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Kevin-Prince Boateng besiegelte im Englischen Pokalfinale zwischen Portsmouth und Chelsea mit einem Foul an Michael Ballack das WM-Aus des Kapitäns der deutschen Nationalelf. Das ist in mehrerer Hinsicht tragisch. Aber hätte Ballack es besser wissen müssen? Vielleicht.

Die Vorgeschichte des Fußballers Boateng ist eine mitunter holprige. Im Wedding aufgewachsen, immer im Zentrum des sozialen Brennpunktes, ein Riesentalent, das sich immer wieder mit den Vereinsverantwortlichen seiner Karrierestationen überwarf und jemand, der zuletzt auch immer wieder für Schlagzeilen außerhalb des Platzes sorgte: Zechtouren, Schlägereien, abgebrochene Autospiegel, Eheprobleme. Eben all das, wofür man vom Boulevard heiß geliebt wird.

Marcel Reif brachte es aus einer (Hartmannschen Bier-)Laune heraus vermeintlich auf den Punkt: Der Junge sei eben "nicht sozialisierbar", ein Garant für schlechte Nachrichten und Verfehlungen. Einzig und allein Jürgen Klopp, ausgestattet mit einem Faible für schwierige Charaktäre, glaubte kurzzeitig daran, dass der "Riesentyp" Boateng noch einmal die Kurve kriegen könnte.

Dieser Zug jedoch scheint jetzt abgefahren. Zumindest in Deutschland dürfte der Junge aus Berlin, der zwar alle U-Mannschaften Deutschlands durchlief, inzwischen aber für Gruppengegner Ghana kickt, auf Jahre keinen Fuß mehr auf den Boden bekommen. Es würde nicht überraschen, sollte er mit dem Herauskegeln des Leitwolfs Ballack einen größeren Sturm der Entrüstung auslösen als zu seiner Zeit ein Präsentkorb des Satiremagazins "Titanic". Es geht schließlich um einiges. Auf jeden Fall aber um die Nationalelf, und spätestens da hört der Spaß hierzulande auf.

Dabei war es Ballack selbst, der mit ein bisschen mehr Sanftmut dem ganzen entgegen hätte wirken können, wenn er den als Heißsporn bekannten Boateng nicht kurz vor dem Foul abgewatscht hätte. Zu viel Konjunktiv, denn des Capitanos Hand saß ebenso locker wie wenig später die Bänder des selbigen. Das Unheil nahm seinen Lauf, der Kapitän für Südafrika den Hut und das Wissen mit ins Krankenhaus, dass es ein Fehler ist, sich mit einem "guten Jungen" aus Berlin anzulegen.

Zum Leidwesen von Kevin-Prince Boateng allerdings findet das Englische Cupfinale in keinem Fußballkäfig im Wedding statt. Irgendwann wird das vielleicht auch er verstehen. Bis dahin tut er sich jedoch mit seinen Eskapaden keinen, sondern nur den Medien einen Gefallen. Dort heißt es jetzt: Das Dorf ist bestellt, die Sau läuft, viel Spaß bei der Jagd.

Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.