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Mein Sohn lernt grade schreiben. Also sitzen wir jeden Nachmittag an den Hausaufgaben und er malt mit viel Mühe und wenig Enthusiasmus Buchstaben in sein Heft – eigentlich ritzt er sie mehr auf’s Papier, weil er den Stift so arg aufdrückt (so muss es ausgesehen haben als Menschen zum ersten Mal Zeichen in Wachstafeln ritzten). Wie war das eigentlich als ich schreiben lernte?
Schreiben war ein eigenes – natürlich benotetes – Schulfach. Über ein Jahr lang malen wir mehr oder weniger eifrig Kringel, Schlaufen und Spazierstöcke auf’s Papier bis wir endlich Schreibschrift konnten. Für die heiß ersehnte Durckschrift – die mir den Zugang zu all den wunderbaren Büchern eröffnen würde - brauchen wir noch länger. Schlussendlich quälten wir uns mit Sütterlin herum. Zahllose Hausaufgaben machte ich zweimal, nur weil die Schrift nicht schön (!) war. Auf die Idee, nach dem „warum“ zu fragen, kam ich nicht. Es gab auch sowieso nur zwei mögliche Anworten: erstens die historische „haben wir schon immer so gemacht!“ und zweitens die militärische mit vier Buchstaben „isso!“. Bei uns wurde alles von Hand geschrieben, Computer gab es nicht und eine Schreibmaschine brauchten wir auch gar nicht. Ich erinnere mich dunkel, meine erste Seminararbeit im Studium noch handschriftlich abgegeben zu haben.
Heute ist das natürlich anders. Mein Kind lernt Druck- und Schreibschrift zeitgleich, wenn auch nicht die gleichen Buchstaben zu gleichen Zeit und kommt ganz gut damit klar. Schrift ist glücklicher Weise auch kein eigenes Fach mehr und die Schwungübungen sind eingebetten in ansprechende Zeichnungen. Ihm macht es trotzdem keinen Spaß! Und es beginnt die Fragerei.
Warum muss man schreiben üben?
Damit man es gut kann. Wenn man es übt, geht es auch ganz leicht. Das kann er kaum glauben, aber hier kommt mir seine große Schwester zur Hilfe. Ja, das stimme.
Aber warum muss man schön schreiben?
Muss man nicht, leserlich reicht. Das ist aber wichtig, damit man die Buchstaben unterscheiden kann. Sonst sieht ein a aus wie ein o oder ein h wie ein n oder ein l wie ein t. Die Beispiele „Schakalode“ und „Bullerdose“ lösen erst einmal Heiterkeit aus, überzeugen dann aber doch.
Nun ist seine Schwester dran mit der Frage, warum es bitte schön so wichtig sein soll, Rechtschreibung zu können.
Weil wir Wörter nicht Buchstabe für Buchstabe lesen, sondern an der Form erkennen. Auch das lässt sich leicht mit Beispielen wie „Skolohdace“ belegen.
Jetzt aber rottet sich der Nachwuchs zusammen zu der alles entscheidenden Frage, warum man überhaupt schreiben muss.
Ich bin sprachlos – na, um sich auszudrücken, Geschichten zu erzählen, Nachrichten zu notieren und was ist mit Gedichten und Schüttelreimen?
Ja, das meinten sie nicht. Lesen und schreiben sei schon wichtig, aber man müsse doch nicht von Hand schreiben, tippen reiche doch!
Na gut, wir überlegen gemeinsam, was wir so handschriftlich erledigen.
Briefe natürlich – aber das muss nicht sein. Es gibt doch Emails. Und wenn jemand keinen Computer hat (hahaha, so was gibt es doch gar nicht), dann kann man seinen Brief doch ausdrucken. Für den Nachwuchs ist ein gedruckter Brief attraktiver als ein handschriftlicher. Jenen können sie wenigstens sicher lesen, Erwachsenen schreiben nämlich nicht schön.
Protokolle und Gesprächsnotizen – das ist aber doch auch total doof. Ich könnte doch den Laptop mitnehmen zu irgendwelchen Sitzungen. Ich tippe sowieso schneller als ich schreiben kann. Dass das Getippe stören könnte und der Bildschirm ablenkt, ist kein überzeugendes Argument.
Nachrichten, wenn man mal weg muss – nein, das könnte man auch ausdrucken (genau und gleich laminieren, es sind sowieso immer die gleichen Nachrichten)
Einkaufszettel – das sollte doch eigentlich auch mit dem Handy zu erledigen sein.
Am Ende bleiben nur noch die Freundebücher – die Nachfolgeprodukte des Poesiealbums früherer Tage. Da muss man von Hand reinschreiben.
Soifz! Wahrscheinlich ist es nur eine Frage der Zeit bis schreiben - also von Hand - gar nicht mehr unterrichtet wird und meiner Kindeskinder Kindeskinder werden vermutlich gar nicht mehr wissen, was ein Füller ist und wozu man ihn mal brauchte und Feinmotorik findet woanders statt. Ist das einfach der Lauf der Welt oder muss man das aufhalten?
Am besten fänden meine Kinder es, gäbe es Programme mit dessen Hilfe sie dem Computer diktieren könnten, was sie zu sagen haben. Zumal der ja auch „weiß“, wie es richtig geschrieben wird.
Dass es sowas schon gibt, werde ich ihnen erst verraten wenn sie richtig schreiben können.
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Schreiben war ein eigenes – natürlich benotetes – Schulfach. Über ein Jahr lang malen wir mehr oder weniger eifrig Kringel, Schlaufen und Spazierstöcke auf’s Papier bis wir endlich Schreibschrift konnten. Für die heiß ersehnte Durckschrift – die mir den Zugang zu all den wunderbaren Büchern eröffnen würde, brauchen wir noch länger.
