kay.kloetzer

robinson

29.06.2010 | 20:33

30 tage ohne oben (29)

bpw

Der Chef ist weg, der Boss, der Köhler.  Morgen wird ein neuer Bundespräsidentenmensch gewählt. Wie fühlt er sich an, der Alltag so ohne richtiges Staatsoberhaupt? Ein Tagebuch.

Liebe Leserinnen und Leser, Userinnen und User, Bloger_innen,  liebes Volk,

es ist an der Zeit an einen Buchstaben zu erinnern, der den Genossinnen und Genossen, Bürgerinnen und Bürgern der DDR vor allem als Autokennzeichen für Berlin bekannt war. Im Jahr der 750-Jahrfeier empfahl es sich, außerhalb der Hauptstadt einen Querbalken darüber zu kleben, um neidmotivierten Zerstörungswutanfällen vorzubeugen. Das I war zum T geworden, die Älteren werden sich erinnern.

Es begab sich aber zu der Zeit, dass auch andere Buchstaben des Alphabets den Zorn der Demonstrantinnen und Demonstranten auf sich zogen. Ein S war darunter, auch ein E, sogar vom D zu hören. In diesem Zusammenhang tauchte das I wieder auf, geschleppt von einem S, einem T, einem A und noch einem S. Aus heutiger Sicht muss der Eindruck entstehen, liebe Wählerinnen und Wähler, dass das S im System des Mangels im Überfluss Verwendung fand. Denken wir an Sowjetunion und Sozialismus, auch wenn es schwer fällt, liebe Leute.

Aber, liebe Steuerzahlerinnen und Steuerzahler, zurück zum I. Es wurde, ich muss es so sagen, zu seinem Schaden in die Mangel genommen. In den 80er Jahren mussten die SetzerInnen der tageszeitung immer häufiger die rasch verbrauchten großen Lettern von anderen Arbeiterinnen und Arbeitern borgen, es waren wohl die linken.

Heute wissen wir natürlich, liebe Konsumentinnen und Konsumenten, dass es BinnenVersalien nur in der Werbung geben darf. Doch denken wir besonders in diesem Moment an unsere lieben Kolleginnen und Kollegen, die eine Wahl zu treffen haben, in der das I noch großgeschrieben wird, in der es um eine Instanz mit der Aufgabe der Integration geht, um die politische Kultur unseres Landes, wenn man so will. Zwei gekreuzte I sind ein X. Geben Sie es nicht aus der Hand.

Ich danke hnen für hre Aufmerksamkeit.

 

 

 
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Kommentare
GeroSteiner schrieb am 29.06.2010 um 21:21
Bisher dachte ich immer, das I sei ein "O" nach der Diät. So kann man sich irren.

Nebenbei bemerkt, mir fiel neulich auf, dass es Gebrauchtwagenverkäufer gibt, die einem so viele "X" für ein "U" vormachen, dass sie eigentlich Gebraxtwagenverkäxfer heißen müssten.
kay.kloetzer schrieb am 30.06.2010 um 00:54
nee, ein X ist ein I nach der diät (umverteilunginkl. jo-jo-effekt). dann passt's auch zur gebrauchtwagenhändlerin und zum gebrauchtwagenhändler .
GeroSteiner schrieb am 30.06.2010 um 11:57
Dann ist die Acht 8 eine taillierte Null 0 ?
archinaut schrieb am 30.06.2010 um 00:25
Hohe Kayserin,
hro ntelligenz euchtet uns heym....
kay.kloetzer schrieb am 30.06.2010 um 00:56
ich borge ein I!
archinaut schrieb am 30.06.2010 um 02:23
Oh danke,
bitte auch noch ein l :-))
kay.kloetzer schrieb am 30.06.2010 um 08:59
ich wollte nicht unverschämt wirken ...
weinsztein schrieb am 30.06.2010 um 03:21
Nach 30 Tagen ohne oben wird irgendwann heute Gauck Wulff oben sein.

Dank vieler gekreuzter I zum X, freiwillig aus der Hand gegeben gegen Gauck oder für Wulff oder andersrum.
Ganz kleines Glück im Unglück, ein Wulff, ein Gauck, aber wer liebt schon kleinere Übel?
Oder aber: wach werden, Fernseher einschalten - Luc Jochimsen hat es geschafft, sie ist Präsidentin!
Nein, es war nur ein Wachtraum.
Das kleinere Übel hat über das andere kleine Übel gesiegt.

