Freitag, 25.11.11
““Diese rätselhafte Koinzidenz zwischen Bucherscheinen, großem Interview in der ZEIT und Pressemitteilung der Staatsanwaltschaft - man muss kein Verschwörungstheoretiker sein, um hier zu sagen: Hier wurde hinter den Kulissen inszeniert”, kritisierte der Österreicher, der als Sachverständige für wissenschaftliche Texte mit dem Schwerpunkt Plagiatsprüfung tätig ist.“
Amtshilfe für zu Guttenberg: Die neuen Gebrüder Grimm, Felix Dachsel, taz
“Seine Antwort geriet etwas knapp. Di Lorenzo bohrte, er hakte nach. Er, der Chefredakteur der Zeit, wollte sich nicht abspeisen lassen mit derart karger Kost, er war schließlich bis nach London geflogen für dieses Gespräch: "Ich meine etwas anderes. Ich vermisse die ganze Zeit Ihre Brille, ich kenne sie gar nicht ohne."“
Das qualitätsjournalistische Reality Distortion Field, Michael Seemann
“Dann ist das sowas wie der Kampf zwischen zwei Realitätsarchtitekturen. Auf der einen Seite die renommierte ZEIT mit dem altehrwürdigen, journalistischen Anspruch, auf der anderen Seite die zwingende Evidenz der offensichtlichen Fakten – für jeden zugänglich. Es sieht so aus, als ob Di Lorenzo und Guttenberg es auf so eine Kraftprobe dieser Realitätsarchtitekturen ankommen lassen wollen. So absurd das klingt, aber ich fürchte, außerhalb von unserer Internetblase erscheint das sogar machbar.”
Er war’s gar nicht, Faz
“Paragraph 118 BGB, der Willenserklärungen für nichtig erklärt, von denen erwartbar ist, dass sie als Scherz aufgefasst werden - „Lokalrunde für alle!“ -, bedarf insofern der Ergänzung. Außerdem muss der Tatbestand der Fürdummverkaufe ins Medienrecht aufgenommen werden. Der Text könnte lauten: „Wer offensichtlich lügt, begründet damit keinen Beschwerdegrund, denn er kann es ja gar nicht getan haben, weil es doch überhaupt keinen Sinn hat, offensichtlich zu lügen.“”
Die Rückkehr der kindlichen Kaiserin, Benjamin Birkenhake
“Jede Beschäftigung mit ihm kann folglich nur gegenaufklärerisch, antidemokratisch, aristokratisch, boulevardesque, unsachlich und schließlich mit Denken nicht zu rechtfertigen sein. Damit hier keine Missverständnisse aufkommen: Ich verachte diesen Mann. Er ist überheblich, selbstgefällig, dreist und dumm. Weit mehr aber verachte ich seine Hofberichterstatter. Was diese Menschen tun, halte ist gedankenlos und gefährlich."
Gestern bereits:
Immer noch auf Droge, Michael Spreng
“Das Ganze ist wieder typisch Guttenberg. Er kann die Füße nicht stillhalten und prescht nur acht Monate nach dem Skandal zu früh wieder ins Rampenlicht. Der Medienentzug hat nicht geklappt, er ist offenbar immer noch auf Droge. Das Buch wird wenigstens zeigen, ob er inzwischen zu schonungsloser Offenheit sich selbst gegenüber und zur Demut bereit ist. Und ob er aus seinem Sturz etwas gelernt hat. Ohne diese Einsicht gibt’s ohnehin kein Comeback.“