Im Ernst? Ich weiß nicht mehr, wie das damals bei mir lief mit den Phasen des Schreibenlernens, ich weiß bloß noch, daß ich im September in die Schule kam und im Advent schon eifrig Spielzeugprospekte las. Dabei stieß ich auf das rätselhafte Wort "Cowboy", mit dem ich nichts anfangen konnte, bis mir jemand erklärte, gemeint sei ein Kaubeu. Das hat mich irritiert, denn wieso schreibt man nicht Kaubeu wenn man Kaubeu meinte und das Wort auch so aussprach? Weihnachten endlich quälten wir uns mit Sütterlin herum. Sütterlin? Bist du so alt wie Johannes Heesters? Meine Oma schrieb noch Sütterlin, meine Mutter (inzwischen 91) schon nicht mehr. Ich erinnere mich dunkel, meine erste Seminararbeit im Studium noch handschriftlich abgegeben zu haben. Schon wieder staune ich. Zu meiner Zeit hätten sie mir an der Uni was gehustet, wenn ich das Ding handschriftlich abgegeben hätte. Soifz! Wahrscheinlich ist es nur eine Frage der Zeit bis schreiben - also von Hand - gar nicht mehr unterrichtet wird und meiner Kindeskinder Kindeskinder werden vermutlich gar nicht mehr wissen, was ein Füller ist und wozu man ihn mal brauchte und Feinmotorik findet woanders statt. Ist das einfach der Lauf der Welt oder muss man das aufhalten? Vermutlich ist es tatsächlich der Lauf der Welt. Seit jeder eine Uhr hat und (fast) jeder schreiben kann (die Zahl der funktionalen Analphabeten in Deutschland ist ziemlich groß), hat zum einen das Gedächtnis nachgelassen (man kann es ja nachlesen) und zum anderen ist ein Gefühl für die ungefähre Tageszeit verloren gegangen. Und ich fürchte, seit die Kinder mit Digitaluhren aufwachsen und analoge Uhren nur noch von Bahnhöfen kennen, geht auch das Gefühl für die verstreichende Zeit verloren. Zeit ist nur noch eine Zahl, während früher die Zeit ein Zeiger war, der anschaulich seine Runden drehte. Eine Stunde war sinnlich erfahrbar. Was nun das Schreiben betrifft, so habe ich von Anfang an mit großem Vergnügen geschrieben. Mit Schreiben meine ich die handwerkliche Seite des Vorgangs. Erst der Griffel für die Schiefertafel, dann der Füller. Mit 10 habe ich Schreibmaschine gelernt (180 Anschläge waren es damals), auf einer uralten, massiv-eisernen Adler, die ich alleine nicht fortbewegen konnte. Als Student habe ich mir eine elektrische Schreibmaschine geleistet, dann, schon im Beruf, habe ich für eine Schweinekohle den Schreibcomputer-System "Joyce" geleistet. Das Ding hatte keine Festplatte und man konnte nichts weiter damit tun als schreiben und es lief mit BASIC. Wenn man einen bereits 20 Seiten langen Text weiterschreiben wollte, so dauerte es viele Minuten lang, bis sich der Cursor nach hinten gearbeitet hatte. Aber immerhin, man konnte Tippfehler leicht ausbessern und mußte nicht jeden Mist nach der Korrektur nochmal ins Reine schreiben. Ciao Wolfram |
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Lieber Wolfram,
ich bin nicht mal halb so alt wie Joopi, aber Sütterlin musst ich trotzdem lernen. Wahrscheinlich bildete das den Charakter. Geschrieben haben wir es nie. Ich kann es aber noch immer . Ich bekenne mich hiermit als Gerneschreiberin, also handschriftlich, auch wenn ich beim Tippen schneller bin. Wir haben auch auf einer Schiefertafel angefangen und Füller waren noch etwas ganz besonderes. Mittlerweile kann ich auch Plakate lesbar beschreiben(naja, auf nicht mehr als max. 10m). Gruß Ismene |
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@Ismene
ich bin nicht mal halb so alt wie Joopi,... Ich dachte mir schon so was. :o) Deswegen war ich ja so erstaunt. aber Sütterlin musst ich trotzdem lernen. Wahrscheinlich bildete das den Charakter. Geschrieben haben wir es nie. Ich kann es aber noch immer. Das mag nützlich sein, wenn man alte Briefe in die Hand bekommt. Ich habe Sütterlin quasi Buchstabe für Buchstabe kennengelernt, und zwar in der Analytischen Geometrie, dort wurden Vektoren mit Sütterlin-Buchstaben bezeichnet. Böse, wie nur eine Sütterlinschrift böse sein kann, verbreitet er sich auf liniertem Papier. Alle Kinder können ihn lesen und laufen davon und erzählen es den Kaninchen, und die Kaninchen sterben, sterben aus - für wen noch Tinte, wenn es keine Kaninchen mehr gibt! Wir haben auch auf einer Schiefertafel angefangen und Füller waren noch etwas ganz besonderes. Merkwürdig, ich wurde Mitte der fünfziger Jahre eingeschult und damals waren Kolbenfüller durchaus üblich. Ende der fünfziger Jahre, anfangs der sechziger Jahre kam dann der Patronenfüller auf. Ciao Wolfram |
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Wir hatten natürlich Patronenfüller, aber ich habe zur fünften Klasse einen Kolbenfüller geschenkt bekommen! Welch ein Glück (das einzig gut an der Sexta). Ich habe ihn geliebt.
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@Ismene
Wir hatten natürlich Patronenfüller, aber ich habe zur fünften Klasse einen Kolbenfüller geschenkt bekommen! Welch ein Glück (das einzig gut an der Sexta). Ich habe ihn geliebt. Ich auch. Irgendwann habe ich das gute Stück verschmissen, habe mir aber jetzt - für relativ teures Geld - einen neuen, auf alt gestylten Kolbenfüller gekauft. Ciao Wolfram |
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Da hatte ich es besser. Mir hat das Christkind dieses Weihnachtsfest einen unter den Baum gelegt. Einen Hybriden - der kann beides.
Gruß Ismene |
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@Ismene
Da hatte ich es besser. Mir hat das Christkind dieses Weihnachtsfest einen unter den Baum gelegt. Einen Hybriden - der kann beides. Darüber kann ich als Schreibwarenfetischist (es ist 1 Wahnsinn, wie viele Schreibstifte unterschiedlichster Art & Farbe ich in meiner Schublade habe) nur müde lächeln. Ein Patronenfüller (im Grunde seines Herzens ist der Hybride ja ein Patronenfüller), für den es auch einen Adapter gibt. Pah. Wenn ich "Kolbenfüller" sage, dann meine ich Kolbenfüller. Einen artgerecht gestalteten Kolbenfüller schraubt man auf, man muß nicht die Kappe abziehen und wieder draufpfropfen, wobei jedesmal dieses widerlich knackende Geräusch entsteht, das sich bei manchen Füllern gar wie "pfropf" anhört. Schauderhaft! Ciao Wolfram |
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Nachtrag:
Das Ohr schreibt ja mit. |
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Was den Kolbenfüller angeht, so ist das natürlich völlig richtig. Beim Befüllen eines Kolbenfüllers hat man - je nach Füllstand des Tintenfasses - auch noch leise schmatzende Geräusche im Ohr. Am schönsten aber schreibt das Ohr mit, wenn die Feder über ein gutes Papier kratzt. Denn das Schreibgerät allein macht es eben auch nicht. Wenn schon edel, dann aber auch bitte ganz edel!
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@Ismene
Was den Kolbenfüller angeht, so ist das natürlich völlig richtig. Beim Befüllen eines Kolbenfüllers hat man - je nach Füllstand des Tintenfasses - auch noch leise schmatzende Geräusche im Ohr. Hua, geil. Und wenn du Glück hast, kippt das Tintenfaß um und du weißt, daß dir die nächsten Stunden nicht langweilig ist. Am schönsten aber schreibt das Ohr mit, wenn die Feder über ein gutes Papier kratzt. Denn das Schreibgerät allein macht es eben auch nicht. Wenn schon edel, dann aber auch bitte ganz edel! Kein schlechtes Papier nicht kommt mir eh nicht ins Haus. Ciao Wolfram |
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Du hast keine Kinder, oder? Ich horte das gute Papier an geheimen, nur mir bekannten und zugänglichen, Orten und schlage damit wei Fliegen mit einer Klappe. Zum einem weiß ich immer, wo mein Schreibzeug ist und da ist es sicher und zum anderen mache ich den Kindern das Schreiben spannend.
Schlechtes Papier gibt's bei uns zwar nicht, aber es gibt gutes und ganz gutes! |
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Bei uns gab es nur Füller in der Schule, aber in der Lehre konnte ich dann mit Tusche und Feder schreiben und ich hab es geliebt !
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@Ismene
Du hast keine Kinder, oder? Doch, schon, zwei. Die sind allerdings längst erwachsen und aus dem Haus. Und mein Hund frißt gottlob kein Papier, auch kein ganz gutes. Schlechtes Papier gibt's bei uns zwar nicht, aber es gibt gutes und ganz gutes! Ganz gutes Papier, ich weiß nicht. Sooo viele alleruntertänigste Bittbriefe schreibe ich nun auch wieder nicht an den Durchlauchtigsten Kurfürsten. Ciao Wolfram |
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Lieber Wolfgang,
für die Allerdurchlauchtigsten reicht bei mir auch Email. Das ganz gute Papier ist für die Freundinnen und Freunde. Denen entgeht die damit verbundene Wertschätzung auch nicht. Gruß Ismene |
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@ Wolfram Heinrich
"Kein schlechtes Papier nicht kommt mir eh nicht ins Haus." Mir reicht dreilagiges aus. |
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Aber im Ernst, vor Jahrzehnten habe auch ich mal gemeint, Büttenpapier sei das Nonplusultra, denn das galt ja als Inbegriff guten Papiers. Ich war nie zufrieden damit, weil die Rillen von den Sieblinien den Schreibfluß beeinträchtigen. Ob handgeschöpft mit ausgefransten Rändern (die ich immer schon albern fand, genau so wie diese kitschige, sogenannte "Elefantenhaut", die man noch an den Rändern auf antik anflämmen kann, und die für Urkunden vom Kaninchenzüchterverein benutzt wird), oder maschinengeschöpft. Mein Lieblingsschreibpapier ist gehämmertes Papier, ich mag es sehr, gerade der Struktur wegen, die auch den (meinen) Schreibfluß nicht beeinträchtigt, und es sieht auch nicht so etepetete aus.
