Freitag, 30.03.12
Offener Brief von 51 Tatort-Autoren, Urs Aebersold & 50 weitere Autoren, Verband Deutscher Drehbuchautoren
“Wenn man Urheber und User besser stellen will, braucht es ja einen, der diesen Alle-haben-alle-wieder-lieb-Kompromiss, der den Kram bezahlt – denn wie in allem, was hergestellt wird, steckt auch im „Content“ verdammt viel Arbeit von Urhebern und kostet deshalb auch Geld, das irgend jemand bezahlen muss. Diesen omnipotenten Zahler kennt die Netzgemeinde auch schon ganz genau: Nein, nicht Google, youtube und die anderen Internetserviceprovider, die sich dumm und dämlich daran verdienen, illegale Kontakte zu vermitteln, den kriminellen Modellen wie kino.to, megaupload, the Pirate Bay etc. überhaupt zum Erfolg zu verhelfen. Nein, für die Grünen, Piraten und Netzpolitiker aller Parteien ist der große Übeltäter die Verwertungsindustrie: Sony, Universal, Bertelsmann und, ganz wichtig, natürlich die GEMA und die anderen Verwertungsgesellschaften. Das sind in ihren Augen die Blutsauger, die sollen die Zeche zahlen.“
Antwort auf den offenen Brief der Tatort-Drehbuchschreiber, CCC
“Liebe Tatort-Drehbuchschreiber, mit Freude nehmen wir – ganz kess als Vertreter der von Euch angeprangerten "Netzgemeinde" – Euer Interesse [1] an unseren Gedanken zu einer Versachlichung der Diskussion über Urheber- und Urheberverwertungsrechte im digitalen Zeitalter wahr. Bevor wir aber unnötig gleich zu Beginn Schubladen öffnen: Auch wir sind Urheber, sogar Berufsurheber, um genau zu sein. Wir sind Programmierer, Hacker, Gestalter, Musiker, Autoren von Büchern und Artikeln, bringen gar eigene Zeitungen, Blogs und Podcasts heraus. Wir sprechen also nicht nur mit Urhebern, wir sind selber welche. Es wird daher keinen "historischen Kompromiß" geben, denn es stehen sich nicht zwei Seiten gegenüber, jedenfalls nicht Urheber und Rezipienten, sondern allenfalls prädigitale Ignoranten mit Rechteverwertungsfetisch auf der einen Seite und Ihr und wir auf der anderen, die wir deren Verträge aufgezwungen bekommen.”
Antwort auf den offenen Brief von 51 Tatort-Autoren an “die Netzgemeinde”, Leonard Dobusch, Netzpolitik
“Die Debatte voranbringen würde hingegen, nicht pauschal jede Urheberrechtskritik als Angriff auf Urheberinteressen zu werten, sondern zumindest den Versuch zu unternehmen, berechtigte Kritik auch anzuerkennen. Wie das gehen könnte, zeigt die ebenfalls von Kulturschaffenden gestartete Initiative “Copylike“. In Fragen des Urhebervertragsrechts wäre überhaupt ein Schulterschluss mit weiten Teilen “der Netzgemeinde” möglich. Mit ihrem “offenen Brief” aber reihen sich die Tatort-Autoren ein in die unheilige “Deutsche Content Allianz”, in der schon ARD und ZDF sich für ACTA einsetzen.“
Wie das Handelsblatt mit Autoren umgeht, Thomas Stadler, Internet Law
“Und an dieser Stelle drängt sich mir förmlich der Schlenker zu einem Pamphlet auf, das von 51 Tatort-Autoren – die es sich freilich unter der wärmenden Decke der Rundfunkgebühren bequem gemacht haben – heute ins Netz gestellt worden ist. Denn gerade das Schreiben des Handelsblatts illustriert sehr eindrucksvoll, worin das Hauptproblem der Autoren und Journalisten besteht. Es ist nicht das Internet, sondern es sind die Verlage, die nicht angemessen bezahlen. ”
“Kunst kann (nicht) jeder”, Dirk von Gehlen
“Es gibt Berufe, in denen diese Unterscheidungsstelle wichtig und richtig ist (Wer will schon von selbsternannten Ärzten aufgeschnitten werden?), aber es gibt eben auch Berufe, in denen diese Unterscheidungsstelle falsch und undemokratisch ist. Publizierende Berufe – oder wie Nick Bilton sie nennt: Storyteller – gehören dazu. Artikel 5 des Grundgesetzes beschreibt die schöne Theorie der freien Meinungsäußerung. In der anstrengenden Praxis muss das aber von einem gesetzlichen Standpunkt aus auch heißen: “Kunst kann jeder”. Völlig unabhängig davon, ob diese Kunst dann schön, wertvoll oder amateurhaft ist. Eine demokratische Gesellschaft und vor allem ein faires Urheberrecht sollten eine Geschmacksunterscheidung nicht zum Grundprinzip erheben.”
Außerdem: Interview mit carta.info: Meinungsjournalismus statt Nachrichten, Stefan Mey interviewt Tatjana Brode, Netzpiloten
“In der Zeit, als die Online-Ableger klassischer Medien vor allem auf Nachrichten setzten und damit gefühlt redundante Inhalte publizierten, ging es bei Carta – wie bei anderen Blogs – um Meinungsjournalismus und Debatten. Zudem hat Robin es geschafft, interessante Autoren zu Carta zu bringen, von denen die Leser immer wieder wissen wollten, wie sie über bestimmte Aspekte des Zeitgeschehens denken. Carta war und ist nicht nur themen-, sondern auch stark personenorientiert.”