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Politik : Der Schlaf der Gerechten

Knapp ein Drittel der befragten Freitag-User (37 Stimmen, 13.07.09) beantwortet die Frage "Haben es die Grünen verschlafen, aus dem Klimawandel Profit zu schlagen?" mit Ja.

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Das ist insofern bemerkenswert, als dass es in den hiesigen Debatten nur so von "grünen" Themen wimmelt. Dies bemerkt auch Franziska Eichstädt-Bohlig, selbst Mitglied der Grünen, ganz richtig.

Woher also der Pessimismus? Der Tenor der meisten Pro-Stimmen lässt sich gut unter "die Grünen sind nicht grün genug" subsumieren. Sie seien es ihrem Namen schuldig, radikaler und verstärkt auf Umweltthemen einzugehen. Auch um ihr Profil zu umreissen, wie Jakob Augstein festhält.

Dem wir entgegen gehalten, dass sich eine Partei nicht nur auf einen Themenkomplex reduzieren lassen sollte, will sie regierungsfähig bleiben. Die Grünen seien einfach mehr als Umwelt, Genfood und Solarenergie. Abgesehen davon würden sich die anderen Parteien verstärkt mit Umweltthemen beschäftigen, dem Stammhalter so den Platz abgrasen. Die Grünen selbst seien darauf bedacht, für die Mitte wählbar zu bleiben, denn nur so könnten sie ihre Anliegen auch verwirklichen.

Der Erfolg in Baden-Württemberg sowie in einigen Ballungszentren bestätigt diese These zumindest teilweise. Auch sind etwaige Erfolge aus der Regierungszeit mit der SPD nicht von der Hand zu weisen. Allerdings stecken die Grünen in der thematischen Hochphase im Dilemma: Ihre Großtaten von einst werden vergessen, ihre "Green New Deals" von heute geht im Einheitsbrei des Parteienspektrums unter.

Denn wie anders sind um 10% schwankende Umfragewerte zu erklären? Wenn der Weg das Ziel ist, kann man im Rückblick auf die letzen 12 Monate nur festhalten, dass die Grünen scheinbar keins haben, sie stagnieren. Es fehlt am langen Ende genau an dem, wodurch sie sich einst profilieren konnten: Am Alleinstellungsmerkmal, das nicht nur für den satten LPG-Städter zu verstehen ist. Dies sollte selbst den Parteistrategen einleuchten, denn den Median-Wähler gibt es nicht. Versprochen.

Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.