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@Ismene
Lieber Wolfgang, -ram, -ram, -ram. Wolfram, liebe Antigone. Ciao Wolfram |
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@GEBE
"Kein schlechtes Papier nicht kommt mir eh nicht ins Haus." Mir reicht dreilagiges aus. Wenn du darauf einen Liebesbrief schreibst, so ist er höchstwahrscheinlich für den Arsch. Ciao Wolfram |
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@Wolfram,
"-ram, -ram, -ram. Wolfram, liebe Antigone." ich bitte um Verzeihung! Das war wirklich keine Absicht! Ismene |
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@Ismene
"-ram, -ram, -ram. Wolfram, liebe Antigone." ich bitte um Verzeihung! Das war wirklich keine Absicht! Das paßt schon, ich bin da abgebrüht. Wer Wolfram heißt, muß mit dergleichen rechnen. Und wenn er dann noch mit Familiennamen Heinrich heißt, kann es passieren, daß er in Archiven unter "W" statt unter "H" abgelegt wird. Ciao Wolfram |
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Namen sind manchmal schon verwirrend. Ich wurde mit 18 zur Musterung gebeten ...
war wirklich lustig. |
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@Ismene
Namen sind manchmal schon verwirrend. Ich wurde mit 18 zur Musterung gebeten ... Und dabei kannste noch nicht mal was dafür. Der Nachname ist schnell mal geändert, die Hürden für eine Änderung des Vornamens sind dagegen sehr hoch in Deutschland. Andrea Schmalzl ist wahrscheinlich eine Frau, Andrea Spinelli dagegen ist höchstwahrscheinlich ein Mann. Ciao Wolfram |
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Wem sagst Du das?
Ich war jahrelang jeden Sommer "Andrea lei"... |
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Liebe Ismenen
das Blog hast Du aber wirklich schön geschrieben. Ich habe es gerne gelesen. Für mich ist Schreiben mit der Hand so eine Art Kult geworden. Ich habe viele auch sehr schöne Kugelschreiber, von denen meine Lehrer noch meinten , dass sie die Handschrift versauen. Denen galten Kugelschreiber wohl noch als etwas Amerikanisches, aber so viel Innovation muss für mich sein. Alleine wie das schon klingt KUGEL-Schreiber. Deine Kinder kann ich aber gut verstehen. Jede Zeit hat ihre eigene Fragen und das was sie da denken, mag vielleicht ein bißchen kindlich klingen, was bei Kindern auch nicht weiter verwundern sollte, ist aber gar nicht so abwegig. ;o) Vielleicht sind die Handschreibinstrumente wirklich Auslaufmodelle und warum sollten Kulturtechniken auch nicht verloren gehen, wenn sie den Menschen nicht mehr als sinnvoll erscheinen? Ich habe mich beim Lesen deines Blogs jedenfallss sehr vergnügt und da ich selbst keine Kindern habe und auch sonst leider fast gar kein unmittelbarer Bezug zu den Kids da ist, war es für mich um so schöner , zu erfahren, w as in den Köpfen der "lieben Kleinen" so vor sich gehen kann. Liebe Grüße por Danke. Herzliche Grüße por |
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Danke Por,
aber nimm meine Kids bloß nicht für alle. Gruß Ismene |
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poor on ruhr schrieb am 26.01.2012 um 12:07
"...Ich habe viele auch sehr schöne Kugelschreiber, von denen meine Lehrer noch meinten , dass sie die Handschrift versauen. " Lieber Poor, es könnte was dran sein an dem, was die Lehrer sagten. Wenn ich mit Kuli schreib, siehts aus wie nach einem "Krähendurchmarsch", mit Füller siehts dann richtig gut aus, wie gedruckt. Scheint also doch was mit dem Schreibgerät zu tun zu haben ;-) |
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@Anchesa,
klarr ist da was dran , an dem was die Lehrer sagten, aber ich liebe eben Kugelschreiber. Füller finde ich so einen Umstandskrämerei. Die schönere Schrift entsteht aber sicher mit Füllfeder haltern. Herzliche Grüße por |
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Schöner Text, danke.
Ja, Schreiben ist ein richtiges Handwerk. Lesen komischerweise auch :o) |
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@Ismene
Herrlich! Habe schon lange hier nicht so über einen Text vergnüglich geschmunzelt :-) |
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Hach ja...
Ich gehöre noch zu einem Jahrgang, der zuerst Druckbuchstaben lernte, erst ein oder zwei Klassen später die Schreibschrift. Bei uns war es zudem noch die "Ganzwortmethode", während ein paar Jahre später die "Ganzsatzmethode" die Lesefähigkeit für einige Zeit gründlich ruinierte. Schiefertafeln gab es nicht mehr, zuerst waren Bleistifte verordnet, später Füller, jeweils genau vorgeschrieben. Kugelschreiber und Filzstifte waren pfui, bäh.... Meine Handschrift bekam nie einen Schönheitspreis, heute sorgt ein geschädigter rechter Daumen dafür, dass ich möglichst nie mehr als drei Worte per Hand schreibe. Obwohl ich es manchmal gerne täte, vor allem wieder mit Füller. Um so dankbarer bin ich aber deshalb einer Freundin meiner Mutter, die, selbst Schreibmaschinenlehrerin, mir mit einem Lehrbuch und einer Stunde Einführung es ermöglichte, im Zehnfingersystem blind schreiben zu lernen. Davon profitiere ich seit über dreißig Jahren. Unbezahlbar. Sütterlin wiederum ist eine Kunst, die man mir leider vorenthalten hat. Das Lesen alter Bücher in Fraktur habe ich mir dann aus Neugierde selbst beigebracht, auch wenn mir einige Buchstaben lange Zeit Rätsel aufgaben. Schreiben - schön schreiben - Kalligraphie - da bin ich dann da, wo ich mir am Meisten Mühe gebe, beim Arabischen. Schön ausgeführt, ist es eine Kunst. Bei Schulkindern meist jedoch genauso haarsträubend wie seinerzeit bei mir. Und Arzthandschriften - aber ich schweife ab.... Schöner Text. |
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Sütterlin lernten wir an Hand der Brause Schönschreibhefte. Die gab es in Sütterlin, lateinischer Ausgangsschrift und vereinfachter lateinischer Ausgangsschrift. Von jedem dieser Hefte habe ich mehrere vollgeschrieben. Die Hefte gibt es nicht mehr. Ich habe nur noch ein (leeres) Sütterlin-Heft in Kopie. Richtig schön schreiben geht aber in der Tat nur mit Füller.