Kanzlerin frohlockt, gefolgt von CDU/CSU und einer FDP-Mehrheit, aber was heißt das schon?
Egal: Hurra!
Wulff und Gauck, wie werden sie vom Volk geliebt?
kay.kloetzer schrieb am 30.06.2010 um 09:11
"Wulff und Gauck, wie werden sie vom Volk geliebt?"

da kann es noch interessante verwicklungen geben. die gauck-kandidatur wurde ja - zu meiner überraschung - zum ost-west-thema gemacht. wäre das etwas dran, würde die heutige entscheidung, welche auch immer, die liebenden spalten, von teilung möchte ich gar nicht reden.
andererseits: sind es nicht die könige, die geliebt werden wollen und sollen? mir geht es leider so, dass ich wulff wie gauck nicht so ernstnehmen kann, wie ich einen buprä gern ernstnehmen möchte.
h.yuren schrieb am 30.06.2010 um 08:12
danke, liebe kk, für deine juni-geschichten hier.
das buchstabenspiel heute dreht sich unter anderem sehr ums I (wie in Illtum[jandl]), das aber doch so aussieht wie ein l (wie in links). unbeachtet ließest du die beachtliche interjektion ieh.

um noch letztes mal an die wahl zu erinnern heute:
warum wohl gibt es 3 kandidaten, aber immer nur 1 präsidenten? warum nicht alle 3 ins präsidium?
ich weiß, das ist eine unerlaubte frage. nach der verfassung. aber die ist veränderbar.
kay.kloetzer schrieb am 30.06.2010 um 09:18
lieber h.yuren, für interjektionen wird es heute noch gelegenheit geben, fürchte ich. wo ist eigentlich das public viewing zur wahl?

alle 3 im schloss bellevue - das ist eine witzige vorstellung. vorausgesetzt es gibt eine daily-soap aus der präsidenten-wg. das würde mir wirklich freude bereiten, fürchte ich.
KalleWirsch schrieb am 30.06.2010 um 09:46
@kk
Vielen Dank für diesen lustigen und sinnigen Blog.

Vielleicht machen wir das zur nächsten Präsidentenwahl. Big Präsi - Bis zu 10 Kandidaten im Container mit Challenges, Nominierungen und all dem Kram. Rauswählen, wieder zurückwählen. Der letzte der drin bleibt wird Präsident. Gefährlich ist natürlich, dass Guido Westerwelle schon Big Brother Erfahrung hat. Aber was solls. Ob nun Wulff oder Westerwelle.

Meine ersten Kandidaten wären:
Kai Diekmann
Kader Loth
Franz Josef Wagner
Gülcan Karahanci-Kamps
Katharina Saalfrank
Ronald Schill (müsste allerdings aus Brasilien eingeflogen werden)
Harald Glööckler
Ross Anthony (müsste noch eingebürgert werden)
Thilo Sarrazin
Eva Herrmann

Einer Gewinnt, der Rest muss zu 9LIVE
kay.kloetzer schrieb am 30.06.2010 um 11:18
lieber KalleWirsch,
dies ist eine bestürzend realistische idee. allein die vorstellung, dompteuse saalfrank in dieser problemfamilie bei der arbeit zuzuschauen, ist ein gedankliches verweilen wert.
liebe grüße
kay
KalleWirsch schrieb am 30.06.2010 um 11:46
Na, wer da wohl alles auf die stille Treppe kommt.
jayne schrieb am 30.06.2010 um 08:26
"Heute wissen wir natürlich, liebe Konsumentinnen und Konsumenten, dass es BinnenVersalien nur in der Werbung geben darf" - und im sinne der geschlechtergerechtigkeit: VerführerInnen (auch Deine texte, im besten sinne) ...
kay.kloetzer schrieb am 30.06.2010 um 09:25
im sinne der späten geschlechtergerechtigkeit geht ja auch die variante: es gab drei kandidatinnen, darunter zwei männliche.
war es luise pusch, die das einst vorschlug?
als mich das binnen-I vor 21 jahren von 40 jahren sprachdiktatur befreite, fand ich es genauso überflüssig wie heute die zeitraubenden doppel-formen, wenn es der plural auch tut.
liebe grüße
kk
Friedland schrieb am 30.06.2010 um 09:15
I...X...S...T...?!?

Ich bleibe da lieber bei Zahlen:

"Schicker Gürtel", sagt die 0 zur 8...
kay.kloetzer
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Logbuch
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