Jan Jasper Kosok

Alalala

08.02.2010 | 17:31

Netzneutralität: Telefonica will die Büchse der Pandora öffnen

Wie Heise und jetzt auch Netzpolitik berichten, ist Telefonica, die spanische o2-Mutter, gewillt, die Büchse der Pandora zu öffnen. Netzneutralität war gestern, heute ist Zahltag. So scheint man es sich zumindest im wärmeren Süden auf die Fahne geschrieben zu haben. Dazu will man trafficintensive Websites wie z.B. Google in Zukunft für den verursachten Verkehr zur Kasse bitten.

Was daran fishy ist? 1. wurde Telefonica schon vom Endbraucher bezahlt und 2. schafft sich das Unternehmen so die Möglichkeit zwischen zahlungswilligen und -unwilligen Inhaltsanbietern zu "unterscheiden". Es bedarf nicht viel Fantasie, will man erahnen, wohin diese Reise gehen kann.

Ähnlich wie bei der Deutschen Bahn würde es verwaiste Strecken geben, die sich für den Anbieter nicht rentieren. Nur könnten dies eben gerade nicht die wenig befahrenen, sondern jene sein, die sich den Verkehr in ihren "Ort" nicht mehr leisten können oder wollen.

So würde man allerdings die Mechanik, die gemeinhin als Netzneutralität bezeichnet wird und einen Großteil der momentanen "Experience" Internet ausmacht, aushebeln. Präsentiert würde vor allem (oder in angemessener Geschwindigkeit), was zahlt. Dass man mit dieser inhaltlichen Diskrimierung den progressiven Motor Netz gewaltig in Stottern bringen könnte, scheint dem Unternehmen bei den winkenden Margen nicht weiter bedenkenswert zu sein.

Viel unangenehmer als dieser Einzelfall könnte sich allerdings das drohende Unwetter gestalten, das am Horizont aufzieht, denkt man an mögliche Nachahmer bzw. den sich hier abzeichnenden Trend. Sollte sich das zweifache Abkassieren als Best Practice etablieren, wäre vor allem der Endverbraucher der Leidtragende: der freie Informationsfluss wäre gefährdet.

Nun mag man argumentieren, dass es wirtschaftlich durchaus sinnvoll und nachvollziehbar ist, zu handeln wie Telefonica es tun möchte. Jedoch geht es beim Thema Netzneutralität um mehr als das - es handelt sich um ein gesellschaftliches Politikum und die Frage, wie wir in Zukunft surfen wollen/dürfen.

Es riecht nach Geld und Gier. Und ein bisschen nach Boykott und Regulierung.

 

Edit: Mutter, nicht Tochter.

 
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Kommentare
Malte Landwehr schrieb am 08.02.2010 um 19:27
Die Kunden von Telefonica werden sich sicher freuen, wenn sie nicht mehr auf Google, YouTube, usw. zugreifen können.

Übrigens ist Google selbst einer der größten Kontrolleure von fiber-optic Netzwerken (teilweise direkt, teilweise durch Partner) und hat somit in diesem Konflikt sogar ohne die eigenen Websites den größeren Hebel.
Jan Jasper Kosok schrieb am 09.02.2010 um 09:52
Das klingt doch "beruhigend".
Friedland schrieb am 08.02.2010 um 19:45
Die Diskussion über Netzneutralität beginnt jetzt erst in Europa/Deutschland. Dabei wird kaum etwas einschneidender für das digitale Leben sein als ein Mehr-Klassen-Internet - für Nutzer und für Inhalte.

Google (Wird man dort irgendwann einmal für jede Suchanfrage zahlen müssen?) meldet zzt. etwa 120.000 Treffer zu "Netzneutralität", aber 17,6 Mio Treffer zu "net neutrality"...

Früh am Thema war der Elektrische Reporter im Mai 2009.
luggi schrieb am 09.02.2010 um 00:20
@friedland

meine Suchmaschine
-Netzneutralität->383.000
-"Netzneutralität"->381.000
-net neutrality->23.800.000
-"net neutrality"->18.800.000

-friedland->4.110.000

Von mir aus kann Google ruhig zahlen.
Jan Jasper Kosok schrieb am 09.02.2010 um 09:42
@friedland der begriff schwirrt ja schon ewig durchs netz, vor allem, weil er in übersee kontrovers diskutiert wurde. warum hier erst jetzt, leuchtet mir im zeitalter der verknüpften globalisierung eh kaum ein. aber nun ja.
Streifzug schrieb am 08.02.2010 um 20:42
Keine Sorge, ihr seid mit Freitag sozusagen führend und zukunftsfest.

Ein wenig Geduld, wir verbessern gerade die Leistungskapazität für Sie. Damit Sie schneller surfen können, überweisen Sie den angezeigten Betrag auf das Konto Nr. ...
Streifzug schrieb am 08.02.2010 um 20:45
Leitungskapazität

Alle stehen mal wieder auf der Leitung.
kopfkompass schrieb am 08.02.2010 um 22:46
Es ist Klugscheißerei, aber ich muss das tun: Telefonica ist die Mutter, O2 die Tochter.
Jan Jasper Kosok schrieb am 09.02.2010 um 09:39
danke, kurz unachtsam gewesen.
sachichma schrieb am 09.02.2010 um 00:04
Zumindest in Großbritannien fusionieren bald "Deutsche Telekom" und "Orange" danach dann wohl überall in Europa. Da scheint die Entscheidung bei O2 nur logisch sich weitere Einnahmequellen erschließen zu wollen.
Wie diese Fusioniererei in den USA durch gigantische Lobbyarbeit viele Menschen aus dem Cyberspace warf hat Jeff Chester in dem Buch "Digital Destiny" sehr gut beschrieben.
Friedland schrieb am 09.02.2010 um 14:30
"Zumindest in Großbritannien fusionieren bald "Deutsche Telekom" und "Orange" danach dann wohl überall in Europa."

Wird daraus dann "Deutsche Orange"?
Jan Jasper Kosok schrieb am 09.02.2010 um 14:35
orange telekom fänd ich auch super. so wäre man zumindest das magenta endlich los.
sachichma schrieb am 09.02.2010 um 18:28
Nun mal langsam, so schnell wirds mit dem Klima nicht aufwärts gehen das Apfelsinnenbäumchen in Deutschland geschüttelt werden müssen.
Die wollen zusammen Vodafone in die Nase stechen.
[url=http://en.wikipedia.org/wiki/Orange_Mobile.html]FranzosenOrangen[/url]
sachichma schrieb am 09.02.2010 um 00:05
Zumindest in Großbritannien fusionieren bald "Deutsche Telekom" und "Orange" danach dann wohl in ganz Europa. Da scheint die Entscheidung bei O2 nur logisch sich weitere Einnahmequellen erschließen zu wollen.
Wie diese Fusioniererei in den USA durch gigantische Lobbyarbeit viele Menschen aus dem Cyberspace warf hat Jeff Chester in dem Buch "Digital Destiny" sehr gut beschrieben.
ruhrrot schrieb am 10.02.2010 um 12:49
Wirklich bedenklich. Wenn es um die Öffnung neuer Geldquellen geht, gehen alle Grundsätze verloren.

rr
Jan Jasper Kosok
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