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@Alien59
Und Arzthandschriften - aber ich schweife ab.... Heutzutage werden Rezepte ja ausgedruckt, was ein Glück! Ich will gar nicht wissen, wieviele Menschen vor der Zeit gestorben sind, weil der Apotheker das Gekrakel des Arztes falsch interpretiert hat. Ciao Wolfram |
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Dann stell dir mal Arzthandschrift in Arabisch vor ;-)
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@Alien59
Dann stell dir mal Arzthandschrift in Arabisch vor ;-) Ich hatte immer schon den Eindruck, daß auch deutsche Ärzte prinzipiell Arabisch schreiben. Ciao Wolfram |
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Darauf hätte ich kommen sollen :-)))))
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@Alien59
Darauf hätte ich kommen sollen :-))))) Vielleicht schreibt dein Hausarzt in Amman ja Deutsch, wer kann das schon wissen? Außer ein Apotheker, natürlich. Ciao Wolfram P. S.: Bei mir ist sogar die Unterschrift leserlich. |
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Was ich erst kapiert habe, als ich angefangen habe Gebärdensprache (und das zugehörige Alphabet) zu lernen: meine Schwester hat mit einzelnen Buchstaben lesen gelernt. Sie sollte also nicht das ganze Wort erkennen, sondern die Buchstaben aneinander reihen. Kein Wunder, dass sie Probleme hatte. Vielleicht war das aber eine Reaktion auf die "Ganzsatz"-Methode.
Ich habe auch zuerst Druckschrift und dann Schreibschrift gelernt (mit Fimu, dem Fuchs), mit der Pubertät wurde es dann wieder Mode in Druckschrift zu schreiben, was ich völlig unverständlich fand und finde. Meine Altersklasse (also die mit der Druckschrift) sagt noch heute, ich würde wie eine Fünftklässlerin schreiben, was nun garantiert nicht der Wahrheit entspricht, weil sich natürlich meine Schrift mit den Jahren unordentlich weiterentwickelt hat. Wozu noch mit der Hand schreiben lernen? Ich empfehle es dringend für die nächsten 10 + x Jahre Schule. Ich bezweifle nämlich stark, dass die es bis dahin geschafft haben, Computer für Deutschaufsätze, Geschichtsarbeiten, Englischarbeiten, etc zur Verfügung zu stellen, die bei mir immer locker 15 Seiten erreicht haben. Gestern habe ich nochmal handschriftlich eine wortreiche Klausur geschrieben, nach einem Jahr, in dem ich nur Hausarbeiten getippt hatte - und die popeligen 6 Seiten verursachten am Ende einen halben Krampf in der Hand. |
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Hallo Cassandra,
ich legte aus beruflichen Gründen Wert auf eine leserliche Schrift und habe im Erwachsenenalter noch einmal eine Woche lang Schreiben geübt. Druckschrift wegen der Lesbarkeit. Ich finde Druckschrift auch viel umständlicher als Schreibschrift, aber für die Lesbarkeit - besonders auf eine etwas größere Entfernung - hat das einfach Vorteile. Ich gehe auch davon aus, dass es noch eine Weile dauern wird, bis Aufsätze und Klausuren nicht mehr von Hand geschrieben werden und da macht es schon etwas aus, ob die Schrift leserlich ist oder nicht. Man kann sich nicht immer auf den guten Willen des Korrigierenden verlassen. |
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Ein schönes Blog, liebe Ismene!
Wenn ich Briefe schreibe, was leider immer seltener wird, ich meine damit handgeschriebene Briefe, benutze ich tatsächlich einen hölzernen Federhalter mit metallener Schreibfeder und ein Tintenfäßchen in einem Holzblock mit Eisengallustinte. Diese Tinte bekommt nach einiger Zeit einem metallischen Glanz. Besonders dann, wenn man mit breiter oder abgeschrägter Feder schreibt, weil dann die Strichstärke entsprechend ist. Es entstehen für mich so beim Schreiben mehrere innere Erlebnisse. Insbesondere sind es diese: Ich muß beim handschriftlichen Schreiben schon den ganzen Gedanken im Kopf verfertigen, in also schon inwendig „druckreif“ formuliert haben, weil eine Korrektur ja bedeuten würde durchzustreichen – halt eben rumzumockeln. Das geht aber nicht, und so muß man beim handschriftlichen Schreiben konzentrierter sein und wesentlich konsistenter Gedankenflüsse verfertigen. Das betrifft nicht nur den Einzelnen Gedanken, sondern den kompletten Text. Sortieren heißt das, Gedanken sortieren, entsprechend reflektieren, und wesentlich präsenter sein, was auch beinhaltet, stets eine Sinnschau auf das Geschriebene von außen abzuhalten, sich zu fragen, zu vergegenwärtigen und selbst Auskunft darüber zu geben, wie das Geschriebene beim Adressaten ankommt, ob es nahtlos verständlich ist. Ein Zweites ist, daß ich beim handschriftlichen Schreiben während des Schreibvorgangs dazu gelange, keine allzu langen Sätze zu konstruieren. Es tritt eine gewisse Schreibökonomie ein, die mir spätestens dann als Gebot auftritt, wenn ich beim Verfertigen von Wörtern Umständlichkeiten konstatiere. Und bündigere Sätze wiederum bringen mit sich, daß man notgedrungen stets auf der Suche nach dem trefflichsten Begriff ist, ohne in die Verlegenheit zu geraten umschreiben zu müssen. Dazu ist ein weitaus reicherer Wortschatz vonnöten, weil man nach prägnanten Synonymen stets Ausschau hält. In Folge – das möchte ich behaupten – ist man dadurch auch vor einer gewissen ansonsten um sich greifenden Verarmung der Sprache gefeiter. Auch der Fluß der zu schreibenden Sätze ändert sich zum Positiven, da man ja auch ständig die Grammatik dergestalt im Sinn haben muß, um nicht in die Verlegenheit zu kommen, wegen eines unglücklich angefangenen Satzes - damit er seinen wesentlichen Sinn wiedererhält - diesen umständlich und auch ein wenig gezwungen wieder in schiffbares Wasser segelt. Und ganz abgesehen von dem Genuß, Wörter im Ganzen zu schreiben ohne abzusetzen, sie regelrecht handwerklich zu verfertigen, erhöht meines Erachtens das handschriftliche Verfassen von Texten ganz allgemein die Aufmerksamkeit zwischen dem Zusammenhang von Gedanken und dem, was als verständiges Ergebnis geschrieben zutage tritt. Mir persönlich gefällt es zudem, gewisse Buchstaben zu schreiben, wie zum Beispiel das „ß“. Nicht nur, daß zu schreiben eine Kulturtechnik im Hinblick auf Interaktionen mit anderen Menschen ist, weshalb es zu erlernen ist, ist für mich ein Aspekt, sondern weil gerade im Hinblick auf diese inneren Erlebnisvorgänge beim Handriftlichen eine gleichsame Metaebene zu sich selbst betreten wird, kann Handschrift nur empfohlen werden als äußerst probates Übungsfeld zur Einübung des Zusammenhalts zwischen Denken, Fühlen und Wollen. Ich möchte sogar soweit gehen, zu behaupten, daß, wer nur Druckbuchstaben mit der Hand schreibt und keine eigentliche Schreibschrift, schon in eine gewisse Atomisierung von eigentlich homogenen Gedankenzusammenhängen Zusammenhängen gerät. (Wolfram Heinrich hat dies für mein Begreifen oben so treffend auch anhand des Beispiels digitaler versus analoge Zeitanzeigen dargestellt.) Und was die Sütterlinschrift angeht, ich habe sie auch in der Schule gelernt – und zwar mit abgeschrägter Feder zu schreiben, was ein besonderer Genuß für mich war, nämlich zu erleben, wie bei Bögen im Auf und Ab der Strich sich so wunderbar verjüngt. |
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Wenn ich über meinen oben geschriebenen Kommentar noch mal nachdenke und versuche eine Essenz zu bilden, so ist es diese, daß das Erlernen und Umgehen mit Handschrift Achtsamkeit hervorbringt.
