arabische und afrikanische Herrscher ... Es ist doch so durchsichtig, aber nicht nur das, es ist ja längst auch bestätigt, dokumentiert, zitiert ..., dass es mich immer wieder verblüfft, dass die Lügen der westlichen Menschenrechtsbomber bei viel zu vielen für bare Münze genommen werden.
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@ peter.doerrie schrieb am 05.12.2011 um 12:06
>>>Respekt vor dem Selbstbestimmungsrecht der Völker<<< J-AP wo sind Sie denn? www.freitag.de/community/blogs/j-ap |
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Da meine eigene Sicht natürlich eine begrenzte ist, verweise ich mal in dem Zusammenhang darauf, wie in anderen Ländern gesehen wird, was in Nordafrika und Arabien derzeit läuft und inszeniert wird. Klaus Hart hat u.a. darüber aus Brasilien berichtet, so dass der konservative Politiker und Ex-Finanzminister Luiz Carlos Bresser-Pereira meinte, dass "Libyen lediglich abgestraft werde, weil es sich dem informellen Kolonialismus der Großmächte nicht unterwerfe. Der Libyenkrieg werde nicht mit guten Absichten geführt. Man versuche dort nicht, wie behauptet werde, „das Massaker an einem revoltierenden Volk zu verhindern“, sondern wolle die Herrschaft über ein ölreiches Land wiedergewinnen." Das lässt sich abgewandelt auch zu Syrien weiterführen und kann hier nachgelesen werden: das-blaettchen.de/2011/04/brasilien-und-der-libyenkrieg-4456.html
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@ Hans Springstein
Gut wäre es, wenn Sie ein wenig darüber schreiben, warum sich die USA und Großbritannien gegen die aktuelle Regierung Syriens engagieren. Dass das moralische Gehuber von den Menschenrechten und dem Selbstbestimmungsrecht nicht die ausschlaggebenden Gründe sind, da stimme ich Ihnen zu. Was aber ist Ihre Meinung zu den politisch wirksamen Beweggründen? |
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@Rapanui
Ich habe mich schon dazu geäußert, so weit ich beurteilen kann, warum die USA und die anderen westlichen Staaten, samt der Türkei, sich gegen Syrien engagieren. Das findet sich in meinen anderen Texten in meinem Blog. Natürlich stütze ich mich auf Texte anderer Autoren, die die Lage und die Entwicklung viel besser einschätzen und bewerten können als ich. Ich finde darin bestätigt, was schon mal jemand anders in einem Kommentar festellte: Die Welt wird seit 1989 neu geordnet und das übrig geblieben System hat keinen Gegenpart mehr, den es fürchtet. Libyen, Syrien, Iran usw. sind dabei nur Dominosteine. Ich verweise mal auf Texte anderer Autoren, die gewissermaßen wiedergeben, was ich auch denken und meine, und die manches erklären: www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=16384 www.luftpost-kl.de/luftpost-archiv/LP_11/LP22711_041211.pdf www.luftpost-kl.de/luftpost-archiv/LP_11/LP18911_241011.pdf www.luftpost-kl.de/luftpost-archiv/LP_11/LP13311_190811.pdf www.luftpost-kl.de/luftpost-archiv/LP_11/LP09811_240611.pdf Leider kann ich es nicht besser ausdrücken. Ich stimme den Autoren voll zu. |
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Ein Nachtrag: Bei Syrien spielt natürlich die Komponente Israel eine nicht zu vernachlässigende Rolle, egal wie Syrien seine Position zu Israel verändert oder angepasst hat. Syrien ohne Assad und die politischen Kräfte hinter ihm sind nicht nur den USA, sondern auch Israel lieber ... Wenn die von einer "Volksbewegung" hinweggefegt werden, wäre es ja blöd, abseits zu stehen und nicht wenigstens ein bisschen anzufeuern ...
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@ Hans Springstein
Dank für die Links. Sehr interessant. Ich sehe den jetzt in Syrien betriebenen Sturz von Assad als Vorbereitung eines Krieges gegen den Iran. Von Syrien aus könnte die Hisbollah im Falle eines israelischen, respektive US-amerikanischen Angriffs auf den Iran wenigstens kleinere Gegenschläge führen. Diese Gefahr wird gerade beseitigt. Die Veränderung der Machtverhältnisse in Syrien wird außerdem die Position Russlands im Mittelmeer schwächen, welches in Tartus einen Flottensützpunkt unterhält. Ein großer Krieg gegen den Iran, die wiederauflebenden Unterstellungen eines iranischen Atomwaffenprogrammes sprechen ebenfalls dafür, droht auch weiterhin. Unklar bleibt mir, wie sich die Differenzen zwischen der Türkei und Israel in dieser Lage auswirken. Israelische und Türkische Kräfte könnten sich in Syrien in die Quere kommen. |
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@Rapanui
Es gibt einen aufschlussreichen Text von Noam Chomsky über die Interessen der USA und der westlichen Staaten im arabischen Raum, nachzulesen u.a. bei Zmag.de: "Überall (im Mittleren Osten) glaubt die Mehrheit der Bevölkerung, dass die USA ihre Interessen bedrohen", so Chomsky. "Der Grund ist ganz simpel: Im Grunde wollen die USA und deren Verbündete keine Regierungen, die auf den Willen des Volkes hören, (denn) falls dies geschieht, werden die USA nicht nur die Kontrolle über diese Region verlieren, sondern hinausbefördert werden." (zmag.de/artikel/die-usa-und-ihre-verbuendeten-werden-alles-tun-um-demokratie-in-der-arabischen-welt-zu-verhindert-sagt-noam-chomsky) Zu den Interessen der Türkei und Israels bin ich wahrscheinlich zu wenig aussagefähig. Meine Vermutung geht in die Richtung, dass beide wichtige Verbündete der USA sind und dass sie sich darin treffen, dass beide ein anderes Syrien wünschen, dass aus ihrer Sicht kein potentieller Kontrahent mehr ist. Ich denke, dass dabei die sonstigen Differenzen zwischen beiden zweitrangig sind. |
Ausgabe 21/2012
24.05.2012
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