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Kultur : "Ein Platz an der Sonde"

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Kurz glaubte ich, ich wäre im Jahr verrutscht. Als ich mich wegen Tagesthemen-Überdosis selbst in die ZDF-Anstalt überweise, schaut plötzlich Dieter Hildebrandt in die Küche. Neben ihm Urban Priol. Ist das schon wieder ein Traum? Eigentlich ja. Für ein paar Minuten keine Stichwort-Kurzschlüsse von Menschen, die lustiger aussehen als sie sind. Plötzlich steht da der Mann, von dem Gleichaltrige sagen, das sei noch politisches Kabarett gewesen. Und neben ihm Hildebrandt!

Meine Küche wechselt die Farbe. Ein sanftes Sepia legt sich über Spüle und Fernseher. Käse-Igel stehen auf dem Tisch, jemand gießt Asti Spumante nach, und Hildebrand spricht: "Ich blicke nach vorn, aber mir ist noch keiner entgegengekommen." Das spielt auch aufs Alter an, und das Alter sei noch immer nicht gut aufgehoben im deutschen Fernsehen. Wo, fragt Hildebrandt, bleibt die Sendung "GSDS: Deutschland sucht den Grauen Star"?

Dann bricht er eine Lanze übers Knie und fordert einen "Platz an der Sonde". Optimismus, erfahren wir, sei, wenn ein 95-Jähriger zur Vorsorgeuntersuchung geht. Warum er das tut, der 95-Jährige? "Weil er diese Politik überleben will."

Noch bevor Hildebrandt einen Rentner-Rap zum Rhythmus des stampfenden Krückstocks rappt, will ich gerade neben dem Glauben an das TV-Kabarett von heute auch den an das von gestern verlieren, da sagt er: "Wenn ich einen Fuß frei hätte, würde ich aufstampfen." Es kann natürlich sein, dass er das vor 30 Jahren gesagt hat und ich im Jahr verrutscht bin.

Drüben bei Maischberger spricht Alice Schwarzer über Alice Schwarzer und den kleinen Unterschied. Jemand legt Käse-Igel nach.

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