Erwartet man von erwachsenen Menschen – insbesondere auch in der entsprechenden Ausbildung Achtsamkeit als eine wesentliche soziale Kompetenz, dann muß man sich fragen, wie diese frühzeitig zu erfahren und zu erlernen ist. Durch erlernen von Sittenregeln ganz gewiß nicht, denn diesem Erlernen muß ja ein Empfinden können für Achtsamkeit vorausgehen. Und nun ist es nun mal so, daß die Begabungen zu solchem Empfinden können seelisch auf anderen Gebieten stattfinden, als die sind, auf denen es gilt sie dann anzuwenden. Pädagogisch kann es also mehr als sinnvoll angesehen werden, deshalb Handschrift zu lehren und den Umgang damit zu pflegen. Seelisches Empfinden metamorphosiert im Laufe der Entwickelung eben aus dem scheinbar Unmerklichsten hin zu einem späteren Vermögen bezüglich soziokulturell interaktiver Zusammenhänge. Vielleicht kommt man ja noch mal dazu das als Notwendiges zu erspüren, ebenso wie man vielleicht noch mal auf den Trichter kommt zu verstehen, daß gemeinsam eingenommene Mahlzeiten und gemeinsam gesungene Lieder mehr mit einem guten Abitur zu tun haben als die Verkopfung des Wissens. |
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Hallo GEBE,
alles, was ich da zum Briefe schreiben lese, unterschreibe ich sehr gern vollumfänglich (das ist eins meiner Lieblingswörter). Ich persönlich schreibe auch Konzepte (wie z.B. den obigen Blog) noch von Hand vor und zwar aus den von Ihnen genannten Gründen. Und dazu brauch ich einen weichen Bleistift. Und ja, es gibt auch bestimmte Buchstaben, die ich besonders mag. Und auch den letzten Absatz finde ich genauso richtig. |
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@GEBE
Ich muß beim handschriftlichen Schreiben schon den ganzen Gedanken im Kopf verfertigen, in also schon inwendig „druckreif“ formuliert haben, weil eine Korrektur ja bedeuten würde durchzustreichen – halt eben rumzumockeln. Das geht aber nicht, und so muß man beim handschriftlichen Schreiben konzentrierter sein und wesentlich konsistenter Gedankenflüsse verfertigen. Das betrifft nicht nur den Einzelnen Gedanken, sondern den kompletten Text. Sortieren heißt das, Gedanken sortieren, entsprechend reflektieren, und wesentlich präsenter sein, was auch beinhaltet, stets eine Sinnschau auf das Geschriebene von außen abzuhalten, sich zu fragen, zu vergegenwärtigen und selbst Auskunft darüber zu geben, wie das Geschriebene beim Adressaten ankommt, ob es nahtlos verständlich ist. Ein Zweites ist, daß ich beim handschriftlichen Schreiben während des Schreibvorgangs dazu gelange, keine allzu langen Sätze zu konstruieren. Hm, das erlebe ich ganz anders. Nicht ganz triviale Texte ("Liebe Trudel, mir geht es gut und es scheint auch die Sonne") habe ich immer schon erst im Entwurf geschrieben, dann korrigiert und dann nochmal abgeschrieben. Der Computer erspart mir heute das nochmalige Abschreiben. Bei mir ist es so, daß der "richtige" Gedanke, die richtige Formulierung oft erst dann kommt, wenn ich zuvor den "falschen" Gedanken ausgespuckt habe. Anfangs habe ich einen Text im ersten Entwurf immer erst mit der Hand geschrieben, ich hatte stets das Gefühl, vor der Schreibmaschine sitzend fällt mir nichts ein. Die Gewohnheit habe ich nach und nach aus ökonomischen Gründen aufgegeben. Ich möchte sogar soweit gehen, zu behaupten, daß, wer nur Druckbuchstaben mit der Hand schreibt und keine eigentliche Schreibschrift, schon in eine gewisse Atomisierung von eigentlich homogenen Gedankenzusammenhängen Zusammenhängen gerät. Das mag dann der Fall sein, wenn einer - wie ich - in Druckbuchstaben deutlich langsamer schreibt als in Schreibschrift. Da schreibe ich, beim Formularausfüllen etwa, tatsächlich Buchstabe für Buchstabe. Mit der Schreibmaschine und dann mit dem Computer allerdings schreibe ich Wörter hin, keine Buchstaben. Ich weiß zum Beispiel immer noch nicht, wie die Buchstaben auf dem Keyboard angeordnet sind, es reicht, wenn meine Finger es wissen. Ciao Wolfram |
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Hey Wolfram,
wie wäre es mit einem ganz schwarzen Keyboard, also ohne Buchstaben auf den Tasten? Damit kann man richtig Eindruck schinden! ;-) |
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@Ismene
wie wäre es mit einem ganz schwarzen Keyboard, also ohne Buchstaben auf den Tasten? Damit kann man richtig Eindruck schinden! Na ja, für die Sonderzeichen wie § oder % oder & muß ich dann schon noch hinlinsen. Aber ich habe tatsächlich jahrelang auf einem Laptop mit italienischer Tastatur geschrieben, die Tastatur war aber so konfiguriert, als wäre sie deutsch. Da mußte ich mich dann schon auf die Finger verlassen. Ciao Wolfram |
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Wolfram Heinrich schrieb am 26.01.2012 um 15:11
Lieber Wolfram Heinrich, “Bei mir ist es so, daß der "richtige" Gedanke, die richtige Formulierung oft erst dann kommt, wenn ich zuvor den "falschen" Gedanken ausgespuckt habe.“ Ich habe mit mir so eine Art Verabredung: Wenn der erste hingeschriebene Satz (gilt nur für Handschriftliches!) nicht vollkommen zutreffend mir erscheinen will, bleibt dennoch stehen. Es ist das – wie soll ich sagen? – so etwas wie: ja, und genau das bist Du, fummel jetzt nicht rum, um dich über konstruierte Formulierungen anders darzustellen. (Selbstredend ist dabei, daß handgeschriebene Briefe natürlich ja auch nur Menschen von mir bekommen, die mich eh in meiner Gestricktheit schon kennen.) Ich weiß zum Beispiel immer noch nicht, wie die Buchstaben auf dem Keyboard angeordnet sind, es reicht, wenn meine Finger es wissen.“ Toll! Das hätte ich auch immer mal gerne gekonnt – so mit allen zehn Fingern tippen. Aber da ich sie nicht mehr alle habe [die Finger(!), weil ich mal mit einer Kreissäge geschmust habe] geht das sowieso nicht mehr. – Ich warte immer noch darauf, daß mir mal jemand bei Gericht unterstellt, ich hätte ihm z.B. aus dem Auto raus den Stinkefinger gezeigt. Da kann ich nämlich auch nur „Sonderzeichen“ mit. :-) |
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@GEBE
"Ich habe mit mir so eine Art Verabredung: Wenn der erste hingeschriebene Satz (gilt nur für Handschriftliches!) nicht vollkommen zutreffend mir erscheinen will, bleibt dennoch stehen. Es ist das – wie soll ich sagen? – so etwas wie: ja, und genau das bist Du, fummel jetzt nicht rum, um dich über konstruierte Formulierungen anders darzustellen." Genau das. Und wenn ich dann genau hingucke, habe ich manchmal den Eindruck, "da sind Teile von mir klüger als ich". |
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@GEBE
Ich habe mit mir so eine Art Verabredung: Wenn der erste hingeschriebene Satz (gilt nur für Handschriftliches!) nicht vollkommen zutreffend mir erscheinen will, bleibt dennoch stehen. Ja, dieser vermaledeite erste Satz, der wichtigste im ganzen Text. Stimmt der nicht, riskierst du, daß der Leser dir die Freundschaft kündigt und den Text beiseite legt. Ich hatte früher mal die Zwangsvorstellung, ich müßte einen Artikel, eine Geschichte oder was immer mit dem ersten Satz beginnen und dieser erste Satz müßte so was von dermaßen gut sein, daß jeder, der ihn liest, vor Wut weint, weil dieser Satz nicht ihm eingefallen ist. Das hatte zur Folge, daß ich oft tagelang an einem Text saß, ohne ihn zu beginnen. Zig Gedanken und Formulierungen kamen mir für den (überwiegenden) Rest des Textes in den Sinn, aber ich schrieb sie nicht auf, weil ja erst der erste Satz stehen mußte. Als dann der erste Satz doch stand, hatte ich einen Gutteil meiner Gedanken und Formulierungen schon wieder vergessen. Soifz. Ciao Wolfram |
