Zuletzt hat Wolfgang Engel Goldonis „Trilogie der schönen Ferienzeit“ inszeniert, in Düsseldorf. Dort feierte 2009 schon „Joseph und seine Brüder" in Engels Regie Erfolge. In Dresden im vergangenen Jahr Tellkamps „Der Turm". Dort hat er 1980 seine Karriere als Regisseur begonnen. Schon drei Jahre später durfte er in Saarbrücken inszenieren. Als Intendant des Schauspielhauses Leipzig brachte er bis 2007 Handke, Shakespeare und Schiller auf die Bühne.
Für sein Lebenswerk bekommt der 68-Jährige in diesem Jahr den Theaterpreis „Der Faust“. Was also in drei Teufels Namen bringt die Süddeutsche Zeitung dazu, Engels Wirken dergestalt zu reduzieren, der Preis gelte „einem der wichtigsten Theaterregisseur der DDR“?
Da zeigt sich ja sogar Die Welt aufgeschlossen, die vermeldet: „Der 1943 in Schwerin geborene Regisseur, der an allen wichtigen Bühnen Deutschlands, Österreichs und der Schweiz gearbeitet habe, werde für sein Lebenswerk geehrt, teilte der Deutsche Bühnenverein mit. Engel habe wesentlich dazu beigetragen, das Theater zu einem Ort der Gegenwart und des kollektiven Denkens zu entwickeln, hieß es in der Begründung der Jury.“
Es wird in den ansonsten gern gesamtdeutsch sich verkaufenden Medien bis heute ignoriert, wenn große Künstler (auch) ostdeutscher Sozialisation geehrt werden, dass es sich nicht erst 21 Jahre nach der Vereinigung durchaus um deutsche Künstler handelt.
Wird Gegenwart konsequent nach dieser Faustformel berechnet, gilt es, Michael Ballack als einen der lockigsten Nachwuchsfußballer der DDR zu preisen. Die Bundeskanzlerin als eine der uckermärkischsten Physikerinnen der DDR einzuordnen. Und Moderator Kai Pflaume als einen der smartesten Informatik-Studenten der DDR.