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Mensch Wolfram,
was ist uns da wohlmöglich alles entgangen nur wegen des ersten Satzes? Gruß Ismene |
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@ Wolfram Heinrich
Das kenne ich! Seit Jahren habe ich deswegen eine „Diktaphon“ bei mir – besonders beim Auto fahren, weil mir da oft die besten Einfälle kommen. (Die Dinger darf man ja beim Fahren bedienen – nur ein „Handy“ eben nicht.) Was ich jedoch oben meinte, war - Sie sehen, ich habs getippt und mich deshalb mißverständlich ausgedrückt -, daß ja jeder Satz einen Anfang hat und daß ich den dann stehen lasse, was manchmal arg schwerfällt- Nicht wahr, es ist schon nicht leicht, einen etwa mit „aber“ angefangenen Satz rhetorisch wieder ins offene Gewässer zurückzurudern. |
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Lieber GEBE,
das mit dem Zurückrudern stimmt natürlich, aber es schult auch. Sie hatten es oben ja schon erwähnt, der aktive Wortschatz wächst und damit auch der Horrizont. |
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@Ismene
was ist uns da wohlmöglich alles entgangen nur wegen des ersten Satzes? Alles im Orkus, alles im Orkus. Nimmermehr find ich Gedanken von gestern. Ciao Wolfram |
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GEBE schrieb am 26.01.2012 um 13:33
Zum Glück gibts jetzt die Computer. Handschriftlich wären Ihre Texte dann vielleicht nur halb so lang und das wär schad ;-) |
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@GEBE
Das kenne ich! Seit Jahren habe ich deswegen eine „Diktaphon“ bei mir – besonders beim Auto fahren, weil mir da oft die besten Einfälle kommen. Autofahren (über längere Strecken) läuft bei mir unter "Hirn putzen". Da kommen die unmöglichsten Gedanken hoch, sagen brav Grüß Gott und verschwunden dann wieder. Die brauchbareren Ideen darunter kommen erfahrungsgemäß irgendwann wieder. Über Formulierungen denke ich beim Autofahren erst gar nicht nach. Was ich jedoch oben meinte, war - Sie sehen, ich habs getippt und mich deshalb mißverständlich ausgedrückt -, daß ja jeder Satz einen Anfang hat und daß ich den dann stehen lasse, was manchmal arg schwerfällt- Nicht wahr, es ist schon nicht leicht, einen etwa mit „aber“ angefangenen Satz rhetorisch wieder ins offene Gewässer zurückzurudern. Ach Gott, ach Gott, jeden Satzanfang stehen lassen, das ist schon kraß. Wenn ich einen Computer getippten Text ausdrucke, ihn zu korrigieren, dann habe ich hinterher oft ein ziemliches Durcheinander (in rot, grün und schwarz) von Änderungen, Streichungen und Einfügungen, manchmal sind an den Blattrand (oder auf der Rückseite) ganze neue Absätze geschrieben, die an den markierten Stellen eingefügt werden müssen. Die Tintenfarbe hat weiter keine Bedeutung, es ist nur deshalb, weil es so bunter und... äh, genialischer ausschaut. Manchmal ist es aber auch so, daß ich den Entwurf mit dem dumpfen Gefühl abschließe, eine ziemlichen Scheisendreck geschrieben zu haben und dann erstaunt feststellen muß, daß ich kaum korrigiert habe. Das Korrigieren auf Papier ist mir im übrigen auch ein durchaus sinnliches Vergnügen, eine der wenigen Gelegenheiten, wo ich noch mit der Hand schreibe. Ciao Wolfram |
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@Ismene
Danke für den schönen Blick in die Vergangenheit. Habe herzlich gelacht über die "Zusammenrottung der 2". Beim zweiten Blick auf den Blog allerdings wird man traurig, weil es wirklich immer mehr in Richtung "100% Computer" geht.Selbst Tagebücher sind jetzt meist "Blogs". Ich liebe es auch heute noch, mit Füller zu schreiben und schaffe mir kleine regelmäßige Anlässe dafür. |
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@Anchesa
Beim zweiten Blick auf den Blog allerdings wird man traurig, weil es wirklich immer mehr in Richtung "100% Computer" geht. Selbst Tagebücher sind jetzt meist "Blogs". Ich muß hier das Geständnis machen, daß ich seit vielen Jahren schon meine Tagebücher auf dem Computer schreibe. Manchmal entwischt mir dabei doch ein guter Gedanke, den ich ausformuliere. Und wenn ich den dann für einen anderen Text verwenden will, kann ich ihn einfach reinkopieren. Außerdem ist auf dem Computer die Suche nach einer bestimmten Textstelle viel einfacher. Ciao Wolfram P. S.: So weit runtergekommen bin ich allerdings noch nicht, daß ich mein Tagebuch im Blog veröffentliche. |
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@Anchesa
Wenn die zwei sich zusammen rotten, was nicht sehr oft vorkommt, kommt eigentlich immer was großartiges raus (naja, manchmal muss man dafür schon den Blickwinkel verändern...) Ich glaube, dass das Schreiben als solches sich erhalten wird, aber vielleicht nur als "Nische". Wir schätzen eine schöne handgeschriebene Notiz, Postkarte, einen solchen Gruß oder Brief ja immer noch besonders. Andererseits sind die Vorteile des elektronischen Schreibens eben auch nicht von der Hand zu weisen. @Wolfram Heinrich "So weit runtergekommen bin ich allerdings noch nicht, daß ich mein Tagebuch im Blog veröffentliche." Das ist einer der großen Nachteile des elektronischen Schreibens noch dazu des öffentlichen: der Exhibitionismus nimmt zu und furchtbare Folgen an. |
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@Ismene
"So weit runtergekommen bin ich allerdings noch nicht, daß ich mein Tagebuch im Blog veröffentliche." Das ist einer der großen Nachteile des elektronischen Schreibens noch dazu des öffentlichen: der Exhibitionismus nimmt zu und furchtbare Folgen an. Einerseits richtig, andererseits... Noch vor ganz kurzer Zeit hatte der ganz normale Alltagsmensch keine Chance, von einer auch nur etwas größeren Öffentlichkeit wahrgenommen zu werden, geschweige gar, bleibende Spuren zu hinterlassen, die bezeugen würden, daß er gelebt hat. Durch das Internet hast du nun diese Chance, du kannst in einem eigenen Blog etwa vom Prinzip her die ganze Welt an deinem Schicksal teilhaben lassen. Wenn ich mir so die Klickzahlen meines Blogs derfranzehatgsagt.blogspot.com/ anschaue, dann ist das natürlich eine Illusion - aber es könnte ja sein. Ciao Wolfram |
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Gut, das stimmt.
Aber es muss wirklich nicht alles private öffentlich werden, finde ich jedenfalls. Manchmal kann es schon auch peinlich werden. Aber das ist jetzt nicht auf Dich oder jemanden bestimmtes bezogen, sondern allgemein. |
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@Ismene
Aber es muss wirklich nicht alles private öffentlich werden, finde ich jedenfalls. Manchmal kann es schon auch peinlich werden. Das ist klar. Aber wenn einer nichts schreiben kann, das von allgemeinem Interesse wäre, dann muß er halt, will er überhaupt im Netz auftreten, über seine ganz privaten Dinge schreiben. Es drängen sich ja auch Leute zu den Talk-Shows im Privatfernsehen, um sich dort zum Narren zu machen. Ciao Wolfram |
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Was genauso peinlich ist. Warum die das machen, habe ich noch nicht verstanden. Ich würde mich ganz altmodisch schämen. Aber so wie das Wort sich langsam aus dem aktiven Wortschatz verschwindet, so löst sich wohl auch das Gefühl ganz allgemein auf.
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@Ismene
Was genauso peinlich ist. Warum die das machen, habe ich noch nicht verstanden. Ich würde mich ganz altmodisch schämen. Als Erklärung biete ich - ins Unreine gedacht - das an, was ich oben schon kurz angerissen hatte: Man will Spuren hinterlassen, daß man gelebt hat. Andy Warhol hatte vor Zeiten mal die Utopie, daß jeder Mensch für eine Viertelstunde lang prominent sein könnte. Bei RTL II kannst du das heute. Wenn der Lateinlehrer dir was von Herostrat erzählt, der immerhin einen Tempel angezündet hat, nur um unsterblich zu werden, dann sagt er dir auch nicht, daß sich dieser Herostrat so was von schämen sollte. Und Friedrich II. (das Flötenmonster aus Sang Susi) hat sich zeitlebens nicht geschämt dafür, daß er um seines Nachruhmes willen ungezählte Menschen hat verrecken lassen. Ciao Wolfram |
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Wolfram Heinrich schrieb am 26.01.2012 um 23:44
"P. S.: So weit runtergekommen bin ich allerdings noch nicht, daß ich mein Tagebuch im Blog veröffentliche." Wenn doch, Wolfram, bin ich Leser ;-) Tät mich schon interessieren... |
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@Anchesa
"P. S.: So weit runtergekommen bin ich allerdings noch nicht, daß ich mein Tagebuch im Blog veröffentliche." Wenn doch, Wolfram, bin ich Leser ;-) Tät mich schon interessieren... Du willst nicht ernsthaft wissen, wie ich so meinen Tag verbringe, oder? Ein bisserl was Persönlicheres (mit allgemeinem Interesse) teile ich gelegentlich in meinem Blog mit (siehe oben). Ciao Wolfram |
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@ismene
ich kann selbiges zu diesem Blog nur wiederholen, was die Kommentare vor mir schon geschrieben haben. "Schön geschrieben" Dieser Blog erinnert mich an einen Kommentar von einer Lehererin, welche meinte, dass ich eine sehr exotische Handschrift hätte. Früher konnte ich damit nicht all zu viel anfangen. Jetzt bekomme ich schon öfters gesagt, dass ich mit dieser Schrift gut ein Arzt sein könnne. Gehört aber zum Arztsein nicht noch ein wenig mehr als eine schwer leserliche Handschrift? Irgendwie wichtig ausehend, aber kann keine S... lesen. |
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@langweiler
Irgendwie wichtig aussehend, aber kann keine S... lesen. Das kann man nahtlos von der Schrift auf die Formulierung übertragen. Kostbar geschnörkeltes Deutsch, versteht kein Schwein, aber es macht einen wichtigen, klugen Eindruck. Ciao Wolfram |
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@wolfram heinrich
so ist es. Heute zählt der Eindruck ob Sprache (schrift, oral), Kleidung (Kleider machen Leute), Aussehen, und natürlich irgendwelche Statussymbole mehr als der eigentliche Inhalt. Diese werden wie eine Maske übergestülpt, damit keiner erfährt wer/was das Gegenüber wirklich ist. Mehr Schwein als Sein. Das "Schwein" könnte in diesem Fall auch als Metapher des Glücks gedeutet werden. Der "Geburtsvorteil" (Geburt in solchen Verhältnissen) weil geerbt, geschenkt o.ä. und nicht auf eigene Leistung beruhend. |
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Da will ich mal einen anderen Aspekt ansprechen: sich besondere Mühe geben, sowohl in Kleidung als auch in Sprache oder Schrift kann auch ein Zeichen von Wertschätzung sein. Ich glaube, den Unterschied zwischen Wertschätzung und Profilierung merken wir aber sofort.
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@langweiler
Heute zählt der Eindruck ob Sprache (schrift, oral), Kleidung (Kleider machen Leute), Aussehen, und natürlich irgendwelche Statussymbole mehr als der eigentliche Inhalt. Ich glaube, das ist keine originelle Erscheinung der neueren Zeit. Seit sich der erste Urmensch einen größeren Knochen ins Haar gesteckt hat als die anderen, gibt es Statussymbole. Ciao Wolfram |
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@Ismene
Da will ich mal einen anderen Aspekt ansprechen: sich besondere Mühe geben, sowohl in Kleidung als auch in Sprache oder Schrift kann auch ein Zeichen von Wertschätzung sein. Die Frage ist natürlich: Was heißt "sich besondere Mühe geben"? Wenn ich einen handschriftlichen Brief in einer sehr kunstvollen, sehr verschnörkelten Schrift schreibe, dann erschwere ich das Lesen. Ob das ein Zeichen von Wertschätzung für den Empfänger ist? (Ich erinnere mich noch an die psychedelische Schrift, die in den Siebzigern so beliebt war, vor allem auf Plakaten und Plattencovern. ![]() Sehr viel Mühe, sehr viel Kunst, aber lesen kannst du das Zeug halt nur mit erheblicher Verzögerung, wenn überhaupt. Beim Stil ist es das Gleiche. Wer einen - wissenschaftlichen, essayistischen oder belletristischen - Text veröffentlicht, der will (oder sollte doch wollen), daß der Text verstanden wird, er ist mit der Veröffentlichung ein Dienstleister in der Gedankenbranche. Nicht der Kunde sollte sich die Mühe machen müssen, den Text erst mal zu entschlüsseln, dies sollte Aufgabe des Dienstleisters sein. Was die Kleidung betrifft, so erkläre ich mich für befangen. Wenn du wüßtest, in welchem Outfit ich gerade vor dem Laptop sitze würdest du weinen. Ciao Wolfram |
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Ach Wolfram,
ich weine doch nicht wegen sowatt. Mit Mühe geben meine ich schon, sich dem Adressaten anpassen. Wenn ich einen Text für Kinder schreibe, muss ich mir auch Mühe geben und nicht zu knapp, damit sie es verstehen. Wenn ich durch die äußere Form jemandem meine Wertschätzung zeigen will, dann muss ich es in der Form tun, die ihm entspricht. Gekünsteltest oder überkandideltes Geschreibsel drückt keine Wertschätzung aus, sondern ziemlich oft das eigenen Minderwertigkeisgefühl, finde ich. Gruß Ismene |
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@Ismene
Gekünsteltest oder überkandideltes Geschreibsel drückt keine Wertschätzung aus, sondern ziemlich oft das eigenen Minderwertigkeisgefühl, finde ich. Da sagst du was Richtiges. Ciao Wolfram |
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Danke.
Wobei ich zugeben, dass ich manche gekünsteltes mit "mildem Lächeln" ganz gut ertrage und manches einfach furchtbar finde. Ich weiß nicht, ob das an der Art des Künstelns liegt oder an der Person dahinter... Lieber Gruß Ismene |
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@Ismene
Wobei ich zugeben, dass ich manche gekünsteltes mit "mildem Lächeln" ganz gut ertrage und manches einfach furchtbar finde. Ich weiß nicht, ob das an der Art des Künstelns liegt oder an der Person dahinter... Wenn ich hinter einem Kunstwerk wenigstens einen Hauch von Selbstironie des Künstlers erkennen kann, dann bin ich schon mal milder gestimmt. Auf den Senkel gehen mir die Leute, die dir mit großartiger Geste ihre Verse aufs Papier husten. Ciao Wolfram |
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Liebe Ismene,
ich finde im Grunde, daß Schreiben furchtbar ist, mir verkrampft sich immer die Hand, wenn ich es tue, an Schönschrift ist da gar nicht zu denken. Aber es gibt, abgesehen von der Unterschrift, e i n e n Kontext, in dem Schreiben meiner Ansicht nach ganz unverzichtbar ist, und das kann man vielleicht schon Kindern verständlich machen: das ist die mitdebattierende Lektüre von philosophischen, wissenschaftlichen oder Sachbüchern. Ich meine, solche Lektüre ist nur als mitdebattierende sinnvoll. Sonst versteht man gar nicht. Mitdebattieren bedeutet aber, man unterstreicht nicht nur exzessiv in mehreren Stärkegraden, sondern schreibt auch etwas an den Seitenrand. (Übrigens ein uraltes Verfahren, das z.B. schon auf den Talmud angewandt wurde.) Wenn man die Bücher nach der Lektüre durcharbeiten will, hat man schon die Stützpunkte, oder wenn man das Buch später wieder zur Hand nimmt, findet man sich ganz schnell wieder rein. Dieses Verfahren läßt sich am Computer nicht ersetzen, obwohl der andere Vorteile bietet, die die Handschrift nicht hat. Wenn man ein Buch am PC liest, kann man sich Sätze oder ganze Absätze rauskopieren usw. Man kann nun zwar auch Kommentare auf dem elektronischen Beiblatt notieren. Aber den direkten, kleinteiligen Zusammenhang von Vorgegebenem und Kommentar, der das Ganze später auf e i n e n Blick erfassen läßt, ersetzt das nicht. |
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Lieber Michael Jäger,
ich glaube das Verkrampfen liegt nicht nur an der Qualtität des Materials und an der Übung, sondern auch an der Motivation, mit der man schreibt. Mir macht es Freude zu schreiben und daher tue ich das auch häufiger, so dass ich selten Krämpfe habe (aber ich gebe zu, mehr als vier Seiten am Stück artet in Arbeit aus). Der Gedanke des Mitdebatierens ist wirklich spannend. Eine Zeit lang habe ich Text immer in Mind-Maps erarbeitet (das geht elektronisch auch nicht wirklich), aber das hat nicht die gleiche Qualität. Ich werde diesen Punkt auf jeden Fall einmal aufgreifen. Danke für die Anregung! Ismene |
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Hallo Ismene,
unseren Jüngsten habe ich im Schreiben bis hin zur kalligraphischen Versuchen über Jahre - mehr oder weniger spielerisch (Lesbarkeit) - unterrichtet. Darüber hat er seine eigene Handschrift entwickelt, was in der Grundschule überhaupt keine Beachtung fand. Seit ein paar Jahren geht er zum Gymnasium und punktet mit seiner kunstfertigen Schrift in allen Fächern - als Junge. Schreibt und erfindet beim handschriftlichen Schreiben Geschichten. Das hat auch graphische Qualitäten. Die Rede ist vom Schrift-Bild. In der Handschrift kann sich auch Persönlichkeit ausdrücken und das bringt Unverhofftes: "hast du eine schöne Schrift" wer ist hier wohl beeindruckt? I. |
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Hallo ideefix,
eine gute Handschrift ist in der Schule wichtig, eine schöne aber macht wirklich Punkte. Interessant, dass das für Jungen immer noch Erstaunen hervorruft. Dass sich auch Persönlichkeit in der Handschrift ausdrückt, kann ich nur voll und ganz bestätigen (ohne den Graphologen allzu sehr das Wort reden zu wollen) und ich glaube, dass es ganz besonders die Individualität der Handschrift ist, die beeindruckt. Ismene |
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Hallo Ismene,
Handschrift ist so ein Spezialthema bei mir... Ich bin zwar auch bekennender 10Finger-System-Tipper (schnell, bequem, spurlos korrigier - und layoutbar u.a.m.), sehe aber das handschriftliche Schreiben ganz ähnlich wie du. Für mich stehen, neben der Lesbarkeit, einerseits ästhetische Kriterien und damit auch Außenwirkungen - auf der anderen Seite aber vor allem die Innenwirkung im Schreibprozess im Vordergrund. Eine geübte Handschrift kann handwerklich ansprechen, eine ausgebildete im Fluss / Flow verfasste Geschichte überzeugt im Auge des Betrachters auch durch ihr Schrift-Bild. Siehe die handschriftlichen Originale bekannter SchriftstellerInnen. Wer viel von Hand schreibt, erkennt schon am Bild, wo es nicht stimmig sein kann - weil z.B. eine Zeile abgerutscht u/o eine Textstelle krakeliger als die andere usw. Ein inhomogenes Schriftbild gibt Hinweise auf die inhaltliche Konsistenz und die Befindlichkeit des Verfassers während des Schreibprozesses. Ich kann an handschriftlich Verfasstem die Knackpunkte des Textes optisch schneller bzw. fast auf einen Blick erfassen, als bei standardisierter PC-Typographie. Handschrift ist für mich auch - in päd. Hinsicht - unverzichtbar, weil sie a die Feinmotorik schult, b die ästhetische Wahrnehmung, c die kreative Performance und d die für´s Leben unabdingbare Geduld und Selbstdisziplin. Wer sich in der Ausformung der eigenen Handschrift Nachlässigkeiten erlaubt, der ist nach meiner Erfahrung auch im mündlichen Austausch vergleichsweise unpräzise. Das hat womöglich damit zu tun, dass die Schreiberei von Hand mit einer erhöhten Merkfähigkeit für das Geschriebene verbunden ist (Stichwort Mnemo-Technik) und der so Schreibende sich folglich an die eigenen Textpassagen und die dazugehörigen inneren Monologe besser erinnern - und diese bei Bedarf im Dialog abrufen - kann. Insoweit ist Schreiben von Hand eine ganz eigene Disziplin, deren Pflege die Kommunikations - und Auseinandersetzungsfähigkeit (auch mit der eigenen Person) qualitativ verbessern kann. In Bezug auf meine beiden Söhne hat sich diese von mir begleitete handschriftliche Grundbildung nicht nur schulisch ausgezahlt - sie hat eine Bezugsebene ungewöhnlicher Dimension eröffnet. Schreiben ist eben nicht gleich Schreiben. I.d.S. Danke für diesen anregenden Blog. I. |
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Lieber ideefix,
da gebe ich Ihnen sehr gern in allen Punkten Recht mit einer klitzekleinen Anmerkung. "Wer sich in der Ausformung der eigenen Handschrift Nachlässigkeiten erlaubt, der ist nach meiner Erfahrung auch im mündlichen Austausch vergleichsweise unpräzise." Dies mag vielleicht als Regel gelten, Ausnahmen sind indes nicht selten. Liebe Grüße Ismene |
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Hallo Ismene,
die von Ihnen/Dir angesprochenen Ausnahmen sind erfahrungsgemäß regelhaft bei den Weibchen, bei den Männchen eher nicht. Kann mann ja auch hier in den wortreichen Entschuldigungen - sorry about - der Männer besichtigen. Tatsächlich ist es so, daß auf männlicher Seite die Ausbildung der Handschrift in die, zuweilen auch erotische, Eloquenz mündet. Versichtbarte Ästhetik ist der Handschrift inhärent. Und so wie ein Mann den Federhalter oder die Schreibfeder bewegt, so berührt er auch Frauen. ;-) Soviel zur Erziehung von Söhnen und deren Unterrichtung im Schreiben und im Ausdruck. Liebe Grüße: Ideefix. |
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Da verbleibe ich jetzt einfach mal leise grinsend, kommentiere nicht und schmunzel vor mich hin.
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Liebe Ismene, Kommentatorinnen und Kommentatoren,
ich danke für die erholsame und lehrreiche Lektüre, für die Gelegenheit zum Innehalten. |
Ausgabe 21/2012
24.05.2012
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